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Das Talpiot-Grab (auch: Talpiyot-Grab) ist ein Felsengrab in Ostjerusalem, fünf Kilometer südlich der Altstadt. Die Gruft wurde 1980 bei Bauarbeiten in der Nähe des östlichen Talpiot entdeckt. Sie enthielt zehn Knochenkästen (Ossuarien), von denen sechs Inschriften trugen; eine davon wurde als „Jesus, Sohn von Joseph“ entziffert, wobei diese Lesung umstritten ist.Michael Heiser: “Evidence Real and Imagined: Thinking Clearly About the ‘Jesus Family Tomb’” (PDF; 498 kB). S. 9–13. Aufgerufen am 8. März 2012.

Weltweites Aufsehen erregte der Fund, nachdem der Filmemacher James Cameron und der Journalist Simcha Jacobovici 2007 einen Film gedreht hatten, der die These aufstellte, das Grab gehöre der Familie Jesu und in dem Knochenkasten mit der Inschrift Jeschua bar Jehosef seien die Gebeine Jesu beigesetzt worden. Dies würde die biblischen Berichte über die Auferstehung Jesu von den Toten und seine Himmelfahrt nach traditioneller Auffassung in Frage stellen.„Die Identifizierung des Talpiot-Grabes mit dem Grab Jesu und seiner Familie widerspricht den Erzählungen der kanonischen Evangelien über den Tod und das Begräbnis Jesu wie auch den ältesten christlichen Überlieferungen über Jesus.“, in: „“. Biblical Archaeology Society. Aufgerufen am 8. März 2012. Außerdem stellt der Bericht über leibliche Geschwister Jesu die Lehre einiger christlicher Kirchen über die Immerwährende Jungfräulichkeit Marias in Frage.

Die meisten Archäologen und Historiker halten die Identifizierung des Talpiot-Grabes mit dem Grab der Familie Jesu für unbegründet oder abwegig.

Entdeckung, Ausgrabung, Versiegelung Die Gruft wurde am 28. März 1980 zufällig von Bauarbeitern bei der Vorbereitung zum Legen der Fundamente für einen Wohnkomplex entdeckt,James Tabor: „A Passover in 1980“. The Jesus Dynasty Blog. als die Abrissarbeiten den Eingang der Gruft freigaben. Am nächsten Tag besuchte Amos Kloner als Gebietsaufseher des Israel Department of Antiquities and Museums (IDAM, jetzt Israel Antiquities Authority, IAA) die Fundstelle. Kloner fertigte eine Reihe vorläufiger Skizzen an und bat um Erlaubnis für eine Grabung zur Bergung und zum Schutz der Fundstücke, die von Yosef Gat geleitet werden sollte. Die Erlaubnis wurde am Montag, 31. März, erteilt, aber die Arbeit wurde tatsächlich schon am Vortag aufgenommen.Tabor, ebd. Obwohl gesagt wurde, dem Team seien nur drei Tage zugestanden worden, um die Arbeit abzuschließen,Steward Laidlaw: „Jesus tomb claim sparks furor“. Toronto Star, 26. Februar 2007, aufgerufen am 9. März 2012. zeigen Gats Notizen, dass die Arbeiten „mit Unterbrechungen“ bis zu ihrem offiziellen Ende am 11. April andauerten, wobei die meiste Arbeit in den ersten beiden Tagen ausgeführt wurde.

Der Bau der Wohnhäuser wurde 1982 vollendet. Die Kinder von Tova Bracha, einem Ortsansässigen, schafften es, in die Gruft zu gelangen und dort zu spielen. Bracha benachrichtigte die Behörden, die darauf den Eingang aus Sicherheitsgründen versiegelten.Shelly Paz: „E. Talpiot residents adjust to possibility they're Jesus's neighbors“. Jerusalem Post, 27. Februar 2007, aufgerufen am 9. März 2012. Die Kinder fanden einige weggeworfene religiöse Texte, die in der Gruft, die als Geniza genutzt wurde, platziert worden waren.

Jacobovici und sein Team öffneten die Gruft im Jahr 2005 erneut. Das Bildmaterial wurde in den Dokumentarfilm Das Jesus-Grab (2007) eingearbeitet. Da Jacobovici und seine Leute es unterlassen hatten, eine Genehmigung der zuständigen Behörde für Altertümer einzuholen, ordnete ein Beamter die Wiederversiegelung der Gruft an.

Datierung und Zuordnung Das Archäologenteam, das die Grabstätte freilegte, datierte sie in die Zeit des Zweiten Tempels (ca. 515 v. Chr. – 70 n. Chr.). Angesichts des Ausgrabungsortes ist für ein Grab dieser Art anzunehmen, dass es einer wohlhabenden jüdischen Familie gehört hatte. In demselben Gebiet wurden ungefähr 900 ähnliche Gräber freigelegt.Mati Milstein: „Jesus' tomb claim slammed by scholars“. National Geographic News, aufgerufen am 8. März 2012.

Die Israel Antiquities Authority (IAA) gab im Jahr 2003 bekannt, dass die Inschriften auf den Knochenkästen zu einem viel späteren Zeitpunkt eingeritzt und künstlich mit einer Patina überzogen wurden.Uzi Dahari: „Final Report Of The Examining Committees For the Yehoash Inscription and James Ossuary“. Israeli Antiquities Authority, aufgerufen am 18. Febr. 2012.

Die Grabanlage Das öffentlich nicht zugängliche Grab liegt in einem Hof in der Dov-Gruner-Straße, unterhalb einer Freitreppe an der Ecke der Straßen Olei Hagardom und Avshalom Haviv.Nehemia Gordon: “The Tomb of Yeshua son of Joseph in ‘East Talpiot’”. Aufgerufen am 9. März 2012.

Es ist aus solidem Kalksteinfelsen gehauen worden.Dion Nissenbaum, (2007-02-27). „'Lost Tomb' documentary jeered“. McClatchy Newspapers, 27. Februar 2007, aufgerufen am 14. März 2007. Im Innern sind sechs Grabkammern oder Grabplätze und zwei Arkosolien bzw. gewölbte Nischenplätze, in die ein Körper zur Bestattung gelegt werden konnte. Das Grab barg verschiedene menschliche Überreste und mehrere Reliefs. Die Ossuarien wurden in den Grabkammern gefunden.James Tabor: „A Passover in 1980“, 27. März 2007.

Die Ossuarien und die eingravierten Namen mini|Inschrift auf einem der Ossuarien: Jeschua bar Jehosef (?) (=„Jesus, Sohn von Joseph“) Es wurden zehn Ossuarien aus KalksteinNissenbaum, Dion: „'Lost Tomb' documentary jeered“. McClatchy Newspapers, 27. Febr. 2007, aufgerufen am 12. März 2012. gefunden, von denen sechs Epigraphe (Inschriften) trugen,Vgl. Mati Milstein: „Jesus' tomb claim slammed by scholars“, 28. Februar 2007. jedoch nur vier von ihnen wurden an Ort und Stelle als solche anerkannt.Vgl. James Tabor: „A Passover in 1980“ Das Archäologenteam hielt die Knochenkästen für wenig erwähnenswert und überstellte sie dem Rockefeller Museum zur Analyse und Aufbewahrung.

Laut Jacobovici, Cameron und James Tabor verschwand später eines der Ossuarien, das keine Inschrift trug, als es in einem Innenhof außerhalb des Museums aufbewahrt wurde.James Tabor: „A Passover in 1980“ Dieser Behauptung wurde sowohl von Joe Zias, dem früheren Kurator des Museums, als auch von Kloner widersprochen.Zias, Joe: „Viewers Guide to Understanding the Talpiot Tomb ‘documentary’ to be aired on the Discovery Channel“, März 2007. Die Namen, die auf den Ossuarien gestanden haben sollen, waren:

auf Aramäisch Joseh (Joseph) Marjah (Maria) Matjah (Matthäus) Jeschua bar Jehosef (Jesus, Sohn von Joseph) Jehuda bar Jeschua (Judas, Sohn Jesu)

und auf Griechisch Mariamenou MaraRainer Riesner: Ein falsches Jesus-Grab, Maria Magdalena und kein Ende. In: theologische beiträge. (2007), S. 296.

Alle zehn Knochenkästen enthielten menschliche Überreste, die sich nach Aussage von Amos Kloner in einem „fortgeschrittenen Zustand des Zerfalls“ befanden. Das Grab war möglicherweise „generationenübergreifend“, enthielt also mehrere Generationen von Gebeinen in jedem Ossuarium, allerdings ist über deren Inhalt kein Bericht erhalten.Peter Nathan: „A Critical Look Inside the Jesus Tomb“. Vision Media. 28. Februar 2007, aufgerufen am 9. März 2012. Es wurde anscheinend auch keine Untersuchung darüber angestellt, wie viele Individuen durch die gefundenen Knochen vertreten waren. Außerdem wurden unter einer 50 Zentimeter dicken Füllschicht auf dem Boden des Grabes drei Schädel gefunden.Steward Laidlaw: „Jesus tomb claim sparks furor“. Toronto Star. 26. Februar 2007, aufgerufen am 28. Februar 2007. Weitere zertrümmerte Knochen waren im aufgeschütteten Material bei den Arcosolien.James Tabor: „A Passover in 1980“. Dass die Knochen unterhalb der Aufschüttung verstreut waren, weist auf eine Störung der Grabruhe in der Antike hin. Alle Knochen wurden religiösen Behörden zum Begräbnis übergeben.

Symbole Auf einigen Wänden sind Felszeichnungen, darunter mehrere Winkelsymbole[?]. Einen Winkel mit Kreis sieht man über dem Grabeingang. Einige glauben, dies sei eine Darstellung bzw. Nachbildung des Nikanor-Tores des Jerusalemer Tempels, wie man es auch auf Münzen aus dieser Zeit findet.R. Kirk Kilpatrick, Ph.D. on the Symbolism of the Tomb So wie das Nikanor-Tor das Ende einer Pilgerreise markiert, mag der Grabeingang das Ende der Lebensreise markiert haben. Einige haben darauf hingewiesen, dass Winkel und Kreis wie die griechischen Buchstaben Lambda (L) and Omikron (O) aussehen, während andere argumentierten, dass die Althebräischen Buchstaben Daleth und Ayin wahrscheinlichere Referenzen darstellten.

Publikation und mediale Verarbeitung mini|Eine massive Platte bedeckt heutzutage den Zugang zur Grabstätte Der Talpiot-Fund wurde erstmals 1994 im „Katalog jüdischer Ossuarien in den Sammlungen des Staates Israel“ (Nr. 701–709) publiziert. Im März/April 1996 wurde er in britischen Medien diskutiert.„The Times Tomb Story“ Etwas später wurde in der Zeitschrift Atiqot (Bd. 29, 1996), dem Publikationsorgan der Israelischen Behörde für Altertümer, ein Artikel veröffentlicht, der die Ausgrabungen beschrieb. Die BBC strahlte 1996 als erste eine Dokumentation über das Talpiot-Grab aus, dies als Teil ihres Nachrichtenmagazins „Heart of the Matter“. Damals sagte Amos Kloner, der erste Archäologe, der den Fund untersuchte, dass die Behauptungen, es gebe eine Verbindung zu Jesus, archäologisch nicht standhalten, und er fügte hinzu: „Sie wollen damit nur Geld machen.“ Andere waren ähnlich skeptisch, während ein anderer Archäologe, der das Grab entdeckt hatte, zugestand: „Ich bin willens, die Möglichkeit in Betracht zu ziehen.“„Clergy, scholars assail tomb of Jesus film“. The Courier-Journal. 27. Februar 2007.

Obwohl die israelischen Behörde für Antiquitäten 2003 bekräftigte, die Inschriften seien sehr viel später eingeritzt und nachträglich mit einer Patina überzogen worden,Uzi Dahari: „Final Report Of The Examining Committees For the Yehoash Inscription and James Ossuary“. Israeli Antiquities Authority, aufgerufen am 18. Februar 2012. entstand 2007 ein Dokumentarfilm des Filmemachers James Cameron und des Enthüllungsjournalisten Simcha Jacobovici mit dem Titel ‹Das Jesus-Grab› (orig.: The Lost Tomb of Jesus).Jesus im Familiengrab, Jürgen Schönstein, Focus online vom 27. Februar 2007.Bibelforschung: Jesus-Grab entschlüsselt?, Ulf von Rauchhaupt, in: FAZ, 25. Februar 2007. „Unser Film wird die Grundfesten der christlichen Kirche erschüttern“, meint der Produzent Jacobovici. Zusammen mit Charles Pellegrino schrieb er ein Buch mit dem Titel «Das Familiengrab Jesu» (orig.: The Jesus Family Tomb), worin Entdeckungen dargestellt werden, aufgrund derer die Autoren glauben, dass das Talpiot-Grab der Begräbnisort Jesu von Nazaret wie auch jener von weiteren Personen des Neuen Testaments sei. Diese Behauptung wurde seither von vielen Archäologen, Theologen, Sprachkennern und Bibelgelehrten diskutiert.Michael Heiser: “Evidence Real and Imagined: Thinking Clearly About the ‘Jesus Family Tomb’” (PDF). S. 9–13. Aufgerufen am 8. März 2012.Mati Milstein: „Jesus' tomb claim slammed by scholars“. National Geographic News. Aufgerufen am 8. März 2012.

Am 17. Januar 2008 behauptete Ruth Gat, die Witwe des Archäologen Yosef Gat, der das Grab entdeckt hatte, er habe die Entdeckung bis Mitte der 1990er Jahre geheim gehalten, weil er sonst eine Welle von Antisemitismus befürchtete.Widow: Archeologist kept 'Jesus tomb' discovery secret for fear of anti-Semitism.

Das Princeton-Symposium 2008