mini|Die dänischen Südschleswiger benutzen neben dem Dannebrog auch eine Flagge mit den Schleswigschen Löwen Die dänische Minderheit in Südschleswig ist eine autochthone ethnische Gruppe in Schleswig-Holstein im Landesteil Schleswig (Südschleswig). Die Selbstbezeichnung lautet dänische Südschleswiger (danske sydslesvigere). Sie umfasst nach offiziellen Quellen etwa 50.000 Angehörige.

Status mini|Hiort Lorenzen-Skolen in Schleswig. Eine der Schulen für die dänische Minderheit. mini|Das Hærvejshuset in Schuby ist eines von mehreren dänischen Kulturhäusern in der Region mini|Karte Südschleswigs mit mehrsprachigen Ortsbezeichnungen (deutsch/dänisch/nordfriesisch) Wie die Friesen, Sorben und Roma genießen die dänischen Südschleswiger als nationale Minderheit gemäß dem 1997 von Deutschland ratifizierten europäischen Rahmenübereinkommen zum Schutz nationaler Minderheiten einen kulturellen Minderheitenschutz. Bereits in den Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 verpflichtete sich die deutsche Regierung, die dänische Minderheit zu schützen; die dänische Regierung garantiert ähnliche Minderheitenrechte für die deutsche Minderheit.

Für den Südschleswigschen Wählerverband als politische Vertretung im Schleswig-Holsteinischen Landtag ist die Sperrklausel von fünf Prozent aufgehoben. Die Partei muss jedoch die Mindestanzahl von Stimmen für ein Mandat aufbringen. Für die sprachlich-kulturelle Arbeit werden von deutscher und dänischer Seite Zuschüsse gezahlt. Es bestehen unter anderem dänische Schulen und Kindergärten, Bibliotheken, kulturelle Einrichtungen und Kirchen.

Kontakte zur Bundesregierung bestehen über den Beauftragten für Aussiedler und nationale Minderheiten. Von Seiten der Landesregierung gibt es ebenfalls einen Minderheitenbeauftragten. Die vier in Deutschland siedelnden nationalen Minderheiten (Dänen, Friesen, Sorben und Sinti/Roma) haben sich zudem in einem Minderheitenrat und Minderheitensekretariat mit Sitz in Berlin zusammengefunden. Kontakte zum dänischen Parlament (Folketing) bestehen über den dortigen Sydslesvigudvalg.

Bezeichnung Angehörige der dänischen Minderheit in Südschleswig bezeichnen sich selbst als „dänische Südschleswiger“ (danske sydslesvigere) oder schlicht als „Südschleswiger“ (sydslesvigere). In der Regel besitzen dänische Südschleswiger die alleinige deutsche StaatsbürgerschaftMinderheitensekretariat: Wen vertreten wir (mit dänischem nationalen Bekenntnis). Unter bestimmten Voraussetzungen ist es dänischen Südschleswigern auch möglich, die doppelte Staatsbürgerschaft zu erwerben. Zur Unterscheidung zwischen Dänen in Südschleswig und im Königreich Dänemark werden letztere auch als „rigsdanskere“ (Reichsdänen, ähnlich Bundesbürger in Deutschland) bezeichnet. Einzelne Stimmen in der Minderheit fassen sich auch als mehrkulturell deutsch-dänisch auf und betonen stärker den regionalen grenzüberschreitenden Aspekt als Schleswiger im Gegensatz zu einer rein nationalen Sichtweise als Däne, Deutsche oder ggf. Friese.vgl. zu dazu das Interview mit Katrine Hoop: Grænseforeningen: Ich bin en slesviger

Größe Die Größe der Volksgruppe wird heute mit etwa 50.000 Personen angegeben. Dies entspricht etwa 8,3 % der Bevölkerung in Südschleswig. Eine Studie der Universität Hamburg ermittelte 2015 eine Zahl von etwa 104.000 Personen in Norddeutschland, von denen etwa 42.000 in Südschleswig selbst lebten.

Die Größe der dänischen Bevölkerung im Süden Schleswigs war geschichtlich immer wieder Schwankungen unterworfen. Wurde zum Beispiel noch bis etwa bis zum Jahr 1800 Dänisch bis zu einer Linie Husum-Schleswig gesprochen, wich diese Linie bald weiter nach Norden. Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg verblieben etwa 200.000 (von etwa 400.000) dänische Einwohner im schleswigschen Raum. Zwischen dem Deutsch-Dänischen Krieg und dem Jahr 1900 wanderten dann etwa 60.000 dänische Schleswiger aus. Bei der Volksabstimmung 1920 stimmten 12.800 und somit knapp 20 % in der zweiten Abstimmungszone dänisch. Vier Jahre später hatte der nun allein auf Südschleswig konzentrierte Schleswigsche Verein etwa 6.000 Mitglieder. Zum Ende des Zweiten Weltkrieges war diese Zahl auf etwa 2.800 zusammengeschmolzen. In den Jahren unmittelbar nach Ende des Krieges wiederum gab es einen starken Zulauf zur Volksgruppe und der Verein zählte im Jahr 1946 etwa 64.000 Mitglieder.

Als Indikator können auch Daten von Volkszählungen herangezogen werden. So bekannten sich bei der Volkszählung von 1900 im Deutschen Reich im Regierungsbezirk Schleswig etwa 140.000 zur dänischen Nationalität. In der Volkszählung von 1910 im Deutschen Reich gaben 8.786 Bewohner in der späteren zweiten Abstimmungszone Dänisch als Muttersprache an. Die Volkszählung 1925 ermittelte 4.868 Einwohner mit ausschließlich dänischer Muttersprache und 2.252 Einwohner mit deutscher und dänischer Muttersprache in Schleswig-Holstein. Die Volkszählung 1946 ermittelte 9.648 dänische Muttersprachler. Als weiteres Kriterium zur Verifikation können die Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker beziehungsweise des dänischen Instituts für Grenzregionsforschung über die Personenzahl, die Dänisch im Alltag nutzt, genannt werden, die mit 8.000 bzw. 10.000 Personen angegeben wird. Diese Zahlen decken sich mit den Angaben des dänischen Kulturvereins, der von mehr als 10.000 dänischen Muttersprachlern ausgeht.

Der Historiker und Rektor der A. P. Møller-Skolen in Schleswig, Jørgen Kühl, beschreibt nationale Identitäten als heterogen und dynamisch und nimmt somit Abstand von einem homogen-statistischen Definitionsmodell nationaler Minderheiten. Demnach sieht Kühl ein Kontinuum zu- bzw. abnehmender Intensität nationaler Identifikationen. Entsprechend entwickelte Kühl ein Modell, das die Minderheit als Kreise unterschiedlicher Dichte und Entfernung zu einem Zentrum beschreibt. In dessen Kern finden sich die Angehörigen der Minderheit, deren Familien meist schon vor 1945 den Kernbestand der Minderheit ausmachten. Kühl schätzt ihn auf wenige tausend. Konzentrisch folgen Kreise, die jeweils (wesentlich) mehr Menschen erfassen als den Kernbestand, und mit zunehmender Entfernung zum „Zentrum“ meist seltener dänische Sprachkenntnisse besitzen und ein geringer ausgeprägtes nationales – dafür oft ein ausgeprägtes regionales – Selbstempfinden besitzen.Quelle fehlt

Infolge der Bonn-Kopenhagener Erklärungen von 1955 gilt das Prinzip der Bekenntnisfreiheit. Demnach ist das Bekenntnis zur dänischen Sprache und Kultur frei und wird von staatlicher Seite nicht bestritten oder nachgeprüft.

Geschichte Vor 1864

mini|Siedlungsgebiete zwischen 800 und 1100 im heutigen Schleswig-Holstein

Das südliche Jütland wurde in der späten Eisen- und in der Wikingerzeit etwa bis zu einer Linie Husum-Eckernförde dänisch besiedelt, wovon heute noch die entsprechenden dänischen Ortsnamen zeugen. Zuvor siedelten hier unter anderem die Angeln. Etwa zwischen dem Windebyer Noor, der Schlei und der Treene verliefen die Grenzbefestigungen des Dannewerks, die heute zusammen mit Haithabu als gemeinsames Weltkulturerbe Haithabu und Danewerk von der UNESCO anerkannt sind. Um 811 wurde in einem Abkommen zwischen Karl dem Großen und dem dänischen König Hemming die Eider als deutsch-dänischer Grenzfluss festgesetzt, wobei der einige km breite Landstreifen zwischen Eider und Danewerk noch aus größtenteils unbesiedelten Wald,- Heide- oder Feuchtgebiete bestand (wie z. B. der Dänischen Wohld). Noch heute trennt die Eider die beiden Landesteile Holstein und (Süd-)Schleswig. Administrativ war die Region wie das übrige Dänemark in mehrere Harden eingeteilt, die zum Teil bis 1864 Bestand hatten und zum Teil heute noch als Landschaftsbezeichnungen verbreitet sind. Ab 1241 hatte das Jütische Recht als Landschaftsrecht für Jütland in der Region Gültigkeit.

Zugleich entwickelte sich nach etwa 1200 auf dem Gebiet des südlichen Jütlands (Sønderjylland) das Herzogtum Schleswig. Ausgangspunkt war der vom König in Schleswig bestellte Grenzjarl, der schließlich den (deutschen) Titel Herzog annahm. Staatsrechtlich blieb Schleswig als Lehen an Dänemark gebunden. Dennoch nahmen in Folge die politischen, dynastischen und wirtschaftlichen Verbindungen zum norddeutschen Holstein zu. Die deutsche Sprache breitete sich unter anderem über den Handel, die Städte und über die meist deutsch geprägten Gutshöfe im südöstlichen Schleswig aus. Trotz meist noch dänischer Umgangssprache wurde zum Beispiel nach der Reformationszeit Deutsch Kirchensprache im südlichen Schleswig. So vollzog sich insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert in Südschleswig ein Sprachwechsel zum Deutschen. Begleitet wurde der Sprachwechsel im 19. Jahrhundert zudem von nationalpolitischen Konflikten über die Zugehörigkeit Schleswigs, die 1848 im Ersten Schleswigschen Krieg mündeten. Mit dem Deutsch-Dänischen Krieg von 1864 kam die gesamte schleswigsche Region schließlich zu Preußen und somit zu Deutschland.

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg 1864 mini|Teilungsvorschläge für eine nationale Teilung Schleswigs während des Waffenstillstandes des Deutsch-Dänischen Krieges 1864

Nach dem Deutsch-Dänischen Krieg etablierte sich unter den nun neuen politischen Vorzeichen die dänische Minderheit. Viele dänische Beamte, Lehrer und Pfarrer waren entlassen worden, so dass entsprechend neue Strukturen aufgebaut werden mussten, wobei die Möglichkeiten dänischer Kultur- und Spracharbeit in einem repressiven Umfeld stark eingeschränkt waren. Dennoch entstanden in dieser Zeit unter anderem die Tageszeitung Flensborg Avis und Vereine wie zum Beispiel der Landboforening. Die Aagaard Højskole bei Oeversee musste jedoch 1889 schließen. Mit der Sprachverfügung von 1888 wurde mit Ausnahme des Religionsunterrichtes Deutsch alleinige Unterrichtssprache. Eine im Prager Frieden von 1866 aufgenommene Formulierung zu einer Volksabstimmung wurde 1878 aufgehoben. Auf politischer Ebene war die dänische Minderheit unter anderem mit dem Abgeordneten Gustav Johannsen im Reichstag vertreten. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in Nord- und Mittelschleswig schließlich Volksabstimmungen durchgeführt, die zu der noch heute bestehenden Grenze (→Clausen-Linie) führten.

Nach den Volksabstimmungen 1920 Im Ergebnis der Volksabstimmungen von 1920 entstanden nördlich der Grenze die heutige deutsche Minderheit in Dänemark, südlich der Grenze die nun verkleinerte dänische Minderheit in Südschleswig. Südlich der neuen Grenze hatten in der zweiten Abstimmungszone etwa 12.800 Menschen für Dänemark votiert. Eine weitere Abstimmung in der südlicheren 3. Abstimmungszone fand nicht mehr statt. Viele dänisch gesinnte Südschleswiger zogen nach der Volksabstimmung nach Dänemark.

Die Anzahl der dänischen Muttersprachler umfasste gemäß der Volkszählung von 1925 4.868 Menschen, unter Hinzurechnung der Zweisprachigen 7.120 Bewohner. Unter den Vorzeichen der liberaleren Weimarer Republik konnte nun Seitens der dänischen Minderheit ein eigenes Schulwesen aufgebaut werden, so dass bis 1936 zehn Schulen bestanden. Auch der Schleswigsche Verein (als Vorläufer des Südschleswigschen Vereins) etablierte sich und zählte 1924 über 8.000 Mitglieder.

In der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1933 und 1945 war die Minderheit, wenn auch nicht direkt verfolgt, Repressalien ausgesetzt. Allerdings waren Mitglieder der Minderheit auch, als einzige Reichsbürger, von der zwangsmäßigen Teilnahme an NS-Organisationen befreit. In dieser Zeit verließen rund 1.000 Mitglieder die Minderheit, was jedoch nicht bedeutet, dass sie nicht dänischsprachig oder dem Dänentum zugetan waren. Zum Ende des Krieges gab es noch 2.728 Mitglieder im Schleswigschen Verein.

Nach dem Zweiten Weltkrieg