Charles Gabriel Hubert Guillier de Souancé (* 2. Mai 1823 im Schloss von Mondoucet, Souancé-au-Perche, Département Eure-et-Loir; † 23. Januar 1896 in Hyères) war ein französischer Ornithologe. Sein Forschungsschwerpunkt waren die Papageien.Hubert Massey Whittell, S. 677
Leben und Wirken Sein Vater hieß Charles Jacques Gabriel Guillier de Souancé (1794–1831) und seine Mutter Suzanne Tilmé geb. Debelle (1800–1877). Sein Bruder Etienne Henri François Guiller de Souancé (1826–1903) war unter Napoleon III. ein ranghoher Offizier. Die Mutter war die Schwester von Anna Masséna (1802–1887), der Frau von François Victor Masséna (1799–1863). Somit war Baron de Souancé ein Neffe des Sammlers und Ornithologen Masséna, 2. Herzog von Rivoli und 3. Fürst von Essling.Barbara Mearns, S. 563. Charles de Souancé heiratete am 1. September 1863 im 9. Arrondissement von Paris die in Ballan lebende Suzanne Boyer (1821–1910), eine Tochter von Pierre François Xavier Boyer (1772–1851) und Suzanne Marthe Levis de Marsal (1795–1831). Zu diesem Zeitpunkt wohnte er noch in der rue de Clichy, 41.L'Indicateur des mariages de Paris 1863 Charles de Souancé war zusätzlich Besitzer von La Commanderie de l'Ordre des Templiers in Ballan, also dem Ort, in dem seine Frau lebte.Anne de Mondenard u. a., S. 24.
Er begann seine Karriere als Purser bei der französischen Marine. Gemeinsam mit Masséna veröffentlichte er die Erstbeschreibungen neuer Papageientaxa im Revue et Magasin de Zoologie. 1856 beschrieb de Souancé Massénas reichhaltige Papageiensammlung in seinen mehrteiligen Artikeln, die unter dem Titel Catalogue des perroquets de la collection du Prince Masséna, duc de Rivoli et observations sur quelques espèces nouvelles ou peu connues de Psittacidés publiziert wurden. Zwischen 1857 und 1858 erschien das mehrteilige Werk Iconographie des Perroquets, in dem 48 neue Papageienarten beschrieben sind, die nach 1820 entdeckt wurden, darunter der Blutohrsittich (Pyrrhura hoematotis) und der Malherbesittich (Cyanoramphus malherbi).Bo Beolens u. a., S. 317 Die Ikonografie entstand in Kooperation mit Charles Lucien Jules Laurent Bonaparte (1803–1857) und Charles Émile Blanchard (1819–1900).Ernst Amandus Zuchold, S. 27 Mit dieser Publikation sollten die Lücke geschlossen werden, die François Levaillant (1753–1824) mit seinem Band 1 (1801) und Band 2 (1805), sowie Alexandre Bourjot Saint-Hilaire (1801–1886) mit seinem Band 3 (1837/38) von Histoire naturelle des perroquets hinterließen. Die Lithografien in den Bänden stammten von Blanchard und dem Künstler Jean François Michel Daverne (1820–1898).
Im Jahr 1856 ernannte ihn die Deutsche Ornithologen-Gesellschaft zum Ehrenmitglied.August Carl Eduard Baldamus, S. 351 Er war Mitglied der Société d'Agriculture, Science, Arts et Belles-Lettres du département d'Indre-et-Loire.Annales de la Société d'agriculture, sciences, arts et belles-lettres d'Indre-et-Loire, 1862, S. 10 Im Jahr 1882 wird er in den Vorstand der Société nationale d'acclimatation de France gewählt,Bulletin de la Société nationale d'acclimatation de France (1882), p. CLX eine Gesellschaft, in der er zu den Gründungsmitgliedern gehörte.Bulletin de la Société nationale d'acclimatation de France (1885), p. LXIV Wie sehr ihn Umweltfragen beschäftigten, zeigte sich, als er von seinem neuen Domizil in Lardy einen Brief an den Sekretär der Gesellschaft schrieb. Darin fragte er diesen, warum die Döbel im Fluss Juine immer weniger werden und gleichzeitig die Brachsen immer zahlreicher.Charles Jacques Gabriel Guillier de Souancé (1885), S. 527.
Später arbeitete de Souancé als Fotograf. Hierbei entstanden 1860 Bilder wie Nature morte aux coquillages oder Scarabées.Bilder bei artnet In den Jahren 1861 bis 1863 arbeitete er mit dem Fotografen Séraphin-Médéric Mieusement (1840–1905) in der Region um Tours zusammen. (PDF; 1,9 MB) Ihn stellte de Souancé an, da das neue Material und die Komplexität dieser neuen Technik die Anwesenheit eines ständigen Betreibers erforderte. So existieren mindestens 50 Fotografien, die von beiden unterzeichnet sind. Die meisten Bilder waren Reproduktion von Stichen bekannter Meister aus dem Museum von Tours oder Ansichten von Denkmälern. Die gute Qualität der Bilder fand schnell Anklang in einer breiten Öffentlichkeit. Im Jahr 1862 wurden die Bilder einem lokalen Preisgericht in Tours vorgeschlagen, damit diese bei der Weltausstellung in London präsentiert werden. In der endgültigen Liste, die einer königlichen Kommission im Februar/März 1862 vorgelegt wurde, war schließlich aber keine der Bilder von de Souancé und Mieusement zu finden.
zentriert|mini|hochkant=4|Eintrag seiner Geburt in Souancé-au-Perche zentriert|mini|hochkant=4|Eintrag der Heirat im 9. Arrondissement
Gemeinsam mit seinem Freund Charles Ernest Delessard (1825–1914)Paul Allorge, S. 59. trug er eine beachtliche Sammlung prähistorischer Exponate aus der älteren bzw. mittleren Steinzeit bis in die Bronze- und Eisenzeit zusammen. Nach dem Tod von de Souancé boten die Witwe und Delessard die kostbare Sammlung der Société historique de Corbeil-Étampes an, die sie wiederum an das Museum Saint Jean weitergab.Unbekannt, S. 300.
Dedikationsnamen mini|Unterart des Braunschwanzsittichs (Pyrrhura melanura souancei) gemalt von Marie Firmin Bocourt 1858 benannte Jules Verreaux eine Unterart des Braunschwanzsittichs Pyrrhura melanura souancei nach Charles de Souancé.
In seiner Widmung schrieb Verreaux:
Erstbeschreibungen von Charles de Souancé Charles de Souancé hat einige Arten und Unterarten als Erstautor beschrieben. Im Jahr 1854 arbeitete er dabei mit François Victor Masséna, zweiter Herzog von Rivoli und dritter Fürst von Essling zusammen.
Arten Zu den Arten die Souancé u. a. mitbeschrieben hat, gehören chronologisch:
Braunbrustsittich (Pyrrhura calliptera) ( & , 1854) Devillesittich (Pyrrhura devillei) ( & , 1854) Gelbohrsittich (Ognorhynchus icterotis) ( & , 1854) Greisenkopf-Papagei (Pionus seniloides) ( & , 1854) Molinasittich (Pyrrhura molinae) ( & , 1854) Haiti-Sittich oder Grünflügelsittich (Aratinga chloroptera) (, 1856) Andensittich (Bolborhynchus orbygnesius) (, 1856) Blaubürzel-Sperlingspapagei (Forpus cyanopygius) (, 1856) Blutohrsittich (Pyrrhura hoematotis) , 1857 Aztekensittich (Aratinga astec) (, 1857) Malherbesittich oder Alpensittich (Cyanoramphus malherbi) , 1857
Unterarten Zu den Unterarten die Souancé u. a. mitbeschrieben hat, gehören chronologisch:
Brasilien-Braunwangensittich (Aratinga pertinax chrysogenys) ( & , 1854) Monasittich (Aratinga chloroptera maugei) (, 1856) Peru-Katharinasittich (Bolborhynchus lineola tigrinus) (, 1856) Bolivien-Maximilianpapagei (Pionus maximiliani siy) , 1856 Pracht-Fledermauspapageichen (Loriculus philippensis apicalis) , 1856 Sulu-Fledermauspapageichen (Loriculus philippensis bonapartei) , 1856 Königs-Fledermauspapageichen (Loriculus philippensis regulus) , 1856 Pucheran-Rotkopfpapagei (Geoffroyus geoffroyi pucherani) , 1856 Abessinischer Halsbandsittich (Psittacula krameri parvirostris) (, 1856)
Werke (Auswahl) Jahr 1854
Jahr 1856
Jahr 1857
Jahr 1885
Literatur
Einzelnachweise
Kategorie:Ornithologe Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1823 Kategorie:Gestorben 1896 Kategorie:Mann