mini|St. Jakobus mit Ostflügel des Pfarrhauses

St. Jakobus ist die römisch-katholische Pfarrkirche des zu Stegen gehörenden Dorfes Eschbach. Die Pfarrgemeinde gehört zur Seelsorgeeinheit Dreisamtal des Dekanats Neustadt. Die Geschichte der Pfarrei hat Wilhelm Gustenhofen (1832–1908) geschrieben, Pfarrer in Eschbach von 1880 bis 1908, und auf der Grundlage von dessen unpublizierter Chronik Josef Läufer, Pfarrer in Eschbach von 1982 bis 1994.

Geschichte bis 1775 miniatur|hochkant|Fallers Pietà

Das Dorf Eschbach feiert im Jahr 2012 sein 900-jähriges Bestehen. Es wird zum ersten Mal im Rotulus Sanpetrinus erwähnt, einem im 12. und 13. Jahrhundert entstandenen Güterverzeichnis des Klosters St. Peter auf dem Schwarzwald. Ob allerdings „Acelinisbach“ in einer „VI kalendas Ianuarii, id est in natiuitate sancti Iohannis Euangeliste, Anno dominice incarnationis MCXII“ – das ist am 27. Dezember 1111 – datierten Urkunde das Dorf Eschbach meint, ist unsicher. Sicher ist das bei „molendinum unum in Asschebach, quod X solidos annuatim soluit“, „einer Mühle in Eschbach, die jährlich 10 Schillinge einbringt“ und über die Eppo, Abt des Klosters von 1108 bis 1132, verfügte.Jutta Krimm-Beumann: Die ältesten Güterverzeichnisse des Klosters Sankt Peter im Schwarzwald. Kohlhammer-Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-17-021794-2, hier die Urkunden R 12 und R 37. Das für das Jubiläum angenommene Gründungsjahr 1112 rührt vermutlich von dem Anno Domini MCXII der Nennung von „Acelinisbach“ her, einem Jahr, das auf 1111 umzurechnen ist. Jedenfalls siedelten Menschen hier zu Beginn des 12. Jahrhunderts.

Das Dorf besaß eine Jakobuskapelle, die Abt Philipp Jakob Steyrer in seinem Corpus Iuris Sanct-Petrini 1754 „sacellum antiquissimum“ nennt, uralt. Ihr Ursprung sei unbekannt. Abt Gallus (1585–1597) habe sie 1585 gründlich restaurieren und dabei ein in Stein gemeißeltes Jakobusbild über der Tür anbringen lassen mit seinem Wappen und der Inschrift: „Sacellum hoc renovari curavit R. D. Gallus Abbas Mon. S. Petri. Nemo transeat quin munus offerat“ – „Diese Kapelle ließ der hochwürdige Abt Gallus vom Kloster St. Peter neu herstellen. Niemand gehe vorüber, ohne ein Opfer zu bringen.“Läufer 1990, S. 11 und 80. Das Relief befindet sich heute außen über der südlichen Seitentür der Pfarrkirche. Unter der von Steyrer zitierten Schrift steht: „ORA PRO NOBIS S. JACOBE.“

Zur Zeit Steyrers war die Kapelle wieder baufällig. Der tatkräftige Abt ließ sie 1758, als er den Neubau des Klosterkonvents beendet hatte, abreißen und durch den zur Auer Zunft gehörenden Klosterarchitekten Hans Willam neu errichten. Der Rohbau stand nach elf Wochen, doch erfolgte die Konsekration erst am 30. August 1775. Der Konstanzer Weihbischof Baron von Hornstein weihte tags darauf die Wallfahrtskapelle auf dem Lindenberg in St. Peter (Hochschwarzwald) und noch einmal zehn Tage später die Pfarrkirche St. Nikolaus in Waldau, beide ebenfalls Werke von Hans Willam.Kern 1959, S. 84.Läufer 1990, S. 12–14. Nachdem Eschbach seine eigene Pfarrkirche erhalten hatte, wurde die Kapelle Schule. Heute steht dort ein Wohnhaus, Mitteltal 33. Ein Torbogen, bezeichnet „1727 renofert“, blieb von der Vergangenheit.

Die Lindenbergkapelle wird Pfarrkirche in Eschbach Drastisch griff die Kirchenreform Kaiser Josephs II. in das religiöse Leben des nördlichen Dreisamtals ein. Die Klöster, der „Verfinsterung des Geistes“ verdächtigt, sollten beschnitten, „unnütze“ Wallfahrtskapellen aufgehoben, dafür neue Pfarreien errichtet werden. Bisher gehörte Eschbach zur Großpfarrei St. Gallus (Kirchzarten), wenn die Bewohner auch von Patres des Klosters St. Peter betreut wurden.Max Weber: Geschichte der Pfarrei Kirchzarten. Nachtragsband zu Günther Haselier (Hrsg.): Kirchzarten. Geographie – Geschichte – Gegenwart. Selbstverlag der Gemeinde Kirchzarten 1967. Die Gemeinde wünschte aber eine eigene Pfarrei und wandte sich deswegen wiederholt an die vorderösterreichische Regierung. Man erwog einen Standort in Stegen, wo es eine Sebastianskapelle gab, wählte aber schließlich Eschbach. Zum Ausgleich für die neue Pfarrkirche sollte gemäß einem Angebot des Grafen Heinrich Hermann von Kageneck (1738–1790) die auf seinem Grund stehende Lindenbergkapelle aufgegeben werden. Ein Regierungsdekret vom 30. Dezember 1786 bestimmte deren Abbruch und die Nutzung des Abrissmaterials zum Neubau von Pfarrkirche und Pfarrhaus in Eschbach. Der inzwischen 72-jährige Abt Steyrer musste zustimmen. Am 15. März 1787 wurde das Gnadenbild aus der Lindenbergkapelle in die Kapelle St. Ursula in St. Peter übertragen und anschließend der Abbruch begonnen. „Mit vieler Mühe schaffte man das taugliche Material den Berg herunter nach Eschbach. Vorher zeichneten die Handwerksleute, Steinhauer und Maurer, die verwendbaren Steine, Platten so mit Nummern, welche heute noch sichtbar sind, um sie nach den Nummern wieder leichter zusammensetzen zu können; so insbesondere die Altartreppen, den Bodenbelag mit Platten und die Hausteine, welche am Portal zur Fazete benützt werden konnten.“Läufer 1990, S. 16 nach Wilhelm Gustenhofer.

Um den Bauplatz, die Größe des Pfarrhauses und die Frondienste kam es zwischen dem Kloster und der Gemeinde zum Streit. Trotzdem wurde am 17. April 1788 auf dem von Abt Steyrer gewünschten Platz der Grundstein gelegt. Bauleiter war Josef Bilgeri (* 1740), auch er aus der Auer Zunft.Norbert Lieb: Die Vorarlberger Barockbaumeister. 3. Auflage. Schnell & Steiner, München/Zürich 1976, ISBN 3-7954-0410-X, S. 85. Sein Name und die Namen der St. Petrischen Ordensleute, nämlich von Abt, 24 Patres und zwei Laienbrüdern, wurden auf eine dem Grundstein eingelegte Bleiplatte graviert – es war der höchste Konventualenbestand, den St. Peter jemals hatte.Kern 1957, S. 86. Am 15. Oktober 1789 entschied ein kaiserliches Hofdekret, dass das Kloster der Gemeinde die durch die Platzwahl und die Größe des Pfarrhauses entstandenen Mehrkosten erstatten musste.Läufer 1990, S. 23 und 83.

Wie einen Teil des Rohbaumaterials lieferte die Lindenbergkapelle auch die Altäre und die Kanzel Matthias Fallers, die Kirchenbänke und die Beichtstühle. Georg Saums Deckengemälde in der Lindenbergkapelle waren allerdings verloren. Steyrer beauftragte Simon Göser, der im Kloster zu seiner Zufriedenheit gewirkt hatte. In Gustenhofers Worten: „Der Abt Phil. Jak. Steyrer ließ die Pfarrkirche, wie zur Sühne für die der Muttergottes angethane Schmach, an Wänden und Decken mit Bildern bemalen, welche alle auf die Ehre und Verherrlichung der Mutter des göttlichen Sohnes abziehlen.“Läufer 1990, S. 26. Göser, dem sein Sohn half, benötigte 36,5 Wochen.Ginter 1929, S. 131. Am 8. September 1790, dem Fest Mariä Geburt, wurde das Gnadenbild aus der St. Peterschen Ursulakapelle feierlich in die Eschbacher Kirche getragen.

Am 1. August 1790 begann laut Verkündbuch das eigenständige pfarrliche Leben in Eschbach. Erster Pfarrer (bis 1799) wurde Franz Steyrer (1749–1831), Neffe Abt Steyrers und Mönch von St. Peter.Läufer 1990, S. 39. Im Jahr 1990 konnte daher die Pfarrei – eindeutiger als 2012 die Gemeinde ihr 900-jähriges Jubiläum – ihr 200-jähriges Jubiläum begehen.

Renovierungen erfolgten 1887–1888, 1921, 1960–1968 und 1988–1990. Die Fresken und Altargemälde verdanken ihr heutiges Aussehen der Restaurierung von 1967. „Im Langhaus ist die beschränkte, aber sehr farbige Palette von Göser dank der auch technisch hervorragenden Fresken unverändert erhalten gewesen und wieder zur Geltung gebracht worden. ... Die Bilder des Hauptaltars und der Seitenaltäre erhielten nach Entfernung der nachgedunkelten Firnisschicht ihre frühere Farbigkeit wieder.“Läufer 1990, S. 33–37.

Gebäude Die Kirche, direkt am Eschbach gelegen, ist ein Saal mit eingezogenem, dreiseitig geschlossenem Chor, 35 × 11 Meter, und einer flachen Decke über einer Hohlkehle. Statt vier wie die Lindenbergkapelle hat sie fünf Fensterachsen im Schiff. Philipp Jakob Steyrer hatte sie sich mit zwei Türmen beidseits des Chores gedacht, doch blieb es bei einem Dachreiter. Nördlich ist die Sakristei und das zweiflügelige, zweistöckige Pfarrhaus angebaut, „mit etwa zehn zu Zimmern benützbaren Räumen, mit einem guten, geräumigen Gewölbekeller und mehreren Nebengebäuden. Vermutlich dachte der Abt an ein Ausweichquartier für Katastrophenzeiten.“Kern 1959, S. 87. Die Westfassade mit rundbogigem Portal besteht aus unverputztem Sandsteinquadermauerwerk. Viele Steine tragen die beim Abbruch eingemeißelten Zeichen zur leichteren Wiedernutzung; dasselbe gilt für die Bodenplatten in der Sakristei und dem anschließenden Verbindungsgang zum Pfarrhaus. Um den Vorplatz der Kirche stehen das ehemalige Schulhaus, das Haus der Gemeindeverwaltung und das ehemalige Schwesternhaus.

Ausstattung miniatur|hochkant|Maria und ihre Eltern miniatur|hochkant|Die Heilige Familie Den Eindruck im Inneren bestimmen die Werke Matthias Fallers und Simon Gösers.

Altäre, Kanzel und Pietà Von Faller stammen die Schnitzarbeiten des Hochaltars, eines Säulenaltars, der beiden Seitenaltäre mit nach innen eingebogenen Seiten und der Kanzel, alle reich geschmückt mit Rocaillen und Putten. Der Kreuzaltar ist eine Nachbildung von Fallers 1887 entferntem Original.

Auf dem Hochaltartabernakel umwindet ein Dornenkranz das Heiligste Herz Jesu, aus dem ein Kreuz wächst, so wie in Fallers Predella des rechten Seitenaltars im Kloster St. Märgen.Manfred Hermann: Katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt St. Märgen im Schwarzwald. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2003, ISBN 3-89870-135-2. Darüber steht auf Wolken die Wallfahrtsmadonna, im Jahr 2009 restauriert.Madonna vom Lindenberg erstrahlt in neuem Glanz. In: Badische Zeitung. 8. September 2009. Sie wird dem Bartholomaeus Winterhalder zugeschrieben.Manfred Hermann: Zu den Schwarzwälder Bildhauern Winterhalder in Neukirch und Vöhrenbach. In: Bernd Mathias Kremer (Hrsg.): Kunst und geistliche Kultur am Oberrhein. Festschrift für Hermann Brommer zum 70. Geburtstag. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 1996, ISBN 3-931820-01-7, S. 61–83. Auf Konsolen stehen links der heilige Gallus mit dem Bären, der ihm Holz bringt, rechts der heilige Ulrich von Zell, wie er einen gelähmten Knaben heilt. Diese beiden Figuren Fallers stammen aus der ehemaligen Jakobuskapelle.

Der linke Seitenaltar zeigt über Reliquiaren Gösers Bild der Maria als Kind mit ihren Eltern Joachim und Anna,nicht, wie Ginter S. 132 schreibt, mit Zacharias und Elisabet. im Oberbild die heilige Barbara von Nikomedien. Der rechte Seitenaltar zeigt in enger Entsprechung über Reliquiaren die Heilige Familie in der Darstellung des Heiligen Wandels, im Oberbild den heiligen Sebastian – alles „Göserblätter in sehr geschickter und feiner Ausarbeitung ... im alten Göserschen Farbenschmelz“.Ginter 1929, S. 132.

Faller schnitzte auch die Pietà an der Nordwand des Kirchenschiffs, eine klare Dreieckskomposition. „Durch die ausgebreiteten Arme schwingt im toten Heiland ein Nachklang der Kreuzigung mit. Jesus wird nicht in kindlicher Verkleinerung, sondern als groß gewachsene Figur gezeigt. Er ist nach vorn gewendet und die Gruppe ganz zum Betrachter geöffnet. Verhaltener, wehmütiger, gebändigter Schmerz bestimmt Haltung und Antlitz der Mutter, sie ist hier nicht die vom Gram Überwältigte, sondern die würdig Trauernde, die dem Gläubigen den Erlöser präsentiert.“Gemeinde St. Märgen (Hrsg.): Matthias Faller – der Barockbildhauer aus dem Schwarzwald. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg 2007, ISBN 978-3-89870-382-6.

Gösers Fresken