Die Nordgaukaserne ist eine Kaserne der Bundeswehr in Cham, Bayern. Sie wurde ab 1958 erbaut und erhielt am 9. Juni 1967 den Namen „Nordgaukaserne“. Die Benennung wurde nach dem Nordgautag 1966 in Cham initiiert und bezieht sich auf die gleichnamige Landschaft Nordgau.
Geschichte Im Zusammenhang mit der Aufstellung des Bundesgrenzschutzes bemühte sich die Stadt Cham 1953/54 um die Stationierung einer Hundertschaft. Doch noch bevor es zu einer Konkretisierung dieser Pläne kam, wurde nach der Gründung der Bundeswehr 1955 stattdessen der Neubau einer Truppenunterkunft in Cham durch den Bund vorgesehen. Am 24. Oktober 1956 fand eine Bürgerversammlung in Cham statt, die sich für eine Garnison der Bundeswehr aussprach. Die von der Stadt übernommenen Grundstücksverhandlungen gestalteten sich wegen unterschiedlicher Vorstellungen zur Höhe des Kaufpreises schwierig, aber es konnte schließlich eine Übereinkunft mit allen Eigentümern gefunden werden. Das Finanzbauamt Regensburg ließ die Bauunterlagen erarbeiten, so dass im Herbst 1957 die Erdarbeiten begannen. Sie dauerten bis in den Frühjahr 1958. Am 3. Oktober 1958 konnte das Richtfest gefeiert werden. Nach einer Bauzeit von 21 Monaten und Baukosten von 16 Millionen DM bezog am 1. Juli 1959 das Panzergrenadierbataillon 113 die Kaserne. Die feierliche Übergabe der Anlage an Oberstleutnant Herold fand am 3. August 1959 auf dem Chamer Marktplatz statt.Hans Muggenthaler/Franz Xaxer Gsellhofer: Unser Cham, kurzgefaßte Darstellung der Chamer Stadtgeschichte von ihren Anfängen bis zur Gegenwart, Cham 1967, S. 97 f.
Zudem entstanden 120 Wohneinheiten für Bundeswehrangehörige in Cham sowie eine Standortverwaltung mit 200 Dienstposten an der Nunstinger Straße. Im Jahre 1966 wurde die der Kaserne angegliederte Standortschießanlage in Geigen fertiggestellt.
Mit der Einnahme der Heeresstruktur 3 1970 wurde die 4. Panzergrenadierdivision in eine Jägerdivision umgegliedert. Dabei wurde die Panzerabwehr gestärkt, jedoch zugleich die Mobilität der Verbände eingeschränkt. Dementsprechend bildete sich aus dem Panzergrenadierbataillon nunmehr das Jägerbataillon 113. Mit der neuen Gliederung löste sich auch das Versorgungsbataillon 116 auf. Die in Cham stationierte Sanitätskompanie wurde dem Sanitätsbataillon 4 zugeordnet. Das „Jägerkonzept“ bewährte sich allerdings nicht. Deshalb erfolgte die Umwandlung der 4. Jägerdivision wieder in eine Panzergrenadierdivision mit der Heeresstruktur 4. Aus dem Jägerbataillon entstand daher das Panzergrenadierbataillon 113 erneut. Hinzu kam die Schaffung eines weiteren, teilgekaderten und gemischten Bataillons der Brigaden. In Cham zogen dadurch Teile des Panzergrenadierbataillons 111 ein.Heinz Oster/Wolfgang Sander: Gesicht einer Division. Soldat der „Vierten“ im bayerischen Grenzland. Regensburg 1981, S. 122 ff.
Das Ende des Kalten Krieges und der für die Deutsche Wiedervereinigung ausgehandelte Zwei-plus-Vier-Vertrag mit einer Truppenbegrenzung der Bundeswehr brachte für den Standort Cham Veränderungen. Das Panzergrenadierbataillon 113 wurde abermals in ein Jägerbataillon umgegliedert. Doch 1997 endete die Geschichte dieses Verbands endgültig. Gegen die Auflösung des Jägerbataillons 113 hatte sich zuvor zwar ein breiter Widerstand in der Region formiert, der in die Sammlung von 30.000 Unterschriften gemündet war. Die Entscheidung blieb jedoch bestehen.
In die dadurch weitgehend frei gewordene Kaserne verlegten 1997 der Stab des Artillerieregiments 4 und zwei Kompanien des Fernmelderegiments 4 von Regensburg. Das Stationierungskonzept vom Februar 2001 sah für Cham 740 Dienstposten sowie das Fernmeldebataillon 4 der Division Luftbewegliche Operationen vor. Das Artillerieregiments 4 wurde 2002 aufgelöst. Doch die Verlegung des Fernmeldebataillons 4 verzögerte sich. Begonnene Sanierungsarbeiten in der Nordgaukaserne wurden bis zur Vorlage eines neuen Stationierungskonzepts 2004 ausgesetzt.
Nach dem Konzept vom November 2004 sollte der dadurch auf 230 Soldaten reduzierte Standort auf 800 Dienstposten aufwachsen. Noch im selben Jahr begann der sich über mehrere Jahre erstreckende Umzug des Fernmeldebataillons 4 in die Nordgaukaserne.
Im Rahmen der Neuausrichtung der Bundeswehr wurde im Oktober 2011 das nächste Stationierungskonzept veröffentlicht. Es waren zwar weiterhin 800 Dienstposten in der Nordgaukaserne vorgesehen. Das Fernmeldebataillon 4 löste sich aber auf. Stattdessen verlegten Anfang 2018 der Stab und die Stabs- und Fernmeldekompanie der Panzerbrigade 12 aus Amberg nach Cham. Zur Vorbereitung der Unterbringung der Brigadeführung wurden 2011 Investitionen von insgesamt 30 Millionen Euro vorgenommen, um ein L-förmiges Stabsgebäude, vier neue Unterkunftsgebäude und weitere Sanierungsmaßnahmen in der Kaserne umzusetzen. Bis April 2018 konnte nur ein Teil der Maßnahmen abgeschlossen werden. 2019 wurden die Arbeiten an einem weiteren Unterkunftsgebäude aufgenommen.
Im Oktober 2015 wurde in einem Teil der Kaserne eine Flüchtlingsunterkunft für bis zu 200 Menschen eingerichtet, um die Flüchtlingskrise zu bewältigen.
Ab 2021 wurde für 2,5 Millionen Euro ein neues Kammergebäude errichtet. Insgesamt sollten weitere 11 Millionen Euro in die Nordgaukaserne fließen.
Folgende Einheiten, Verbände, Dienststellen und Stäbe waren bzw. sind in der Nordgaukaserne stationiert: