mini|Fensterrecht am Hundertwasser-Haus in Wien:Vorleistung von Hundertwasser

Das Fensterrecht war eine Idee und Forderung des Künstlers Friedensreich Hundertwasser. Jeder Bewohner sollte demnach das Recht haben, die Fassade rund um sein Fenster so weit zu bemalen, wie sein Arm reicht. Der Begriff wird außerdem im österreichischen Recht mit einer anderen Bedeutung verwendet.

Ursprung Erste Erwähnung findet das Fensterrecht 1958 in Hundertwassers Verschimmelungsmanifest.

Fensterrecht und die „Dritte Haut“ Für Hundertwasser war das Haus die „Dritte Haut“ des Menschen – nach der Haut des Körpers und der Bekleidung genauso intim und persönlich. Sie müsse vom Menschen selbst gestaltet werden. Bunte Farben, verspielte Formen und verschiedenste Materialien wurden in seiner Architektur dafür eingesetzt. Da aber vielerorts eine einschränkende Bauordnung keine kreative Gestaltung zulässt, verkündete er das „Fensterrecht“:

Später präzisierte er das „so weit der Arm reicht“ durch „soweit ein Mann mit einem langen Pinsel reichen kann“. In der Folge entstanden Einzel- und Gemeinschaftsaktionen, in denen Bewohner von Mietshäusern ihre Fassade selbst gestalteten.

Umsetzung im Mietvertrag Im Hundertwasserhaus in Wien ist das Fensterrecht im Mietvertrag festgeschrieben:Blog in hundertwasser-haus.info

Mietvertrag

(…) 2. Der Mieter ist zur Ausübung des „Fensterrechtes“ berechtigt. Im Sinne des Satzes von Hundertwasser:

„Ein Bewohner muß das Recht haben, sich aus seinem Fenster zu lehnen und außen an der Außenwand alles umzugestalten soweit sein Arm reicht, damit man von weitem sehen kann: dort wohnt ein Mensch“

darf der Mieter die zu seinem Mietobjekt gehörige Außenfront um sein Fenster herum kreativ-schöpferisch umgestalten… Die bei Einzug vorgefundene Gestaltung untersteht nicht dem Denkmalschutz.

Im Rahmen des „Fensterrechtes“ darf der Mieter auch die Hundertwasser-Gestaltung abändern, da diese Gestaltung nur eine Vorleistung für das Fensterrecht ist…

Hundertwasser, 1985

Später wurde der Mietvertrag in Wien so ergänzt: „Der Mieter muß hierfür jedoch die Zustimmung der MA 19 (Stadtbauamt) und der Baubehörde einholen. Dem Vermieter sind die genehmigten Veränderungen anzuzeigen.“

Auch in der Grünen Zitadelle von Magdeburg dürfen die Mieter das Fensterrecht ausüben.

Anwendungen Fensterrecht, ausgeübt an Häusern, die nicht von Hundertwasser gestaltet wurden:

An Häusern, die von Hundertwasser selbst gestaltet wurden, scheint das Fensterrecht von den Bewohnern kaum ausgeübt zu werden.

Fensterdiktatur und Fensterrecht Hundertwasser verurteilte die „Rassentrennung der Fenster“ und bezeichnete solche Monotonie als ein „Merkmal der Konzentrationslager“.Hundertwasser: Fensterdiktatur und Fensterrecht - ein Manifest, 1990 Mit dem Fensterrecht setzte er sich politisch-künstlerisch für die Freiheit und Selbstbestimmung des Menschen ein.

Keramik Unter der Bezeichnung „Die dritte Haut“ fertigt die Königlich privilegierte Porzellanfabrik Tettau eine große Tasse mit Bildern von Fenstern, die nach dem „Fensterrecht“ bemalt sind. Die Tasse ist Teil einer Sechserserie, die Objekte von Hundertwasser zeigt.

Begriff im österreichischen Recht

Im Österreichischen Recht (ABGB §488§488 ABGB) ist das „Fensterrecht“ eine Dienstbarkeit, die das Recht gibt, ein Fenster in einer fremden Wand zu öffnen. Auch eine Dienstbarkeit nach §476§476 ABGB – das Recht darauf, dass ein Fenster nicht „zugebaut“ wird – wird oft als „Fensterrecht“ bezeichnet.Entscheidung TE OGH 2007/12/12 6Ob278/06k

Zwischen diesen Begriffen und dem von Hundertwasser geforderten Fensterrecht besteht keinerlei Verbindung.

Einzelnachweise

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