St. Magnus ist eine katholische PfarrkircheBistum Augsburg im oberschwäbischen Unterrammingen, einem Teilort von Rammingen.Eintrag in der Denkmalliste. Die umfriedete, geostete Kirche steht von Bauernhöfen umgeben ungefähr in der Mitte des Straßendorfes Unterrammingen, etwas zurückgezogen neben der Hauptstraße. An der Ostseite befindet sich der Friedhof. Sie ist dem heiligen Magnus geweiht und gehört zur Pfarreigemeinschaft Mattsies. Die Kirche ist vor allem für ihre Fresken des Malers Johann Baptist Enderle bekannt. Ihre barocke Ausstattung stammt zum größten Teil aus dem 18. Jahrhundert. Der Orgelprospekt aus dem Jahre 1775 gehört zu den schönsten in Schwaben. mini|hochkant=1.5|Kirche St. Magnus in Unterrammingen
Geschichte mini|Der Grundriss von St. Magnus Der Ort Unterrammingen wurde 1094 erstmals urkundlich genannt. Man geht allerdings davon aus, dass es schon vorher im Ort eine Pfarrei gab. Das Patronatsrecht hatten die Edlen von Rammingen, welfische Ministeriale. Im späten 13. Jahrhundert ging es mit dem Ort an die Herrschaft Mattsies über und St. Magnus wurde zu einer Filialkirche der dortigen Pfarrei. Hans von Stein zu Mattsies überließ die Kirche 1469 der Pfarrei Türkheim, die damals dem Kloster Denkendorf bei Esslingen am Neckar gehörte. Herzog Albrecht V. von Bayern kaufte 1560 vom Kloster Denkendorf die Pfarrei Türkheim einschließlich der Filialkirche in Unterrammingen mit sämtlichen Rechten und Gütern. Er veräußerte sie 1562 an Hans und Markwart von Stein zu Mattsies, die die Pfarrei Unterrammingen nach Auflösung der Frühmessstiftung von Mattsies 1565 wiederherstellten. Zusammen mit der Herrschaft Mattsies kam die Pfarrei 1598 an die Fugger, die sie bis 1679 innehatten, bevor sie zu Herzog Maximilian Philipp Hieronymus von Bayern gelangte. 1705 kam sie zum Kurfürstentum Bayern.
mini|Detail des Hochaltarbildes mit der neuerbauten Kirche und dem bis 1796 bestehenden Turmabschluss Lediglich große Teile des Turms sind von der spätgotischen Vorgängerkirche erhalten geblieben. Ein Hochaltarbild, das den heiligen Magnus darstellte und 1732 von Joseph Anton Hafner aus Türkheim gemalt wurde, gilt als verschollen. Pläne für den Neubau der Kirche wurden am 12. Juni 1761 von Pfarrer Joseph Anton Germiller an den kurfürstlich geistlichen Rat in München herangetragen. Die alte Kirche sei zu baufällig geworden, weshalb man einen Neubau wünschte. Das Pfleggericht Türkheim untersuchte daraufhin die Kirche und stimmte einem Neubau zu. Der kurfürstliche Hofbaupolier Ignaz Prechler zeichnete Grundrisspläne, die noch erhalten geblieben sind, und den Längsschnitt und bezog die Umfassungsmauern des gotischen Chores mit ein. Die kurfürstliche Hofkammer erhielt Kostenvoranschläge von Joseph Stiller für Maurerarbeiten, Andreas Henkel für den Stuck und Johannes Hörmann für die Zimmererarbeiten; die Genannten führten den Bau von 1767 bis 1768 aus. Kurfürst Maximilian III. Joseph von Bayern genehmigte einen kostengünstigeren Kostenvoranschlag am 23. Februar 1765. Auf Stuck und Fresken sollte verzichtet werden; von der abgebrochenen Burg Angelberg wurden 25.000 Ziegelsteine für den Kirchenbau verwendet. Der Baubeginn war Ende März 1767 und im April 1768 war das Langhaus gedeckt. Der nun doch völlig neue Chor wurde danach begonnen und war im selben Jahr im Rohbau fertig. Im Dachstuhl befindet sich eine Signatur eines Zimmerers A. W. Die Gesamtkosten der Kirche betrugen 5581 Gulden und 20 Kreuzer. Der damalige Pfarrer Germiller übernahm die Kosten des Stucks, der Fresken und des Hochaltars. Zusätzlich stiftete er 500 Gulden für die Anschaffung einer Orgel. Die Seitenaltäre wurden 1775 aufgestellt. Das Satteldach des Turmes wurde 1796 durch ein Obergeschoss mit Kuppelhaube ersetzt. Erst 1818 weihte Weihbischof Franz Karl Fürst zu Hohenlohe die Kirche. Innen wurde sie von 1947 bis 1948 umfassend restauriert, außen 1968. Weitere Renovierungen fanden Ende der 2000er Jahre statt.
Baubeschreibung mini|Blick von der Empore in den Chor Der Bau ist einfach strukturiert: es handelt sich um eine Saalkirche mit eingezogenem Chor und einen seitlich an der Chorflanke stehenden, massiven Turm. Das blockhafte Langhaus überragt etwas den niedrigeren Baukörper des Chores. Eine außen um den ganzen Bau laufende aufgeblendete Pilastergliederung vereinheitlicht die Bauteile. Wie im Langhaus sind auch im Chor die Raumecken abgerundet, was zu einer fließenden Raumwirkung beiträgt.
Inneres
Der Chor ist eingezogen und besteht aus zwei Jochen mit flachbogigem Schluss. Die Wand ist durch rötlich marmorierte Pilaster auf flachen Wandvorlagen mit verkröpften, dreiteiligen Gebälkstücken gegliedert. Je ein schräggestellter Pilaster befindet sich am Apsisansatz. In der Seitenwandmitte und an der kräftiger vorspringenden Chorbogenlaibung befinden sich ebenfalls Pilaster. Im östlichen Joch sind zwei Gruppen mit je zwei hohen, oben und unten geschweiften Fenstern dicht nebeneinander in die Wand eingelassen. Darüber befindet sich im Zwickel je ein kleines, vierpassförmig geschweiftes Fenster. Das Westjoch hat gleichartige, gemalte Gruppen von Scheinfenstern, von denen das westliche an der Südseite im Unterteil von einer stichbogigen Oratoriumsöffnung mit einer gemalten Balusterbrüstung und einem spiraligen Eisengitter durchbrochen ist. Unter den westlichen Scheinfenstern befinden sich nördlich zum Turm und südlich zur Sakristei hin rot marmorierte Rechtecktüren und flachbogig gemuldete Wölbungen über flachen Schildbogen. Der korbbogige und an der Laibung und der Westseite mit Pilastern besetzte Chorbogen ist um eine Stufe und der Fußboden des Chores im Ostjoch um eine weitere Stufe erhöht. Das saalartige Langhaus ist in vier Achsen mit Pilastern gegliedert. Es besitzt große rundbogige Fenster, die bis in die segmentbogigen Schildbogen reichen. Die Ostecken sind konkav und von Schildbögen überfangenen Pilastern flankiert. Am Chorbogen befinden sich die Pilaster innen. Ein angesetztes, fensterloses fünftes Joch dient für die Emporen. Die flachgedeckte Decke ist an allen Seiten abgemuldet. Über dem Chorbogen schneiden die Grate in die Decke ein und über der Empore sind die Westecken gerundet. Darüber befinden sich flache Schildbögen. Zwischen den letzten befindet sich an der Westwand ein breiter, korbbogiger Schildbogen. Bis zur letzten Renovierung ruhten die Emporen auf rot marmorierten Rundstützen mit toskanisierenden Kapitellen. Diese wurden wegen Baufälligkeit mit gleichartigen weißen und am oberen Ende golden verzierten Stützen ersetzt. Die Brüstungen der Emporen sind dreiachsig, der Mittelteil ist jeweils mit einem eckigen Vorsprung und einem weiter innen liegenden konvexen Übergang leicht vorgezogen. Im vierten Joch von Osten befindet sich eine Stichbogentür.
Die vordere Hängesäule im Dachstuhl über dem Langhaus trägt in Rötel die Inschrift 17 / 67 / AW. Ein Binder über dem Chor ist mit MA 1768 W signiert. Dabei könnte es sich um den Erbauer des Dachstuhles, Anton Wachter aus Markt Wald, handeln.
Äußeres mini|Die Südseite mit der Sakristei Im Jahre 1968 wurde die alte Farbgebung der Kirche, goldgelb auf weißem Grund, wiederhergestellt. Die achsenweise Gliederung bilden toskanische Pilaster mit einem umlaufenden, verkröpften und dreiteiligen Gebälk. Pilaster befinden sich auch an den Ecken der Langhaus-Ostseite. Die rhythmische Einteilung in vier breitere Achsen mit Fenstern und jeweils einer schmalen, fensterlosen Achse an den Ecken ergibt sich durch die Flankierung der Achsen mit Pilastern. Am Chor sind die Pilaster zwischen den beiden Jochen sowie schräg am Apsisansatz angeordnet. In einer hohen, kleeblattförmig schließenden Blende im Chorscheitel befindet sich ein Kruzifix der Volksmission von 1989. Das ursprüngliche Kruzifix wird in der Leichenhalle aufbewahrt. Die gemalten Assistenzfiguren neben dem Kreuz, deren Reste 1968 noch erkennbar waren, wurden bei den späteren Restaurierungen übertüncht. Am Dach über der Blende befindet sich eine stehende Gaube mit stichbogiger Aufzugsöffnung und einem Dreiecksgiebel. Die Inschrift: I. A. G. MDCCLXVII I. S. in der Spitze des Ostgiebels bedeutet (Pfarrer) Joseph Anton Germiller 1767 (Baumeister) Joseph Stiller. Die Westfassade mit durchgehendem Gebälk wird von Pilastern begrenzt, die Ecken sind abgerundet. Der mittlere Anbau für den Emporenaufgang mit Pultdach wurde 1968 entfernt und durch einen neuen mit Walmdach, nach den originalen Bauplänen des 18. Jahrhunderts, ersetzt. Das Vorzeichen an der Südseite stammt aus der Bauzeit und besitzt ein Satteldach. Es ist im Süden offen mit einer flachbogigen, von toskanischen Eckpfeilern begrenzten Arkade. Im Norden wurde im Jahre 1968 ein gleichartiges Vorzeichen angebaut. Der Kanzelaufgang mit einem nach Westen abfallenden Pultdach stammt ebenfalls von 1968.
Die an der Südseite des Chores angebaute Sakristei wurde 1819 um eineinhalb Meter nach Osten erweitert. Es ist ein schmuckloser zweigeschossiger Bau, mit Pultdach, einer im Jahre 1966 neu eingefügten Spitzbogentüre im Süden, kleinen Rechteckfenstern und einer Flachdecke im Inneren.
Turm mini|hochkant|Der Turm der Kirche Der freistehende Turm befindet sich nördlich des Chorwestjoches und ist mit dem Chor durch einen schmalen Zwischenbau verbunden. Der mächtige quadratische Turm stammt aus dem 15. Jahrhundert und besitzt vom dritten Geschoss an Ecklisenen. Dazwischen befinden sich Kleeblattfriese, wodurch der Turm äußerlich in weitere vier Geschosse geteilt wird. In den einzelnen Geschossen befinden sich Rechtecköffnungen, zum Teil mit außen gestuftem Gewänden. Im obersten Geschoss, das um 1796 erbaut wurde, befinden sich abgeschrägte, mit je zwei geknickten Ecken, die mit toskanischen Pilastern besetzt sind. An den Hauptseiten befinden sich je zwei Rundbogenöffnungen mit Scheitelsteinen, darüber Zifferblätter und Halbkreisgiebel. Auf der mit Kupfer gedeckten achteckigen Kuppelhaube sitzt eine Laterne mit Zwiebelkuppel. Im Erdgeschoss sind Ansätze des ehemaligen Gewölbes erkennbar. Zu den Holzböden der Turmgeschosse führen innen Holztreppen.
Ausstattung Die Kirche ist für eine Dorfkirche ungewöhnlich reich ausgestattet. Die Kirchenfahne stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts und zeigt auf der Vorderseite den heiligen Aloysius, auf der Rückseite ebenfalls den Heiligen vor der Muttergottes. Ein Wachschristkind vom Ende des 18. Jahrhunderts befindet sich in einem Glasschrein neben dem nördlichen Seitenaltar. Der Taufstein aus dem Jahre 1948 wurde von J. Schnitzer aus Buching geschaffen. Er besteht aus rotem Stuckmarmor, dessen Schaft und Becken reich geschweift und profiliert sind. Der Deckel besteht aus Holz. Die Figurengruppe der Taufe Jesu stammt von Tiroler Bildschnitzern und wurde im 21. Jahrhundert gefertigt.
Die Beichtstühle der Kirche wurden um 1775 hergestellt. Sie bestehen aus Holz und sind in grauen, rosa und violetten Tönen marmoriert mit einem vergoldeten Rocailledekor. Die Beichtstühle aus drei Achsen mit geschweiften Arkaden und reich bewegtem Gesims haben eine konvex hervortretende Mittelachse und konkave Seitenachsen.
In der Sakristei befindet sich an der Nord- und Südseite je ein Schrank aus dem frühen 19. Jahrhundert mit klassizistischem Schnitzdekor. Die Schränke sind durch eine Kommode entlang der Ostwand miteinander verbunden. Ein kleiner, zweitüriger Schrank mit einer gemalten Felderung ist mit 1728 bezeichnet. Der zweitürige Schrank im Oratorium stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert und ist schlicht gefeldert. Er wurde 1967 von den Bewohnern des Hauses Nummer 16 der Kirchengemeinde geschenkt.
Stuck mini|Detail des Stuckrahmens des Langhausdeckenfreskos mit Rocaillen und Putto