Hermann Fellner (* 26. März 1878 als Hermann Siegfried Flegenheimer in Frankfurt am Main Geburtsurkunde Nr. 1002 vom 26. März 1878, Standesamt Frankfurt am Main, Quelle: ancestry.com.; † 22. März 1936 in London, Großbritannien) war ein deutscher Filmproduzent und Drehbuchautor, ein Pionier der europäischen Kinematographie.
Leben Fellner arbeitete bereits vor 1900 in unterschiedlichen Bereichen des internationalen Theaters. 1913 wurde er als Nachfolger von Jules Greenbaum Geschäftsführer bei der Produktionsfirma Vitascope GmbH.HRB Nr. 4258, Eintrag im Berliner Handelsregister am 17. Januar 1913 Im Januar 1914 fusionierte die Vitascope mit der Projektions-Aktiengesellschaft-Union (PAGU). Fellner und die Brüder Jules Greenbaum und Max Grünbaum traten als Prokuristen in die neue Großfirma ein.HRB Nr. 11756, Eintrag im Berliner Handelsregister am 29. Januar 1914 Durch Beschluss der Generalversammlung vom 27. Juni 1914 wurden Fellner und Jules Greenbaum Vorstandsmitglieder der AktiengesellschaftEintrag im Berliner Handelsregister am 5. August 1914, die 1917 in der Firmenneugründung UFA aufgehen sollte.
Seit der Frühphase des Ersten Weltkriegs begann sich Fellner auf die Erstellung von Filmdrehbüchern zu konzentrieren. Im Februar 1919 gründete er gemeinsam mit Wilhelm Heiser die Fern Andra Film Vertriebsgesellschaft m.b.H.Handelsregister Berlin HRB Nr. 16024 Im Juli wurde er an der Seite von Julius Mandl (d. i. Joe May) Geschäftsführer bei der May-Film GmbHHRB Nr. 14119, Eintrag im Berliner Handelsregister am 13. Oktober 1919 und im November 1920 Mitgründer und Co-Geschäftsführer bei der Fema Film-Atelier GmbHHandelsregister Berlin HRB Nr. 19450 und im Mai 1921 Co-Geschäftsführer bei der Julius Mandl Film-Gesellschaft mbHHRB Nr. 20394, Eintrag im Berliner Handelsregister am 27. Mai 1921. Mit den von Joe May inszenierten Monumentalfilmen Die Herrin der Welt und Das indische Grabmal war er als Produktionsleiter an zwei aufwendigen und teuren Filmen beteiligt. 1922 begann Fellner eine Kooperation mit dem in Berlin aktiven ungarischen Kollegen Josef Somló. Der Firmenname Felsom (Fellner & Somlo GmbH)Handelsregister Berlin HRB Nr. 23219 entstand aus den jeweils drei Anfangsbuchstaben beider Nachnamen. Felsom-Filme waren leichtgewichtige Stoffe, vor allem romantische Komödien mit Musik behaupteten sich zu Beginn der Tonfilm-Ära am Markt.
Im Dezember 1925 gründeten der Produzent Arnold Pressburger und Somló aus einer Firmenübernahme die Sascha Filmindustrie GmbH, die dann von 1926 bis 1934 als Produktionsfirma F.P.S. Film GmbH firmierte.HRB Nr. 12655, Einträge im Berliner Handelsregister am 12. März 1926, 6. Juli 1926 und 6. April 1934 Im Juni 1927 wurden Fellner und Somló die Kompagnons von Fritz Lang bei der Fritz Lang Film GmbH (1927–1929).Handelsregister Berlin HRB Nr. 40027
Infolge der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten emigrierten die Juden Fellner und Somló nach Großbritannien, wo sich jedoch ihre Wege trennten. Nach einer Produktion für die Firma Gaumont, Wilhelm Thieles Waltz Time nach der Vorlage Die Fledermaus, gründete Fellner mit dem gleichfalls nach England geflohenen Kollegen Max Schach die Cecil Films und vollendete noch zwei Filme. Ende März 1936 wurde Hermann Fellner in seiner Wohnung in London-Westminster erhängt aufgefunden, ein Selbstmord.
Filmografie als Produzent, wenn nicht anders angegeben 1912: Der Eid des Stephan Huller (2 Teile, Produktionsleitung) 1913: Das goldene Bett 1913: Menschen und Masken (2 Teile) 1913: Das Recht auf Glück 1913: Das Geheimnis von Lissabon 1913: Die blaue Maus 1913: Die blaue Maus, 2. Teil 1913: Das silberne Kreuz 1913: Das weiße Grab 1913: Das weiße Pferd 1914: Die braune Bestie 1914: Zweite Tür links 1914: Ein Kindesherz 1914: Weib gegen Weib 1914: Lache, Bajazzo 1914: Ein seltsamer Fall 1915: Der Katzensteg 1915: Kapital und Liebe (Drehbuch) 1917: Die Glocken der Katharinenkirche (Drehbuch) 1918: Das gestohlene Hotel (Drehbuch) 1919: Wahnsinn (Drehbuch) 1919: Die Nacht auf Goldenhall (Drehbuch) 1919/20: Die Herrin der Welt (8 Teile, Produktionsleitung) 1921: Das indische Grabmal (2 Teile, Produktionsleitung) 1922: Sünden von gestern 1922: Firnenrausch (Drehbuch) 1924: Vitus Thavons Generalcoup (Drehbuch) 1925: Der Tänzer meiner Frau 1926: Eine Dubarry von heute 1926: Man spielt nicht mit der Liebe 1926: Ledige Töchter 1927: Die berühmte Frau 1927: Die letzte Nacht 1927: Der Geisterzug 1927: Mein Leben für das Deine 1928: Sechs Mädchen suchen Nachtquartier 1928: Spione 1928: Die Frau auf der Folter 1928: Heut’ spielt der Strauss 1928: Die Räuberbande 1928: Dyckerpotts Erben 1928: Haus Nummer 17 1928: Der fesche Husar 1929: Der Würger (The Wrecker) 1929: Frau im Mond 1929: Das Land ohne Frauen 1930: Die Lindenwirtin 1930: Geld auf der Straße 1931: Drei Tage Liebe 1931: Die Blumenfrau von Lindenau 1931: Die spanische Fliege 1932: Mädchen zum Heiraten 1932: Tell Me Tonight (englische Version von Das Lied einer Nacht) 1933: Waltz Time 1935: Public Nuisance No. 1 1936: Dishonour Bright
Einzelnachweise
Literatur Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 2: C – F. John Paddy Carstairs – Peter Fitz. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 642 f. Kay Weniger: „Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …“. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. Acabus-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 169 f.
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