Alfred Pauletto (Künstlername Alfredo Pauletto, auch APC; * 19. Oktober 1927 in Bischofszell (TG); † 24. Dezember 1985 in Arlesheim (BL)) war ein Schweizer Kunstmaler, Grafiker, Zeichner und Illustrator. Er war ein Vertreter der Abstrakten Kunst und des Informel in der SchweizAlfred Pauletto und die Stadt Basel im Diagramm vom .

Leben Alfred Pauletto war im Kanton Thurgau als Sohn des Alfredo und der Maria Candio geboren und wuchs zuerst in Gossau auf, bis die Familie 1932 nach Basel zogRegio Aktuell (Basel), NR. 2/2011 (Februar 2011), Seite 70.. Sein jüngerer Bruder war der Maler und Grafiker Kurt Pauletto.

1942–1947 absolvierte er in der Grafik-Fachklasse die Kunstgewerbeschule, wo er seine erste Frau Maya Pauletto kennenlernte. Neben Grafik belegte er zusätzlich den Zeichenunterricht von Walter Bodmer und Theo Eble, sowie den Schriftenmalunterricht von Theo Ballmer und Jan Tschichold. Er schloss 1947 ab. In der Schule lernte er Cioma Schönhaus kennen. Über Paulettos Ausbildungszeit erinnert sich Schönhaus wie folgt:

Bereits als Schüler der Grafik-Fachklasse an der allgemeinen Basler Gewerbeschule standen seine Landschaften bei Theo Eble weit über dem Durchschnitt. Walter Bodmer lobte seine figürlichen Zeichnungen, Max Sulzbachner seine Farben, Berthold von Grüningen fand, er sei prädestiniert dazu, Kunstmaler zu werden.

Die Gebrauchsgrafik wählte er bewusst als Beruf und Haupterwerbsquelle, um frei zu sein und seine künstlerischen Anliegen ohne materiellen Druck und Vorgaben verwirklichen zu könnenEnrico Ghidelli: Alfredo Pauletto: Zum 70. Geburtstag des Künstlers. Galerie Hilt, Basel, 1997.. , berichtete Cioma SchönhausBasler Zeitung, 7. Januar 1986..

Zwischen 1949 und 1961 wurde ihm zweimal der Preis des Kunstkredits Basel-Stadt, und zweimal der Eidgenössische Preis für freie Kunst (damals Eidgenössisches Kunststipendium) verliehenSchweizer Maler und Bildhauer ausgezeichnet mit einem eidgenössischen Kunststipendium seit 1950, Aargauer Kunsthaus, Aarau, 1963, S. 15.. Das im Jahre 1956 mit dem 1. Preis des Kunstkredit Basel-Stadt versehene Tafelbild „Blechmusik“ wurde vom Kanton erworben, um das Niederholzschulhaus zu schmückenJurybericht über die Resultate der Ausschreibungen des Jahres 1956.ay, "Die Ausstellung des Staatlichen Kunstkredits", Basler Nachrichten, 2. Beilage zur Nr. 501 Abendblatt, 23. November 1956, S. 2.Franz Gerhard, Basilisk – unabhängige Basler Wochenzeitung, Nr. 1956/28, November 1956, S. 3..

Fast zwanzig Jahre lang war er als Prüfungsexperte für Grafik an der Gewerbeschule Basel tätig. Ab 1950 war er als selbständiger Grafiker tätig (Grafik-Atelier), wobei er fast ausschliesslich für eine Auftraggeberin gearbeitet hat: die Ciba AG. Jahrelang gestaltete Pauletto die CIBA Blätter (Hauszeitschrift; erschien 6 Mal jährlich) und das CIBA Journal sowie gelegentlich auch medizinische Unterlagen und Werbematerial. Als Mitglied des Bundes Graphischer Gestalter (BGG) fungierte er zwei Jahre als deren Präsident.

1948 machte Alfred Pauletto seine erste Studienreise nach Paris, wo er immer wieder zurückreiste und sich mit seinem ehemaligen Mitschüler aus der Gewerbeschule Basel Jean Tinguely traf. Dort entdeckte er das Informel, eine Stilrichtung der abstrakten Kunst, die kurz vorher in den Pariser Ateliers entstanden war. Ein anderes beliebtes Ziel für seine Studien war natürlich Italien von Nord bis Süd, insbesondere Florenz, das er regelmässig besuchte. Er machte ausserdem einen ausgedehnten Studienaufenthalt im Schweizerischen Institut in Rom.

Pauletto nahm an einer Ausstellung erstmals 1955 in Zürich teil, während seine erste Einzelausstellung 1958 ebenfalls in Zürich stattfand. 1962 brachte er zusammen mit Hans Erni, Celestino Piatti, Hugo Wetli und Kurt Wirth ein Projekt zum Thema „Graphiker als Maler“ im Kunstverein Olten zustandeJosef Rast. Grafiker als Maler: Hans Erni, Alfred Pauletto, Celestino Piatti, Hugo Wetli, Kurt Wirth. Olten: Kunstverein Olten, 1962.. Im gleichen Jahr fand er Eintrag in das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts.alt=Alfredo Pauletto (1927–1985), Kunstmaler, Grafiker, Zeichner. Grab, Friedhof am Hörnli|mini|Grab auf dem Friedhof am HörnliEr blieb mit zeitgenössischen Schweizer Malern und Grafikgestaltern wie Donald Brun, Walter Bosshardt, Roger Humbert und insbesondere Herbert Leupin und Cioma Schönhaus lebenslang freundschaftlich verbunden. Ab 1978 trat Alfred Pauletto auch als Galerist auf, indem er an der Unteren Rheingasse einen „Künstler-Treffpunkt“ mit einer Galerie namens „Zur Löwenschmiede“ gründete, wo seitdem diverse Basler Maler ausgestellt haben"Künstler-Treffpunkt Zur Loewenschmiede", Baslerstab Stadt, Januar 1979..

Alfred Pauletto wählte sich als Künstlername Alfredo Pauletto, dessen italienischen Klang er besser geeignet für ein künstlerisches Auftreten erachtete. Um die 1970er Jahre begann er, seine Werke auch mit APC, die Abkürzung für „Alfredo Pauletto Candio“, zu unterzeichnen, dessen Hintergrund Hans Jürg Kupper folgendermassen erklärt hat:

Alfred Pauletto fand auf dem Friedhof am Hörnli seine letzte Ruhestätte.

Werk Paulettos erste Gemälde gehen bereits auf die Studienzeit zurück und waren dem Kubismus und der Gegenständlichkeit zuzuordnen. Indem er das Gegenständliche in seine Einzelteile zerlegte kam er zur Abstraktion. Mit Werken wie „Gewebe“ behauptete er sich als Vertreter der informellen Kunst. Während der 1950er Jahre erstellte er vor allem Wand- und Tafelmalerei und andere Grossformate, offensichtlich in Anlehnung an das italienische Fresko. Er gebrauchte dabei vorwiegend die Öltechnik, entwickelte aber auch Mischtechniken aus Öl, Sand und Teer. Letztere erlaubten es, neben Form, Farbe und Perspektive auch Strukturen hervorzuheben, womit Pauletto dem Informel eine weitere Dimension verleihen konnte. Wert legte er stets auf gut ausgelesenes Material: seine Farben hat er zeitweise selber mit Pigmenten und Kalk hergestellt und probierte sich auch in Eiweisslasuren.

Dass Alfred Pauletto von ausländischen abstrakten Malern hatte erachtete die Kunstkritik seit Anbeginn seines Schaffens als gb, "Ein junger Basler malt abstrakt", National-Zeitung Basel, Nr. 71 Abendblatt, 12. Februar 1960, S. 5..

1959 machte Alfredo Pauletto seine erste Reise nach Japan, wo er in Osaka, Kyōto, Nara und schliesslich Tokio weilteClaude Richard Stange. Alfred Pauletto - Roger Humbert. Malerei und Fotogramme, Katalog zu den Ausstellungen in Japan, 1959.Elise Grilli. "Art, East and West - A Young Swiss Painter in Tokyo", The Japan Times, 1. August 1959.. Er brachte seine Kunstwerke aus der Schweiz mit und führte drei Einzelausstellungen durch, davon eine in der Haku-ho Gallery in Osaka gekoppelt mit Fotogrammen des Basler Fotografen Roger Humbert, ein Freund aus der GewerbeschuleArtikel "Basler Künstler in Japan", Basler Nachrichten, Nr. 291 Abendblatt, 14. Juli 1959, S. 4.. Er Enrico Ghidelli: Alfredo Pauletto: Zum 70. Geburtstag des Künstlers. Galerie Hilt, Basel 1997.. Einige Werke in dieser Technik entstanden sodann aus japanischen Ateliers nach seinem Aufenthalt. Gleichzeitig studierte er Tusche-Zeichnung bei japanischen Meistern. Die Aquarelle „Schriftzeichen“, die nach seinem Japan-Aufenthalt entstanden sind, deuten auf die Inspiration hin, die er durch die Kalligrafie erfahren hat.

Im Jahre 1981 reiste er erneut nach Kyōto, wo er sich wieder intensiv mit dem japanischen künstlerischen Erbgut auseinandersetzte. Zeugnis davon ist die Bilderfolge der „Samurai“, die geheimnisvollen Bilder, bei denen Helmut Kreis, "Unerschöpfliche Phantasien", Baslerstab Stadt, 14. November 1997, S. 19.. Ebenfalls sind Serien von Pferdebildern nach den Vorbildern aus dem Kiyomizu-dera in Kyōto entstanden.

Fasziniert und inspiriert vom Buch Das Narrenschiff von Sebastian Brant, welches das berühmteste spätmittelalterliche Buch war, malte er 1979 das gleichnamige Bildbge, Die Welt ist ein Narrenschiff: Pauletto-Ausstellung im Gymnasium Bodenacker in Liestal, 1992..

Ein Hauptthema, das Alfredo Pauletto während seines ganzen Schaffens begleitet hat, ist die Musik gewesen. Gerade mit seinem Tafelbild „Blechmusik“ hatte Pauletto den 1. Preis Staatlicher Kunstkredit gewonnen. Sehr repräsentativ in diesem Genre ist sein Werk „Musiksaal“. Das Bild entstand 1980 zu einer Zeit, in welcher der Künstler mit dem Fotografen Niggi Bräuning regelmässig die Proben des Basler Kammerorchesters (BKO) von Paul Sacher besuchte und skizzierte. Indem er sich intensiv mit den Musikern von Paul Sacher auseinandersetzte erlebte Alfredo Pauletto eine Wende in seiner künstlerischen Ausdrucksweise: den Übergang zur gegenständlichen Malerei. Ab Ende der 1970er Jahre entstanden somit immer mehr figurative Bilder. Aber schon im Jahre 1952 ist mit dem Gemälde „Kathedrale“ ein Musikszenenbild entstanden, damals im kubistischen Stil. 1980 malte Alfredo Pauletto ein Bild gleichen Formats, mit derselben Perspektive und Struktur. Darauf deutlich zu erkennen ist das Basler Münster. In der gleichen Periode wurde Paulettos Begegnung mit der Spiritualität immer offensichtlicher. Dem Unsichtbaren hat er in seinem Schaffen immer mehr Bedeutung eingeräumt, um unter anderem seine Vision des ewigen Lebens auszudrücken. Die Symbolik der klassischen Bibelthemen wie Golgota, Apokalypse oder Genesis musste er sich in diesem Bestreben erringen. Diese waren die Themata, die Pauletto für seine letzten grossformatigen Werke verwendete.

Als er krank war und fühlte, dass sein Leben zu Ende ging, brachte Alfredo Pauletto jene neuen Themen zum Ausdruck, die ihn umgaben, wie Helmut Kreis, "Unerschöpfliche Phantasien", Baslerstab Stadt, 14. November 1997, Seite 19.. Anfänglich handelte es sich um zarte Kleinformate mit Tusche und Bleistift. So entstand die Serie der „Totentänze“. Das uralte Motiv, das makabre Skelette und Menschen inszeniert, hat er neu aber treu aufgearbeitet.

Während der 1980er-Jahre wandte sich Alfredo Pauletto immer mehr der figurativen Malerei zu, mit einer Vorliebe zum Porträt. Es sind Abbildungen, bge, Die Welt ist ein Narrenschiff: Pauletto-Ausstellung im Gymnasium Bodenacker in Liestal.. In manchen Porträten sind Gesichtszüge von bekannten Künstlern wie Strawinsky, der in den 1950er und 1960er Jahren eng mit dem Basler Kammerorchester mitgearbeitet hatte, oder Beckett erkennbar.

Maltechnik und Malstil Vieles wurde über Paulettos Malstil geschrieben. Der Gesamteindruck, den Paulettos Werke verleihen, wurde bereits 1959 von Claude Richard Stange treffend zusammengefasst:

Zum persönlichen Malstil des Alfredo Pauletto berichtete die Basler National-Zeitung folgendes:

Das im Jahre 1956 mit dem 1. Preis des Kunstkredits versehene Tafelbild „Blechmusik“ bezeichnete Franz Gerhard als:

Und so schilderte die Kunstautorin Elise Grilli die Technik des Basler Malers:

Der Kunstjournalist und Maler Hans Jürg Kupper hat versucht, Interpretationsschlüssel des Œuvres von Alfred Pauletto auszuformulieren:

Kurz danach fügte derselbe hinzu:

Bemerkenswert ist, dass Paulettos ausserordentliche Ausdruckskraft schon sehr früh auffiel. Beeindruckt machte C.R. Stange bereits 1960 darauf aufmerksam:

Diese Kraft und Fähigkeit, seine innerste Gefühle malerisch zum Ausdruck zu bringen, ist im ganzen Gesamtwerk des Pauletto erkennbar. Zu Paulettos Spätwerke schrieb Enrico Ghidelli:

Preise und Auszeichnungen 1949: 4. Preis Staatlicher Kunstkredit, Basel 1956: 1. Preis Staatlicher Kunstkredit, Basel für das Tafelbild „Blechmusik“ und Erwerb des Bildes für das Niederholzschulhaus 1960: Eidgenössischer Preis für freie Kunst 1961: Eidgenössischer Preis für freie KunstSiehe Schweizer Maler und Bildhauer ausgezeichnet mit einem eidgenössischen Kunststipendium seit 1950, Aargauer Kunsthaus, Aarau, 1963, S. 15.Siehe WERK-Chronik, „Das Werk : Architektur und Kunst = L'œuvre: architecture et art“, Band 48, Heft Nr. 3, 1961, S. 54.

Ausstellungen (Auswahl) Einzelausstellungen 1958: Galerie Bel Etage, Zürich 1959: Gallery Haku, Osaka, Japan