Birkenau im Odenwald ist eine Gemeinde des südhessischen Landkreises Bergstraße. Sie hat den Beinamen „Das Dorf der Sonnenuhren“, weil sie mit 201 Exemplaren die wahrscheinlich meisten Sonnenuhren an einem Ort vorweisen kann.
Geografie Geografische Lage Die Gemeinde liegt im Weschnitztal im Odenwald etwa 25 km nördlich von Heidelberg und rund 20 km nordöstlich von Mannheim. Sie befindet sich an der B 38 und wird von der Weschnitz durchflossen.
Nachbargemeinden Birkenau grenzt im Norden an die Gemeinde Mörlenbach, im Osten an die Gemeinde Abtsteinach, im Süden an die Gemeinde Gorxheimertal sowie im Westen an die Städte Weinheim und Hemsbach (beide Rhein-Neckar-Kreis in Baden-Württemberg).
Gemeindegliederung Die Gemeinde Birkenau gliedert sich in die folgenden Ortsteile: Kerngemeinde Birkenau Buchklingen (Gemarkung Löhrbach) Hornbach Kallstadt (nie selbständiges Dorf, wird als Ortsteil bezeichnet, Ortsbezirk gemeinsam mit der Kerngemeinde) Löhrbach mit dem Weiler Schnorrenbach Nieder-Liebersbach Reisen mit dem Weiler Schimbach
Klima Durch die Lage nahe an der Bergstraße herrscht in Birkenau ein mildes Klima, das häufig in einer für Deutschland sehr frühen Mandelbaumblüte sichtbar wird.
Geschichte mini|Birkenauer Schloss Historische Namensformen Historisch dokumentierte Erwähnungen des Ortes sind (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Birkenowa (773, 795), Birkenouua, cella (846), Birchenowa, villa (877), Birkenouua (897), Prechauwe (1392), Birkenau (1392), Pirckenauwe (1392) und Birkenauwe (1437).
Ortsgeschichte Die erste urkundliche Erwähnung von Birkenau erfolgte 795 im Dokument einer Grenzbereinigung zum Besitz des Klosters Lorsch in der „Mark Heppenheim“, einer Schenkung durch Karl den Großen an das Reichskloster Lorsch. Damit wurde dieses aufgewertet und so dem Zugriff der Diözesen Mainz und Worms entzogen. Die Mark Heppenheim umfasste den größten Teil des heutigen Landkreises Bergstraße und große Teile des Odenwaldkreises. In der Grenzbeschreibung von 773 wird Birkenau noch nicht erwähnt. Im Zusammenhang mit dieser Schenkung entwickelten sich Grenzstreitigkeiten zwischen dem Kloster Lorsch und der Diözese Worms, die 795 zur Einberufung eines Schiedsgerichtes auf dem Kahlberg bei Weschnitz führten, einer alten Versammlungs- und Gerichtsstätte unweit der heutigen Walburgiskapelle. Als Ergebnis dieses Schiedsgerichtes wurde eine neue Grenzbeschreibung festgelegt, die nun auch die wichtigsten Orte innerhalb der Grenzen der Mark Heppenheim benannte, nämlich Furte (Fürth), Rintbach (Rimbach), Morlenbach (Mörlenbach), Birkenowa (Birkenau), Winenheim (Weinheim), Heppenheim, Besinsheim (Bensheim), Urbach (Auerbach), Lauresham (Lorsch) und Bisestat (Bürstadt).
Graf Werinher schenkte 846 die Zelle Birkenau dem Kloster Lorsch. Bischof Adalbero von Augsburg, der vermutlich im Mai 895 (auf der Synode von Trebur) von König Arnolf zum Abt des an vielen Gebrechen leidenden Klosters Lauresheim (Lorsch) bestellt worden war,„König Arnolf überträgt Bischof Adalpero von Augsburg die Leitung des Klosters Lauresham unter Aufhebung der freien Abtwahl durch die Mönche wegen der von Bischöfen und Laien vorgebrachten Klagen über die im Kloster eingerissenen Mißstände.“ Regesta Imperii RIplus Regg. B Augsburg 1 n. 56 (online; abgerufen am 5. November 2016). empfing als solcher auch Birkenau 897 zum Lehen. Als Besitz des Lorscher Klosters fiel der Ort 1232 unter die Herrschaft des Erzbistums Mainz. Die Ortsteile Hornbach und Balzenbach waren dagegen kurpfälzisch, so dass sie und Birkenau nach der Reformation unterschiedlichen Bekenntnissen angehörten. 1568 und 1613 ist Birkenau im Besitz der Freiherren Wambolt von Umstadt und der Landschad von Steinach zu finden, 1653 kam es an den Reichshofrat von Bohn, nach Aussterben von dessen Familie wurde es an die Freiherren Wambolt von Umstadt belehnt, und 1806 kam das Amt an das Großherzogtum Hessen.Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Hessen, 3. überarbeitete Aufl., S. 53 1552 wurde das Rathaus erbaut, 1771 das Schloss der Herren Wambolt von Umstadt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Birkenau:
Bis 1964 wuchs die Einwohnerzahl auf über 5.000 an. 1967 wurde die Gemeinde als Erholungsort und 1979 als Luftkurort anerkannt, hat das Prädikat Luftkurort aufgrund des geringen Fremdenverkehrs aber nicht neu beantragt. Der Ort ist jedoch noch Erholungsort. 1995 feierte Birkenau das 1200-jährige Bestehen.
Eingemeindungen 1970/72 Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden die bis dahin selbständigen Gemeinden Kallstadt (am 1. Juli 1970), Hornbach, Reisen (beide am 31. Dezember 1970), Löhrbach und Nieder-Liebersbach (beide am 31. Dezember 1971) auf freiwilliger Basis nach Birkenau eingegliedert. Am 1. August 1972 wurden außerdem der bis dahin zur Gemarkung Mackenheim gehörende Weiler Schnorrenbach, der als Exklave jenseits des westlichen Nachbarortes Vöckelsbach liegt, durch das Gesetz zur Neugliederung des Landkreises Bergstraße in die Gemeinde Birkenau eingegliedert. Für das Gebiet der ehemaligen Gemeinden sowie für die Kerngemeinde Birkenau mit Kallstadt wurden per Hauptsatzung Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung errichtet. Die Grenzen der Ortsbezirke folgen den Gemarkungsgrenzen.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Birkenau angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Freiherr Wamboldt von und zu Umstadt, Amt Birkenau (Mannlehen von Kurmainz) ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Birkenau ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung. (Souveränitätslande), Provinz Starkenburg, Amt Birkenau ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Patrimonialgericht Birkenau (Freiherren von Wambolt) ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk LindenfelsTrennung zwischen Justiz (Landgericht Fürth) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Lindenfels ab 1871: Deutsches Reich,Deutsche Reichsgründung Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Lindenfels ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Heppenheim ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis WormsIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Bergstraße
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Birkenau 10.129/9.469 Einwohner. Darunter waren 733/1067 (7,2 % / 11,2 %) Ausländer, von denen 315/501 aus dem EU-Ausland, 329/378 aus anderen europäischen Ländern und 88/190 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 11,6 %.) Nach dem Lebensalter waren 1658/1480 Einwohner unter 18 Jahren, 3975/3145 waren zwischen 18 und 49, 2222/2438 zwischen 50 und 64 und 2272/2428 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 4398/2748 Haushalten. Davon waren 1212/? Singlehaushalte, 1309/1299 Paare ohne Kinder und 1466/1135 Paare mit Kindern, sowie 347/315 Alleinerziehende und 60/? Wohngemeinschaften. In 981/533 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2828/1736 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1829: 1172 Einwohner, 152 Häuser • 1867: 1340 Einwohner, 187 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 677 lutheranische (= 57,76 %), 31 reformierte (= 2,65 %), 66 jüdische (= 5,63 %) und 398 katholische (= 33,96 %) Einwohner • 1961: 2571 evangelische (= 57,10 %), 1718 katholische (= 38,15 %) Einwohner • 1987: 5050 evangelische (= 49,47 %),4036 katholische (= 39,53 %), 1123 sonstige (= 11,00 %) Einwohner • 2011: 3951 evangelische (= 39,0 %), 3236 katholische (= 31,9 %), 2942 sonstige (= 29,0 %) Einwohner • 2022: 2967 evangelische (= 31,3 %), 2466 katholische (= 26,0 %), 4057 sonstige (= 42,8 %) Einwohner
Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 1163 72.939 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +6,5 % +17,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 62,5 % 70,8 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 37,5 % 29,2 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 557 15.613 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 −19,2 % −4,3 % +9,0 % +8,8 %
Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 27,6 % 39,6 % 27,0 % 30,6 % 2017 27,3 % 32,1 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 28,8 % 25,1 % 26,4 % 25,1 % 2017 24,9 % 25,8 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 15,9 % 11,6 % 25,1 % 20,2 % 2017 16,9 % 15,5 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 27,3 % 22,0 % 20,1 % 22,5 % 2017 30,5 % 25,3 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 0,5 % 1,7 % 1,4 % 1,5 % 2017 0,7 % 1,1 % 0,3 % 0,4 %
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Birkenau erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 31,11031,71030,41033,11035,61337,414 21,1727,4829,4929,7938,31444,416 20,2625,1817,1522,67–––– 19,56–––––––––– 8,2215,8510,534,015,124,52 ––––12,6410,6421,0813,65 Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 37 100,0 37 Wahlbeteiligung in % 62,2 64,1 50,8 52,8 52,3 54,4
mini|Altes Rathaus
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Birkenau neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sechs weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 21. Mai 2021 der parteiunabhängige Milan Mapplassary. Er wurde als Nachfolger von Helmut Morr, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 14. März 2021 im ersten Wahlgang bei 64,6 Prozent Wahlbeteiligung mit 78,6 Prozent der Stimmen gewählt.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 14. März 2021 in Birkenau (Odenwald)
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu ladenGemeinde Birkenau: Die Birkenauer Bürgermeister seit 1821 (Galerie und Namensliste mit Angabe der Wahltermine)