Erich Arndt (* 11. Oktober 1912 in Parchim; † 11. Mai 2012Todesdatum nach der Traueranzeige in Rostock) war ein deutscher evangelisch-lutherischer Pfarrer, ehemaliger Wehrmachtsdivisionspfarrer, Mitbegründer des Nationalkomitees Freies Deutschland (NKFD) und des Bundes Deutscher Offiziere.

Leben Arndt wuchs in der Familie eines Angestellten auf. Sein Vater war Zugführer bei der Deutschen Reichsbahn. Nach dem Besuch der Volksschule und der Erlangung seiner Hochschulreife 1932 in Parchim studierte er Evangelische Theologie an der Universität Tübingen sowie ab Herbst 1932 an der Universität Rostock.Eintrag im Rostocker Matrikelportal Mit seiner Ordination zum Pastor der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs wurde er Hilfsprediger in Spornitz.

Zum 1. April 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 1.652.034),Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/681485 von der er sich eine Verbesserung der sozialen Lage im Reich erhoffte. Ein im Januar 1936 eingeleitetes Parteiverfahren gegen Arndt wegen dessen seit 1935 bestehender Mitgliedschaft in der Bekennenden Kirche vor dem Kreisgericht der NSDAP in Parchim wurde am 13. Juni 1936 eingestellt.Schreiben der III. Kammer des Obersten Parteigerichtes der NSDAP an den Stab des Stellvertreters des Führers vom 13. Juni 1936. BArch, DC 1036 1939 bewarb sich Arndt um eine Ausbildung zum Militärpfarrer, weil er in der von den Deutschen Christen beherrschten mecklenburgischen Landeskirche keine Chance auf eine feste Pfarrstelle sah.Dagmar Pöpping: Die Wehrmachtsseelsorge im Zweiten Weltkrieg. Rolle und Selbstverständnis von Kriegs- und Wehrmachtspfarrern im Ostkrieg 1941-1945. In: Manfred Gailus, Armin Nolzen (Hrsg.): Zerstrittene Volksgemeinschaft: Glaube, Konfession und Religion im Nationalsozialismus. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2011, ISBN 978-3-525-30029-9, S. 257–286, hier S. 269 nach einem Interview mit Arndt

Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 wurde er als Reserveoffiziersanwärter zu einer „Übung“ eingezogen, rückte dann aber im Kriegsverlauf mit seiner Truppe bis in die Nähe von Warschau vor. Von hier aus wurde er seinem Antrag gemäß abkommandiert zur Ausbildung als Wehrmachtsgeistlicher. Im Jahre 1942 wurde er Militärpfarrer im Range eines Majors. Bei einem Angriff auf Stalingrad am 1. August 1942 wurde Erich Arndt verwundet und kam in ein Lazarett nach Parchim. Kurz bevor sich die Einkesselung der Paulus-Armee vollzog, kehrte Arndt an die Front zurück. Hier wurde er der 24. Panzer-Division unter Generalleutnant Arno von Lenski zugeteilt. Zusammen mit ihm geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft. Dort baute ein Kreis emigrierter deutscher Kommunisten um Walter Ulbricht und Erich Weinert das „Nationalkomitee Freies Deutschland“ auf. Als daher im Lager das sogenannte „Antifa-Lager-Aktiv“ gegründet wurde, arbeitete er dort mit. Mit der Gründung des NKFD wurde er als Lagergeistlicher tätig. Im Juni 1944 gehörte er zu den Mitgründern des »Arbeitskreises für kirchliche Fragen« beim Nationalkomitee. Außerdem war er Unterzeichner des Aufrufes der Geistlichen in der Bewegung Freies Deutschland: »An die Christen an der Front und in der Heimat«. Arndt gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern des Bundes deutscher Offiziere (BDO). Über den Tag der Befreiung, den 8. Mai 1945 – immer noch Gefangener im Kriegsgefangenenlager Nr. 27/1 in Krasnogorsk – schrieb er in einem Rückblick auf sein Leben:http://www.drafd.de/?Erich_Arndt

Im September 1948 kehrte er aus der Gefangenschaft nach Deutschland zurück. Zunächst wurde er wieder Pastor in Parchim. Von 1975 bis 1990 war er Landeskirchlicher Beauftragter für Gefängnisseelsorge in den Strafanstalten Bützow, Neustrelitz und Warnemünde.Andreas Beckmann und Regina Kusch: Gott in Bautzen: die Gefangenenseelsorge in der DDR. Berlin: Ch. Links 1994, ISBN 3-86153-066-X, S. 177f

Arndt arbeitete im Deutschen Friedensrat und in der Nationalen Front mit. Bei einer Wahl zur Volkskammer und zu den Bezirkstagen wurde er Mitglied des Bezirkstags Schwerin mit dem Mandat des Kulturbundes der DDR. Als Mitglied der Christlichen Friedenskonferenz nahm er an deren II. Allchristlichen Friedensversammlung in Prag 1964 teil.

Mit seiner nach Ansicht von Partei und Staat politisch-realistischen Haltung hatte Arndt eine Außenseiterrolle in der Mecklenburgischen Landeskirche, die von der SED im Rahmen der Differenzierungspolitik zur Polarisierung unter den Pastoren instrumentalisiert wurde.Rahel Frank: Realer, exakter, präziser? Die DDR-Kirchenpolitik gegenüber der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs von 1971 bis 1989. Der Landesbeauftragte für Mecklenburg-Vorpommern für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der Ehemaligen DDR, 2., überarbeitete Auflage, Schwerin 2008, ISBN 978-3-933255-28-0, S. 286f Bei kirchlichen Veranstaltungen war er bereit, im Auftrag staatlicher Stellen nötigenfalls progressiv aufzutreten, um Kritik zu unterbinden.Frank, S. 288 unter Bezug auf eine Mitteilung des Abteilungsleiters im Staatssekretariat für Kirchenfragen, Horst Dohle, zu einer Pastorenkonferenz 1976 in Güstrow

Während der Wende und friedlichen Revolution stimmten alle Parteien und Massenorganisationen im Bezirkstag – einschließlich der PDS – dem Antrag auf Selbstauflösung ihrer Gremien zu. Lediglich die Fraktion des Kulturbundes mit Pastor Arndt stimmte gegen die Übergabe der Verantwortung an einen Regierungsbeauftragten. Bei der ersten öffentlichen und vom Sender Schwerin übertragenen Bezirkstagssitzung sagte er:http://www.klangkontext.de/boltenhagen/b6/infotext.html

Über Jahre besuchte er die Veranstaltung des „Literarischen Frühlings“ im Haus Seeschlößchen von Boltenhagen.VIII. Boltenhagener Literaturfrühling 2006, abgerufen am 3. März 2012

Das Archiv der Mecklenburgischen Landeskirche in Schwerin verwahrt eine personengeschichtliche Sammlung von/über Erich Arndt.Liste der Bestände

Veröffentlichungen Osterfahrung. Erinnerungen eines Mitarbeiters des „Arbeitskreises für kirchliche Fragen“ beim NKFD. Zum Thema Amtszuchtgesetz. In: Evangelisches Pfarrerblatt 1964, S. 36f. Tätigkeitsbericht: Strafgefangenenseelsorge. In: epd-Dokumentation 18/86 Zwei Predigten von Pastor Erich Arndt, ehemaliger Divisionspfarrer der 6. Armee, während der Kriegsgefangenschaft. In: Jahrbuch für Mecklenburgische Kirchengeschichte. Mecklenburgia Sacra, hrsg. von Michael Bunners und Erhard Piersig, Bd. 1, Wismar: Redaria 1998, ISBN 3-933771-00-5 Eine Osterpredigt von Pastor i. R. Erich Arndt, ehemaliger Divisionspfarrer der 6. Armee, während der Kriegsgefangenschaft (1948); dazu ein Dokument aus der Zeit der Bekennenden Kirche, das zu seiner Verhaftung in der Aula der Universität Rostock durch die Gestapo führte (1934). In: Jahrbuch für Mecklenburgische Kirchengeschichte. Mecklenburgia Sacra, hrsg. von Michael Bunners und Erhard Piersig, Bd. 6, Wismar: Redaria 2003, ISBN 3-933771-09-9

Literatur Klaus Drobisch: Christen im Nationalkomitee »Freies Deutschland«. Berlin: Union Verlag 1973

Weblinks

Erich Arndt im DRAFD-Wiki

Einzelnachweise

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