Das Kabinett Hitler, auch Hitlerregierung genannt, war die am 30. Januar 1933 gebildeteHeinrich Brüning: Memoiren. 1918–1934. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1970, S. 467. Koalitionsregierung des Deutschen Reiches, die Adolf Hitler nach seiner Ernennung zum Reichskanzler ab demselben TagRichard J. Evans: Das Dritte Reich. Band 1, Aufstieg. Übersetzt von Holger Fliessbach und Udo Rennert, DVA, München 2004, ISBN 3-421-05652-8. S. 417. bis zum 30. April 1945 leitete, als ihm ein weiterer nationalsozialistischer Reichskanzler folgte. Mit dem Beginn von Hitlers Reichskanzlerschaft wurde in den nachfolgenden Wochen die bis dahin seit 14 Jahren bestehende Weimarer Republik faktisch aufgelöst und die totalitäre Diktatur des Nationalsozialismus in Deutschland errichtet.
Die Schlüsselfigur für das Zustandekommen des Kabinetts Hitler war vor allem Franz von Papen, dessen Bestellung zum Kanzler ursprünglich noch am Tag der Vereidigung von einigen Ministern angenommen worden war. Papen hatte seit Anfang Januar 1933 im Auftrag des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hinter dem Rücken des amtierenden Reichskanzlers Kurt von Schleicher zwischen NSDAP und Deutschnationaler Volkspartei (DNVP) über eine gemeinsame Regierung vermittelt.Wolfram Pyta: Hindenburg. Herrschaft zwischen Hohenzollern und Hitler. Pantheon-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-570-55079-3, S. 780 ff. Er verfolgte dabei das sogenannte Einrahmungskonzept, nach dem Hitler zwar Reichskanzler wird und die NSDAP zwei Ministerposten erhält, jedoch durch zahlreiche Minister der DNVP sowie weitere nationalkonservative bis völkisch orientierte Politiker des rechten Rands – unter anderem vom Stahlhelm und Rechtskatholiken wie Papen – „eingerahmt“ und damit in seinem Handlungsspielraum so eingeschränkt wird, dass er keine Gefahr darstellt. Gegenüber einem Kritiker aus der DNVP soll Papen bemerkt haben: Diese Koalitionsregierung besaß im Reichstag keine Mehrheit und setzte daher zunächst die ab 1930 vorherrschenden Präsidialkabinette in Abhängigkeit von Reichspräsident Hindenburg fort.
Die gewaltsame Verfolgung der Kommunisten mit Hilfe der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 und die Reichstagsneuwahlen vom 5. März 1933 änderten die Lage: NSDAP und DNVP verfügten nunmehr über eine Mehrheit, doch nach der Verabschiedung des Ermächtigungsgesetzes am 24. März 1933 – das der Regierung auf vier Jahre diktatorische Vollmachten einräumte – wurde auch der nationalkonservative Koalitionspartner DNVP überflüssig. Nach der Selbstauflösung der DNVP im Juni 1933 verließ deren Hauptrepräsentant Alfred Hugenberg das Kabinett, andere Mitglieder traten zur NSDAP über.
Entwicklung Auch wenn Hitler bis zum Ermächtigungsgesetz noch sachliche Beratung im Kabinett zuließ, was sich schon ab April 1933 änderte, gab es von Anfang an keine förmlichen Abstimmungen. In dem Maße, in dem Hitler seine Machtbasis außerhalb des Kabinetts aufbaute, ging ferner die Anzahl der Kabinettssitzungen zurück. Im Februar/März 1933 hatte es noch 31 Sitzungen gegeben, im April/Mai 1933 nur 16, und für den Rest des Jahres sowie für 1934 fanden insgesamt 42 Sitzungen statt. Zum letzten Mal kam das Kabinett Hitler am 5. Februar 1938 zusammen.Nach Martin Broszat: Der Staat Hitlers. Grundlegung und Entwicklung seiner Verfassung (= dtv-Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts. Band 9 = dtv 4009). 9. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, ISBN 3-423-04009-2, S. 349–350. Hitler verfuhr mit den Ministern in isolierter Kommunikation, teils direkt, teils sogar indirekt über die Leiter von Reichs- oder Parteikanzlei. Sämtliche Minister wurden faktisch zu Befehlsempfängern des (ab August 1934) „Führers und Reichskanzlers“. Daneben unterhöhlten zahlreiche Sonderbeauftragte Hitlers die Tätigkeit der Minister.
Anfangs gehörten dem Kabinett nur drei NSDAP-Mitglieder an: Neben dem Reichskanzler Hitler der Innenminister Frick und Minister Göring ohne Geschäftsbereich. Goebbels („Volksaufklärung und Propaganda“) kam am 13. März hinzu. Im April trat Franz Seldte, der statt Theodor Duesterberg überraschend Arbeitsminister geworden war, der NSDAP bei. Hugenberg, Minister für Wirtschaft sowie für Ernährung und Landwirtschaft, trat bereits am 29. Juni 1933 zurück; er war von auswärtigen Beobachtern zunächst als der starke Mann des Kabinetts angesehen worden. Seine Partei hatte sich zwei Tage zuvor aufgelöst. Danach verblieben noch einige Parteilose (oder parteilos Gewordene) im Kabinett.
Minister Kabinett Hitler 30. Januar 1933 bis 30. April 1945 Reichskanzler(ab 2. August 1934 „Führer und Reichskanzler“) rahmenlos|100px Adolf Hitler NSDAP Stellvertreter des Reichskanzlers rahmenlos|100px Franz von Papenbis 7. August 1934 parteilosAuswärtiges Amt rahmenlos|100px Konstantin von Neurathbis 4. Februar 1938 parteilos(ab 1937 NSDAP) rahmenlos|100px Joachim von Ribbentropab 4. Februar 1938 NSDAPInneres rahmenlos|100px Wilhelm Frickbis 20. August 1943 NSDAP rahmenlos|100px Heinrich Himmler24. August 1943 bis 29. April 1945 Finanzen rahmenlos|100px Johann Ludwig Graf Schwerin von Krosigk parteilos(ab 1937 NSDAP)Wirtschaft rahmenlos|100px Alfred Hugenbergbis 29. Juni 1933 DNVP rahmenlos|100px Kurt Schmitt29. Juni 1933 bis 3. August 1934 NSDAP rahmenlos|100px Hjalmar Schacht3. August 1934 bis 26. November 1937 parteilos(ab 1937 NSDAP) rahmenlos|100px Hermann Göring26. November 1937 bis 15. Januar 1938 NSDAP rahmenlos|100px Walther Funkab 5. Februar 1938 Arbeit rahmenlos|100px Franz Seldte Stahlhelm(ab 1933 NSDAP)Justiz rahmenlos|100px Franz Gürtnerverstorben am 29. Januar 1941 DNVP(ab 1937 NSDAP) rahmenlos Staatssekretär Franz Schlegelbergerkommissarisch von 29. Januar 1941 bis 20. August 1942 NSDAP rahmenlos|100px Otto Georg Thierackab 20. August 1942 Reichswehrab 21. Mai 1935: Reichskriegsministeriumam 4. Februar 1938 aufgelöst rahmenlos|100px Werner von Blombergbis 27. Januar 1938 parteilos(ab 1937 NSDAP) Oberkommando der Wehrmachtab 4. Februar 1938 rahmenlos|100px Wilhelm Keitel parteilos(ab 1939 NSDAP)Post rahmenlos|100px Paul von Eltz-Rübenachbis 2. Februar 1937 parteilos rahmenlos|100px Wilhelm Ohnesorgeab 2. Februar 1937 NSDAPVerkehr rahmenlos|100px Paul Freiherr von Eltz-Rübenachbis 2. Februar 1937 parteilos rahmenlos|100px Julius Dorpmüllerab 2. Februar 1937 parteilos(ab 1941 NSDAP)Ernährung und Landwirtschaft rahmenlos|100px Alfred Hugenbergbis 29. Juni 1933 DNVP rahmenlos|100px Richard Walther Darré29. Juni 1933 bis 23. Mai 1942 (formal bis 6. April 1944) NSDAP rahmenlos|100px Herbert Backekommissarisch ab 23. Mai 1942 (formal ab 6. April 1944) Volksaufklärung und Propagandaab 13. März 1933 rahmenlos|100px Joseph Goebbels NSDAP Luftfahrtab 5. Mai 1933 rahmenlos|100px Hermann Göringbis 23. April 1945 NSDAP Wissenschaft, Erziehung und Volksbildungab 1. Mai 1934 rahmenlos|100px Bernhard Rust NSDAPKirchliche Angelegenheitenab 16. Juli 1935 rahmenlos|100px Hanns Kerrlverstorben am 15. Dezember 1941 NSDAP rahmenlos|100px Staatssekretär Hermann Muhskommissarisch ab 15. Dezember 1941 Bewaffnung und Munitionab 17. März 1940ab 2. September 1943: Rüstung und Kriegsproduktion rahmenlos|100px Fritz Todtverstorben am 8. Februar 1942 NSDAP rahmenlos|100px Albert Speerab 8. Februar 1942 Besetzte Ostgebieteab 17. Juli 1941 rahmenlos|100px Alfred Rosenberg NSDAP „Deutscher Staatsminister für Böhmen und Mähren“ab 20. August 1943 rahmenlos|100px Karl Hermann Frank NSDAPReichsminister ohne Geschäftsbereichab 5. Februar 1938: Reichsminister rahmenlos|100px Hermann Göring30. Januar 1933 bis 28. April 1933 NSDAP rahmenlos|100px Ernst Röhm, Chef des Stabes der SA1. Dezember 1933 bis zu seinem Tod am 1. Juli 1934 rahmenlos|100px Rudolf Heß, Stellvertreter des Führers1. Dezember 1933 bis 12. Mai 1941 rahmenlos|100px Hanns Kerrl17. Juni 1934 bis 16. Juli 1935 rahmenlos|100px Hans Frankab 19. Dezember 1934 rahmenlos|100px Hjalmar Schacht26. November 1937 bis 22. Januar 1943 rahmenlos|100px Otto Meissner, Chef der Präsidialkanzleiab 1. Dezember 1937 rahmenlos|100px Hans Heinrich Lammers, Chef der Reichskanzleiab 26. November 1937 rahmenlos|100px Arthur Seyß-Inquartab 1. Mai 1939 rahmenlos|100px Martin Bormann, Chef der Parteikanzleiab 1941 einem Reichsminister gleichgestellt rahmenlos|100px Wilhelm Frick, Reichsprotektor von Böhmen und Mährenab 24. August 1943
Siehe auch Schattenkabinett Beck/Goerdeler Kabinett Goebbels Kabinett Schwerin von Krosigk
Literatur Martin Will: Die Kabinettsbildung am 30. Januar 1933 vor dem Hintergrund des Verfassungswandels in der Spätphase der Weimarer Republik. In: Der Staat. Zeitschrift für Staatslehre und Verfassungsgeschichte, deutsches und europäisches Öffentliches Recht. Band 43, 2004, S. 121–143.
Weblinks
Kabinett Hitler in den Akten der Reichskanzlei des Bundesarchivs
Einzelnachweise
Kategorie:Reichsregierung (Deutsches Reich, 1933–1945) Hitler Kategorie:Adolf Hitler Kategorie:1930er Kategorie:1940er