mini|Nummer 7: in Cyanblau gehalten, bildet den Distrikt Nyaung U ab.
Nyaung U ist ein Distrikt im zentralen Myanmar. Er befindet sich im Südwesten der Region Mandalay. Sein administratives und funktionales Zentrum ist die gleichnamige Stadt Nyaung U, die 2014 48.528 Einwohner hatte. Der Distrikt setzt sich aus den beiden Townships Nyaung U und seit 2014 Kyaukpadaung zusammen. Der Township Kyaukpadaung gehörte zuvor zum Myingyan Distrikt. Die Gesamtfläche des Distrikts beträgt seitdem 3423,1 km² und die Gesamtbevölkerung betrug 2014 501.855 Einwohner.
Geografie Topographie Im Süden, Westen und Norden grenzt der Distrikt an die Region Magwe. Im Osten grenzt es an den Distrikt Myingyan und im Südosten an den Distrikt Meiktila. Die Nord-Süd-Ausdehnung des Distrikts beträgt bis zu 74,3 Kilometer, die Ost-West-Ausdehnung bis zu 68,8 Kilometer. Die drei Kernorte des Nyaung U Townships, Nyaung U, Old Bagan und New Bagan liegen alle am Fluss Irrawaddy und bilden zueinander ein Dreieck, die durch mehrere asphaltierte Straßen, darunter die Route 2 miteinander verbunden sind.
Die Großstadt Pakokku liegt auf der nördlichen Uferseite des Irrawaddy 30 Kilometer nordöstlich von Bagan und ist nächstgelegenes großstädtisches Zentrum des Distrikts und über die 2009 neu gebaute Brücke Pakokku-Brücke zu erreichen.
Der einzige bedeutende Fluss bildet der Irrawaddy. Sein von Norden nach Süd-Westen gehender Flussverlauf bildet die nordwestliche Grenze des Distrikts. Der Fluss wird nicht reguliert. So bilden sich temporäre Flussinseln und neue Flussarme aufgrund des hohen mitgeführten Sedimentanteils. Teile der Inseln werden jährlich überschwemmt und fortgespült. Für den Distrikt bildet der Fluss die wichtigste Wasserbezugsquelle. Es gibt auf dem Distriktgebiet noch mehr als ein Dutzend weiterer temporärer Flussverläufe, deren Flussbetten nur während der Regenzeit mit Wasser gefüllt sind.
Der Distrikt Nyaung-U liegt in der zentralen Trockenzone Myanmars. Die Vegetation ist in der Trockenperiode überwiegend verdorrt, bräunlich und eintönig. In der Savannenlandschaft wechseln sich Dörfer mit Palmenhainen und offenen Ebenen ab. Menschliche Siedlungen und Strukturen treten verdichtet auf.
Es gibt mit dem Kyet Mauk Taung einen größeren künstlichen See auf dem Gebiet des Distrikts. Im Zentrum des Nyaung U Townships verläuft in süd-nördlicher Richtung eine rund zwei Kilometer breite Hügelkette, die mit rund 15 Kilometer Länge ihren Anfang und ihr Ende innerhalb des Townshipterritoriums findet und Höhen von bis zu 400 Meter erreicht. Der Mount Tu Yin bildet die höchste Erhebung der Tu Yin Hügelkette.Jonathan Liljeblad, Bas Verschuuren: Indigenous Perspectives on Sacred Natural Sites: Culture, Governance and Conservation, Routledge, 2018, S. 185
Das heutige geografische Distriktgebiet umfasst eine historische Landschaft mit einheitlichen kulturellen, natürlichen und sozioökonomischen Merkmalen, das als Bagan-Kulturerbe ein unteilbares Ganzes bildet. Der Ananda-Tempel, der Htilominlo-Tempel, der Dhammayangyi-Tempel die Shwesandaw-Pagode, die Bupaya-Pagode und die Shwezigon-Pagode und viele weitere sakrale Gebäude liegen im Distriktgebiet. Sie sind Teil der alten Königstadt Bagan. Heute existieren noch 2376 Pagoden. Die heiligen Stätten sind als Bagan Archaeological Zone in eine 8 Kilometer × 13 Kilometer große Schutzzone zusammengefasst worden und liegen vollständig innerhalb des Distriktgebiets. Das Gebiet liegt in einer erdbebengefährdeten Zone. Zuletzt gab es ein Erdbeben am 24. August 2016 der Stärke 6,8 (7) mit Epizentrum etwa 40 km südwestlich von Bagan, das Schäden an den historischen Stätten anrichtete. Einige Bauten wurden mit internationaler Hilfe restauriert, andere ließ die Militärregierung notdürftig restaurieren.
Klima Es gibt fünf Jahreszeiten vor Ort:Data Collection Survey on the Project for Development of Water Saving Agricultural Technology in the Central Dry Zone in the Republic of the Union of Myanmar, Final Report, August 2013, Japan International Cooperation Agency (JICA), Sanyu Consultants INC., S. 8 Vor-Monsun: Mai – Juni Monsun: Juli – August Nach Monsun: September – Oktober Winter: November – Januar Sommer: Februar – April
Der Distrikt Nyaung U hat die höchsten Temperaturen unter allen Regionen Myanmars. Die Monate Januar bis März sind warm und trocken, Regen gibt es selten. Ab März wird es heiß und trocken, wobei die Temperaturunterschiede ganzjährig nicht sehr hoch sind. Es ist dauerhaft warm bis heiß und die Jahresdurchschnittstemperatur beträgt 27,9 Grad Celsius. Die Tageshöchsttemperatur liegt zu dieser Zeit in der Regel zwischen 33 und 35 Grad Celsius. Es können aber auch Höchstwerte von 43 Grad Celsius erreicht werden. Die Temperaturen variieren nicht sehr stark und die Mindesttemperatur liegen mit etwas über 20 Grad Celsius nur bei 10 Grad Celsius Unterschied zu den allgemeinen Höchsttemperaturen.Annex 12A: Profile of Htee Pu Climate Smart Village (PDF), International Institute of Rural Reconstruction, 2018, S. 3 f.
In der Stadt Nyaung U fallen ganzjährig im Schnitt 618,9 Millimeter Regen je Quadratmeter. Die Niederschlagsvarianz in der Region reicht aber je nach Lage von 508 and 1016 mm Regenanfall je Quadratmeter. Dieser fällt jedoch zeitlich ungleich verteilt. Von Anfang Dezember bis Ende März dauert die Trockenperiode mit einer Gesamtniederschlagsmenge von lediglich 12,1 Millimeter Regen je Quadratmeter., No. 9/2017, ISSN 2387-4201, Norwegisches Meteorologisches Institut, S. 23–36 Der Grund für die saisonal ungleich verteilten Niederschläge sind die bis zu 3000 Meter hohen Gipfel des Rakhine Yoma im Westen Myanmars. Die Gipfel halten die schweren Regenwolken des Monsuns ab.Andrea Markand, Volker Klinkmüller: Reiseführer Myanmar, Stefan Loose Travel Handbücher, DuMont Reiseverlag, Ostfildern, 5. Auflage, 2014, S. 234 Der Monsunregen während der Regenzeit von Beginn April bis November ist bimodal mit einer einmonatigen Trockenperiode im Juli, wenn trockene trocknende Winde aus dem Süden wehen. Im August, September und Oktober fällt der meiste Regen des Jahres. In dieser Zeit ist die Sonnenscheinzeit am geringsten.
Das Gebiet fällt nach der Köppen-Klassifikation in die Kategorie feuchte tropische Savanne (Köppen Code AW). Vergleichbare Klimaregionen der Welt wären Jamaika, das Northern Territory Australiens oder Panama. Das Klima und insbesondere die Niederschlagszeiten und -menge beeinflusst die lokale Wirtschaft und darunter insbesondere die primär bedeutende Agrarwirtschaft zum Beispiel bei der Wahl der kultivierten Pflanzen. Ausbleibender Regen führt häufig zu Wassermangel und Ernteverlusten. Dadurch ist die ländliche Bevölkerung vor Ort in ihrer Existenz bedroht. Insgesamt ist der Regenfall in der Langzeitbertachtung zurückgegangen. Auch die Regenzeit hat sich geändert.Helen James: Population, Development, and the Environment: Challenges to Achieving the Sustainable Development Goals in the Asia Pacific, palgrave macmillan, Singapore 2019, S. 398
In der Langzeitbetrachtung entwickelten sich die durchschnittlichen jährlichen Regenfälle im Distrikt Nyaung U wie folgt:Social Assessment, Final Report Oktober 2014, S. 16 1981: 765 mm 1991: 517 mm 2001: 556 mm 2009: 374 mm
Die Klimaprojektionen für das Gebiet prognostizieren zukünftig einen allgemeinen Temperaturanstieg, eine Zunahme der Niederschlagsvariabilität während der Regenzeit, eine Zunahme des Überschwemmungsrisikos infolge eines späten Einsetzens und vorzeitigen Rückgangs des Monsunregens sowie eine Zunahme des Auftretens und der Intensität extremer Wetterereignisse, einschließlich Zyklone, Überschwemmungen, intensive Regenfälle, extrem hohe Temperaturen und Dürre.Annex 12A: Profile of Htee Pu Climate Smart Village (PDF), International Institute of Rural Reconstruction, 2018, S. 12
Naturereignisse Die Region liegt in einer tektonisch unsicheren Zone. Myanmar liegt am östlichen Rand der Grenze zwischen der Indischen Platte und der Burma-Platte in einer Subduktionszone. Der Distrikt befindet sich in Myanmars seismischer Zone IV („Schwere Zone“). Die Intensität von Erdbeben reichen zwischen VIII (zerstörend) und IX (verwüstend) auf der Mercalliskala (MMS) mit erwarteten Bodenbeschleunigungen von 0,30–0,40 g.
Viele der hiesigen Erdbeben mit flachem Erdbebenherd ereignen sich in der Region sowohl aufgrund von Blattverschiebungen als auch Aufschiebungen. Sowohl der aktive Sunda megathrust im Indischen Ozean als auch die Sagaing Verwerfung durchschneiden den Distrikt und sind die Hauptursachen für die tektonische Unruhe in dem Gebiet. Der Standort ist dazu noch von zwei weiteren großen aktiven Verwerfungen umschlossen, die Chauk-Yenanchaung-Verwerfung und die Gwe-cho-Verwerfung.Bagan Disaster Risk Management Plan (DRMP), Final Report 2018 (PDF), S. 17
Durch die Nähe zum Irrawaddy und seinen Nebenflüssen ist das Ufergebiet Überschwemmungen und Flussufererosion ausgesetzt. Während der Monsunzeit von Mai bis Oktober kommt es in der Regel dreimal oder öfter zu Überflutungen von Nebenflüssen, die Wohnraum und Lebensgrundlagen in niedrig gelegenen Gemeinden sowie den Verkehr beeinträchtigen.
Wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem Klimawandel, findet in der Region eine fortschreitende Wüstenbildung statt. Menschgemachte Eingriffe wie Abholzungen aber auch Erosion und eine zunehmende Salinität haben diesen Prozess verstärkt.Annex 12A: Profile of Htee Pu Climate Smart Village (PDF), International Institute of Rural Reconstruction, 2018, S. 11 Es gibt durchschnittlich fünf Waldbrände pro Jahr. Stadt- und Waldbrände sind in der Trockenzeit eine große Bedrohung (ungefähr von November bis Mai); Brände haben fast 70 Prozent der registrierten Katastrophenereignisse verursacht. Diese können für Anwohner und Besucher eine erhebliche Gesundheitsgefährdung darstellen und die Standorte direkt schädigen.Bagan Disaster Risk Management Plan (DRMP), Final Report 2018 (PDF), S. 18
Relief und Naturschutzgebiete rechts|mini|400px|Mount Popa von der Straße nach Kyaukpadaung aus gesehen, Taung Kalat links am Bildrand mini|hochkant=1.0|Popa Taung Kalat
Das Relief verläuft stetig ansteigend von Westen nach Osten. An der Westgrenze in Flussufernähe liegt die durchschnittliche Höhe bei 60 Meter über dem Meeresspiegel und an der Ostgrenze des Townships Nyaung U bei 480 Meter über dem Meeresspiegel. Das hier beginnende Plateau, das Pegu-Joma setzt sich darüber hinaus in westlicher Richtung im zum Distrikt gehörenden Kyaukpadaung Township weiter fort und erreicht dort mit dem Mount Popa seinen Höhepunkt.https://en-gb.topographic-map.com/maps/disf/Nyaung-U-District/ Um den Mount Popa breitet sich der 129 km² große und 1989 errichtete Popa Mountain National Park aus. Er liegt 67 Kilometer von den Historischen Stätten Bagans entfernt.http://www.asterism.info/parks/popa/ Hier ist das Klima kühler und die Bidoviversität reicher als in der Umgebung. Die Landschaft dort ist mit Palmyrapalmen gesäumt. Da in den östlicheren Gegenden die Höhe über dem Meeresspiegel insgesamt höher ist, ist dort das Klima insgesamt etwas kühler und weist höhere Niederschlagswerte auf. Dadurch gibt es mehr Wälder und eine größere Biodiversität als in den niedriger gelegenen Westteilen des Distriktes.Oliver Springate-Baginski, Duncan Macqueen, Mehm Ko Ko Gyi: Unleashing the potential of community forest enterprises in Myanmar, International Institute for Environment and Development, London 2014, S. 34 Nicht weit entfernt vom Mount Popa befindet sich der Popa Taung Kalat Vulkankegel. Das buddhistische Kloster auf dem Popa Taung Kalut ist einer der bedeutendsten Pilgerorte für buddhistische Mönche, Gläubige und Nonnen. Flora und Fauna