miniatur|Boyce MotoMeter Modell „Midget“, Messing-Ausführung, auf dem Kühler eines US-amerikanischen Car-Nation von 1913. Dies ist das kleinste Gerät des Herstellers und bereits beidseitig ablesbar. Möglicherweise eine Reproduktion.

Der Begriff Motometer ist eine Kurzform von Motor-Thermometer. Ursprünglich der Firmen- und Markenname des langjährigen Marktführers Motometer, setzte er sich als Sammelbegriff durch für eine Vorrichtung an frühen Automobilen mit Wasserkühlung. Das Gerät wird auf den Kühlerverschluss geschraubt (später auch geklemmt) und misst mittels Fühler im Kühlkreislauf die Wasser- oder Umgebungstemperatur darin, seltener seinen Wasserstand. Das Ergebnis wird auf einer Skala angezeigt, die vom Wageninneren aus sichtbar ist.MotoMeter: Imagebroschüre 1912-2012; Seite 3 Ein Schwabe in New York Es gab eine ganze Reihe von Herstellern mit unterschiedlichen technischen Lösungsansätzen.

Im Gegensatz zu Kühlerfiguren erfüllen Motometer also eine funktionale Aufgabe und dienen nicht nur (aber auch) der Ästhetik des Fahrzeugs.

Geschichte Zu Beginn der Motorisierung gab es keine Anzeigen der Betriebstemperatur. Dabei führten zu hohe Wassertemperaturen oft zu irreparablen Schäden. Der spätere Marktführer Boyce MotoMeter begann 1912 mit der Produktion solcher Messgeräte. Zunächst erschienen Versionen, die direkt am Motor abgelesen werden mussten. Das Motometer war eine gute Zwischenlösung bis Temperaturanzeigen im Armaturenbrett zur Verfügung standen, immerhin musste nun der Wagen zum Ablesen nicht mehr verlassen werden.

Eine Messwertanzeige direkt am Armaturenbrett ermöglichten erst das 1917 von Boyce herausgebrachte Kapillarrohr-Fernthermometer.MotoMeter: Imagebroschüre 1912-2012; Seiten 3–4 Ein Schwabe in New York Motometer wurden nach dem Erscheinen elektrischer Anzeigen überflüssig. Heute gibt es einen Nischenmarkt im Bereich von Automobilrestaurierungen.

Aufbau und Funktionsweise mini|Beidseitig ablesbares Boyce Motometer mit Verzierung auf einem US-amerikanischen Pierce-Arrow von 1919. Der Kühlerverschluss ist festgeklemmt und lässt sich nach vorn schwenken, wobei die Schwingen als Griff dienen. Von dieser Seite ist nur der oberste Bereich der Temperaturanzeige sichtbar.

Zu dieser Zeit wurde für Automobile mit Verbrennungsmotor und Wasserkühlung in der Regel eine Thermosiphonkühlung verwendet. Diese Kühlung hat einen niedrigeren Siedepunkt als ein System, das unter Druck arbeitet. Entsprechend kalibriert, funktionieren Motometer in beiden Systemen.

Das Motometer ist ein gewöhnliches Thermometer das je nach Hersteller in der Regel als Flüssigkeits- oder Bimetallthermometer ausgeführt ist. Üblicherweise besteht es aus einem Gehäuse mit Fuß, einem Temperaturfühler und einer Anzeige.

Anfangs wurden die Gehäuse aus Messingguss, später aus Zinkdruckguss hergestellt. Als ab etwa 1915 blanke Messingteile unmodern wurden, kamen auch lackierte oder vernickelte Geräte auf den Markt. Seltener, etwa von Radiametre Maxant, wurden Bakelit-Gehäuse verwendet.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 2, Bild Nr. A3 Auf der Innenseite des Gehäuses ist eine Blechscheibe mit einer aufgedruckten Skala eingepasst. Davor ist ein gläsernes Kapillar-Röhrchen senkrecht so eingelassen, dass die Skala und das Röhrchen mit der Anzeigeflüssigkeit die eigentliche Temperaturanzeige bilden. Die Anzeige ist so kalibriert, dass unten der kalte und oben der Siedepunkt angezeigt wird, letzterer mit einem Warnhinweis vor Überhitzung. Die normale Betriebstemperatur im Sommer ist im oberhalb der Mitte angesetzt. Als Anzeigeflüssigkeit im Röhrchen wird meist Quecksilber oder rot eingefärbter Alkohol verwendet.

Als Abdeckung dient ein Deckglas, das zusammen mit Lünette und Dichtungsring mit dem Gehäuse wasserdicht verschraubt ist. Die Rückseite des Gehäuses (also der in Fahrtrichtung stehende Teil) ist oft mit Ornamenten verziert oder hat einen Einsatz mit dem Logo der Automarke.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 1, Bild Nr. A1 ("Aries")

Das Gehäuse wird auf so auf den Kühlerverschluss geschraubt, dass der Temperaturfühler durch den Deckel in das obere Reservoir des Kühlsystems ragt. In der Regel muss dazu der vorhandene Kühlerverschluss durchbohrt oder ausgetauscht werden.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 3, Bild Nr. C2; Boyce Betriebsanleitung, vgl. S. 13–14

Gemessen wird entweder die Wassertemperatur mittels der ins Kühlwasser reichenden Temperaturfühler. Besser ist es jedoch, wenn die Umgebungstemperatur unmittelbar darüber gemessen wird. Ragt der Fühler in den Luftraum über dem Kühlwasserstand, kann an der Motometer-Anzeige zusätzlich ein Kühlmittelverlust erkannt werden, denn dann steigt die Temperatur in diesem Luftraum über die Siedetemperatur des Kühlmittels.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 3, Bild Nr. C2; Boyce Betriebsanleitung, vgl. S. 7–8 Marktführer Boyce verlegte sich folgerichtig auf das Ablesen der Lufttemperatur.

Die Skala wird vom Fahrer durch die Windschutzscheibe abgelesen.Mascot-Mania MotometersMascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 1, Bild Nr. B1 Um dies zu erleichtern sitzt das Gehäuse leicht zum Fahrer gedreht; d. h., es gibt Ausführungen für links- und rechtsgelenkte Fahrzeuge.

Boyce 1926 Boyce Motometer listet für 1926 vier verschiedene Grundtypen auf:Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 3, Bild Nr. C2; Boyce Betriebsanleitung, vgl. S. 9–10

Modell Anwendung Preis US$ Standard große PKWs 10.00 Universal Gebrauchswagen 7.50 Junior kleine Gebrauchswagen 5.00 Midget Kleinwagen 2.50

Besondere Ausführungen wurden für LKW und das Ford Modell T hergestellt.

An den besseren Thermometern können einzelne Teile ausgetauscht werden.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 1, Bild Nr. D1 Der Hersteller gab dazu Empfehlungen ab.

Viele Motometer waren jedoch billig hergestellt. Oft waren dann Anzeige und Deckglas eingelötet; solche Geräte können nicht repariert werden.

Allgemein ist die rein mechanische Technik dieser Geräte nicht besonders exakt; Abweichungen von 10 Grad Celsius nach oben oder unten sind möglich. Das Ablesen bei Nacht oder bei schlechter Witterung ist kaum möglich. Immerhin war das Instrument preiswert herzustellen und gab wenigstens einen Anhaltspunkt über den Zustand des Motors.

Varianten miniatur|Reproduktion eines beidseitig ablesbaren Boyce-Motometers mit als Schwingen ausgebildetem Drehgriff für den Kühlerverschluss auf einem Ford Modell T von 1914. miniatur|Motometer eines unbekannten, wahrscheinlich britischen, Herstellers auf einem amerikanischen King von ca. 1915 lässt sich die Temperatur mit einem Zeiger von einer Skala von „Cold“ über „Normal“ bis „Hot“ ablesen.

Sehr beliebt waren Motorthermometer die sowohl von vorn wie von hinten ablesbar waren. Diese Geräte haben statt eines Gehäuses einen Metallring, beidseitig eine Lünette und eine zusätzliche Metallscheibe, die Rückseite an Rückseite mit der ersten im Ring befestigt ist. Oben haben beide eine runde Öffnung durch welche der „heiße“ Bereich des Thermometers abgelesen werden kann. Von vorn ist also nur der kritische Temperaturbereich zu sehen, dafür ist Platz für ein Markenlogo oder eine Werbebotschaft. Für den Fahrer ist hingegen das ganze Kapillar-Röhrchen sichtbar.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 1, Bild Nr. E1 Dieses Motometer wird als Reproduktion wieder angeboten und bei Oldtimer-Restaurierungen gerne verwendet.

Manche Motometer wie etwa das Arrometer von Bushnell, das Calometer (später Calormeter) von WilmotMascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 3, Bild Nr. D3 oder der Morden Indicator zeigen die Temperatur mit einem Pfeil auf einer Skala an.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 1, Bild Nr. D3 Auch Boyce bot eine ähnliche Version an, die noch für den Ford Modell A (1928–1931) belegt ist; die Skala bestand aus einem Halbkreis mit drei Sektoren; der linke trug die Beschriftung „Cool Motor“ und der mittlere „Driving Range“. Der rechte Sektor war kleiner und mit „Steam“ (Dampf, Siedepunkt) bezeichnet. Zusätzlich gab es unter der Skala eine Sichtscheibe mit grünem Hintergrund, welche mit steigender Temperatur von einer roten Blechscheibe überdeckt wurde.

Das Bemometer der Great Northern Sales Company hat ein Metallgehäuse mit einem kreisrunden Schauglas. Dahinter bewegt sich eine rote, runde Scheibe mit zunehmender Temperatur nach oben, bis sie am Siedepunkt vollständig sichtbar ist.

Ähnlich funktioniert das Moore Motor Semaphore der Semaphoric Indicator Company aus Chicago. Es arbeitet mit je einer roten und einer grünen Scheibe. Der Schwimmer bewegt zwei Hebel die auf jeweils eine Scheibe einwirken. In kaltem Zustand ist nur die grüne Scheibe zu sehen. Je mehr von der roten sichtbar wird desto höher ist die Motortemperatur. Bei Betriebstemperatur sind beide Scheiben teilweise erkennbar; bleibt die rote Scheibe permanent sichtbar ist zu wenig Wasser im Kreislauf.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 3, Bild Nr. C3

Das Metro Scope - Benson Favorite der Auto Radiator Meter Company aus Seattle hat eine kreisförmige Skala, welche nur einen umlaufenden, gläsernen Kreisbogen freilässt. Die Anzeige erfolgt durch zwei hinter der Skala angebrachte rote Fahnen. Diese bewegen sich gegenläufig nach oben, sodass der Kreisbogen auf beiden Seiten allmählich rot eingefärbt wird. Die Betriebstemperatur ist erreicht wenn dies zu etwa 2/3 erfolgt ist. Treffen die beiden Anzeigen oben zusammen dann besteht Überhitzungsgefahr.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 1, Bild Nr. B3

Einen interessanten Ansatz hat die W.B. Jarvis Co. in Grand Rapids (Michigan) gefunden: Nicht die Temperatur wird gemessen, sondern der Wasserstand im oberen Kühlerreservoir. Je heißer das Wasser – also je mehr Dampf sich im System bildet – desto tiefer sinkt der Wasserpegel. Angezeigt wird dies mittels eines langen Rohres das weit in den Kühler hineinragt und einem Schwimmer der wiederum mit einer Anzeige verbunden ist. Bei vollem Tank steht der Schwimmer am oberen Anschlag. Dies wird mittels Zeiger auf einer vertikalen Skala sichtbar. Je mehr Wasser verdampft desto tiefer sinkt die Anzeige. So wird der Fahrer auch daran erinnert, rechtzeitig Kühlwasser nachzufüllen.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 2, Bild Nr. D2

Fernthermometer Wie beschrieben, kam Boyce bereits 1917 mit dem ersten Kapillarrohr-Fernthermometer auf den Markt. Das Unternehmen beschrieb die Funktionsweise später so: Das Kapillarrohr-Fernthermometer „bestand lediglich aus drei Teilen: dem Wärmefühler (Tubus), der Kapillarleitung und der Bourdonfeder. Die Erfindung war jedoch spektakulär, denn sie ermöglichte mithilfe des Flüssigkeitsdrucks eine lineare Anzeige. Sobald der Tubus in eine warme oder kalte Flüssigkeit getaucht wurde, hatte die Bourdonfeder das Bestreben, sich zu strecken bzw. sich zusammenzuziehen. Der dadurch bewirkte Ausschlag des Zeigers zeigte auf der Skala die jeweilige Temperatur an“.

Die Anzeige selber war rund, hatte eine indirekte Beleuchtung und einen Fuß aus Metall, der mit einer Rohrschelle auf der Lenksäule befestigt wurde. Es wurde empfohlen, den Temperaturfühler im Wasserschlauch auf der Ausgangsseite des Kühlers anzubringen.Mascot-Mania: Motometers Gallery; Thumb 3, Bild Nr. C2; Boyce Betriebsanleitung, vgl. S. 17–18

Automobilzubehör mini|Motometer auf einem De Dion-Bouton 12/24 CV von 1924; wahrscheinlich ein Bushnell Arrometer