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mini|Kaufbeuren Luftbild mini|Kaufbeuren-Haken-Luftaufnahme

Ensembles mini|Kaufbeurer Altstadt Ensemble Altstadt

Der historische Stadtraum der schwäbischen Reichsstadt Kaufbeuren ist ein Ensemble. Es wird umgrenzt durch die äußere Verlaufslinie der den zum Teil noch bestehenden mittelalterlichen Anlagen der Stadtbefestigung vorgelagerten ehemaligen Grabenzone.

Ursprung der Stadt ist ein karolingischer Königshof, der sich ungefähr an der Stelle des späteren Franziskanerinnenklosters befand. Im hohen Mittelalter entfaltete sich um den Königshof in der Wertachniederung eine Marktsiedlung. Ihre Lage an einer Altstraße von Memmingen nach Schongau förderte die Entwicklung des im 12. Jahrhundert welfisch gewordenen Ortes, zumal diese Straße Kerngebiete des Welfenbesitzes verband. Der Straßenzug des Salzmarktes folgt der ältesten Marktstraße Kaufbeurens.

Den entscheidenden Aufstieg zur Stadt leiteten die Stadtrechtsverleihung durch die Staufer an der Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert und der planmäßige Ausbau der Siedlung nach Süden ein. Ein langer Straßenmarkt wurde in west-östlicher Richtung, quer zur alten Marktstraße angelegt; zusammen mit der südlich dahinter verlaufenden Parallelachse, der Ludwigstraße, und drei verhältnismäßig engen Querachsen bildet er die charakteristische Gitterstruktur dieses Stadtteils. Zur staufischen Stadt gehört auch die Pfarrkirche St. Martin, der nördlich des Marktes ein eigener abgegrenzter Bereich zugemessen wurde; die Form dieses Kirchenplatzes zeichnet noch heute die Ausdehnung des ältesten Friedhofs ab.

Nördlich und östlich der Kirche, tiefer als diese in den Bach- und Flussniederungen gelegen, dehnen sich Siedlungsbereiche aus, deren unregelmäßige Grundrissstrukturen einen Ausbau späterer Zeit, wohl des 14. Jahrhunderts, anzeigen, doch wurde der ganze Raum im frühen 13. Jahrhundert ummauert. Diese staufische Mauer umfasste nicht nur zum Teil unbebaute Flächen in der Niederung, sie bezog auch aus fortifikatorischen Gründen die Hangkrone der Buchleuthe und den Abhang mit in die Befestigungen ein. Die im Spätmittelalter verstärkten, durch Wehrtürme noch besser gesicherten Anlagen auf der Höhe über der Stadt bilden zusammen mit der Blasiuskirche eine eindrucksvolle Dominante im Stadtbild.

Den größten Teil der Stadt vernichtete 1325 ein Brand. Der Wiederaufbau erfolgte wohl bereits weitgehend in massiver Bauweise. Die Parzellengrößen der staufischen Gründung mit Häusern von drei Fensterachsen blieben – wie meist noch bis heute – verbindlich. Nur in der Marktstraße, der Kaiser-Max-Straße, wurden durch Zusammenkauf mehrerer Parzellen unter einem Besitzer breite Grundstücke gewonnen, über denen die charakteristischen breitgelagerten, häufig dreigeschossigen Traufseithäuser mit ihren hohen Satteldächern errichtet wurden. mini|Kaufbeuren um 1580 Das Bild der Handwerkergassen wird dagegen meist von Giebelhäusern bestimmt. „Eine großartige Nüchternheit der architektonischen Form charakterisiert alle Straßenbilder, es sprechen vor allem die großen Flächen der leicht gebogenen Straßenwände“ (T. Breuer). Die Bauten sind in der Regel glatt verputzt, die Dächer mit roten Ziegeln gedeckt.

Neben dem Handelsbürgertum an der Kaiser-Max-Straße gab es in der Stadt vor allem eine große Weberzunft; die Anwesen dieser Handwerker, ausgezeichnet durch die sogenannten Weberkeller, reihen sich in den Straßenzügen Am Breiten Bach und Unter dem Berg. In der Schmiedgasse befanden sich die zahlreichen Anwesen der Waffenschmiede. In diese bürgerlichen Strukturen sind die Baugruppen des 1249 gegründeten Spitals und des Franziskanerinnenklosters, das sich 1261 beim ehemaligen Königshof konstituierte, eingebettet.

Das Spital, wie gewöhnlich am Rande der Stadt, hier in der Nordostecke gelegen, markiert mit seinen restlichen mittelalterlichen Bauten und ihren Nachfolgern aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert die heute an dieser Stelle in Auflösung begriffene Altstadtgrenze. Die um einen Hof geordneten spätmittelalterlichen Gebäude des Franziskanerinnenklosters und der Vorplatz des Klosters, der Obstmarkt, erinnern noch an die Lage, vielleicht auch an Grundrisslinien des frühmittelalterlichen Königshofes. Am Marktplatz wurden die beiden Schmalseiten seit dem Spätmittelalter durch die Frauenkirche im Westen und das Rathaus im Osten beansprucht. Die Kirche wurde seit dem späten 17. Jahrhundert nicht mehr für Gottesdienste genutzt, später zur Schrannenhalle umgebaut und schließlich 1960 abgebrochen. Das ältere Rathaus bestand bis 1859 und war nicht nur Sitz des Stadtregiments seit dem 14. Jahrhundert, sondern auch politisches Zentrum einer Stadtrepublik, die Kaufbeuren seit Erlangung reichsstädtischer Privilegien 1268 war. Beherrscht wird das Stadtbild von der Stadtpfarrkirche St. Martin und ihrem Turm; der monumentale Bau entstand in der 1. Hälfte des 15. Jahrhunderts auf der Grundlage des Vorgängerbaus neu.

Kultureller, politischer und wirtschaftlicher Höhepunkt der Stadtentwicklung war die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert, in der die wesentlichen Bauten und das Stadtbild vollendet wurden. Kaiser Maximilian, der selbst ein Haus am Markt besaß, weilte häufig in Kaufbeuren. Im Tänzelfest stellte sich damals die Bürgerstadt in ihrem spätmittelalterlichen Glanz dar. Barock und Rokoko spielen im Stadtbild dagegen nur eine untergeordnete Rolle. Nachdem die Stadt sich der Reformation angeschlossen hatte und es danach zu langjährigen Glaubensstreitigkeiten kam, erhielten die Protestanten durch kaiserliche Verfügung am Markt, an Stelle des kaiserlichen Hauses, 1604 ihre Pfarrkirche, die in die Häuserzeile der Südseite eingebunden wurde. Front und Turm der Kirche setzten – zumal nach dem klassizistischen Umbau – einen neuen Akzent in das Platz- und Stadtbild. mini|Direktorenvilla der Mechanischen Baumwollspinnerei Kaufbeuren mini|Schäferstraße, Kaufbeuren Aktennummer: E-7-62-000-1.

Ensemble Bleichanger Das Ensemble umfasst einen alten Mühlenbezirk nördlich vor der Stadt zwischen Wertach und Mühlbach, der sich nach der Niederlassung der neu gegründeten Kaufbeurer Baumwollspinnerei und Weberei im Jahre 1839 auch zum großen Industriegebiet auswuchs.

Ursprung ist ein mittelalterlicher Kupferhammer, der angeblich bereits 1312 als Papiermühle eingerichtet wurde. Diese Mühle arbeitete bis 1840; der langgestreckte Neubau von 1807 ordnet sich zusammen mit Nebengebäuden und ehemals zugehörigen Wohnbauten locker dem Mühlbach zu.

Südöstlich dieser Anlagen, die nach Gründung des Industriebetriebs in diesem aufgingen, entstand seit 1839 der gewaltige, 56 Achsen lange Fabriktrakt, zwei-, vier- und fünfgeschossig und mit einem erdgeschossigen Zwischenbau. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in einem Park zurückgesetzt und durch die Kastanienallee der Zufahrtsstraße von der Stadt her zusätzlich von den Industriebauten abgerückt, erhebt sich die repräsentative Direktorenvilla des späten 19. Jahrhunderts im Stil des Historismus.

Die wirtschafts- und technikgeschichtliche Bedeutung des Ensembles erhält durch die Tatsache, dass sich neben den baulichen Anlagen des frühen Industriezeitalters auch jene der vorindustriellen Zeit noch zeigen, einen besonderen Rang. Aktennummer: E-7-62-000-2.

Ensemble Schäferstraße Der 1904 angelegte Straßenzug südlich der Altstadt ist mit einheitlichen, zwischen 1904 und dem Ersten Weltkrieg entstandenen Wohnhäusern in offener Bauweise bebaut. Es handelt sich um zweigeschossige, villenartige Bauten, in der Regel mit hohen Sattel- oder Krüppelwalmdächern, giebelständig zur Straße; vereinzelt treten Schweifgiebel und Zwerchhäuser auf. Die Wandgliederungen weisen Formen der Neurenaissance, des Neubarock und des Heimatstils auf, sie sind in neuerer Zeit teilweise vereinfacht worden; die Bauten sind von Vorgärten umgeben. Der Neubau Nummer 11 nimmt keine Rücksicht auf das besondere Gepräge des Ensembles. Aktennummer: E-7-62-000-3.

Stadtbefestigung Die Stadtbefestigung wurde nach der Übernahme der Siedlung Beuren durch die Staufer um oder nach 1200 angelegt, da sie zur Stadt erhoben wurde. Um 1420 wurde sie wegen der Hussitengefahr erheblich verstärkt, gleichzeitig wurden wohl auch die Stadttürme gebaut. Weitere Ausbauten gab es Ende des 14. und im 15. Jahrhundert, aus dieser Zeit stammen wohl auch die ehemaligen Tore.

Die erste Ummauerung aus Tuffquadern war nur etwa 5 bis 6 Meter hoch, allerdings nach Norden und Süden – wohin sich die beiden Haupttore öffneten – durch einen breiten Wassergraben gesichert. Sie umschloss einen steilen Hügelzug im Westen, die sogenannte Buchleite mit der Blasiuskirche. Diese Stadtmauer hielt zwar im Jahr 1315 einer Belagerung stand, nicht aber dem Großbrand von 1325. Im Zuge der Erneuerung erweiterte man die Stadtbefestigung nach Nordosten, um das außerhalb gelegene Spital besser zu sichern. Damals (vor 1333) entstand das Spitaltor.

Weiteren Belagerungen 1377 und 1388 hielt die Stadtbefestigung zwar erneut stand, doch verstärkte man sie um 1420/30 angesichts der Hussitenbedrohung durch einen neuen Wehrgang und weitere Türme (Gerberturm, Blasiusturm, Fünfknopfturm, Hexenturm). 1493 erfolgte eine neuerliche Modernisierung. In der Neuzeit wäre sie natürlich kein Bollwerk für einen ernsten Angriff mit Kanonen mehr gewesen. Aber sie schützte die Bürger zumindest vor herumziehenden Kriegsvolk und vor Dieben und Räubern.

Nach 1803 wurden unter bayrischer Herrschaft die Tore niedergelegt und der größte Teil der Türme und Mauern im Süden, Norden und Osten. Die Befestigungsmauer wurde in Teilen in den Wohnhausbau integriert, die ehemaligen Zinnen der Tuffsteinmauer mit Ziegelsteinen vermauert. Von den ehemals drei großen Tortürmen, den insgesamt neun Flankierungstürmen und dem Mauerzug haben sich lediglich fünf Türme und einige Teilstücke der Ummauerung erhalten. Der sehenswerte, gedeckte und begehbare Mauerzug zwischen Fünfknopfturm und Blasiuskirche erhielt 1990/91 eine Sanierung. Aktennummer: D-7-62-000-1.

Heute noch sichtbare oder verbaute Teile der Befestigung

Befestigungstürme und Reste von Toren, die noch erhalten sind:

Baudenkmäler nach Gemeindeteilen Kaufbeuren

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Ehemalige Baudenkmäler

Abgegangene Baudenkmäler

Siehe auch Liste der Bodendenkmäler in Kaufbeuren

Anmerkungen

Einzelnachweise

Literatur

Weblinks

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