Fritz Thiery, geboren als Friedrich Philipp Thiery (* 19. Dezember 1899 in Mannheim; † 2. März 1986laut Filmarchiv Kay Weniger, basierend auf der Auskunft einer süddeutschen Meldebehörde) war ein deutscher Tonmeister, Filmproduzent und Filmregisseur.
Leben Thiery hatte Ingenieurwissenschaft studiert und anschließend, im Dienste von Siemens, auf dem Gebiet der Elektroakustik geforscht. Nebenbei betätigte er sich auch als Ausbilder. Derart präpariert, verpflichtete ihn die größte deutsche Filmproduktionsfirma UFA und machte ihn zu ihrem ersten Tonmeister. In dieser Funktion betreute Thiery tontechnisch nicht nur den allerersten UFA-Tonfilm Melodie des Herzens mit Willy Fritsch und Dita Parlo, sondern auch eine Reihe von folgenden Top-UFA-Filmen wie Der blaue Engel, Der Kongreß tanzt, Ein blonder Traum, F.P.1 antwortet nicht, Viktor und Viktoria und Amphitryon – Aus den Wolken kommt das Glück.
Von Anfang März bis Mai 1938 nahm Thiery eine Auszeit und ging nach Wien, um für die österreichische Produktionsfirma Mondial den mit 381.000 Reichsmark recht kostengünstig hergestellten Film Prinzessin Sissy zu inszenieren.Ulrich J. Klaus: Deutsche Tonfilme, 10. Jahrgang 1939, S. 147. Berlin 1999 Die Dialogregie übernahm der männliche Hauptdarsteller Paul Hörbiger. Der Film über die junge bayerische Prinzessin und spätere Kaiserin Österreich-Ungarns gilt als der erste Sissi-Film der Geschichte. Inmitten der Dreharbeiten fiel der Anschluss Österreichs.
Wieder zurück in Berlin, übernahm Thiery 1939/1940 überdies die Leitung der UFA-Tickfilmabteilung, 1940 endete er seine Ton-Tätigkeit. Nach seiner Dialogregie von Josef von Bakys UFA-Jubiläumsfilm Münchhausen wurde Fritz Thiery in den verbleibenden zwei Weltkriegsjahren als Filmproduzent eingestellt. In dieser Zeit stellte er, überwiegend in eigener Herstellungsgruppe, mehrere ambitionierte Filmbiografien und Literaturadaptionen her.
Die US-amerikanischen, alliierten Besatzungsbehörden setzten am 1. November 1946 Thiery als Treuhänder der Bavaria Filmkunst ein. Als deren Geschäftsführer oblag ihm die Leitung der Firma und die Oberaufsicht über die Filmproduktion. In den kommenden Jahren trat er lediglich einmal, 1953 bei dem von der Helios-Filmproduktion auf dem Gelände von Geiselgasteig unter der Regie von Kurt Hoffmann hergestellten Verwechslungslustspiel Musik bei Nacht, als Produzent in Erscheinung. Im März 1956 rückte Thiery in den Firmenvorstand auf. Infolge eines katastrophal verlaufenen Geschäftsjahres 1956/57 schieden sowohl Bavaria-Aufsichtsratschef Peter Ostermayr als auch Bavaria-Vorstand Thiery am 26. November 1958 aus ihren Ämtern aus.Der Spiegel-Artikel Bavaria. Eine neue Ära? Anschließend zog sich Fritz Thiery ins Privatleben nach Grünwald zurück.
Filmografie Als Tonmeister 1929: Melodie des Herzens 1929: Der unsterbliche Lump 1930: Der blaue Engel 1930: Liebling der Götter 1930: Einbrecher 1930: Der Mann, der seinen Mörder sucht 1931: Voruntersuchung 1931: Der Kongreß tanzt 1931: Stürme der Leidenschaft 1932: Der Sieger 1932: Quick (deutsche & französische Version) 1932: Ein blonder Traum 1932: F.P.1 antwortet nicht 1933: Saison in Kairo 1933: Ihre Durchlaucht, die Verkäuferin 1933: Walzerkrieg 1933: Viktor und Viktoria 1934: Die Töchter ihrer Exzellenz 1934: Der junge Baron Neuhaus 1935: Schwarze Rosen 1935: Amphitryon – Aus den Wolken kommt das Glück 1936: Stjenka Rasin 1936: Boccaccio 1936: Glückskinder 1936: Unter heißem Himmel 1937: Sieben Ohrfeigen 1937: Fanny Elßler 1937: Gasparone 1938/50: Preußische Liebesgeschichte 1939: Die Geliebte 1939: Frau am Steuer 1939: Das Lied der Wüste 1940: Links der Isar – rechts der Spree
Als Produktionsleiter bzw. Herstellungsleiter oder Produzent 1938: Prinzessin Sissy (nur Regie) 1943: Münchhausen (nur Dialogregie) 1944: Nora 1944: Träumerei 1945: Der stumme Gast 1945: Der Puppenspieler (unvollendet) 1953: Musik bei Nacht
Literatur Herbert A. Frenzel, Hans Joachim Moser (Hrsg.): Kürschners biographisches Theater-Handbuch. Schauspiel, Oper, Film, Rundfunk. Deutschland, Österreich, Schweiz. De Gruyter, Berlin 1956, , S. 742. Johann Caspar Glenzdorf: Glenzdorfs internationales Film-Lexikon. Biographisches Handbuch für das gesamte Filmwesen. Band 3: Peit–Zz. Prominent-Filmverlag, Bad Münder 1961, , S. 1727.
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