Die Troll war ein kleiner Zerstörer, ein so genannter „Torpedojager“, der norwegischen Marine, der von 1912 bis Mai 1940 und von 1945 bis 1947 in der norwegischen Marine und von Mai 1940 bis Mai 1945 als Wasserschiff in der deutschen Kriegsmarine diente.

Geschichte Bau Die Troll lief am 7. Juli 1910 bei der Marinewerft in Karljohansvern mit der Baunummer 104 vom Stapel und wurde am 13. März 1912 in Dienst gestellt.

1912–1940 Während des Ersten Weltkriegs diente die Troll, wie die anderen Schiffe der norwegischen Marine, zur Sicherung der norwegischen Neutralität und im Geleitdienst für Handelsschiffe in norwegischen Küstengewässern. Nach dem Ende des Kriegs war das Boot bis 1927 hauptsächlich damit befasst, Schmuggler aufzubringen, die während der norwegischen Prohibition Alkohol ins Land zu bringen versuchten.

In den 1930er Jahren wurde die Troll, wie auch ihre beiden Schwesterschiffe, aus Kostengründen eingemottet, die Troll und die Garm in Horten, die Draug in Bergen. Obwohl die drei Boote beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bereits sehr veraltet waren, wurden sie reaktiviert, um die norwegische Neutralität zu sichern, die Troll und die Garm am 28. August, die Draug am 5. September 1939. Es dauerte jedoch eine erhebliche Zeit, ehe die drei Boote soweit überholt waren, dass sie wieder einsatzbereit waren. Allerdings waren sie nur noch zum Sicherungs-, Geleit- und Wachdienst tauglich.

1940–1945 Beim Beginn der deutschen Invasion Norwegens am 9. April 1940 war die Troll unter Kapitän J. Dahl in Måløy, etwa 100 Seemeilen nördlich von Bergen, stationiert, mit ihren Schwesterschiffen Draug und Garm administrativ zugehörig zur 1. Zerstörerdivision (1. Jagerdivisjon) im 2. Seeverteidigungsabschnitt (Mittelnorwegen). Jedes Boot operierte verhältnismäßig unabhängig in dem ihm zugewiesenen Küstenabschnitt, und die Troll operierte nach dem Beginn des deutschen Angriffs zunächst im Sognefjord. Dort überlebte sie am 26. April, bei Bjordal vor Anker liegend, einen Bombenangriff deutscher Flugzeuge unbeschadet, während ihr in unmittelbarer Nähe ankerndes Schwesterschiff Garm nach einem Volltreffer fast in zwei Teile brach und dann ausbrannte und sank.Es gab keine Toten unter der Besatzung der Garm, da diese ihr Schiff aus Ermangelung an wirksamen Fliegerabwehrwaffen bei Beginn des Angriffs verlassen hatte. Als die im Bereich Sognefjord befindlichen norwegischen Schiffe nach und nach kapitulieren mussten, erhielt Kapitän Dahl, als er am 3. Mai mit seinem Boot in Florø lag, die Anweisung, die Flucht nach Großbritannien zu versuchen. Aus Mangel an Kohle war dies nicht möglich, und am 4. Mai ließ Dahl die norwegische Flagge einholen und ging mit seiner Besatzung an Land zu den dort noch verbliebenen norwegischen Heeresstreitkräften.

Das verlassene Schiff wurde am 18. Mai in Florø von zwei deutschen Vorpostenbooten entdeckt und dann nach Bergen geschleppt, wo es am 20. Mai eintraf. Die Kriegsmarine stellte es, unter Beibehaltung seines Namens, zunächst als Torpedoboot in Dienst, aber Alter und Zustand des Schiffs waren so, dass es schon nach kurzer Zeit wieder ausgemustert wurde. Alle Decksaufbauten wurden entfernt und das Schiff wurde zum Destillationsschiff (zur Herstellung von destilliertem Wasser) und zum Wasser- und Dampfversorgungsschiff umgebaut. In dieser Funktion als Wasserfahrzeug diente das Schiff ab 1941 bei der Werft in Laksevåg (Bergen) bis zum Kriegsende.

1945–1949 Nach dem Ende des Kriegs kam die Troll wieder in norwegischen Besitz. Sie erhielt zwar 1946 noch den Präfix KNM (= Kongelig Norsk Marine) vor ihrem Namen, wurde aber schon 1947 aus der Schiffsliste gestrichen und 1949 zum Abwracken verkauft.

Literatur Frank Abelsen: Norwegian naval ships 1939–1945. Sem & Stenersen, Oslo, 1986, ISBN 82-7046-050-8 (norweg. & engl.). Nils Bjørnsson: Å være eller ikke være – Under orlogsflagget i den annen verdenskrig. Sjømilitære Samfund ved Forlaget Norsk Tidsskrift for Sjøvesen, Haakonsvern, 1994, ISBN 82-990969-3-6 (norweg.)

Weblinks Troll auf german-navy.de Jager Troll KNM auf sjohistorie.no, abgerufen am 20. Dezember 2020

Fußnoten

Kategorie:Draug-Klasse Kategorie:Beuteschiff (Kriegsmarine) Kategorie:Schiff im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Im Krieg geentertes Schiff Kategorie:Deutsche Besetzung Norwegens 1940–1945