Jean Louis „Hans“ Hyan (* 2. Juni 1868 in Berlin; † 6. Januar 1944 ebenda) war ein deutscher Kabarettist, Gerichtsreporter und Schriftsteller. Er verfasste vor allem Kriminalromane, aber auch Drehbücher. mini|Paul Haase: Titelblatt zu Hans Hyans Chansons. Musik von Käthe Hyan. Verlag Alfred Michow mini|Heinrich Zille: Gäste in der Silbernen Punschterrine (1903) Leben
Hyan war der Sohn des Kaufmanns Albert Jules Hermann Hyan und dessen Ehefrau Anne Marie Claire, geborene Hartmann. Er besuchte das Gymnasium in Prenzlau, Brandenburg. 1901 hob er in Berlin das Kabarett „Zur Silbernen Punschterrine“ aus der Taufe, das bis 1904 bestand. Im Vortrag erinnerte der Kabarettist an Aristide Bruant, von dem er auch Texte las.Bei Sybille Nägele (PDF; 290 kB), abgerufen am 27. Februar 2012, heißt es: „Ein anderes geniales Paar waren Käthe und Hans Hyan. Hans holte Chansons vom Pariser Montmartre nach Berlin, übersetzte Aristide Bruant und schrieb eigene Lieder. Käthe Hyan vertonte sie und sie trugen sie in ihrem eigenen Cabaret Zur silbernen Punschterrine in der Steglitzer Straße (heute Pohlstraße) vor.“ Hyan war liberal und sozialkritisch eingestellt. In Maßen schlug sich das auch in den zahlreichen Kriminalromanen nieder, die er nach seiner Bühnenzeit schrieb.Hellmuth Mielke (1912): „So hat Hans Hyan (geboren 1868 zu Berlin) aus dem Milieu des »dunklen Berlin« die Motive zahlreicher Skizzen, Novellen und sonstiger Dichtungen sich geholt (»Dufte Jungens«, »Schwere Jungens«, »Die Verführten«, »Hüter der Unschuld« u. a.), bei denen das kriminalistische Interesse nicht so sehr vorwiegt als die Kennzeichnung sozialer Schäden und menschlicher Schwächen und die sich zum Teil durch ihre literarische Form vorteilhaft auszeichnen. In dem Roman »Die Verführten« (1911) gewinnt diese Tendenz zugleich eine scharfe Spitze gegen unser modernes Gerichtswesen.“ Hyan verfasste zudem ab 1913 Drehbücher für Filme, trat darin mehrmals als Darsteller auf und führte auch Regie. Kürschners Deutscher Literatur-Kalender berichtet von über 70 Filmen für die Zeit bis 1932.
Sybille Buske bezeichnet Hyan auch als „Sexualreformer“.Fräulein Mutter, 2004, abgerufen am 27. Februar 2012 Offenbar trug er zu Studien über (Homo)sexualität bei.Herwine Grün: Zur Situation der Homosexuellen in der Weimarer Republik und im deutschen Faschismus, Pinneberg, 1981.Hans Hyan: § 175 in Die Weltbühne 22/I, Nr. 25, 22. Juni 1926, S. 969–973. ()
Hyan war von 1898 bis 1919 mit Käthe Hyan (1875–1958) verheiratet, die seine Liedtexte vertonte und auf der Laute begleitete. Ein Enkel Hyans war der Maler Jacques D. Hyan (1937–2008). Laut diesem war sein Großvater mit Heinrich Zille befreundet, der auch für Hyan illustriert habe.
Hyans Nachlass befindet sich in der Berliner Akademie der Künste.Nachlaß Hyan, abgerufen am 27. Februar 2012
Werke
Spitzbuben, Roman, 1899 Die Flugmaschine, Roman, Berlin 1901 Der falsche Mandarin, Roman, 1901 Johannistrieb, Roman, 1901 Gold, Roman, 1902 Welt und Halbwelt, Roman, 1902 Lumpengesindel, Roman, 1902 Überbrettl, Roman, 1903 Mörder, Roman, 1903 Bilder aus dem Berliner Leben, Roman, 1903 Der schöne Meyer, Roman, 1904 Draga, Roman, 1904 Dufte Jungens, Roman, 1904 Aute mit'n Ast und andere Berliner Geschichten, Novellen, 1904 Die beiden Knipser, Drama, 1904 Die kleine Kammer, Drama, 1904 Tausend Mark Belohnung, Roman, 1905 Armesünder, Novellen, 1906 Roman einer Prinzessin, 1906 Aus der Tiefe des Lebens, Verbrechergeschichten, Berlin 1906 Der Hauptmann von Köpenick, eine schaurig-schöne Geschichte vom beschränkten Untertanenverstande, illustrierter Gedichtband, 1906Hyan schrieb auch das Vorwort für die Lebenserinnerungen, die Wilhelm Voigt nach seiner vorzeitigen Entlassung aus der Haft 1909 veröffentlichte. Kritik daran übt Kurt Wernicke, 1996, abgerufen am 27. Februar 2012 Ein genialer Schwindler, Roman, 1906 Der blasse Albert, Erzählungen, 1907 Das Mädchen mit den 1000 Erinnerungen, Erzählungen, 1907 Schwere Jungen, Großstadt-Dokumente Bd. 28, 1907, urn:nbn:de:kobv:109-1-7013459, digitalisiert von: Zentral- und Landesbibliothek Berlin, 2014. Erbschleicher, Roman, 1907 Spieler, Roman, 1907 Der Juwelenhändler, Roman, 1907 Der verlorene Sohn, Roman, 1907 Der Millionenschwindler: Ein Berliner Börsenroman, Berlin 1907 Der neue Reichstag, Dichtung, 1907 Der Hauptmann von Köpenick, Dichtung, 1907 Kaschemmenwilly, Dichtung, 1907 Der Fürst der Diebe und seine Liebe, Dichtung, 1907 Die Spitzenkönigin, Roman, 1908 Der Mann mit den Gorillaaugen, Roman, 1908 Va banque, Kriminalroman, Berlin 1908 Sherlock Holmes als Erzieher, 1909Hier online (PDF; 332 kB) nachlesbar, abgerufen am 27. Februar 2012 Der Klapperstorch, Dichtung, 1910 Die Verführten, Roman, München 1911 (Zahlreiche Auflagen)Nach Helmut de Boor / Richard Newald , abgerufen am 27. Februar 2012, zog sich Hyan durch dieses Buch (das mehrmals beschlagnahmt wurde) ein Strafverfahren wegen Verbreitung unzüchtiger Schriften zu. Nach Max Geißler (1913) gewann er in erster, verlor jedoch in zweiter Instanz., verfilmt 1919 unter demselben Titel Hüter der Unschuld, Erzählungen, 1911 Försters Lene und andere Kriminal-Erzählungen, Berlin 1912 Lehrer Mathiessen, Roman, Berlin 1912 Sternickel: Ein Verbrecherleben, Berlin 1913 Schlossermaxe: Posse mit Gesang in 4 Akten, Berlin 1913 1000 Mark Belohnung, Kriminalroman, Berlin 1913 Der Polizeiagent und andere Kriminalgeschichten, Berlin 1913 Der Giftmischer, Kriminalgeschichte, Berlin 1913 Der gepfändete Bräutigam, Lustige u. Gaunergeschichten, Berlin 1914 Der Familienschmuck, Kriminalgeschichten, Berlin 1914 Diana: Geschichten aus Busch und Heide, Leipzig 1914 Helden aus dem großen Krieg 1914/1915, Berlin 1915 Die Edelsteinsammlung, Kriminal-Roman, Berlin 1915 Schwerter und Rosen, Kriegsroman, Berlin 1915 Die schöne Blonde, Kriminalroman, Berlin 1915 Das Abenteuer des Staatsanwalts, Roman, Berlin 1915 Zwischen Tag und Traum, Kriminal-Roman, Berlin 1916 Der Massenmörder und anderes, München 1916 Der große Unbekannte und andere Kriminalgeschichten, Leipzig 1916 Der Juwelenhändler, Kriminalroman, Leipzig 1917 Der falsche Schein, Erzählungen, Berlin 1917 Die Spitzenkönigin, Kriminal-Roman, Leipzig 1917 Auf der Kippe, Geschichten aus der Großstadt, Berlin 1917 160 S. ab 23–32 Tausend 144 S Aus vergessenen Akten, Roman, Berlin 1918 Verbrechen und Strafe im neuen Deutschland, Berlin 1919 Feuer fiel vom Himmel, Roman, Berlin 1919 Berliner Gefängnisse, Berlin 1920 Die nicht arbeiten wollen, Roman, Berlin 1920 Hüter der Unschuld, Leipzig 1920 Ich räche Dich!, Kriminalroman, Hamburg 1920 Sündenbabel, Roman, Berlin 1921 Diabolus, Roman, Berlin 1922 Auf dem Asphalt und anderes, Leipzig 1922Lob von Kurt Tucholsky, 1922, abgerufen am 27. Februar 2012 Auf Leben und Tod, Erinnerungen deutscher Kriminalisten I, Leipzig 1923 Tiermenschen, Erinnerungen deutscher Kriminalisten II, Leipzig 1924 Der Brandstifter, Roman, Berlin 1924 (Neue Titelaufl. von Lehrer Mathiessen) Galgenvögel, Geschichten, Berlin 1924 Massenmörder Haarmann, Eine kriminalistische Studie, Bonn 2019 (zuerst Berlin 1924). ISBN 978-3-95421-153-1. Der Kavalier mit der Tuberose, Kriminalnovellen, Leipzig 1925 Der Rächer, 1925? Fiffi und Hektor: Ein Handbuch für Hundefreude. Alle Rassen, wie man sie pflegt, erzieht und nährt, Berlin 1927 Ein phantastischer Lügner, Roman, Berlin 1927 Der Kriminalhund und seine Leistungen, Augsburg 1927 Die flammende Nacht, Roman, Berlin 1928 Feuer!, Roman, Berlin 1928 Ich finde dich, Kriminalroman, Berlin 1928 Die Somnambule, Kriminalroman, Berlin 1929 Strafsache van Geldern, Kriminalroman, Berlin 1930 (1932 verfilmt, Drehbuch von Hyan) Sexualmörder in Düsseldorf, 1930 ?Besprechung von Kurt Tucholsky, 1930, abgerufen am 27. Februar 2012 Fahrende Leute, Roman, Berlin 1931 Der Gang unter der Erde, Kriminalroman, Berlin 1933 Der Tod der Tänzerin, Kriminalroman, Leipzig 1935 Die Rosen von Waldau, Roman, 1935 Der König der Manege, Roman, Berlin 1938 Eines Tages kommt das Glück, Roman, 1938 Das Rätsel von Ravensbrok, Kriminalroman, Böhmisch-Leipa 1943 Mord im Bankhaus Lindström, 1949 (posthum), überarbeitete Fassung von Der Gang unter der Erde Jesellschaftsspiele. Berliner Erlebnisse. Mit einem Essay hrsg. von Martin A. Völker, Berlin: Anthea Verlag, Juli 2021.
Filmografie
1. Drehbuch (Auswahl): 1913: Eine gefährliche Frau 1914: Das Millionen-Halsband 1915: Der falsche Schein 1916: Diebe – und Liebe 1916: Das Licht im Dunkeln 1919: Der Einbrecher wider Willen 1922: Zwischen Tag und Traum 1932: Strafsache van Geldern
2. Regie:
1915 Der Onkel aus Amerika (GECD #31063) PAGU
3. Darsteller:
1912 Die Moral von der Geschicht (Rolle: Polizist) (GECD #41840) 1915 Der falsche Schein(Rolle: Kriminalbeamter) (GECD #21784) PAGU 1915 Nur eine Lüge (GECD #30934) PAGU 1915 Der Onkel aus Amerika (GECD #31063) PAGU
Literatur Hellmuth Mielke: Der deutsche Roman. Carl Reißner, Dresden 1912, S. 313. Digitalisat Franz Brümmer: Lexikon der deutschen Dichter ..., Leipzig 1913 Max Geißler: Führer durch die deutsche Literatur des 20. Jahrhunderts, Weimar 1913„Der Schriftsteller der Kaschemme. Verspäteter Naturalist mit der Manie brutalster Darstellung stofflicher Sensationen ...“
Weblinks
Kleinkunststücke (nur Quellenangabe. PDF; 26 kB) Dirnenlied Frau Hartet Hans-Hyan-Archiv im Archiv der Akademie der Künste, Berlin
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Drehbuchautor Kategorie:Kabarettist (Deutschland) Kategorie:Literatur (19. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Deutschland) Kategorie:Kriminalliteratur Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Kurzgeschichte Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1868 Kategorie:Gestorben 1944 Kategorie:Mann