mini|Logo mini|Stadttheater Baden (2018); Theaterplatz (ehemals: Auf der Burg, Theatergasse)Julius Böheimer: Straßen & Gassen in Baden bei Wien. Lexikon der Straßen, Gassen, Plätze, Wege, Stege, Brücken. Grasl, Baden 1997, ISBN 3-85098-236-X, S. 112.Die als Brückenkonstruktion gelöste Straßenquerung sollte, vom Bauherrn bedungen, die Gehverbindung zu der ebenfalls neu- bzw. wiedererrichteten, heute noch bestehenden Restauration Batzenhäusel herstellen. Eine zunächst vorgesehene symmetrische, das Theater mittig einspannende Variante wurde (wahrscheinlich aus Kostengründen) nicht ausgeführt. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 26. mini|Halblinks: Übergang zum 2012 fertig renovierten Schulanbau BatzenhäuselDer Volksmund bedachte zur Zeit der Theatereröffnung den Übergang mit dem Beinamen Seufzerbrücke. – Tausig: Die Eröffnung des neuen Theaters, S. 4.Der Spottname widerspiegelt die resignative Kritik der Öffentlichkeit am Gemeindeausschuss, der den als missglückt empfundenen, im Grundriss einer angeschnittenen Pastete gleichenden Zubau zur Pfarrschule genehmigte. mini|Altes Stadttheater (um 1900)Der Bau ist 1817 wesentlich erweitert worden, insbesondere wurde ein Stockwerk aufgesetzt. Vom ursprünglichen Zustand existieren keine Abbildungen. – Kräftner: Im Schatten der Weilburg, S. 195. mini|Altes Stadttheater (1908) mini|Redoutengebäude (1799–1908; hier: um 1900, gesehen vom heutigen Kaiser-Franz-Ring), abgebrochen anlässlich der Baumaßnahmen des heutigen Theaters mini|Theaterkiosk (Theaterplatz 6; auch: Kaiser-Franz-Ring 16), ebenfalls 1909 im Zuge des Neubaus des Stadttheaters nächst dessen Rückseite fertiggestellt; zuletzt 2012/13 restauriert und (hier: hinten links) mit einer Rollstuhlrampe versehenIn den Vorgaben zu dem das Stadttheater ergänzenden Bauwerk war ein größerer Anbau untersagt gewesen. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 26. Im Juli 1919 wurde in der Baulichkeit ein Lebensmittelgeschäft eröffnet. – Siehe: mini|Unausgeführt gebliebener Entwurf von Josef Hackhofer & Moriz Hans Schieder, Architektenwettbewerb 1898/99, 1. Preis

Das Stadttheater Baden ist eines der Theater in Baden in Niederösterreich und gehört organisatorisch zur Bühne Baden. Die künstlerische Leitung obliegt seit September 2025 dem deutschen Regisseur und Schauspieler Andreas Gergen. Zuvor hatten Michael Lakner (2017–2025), der österreichische Kammersänger Sebastian Reinthaller (2014–2016) und Robert Herzl (2005–2014) diese Position inne. Gegeben werden an der Bühne Operetten und Musicals.

Vorgeschichte Das Theaterleben in Baden wurde durch die häufigen Besuche der kaiserlichen Familie von jeher stark forciert. Seit 1716 lässt sich in Baden eine ständige Theatertruppe verfolgen. Ab 1770 wurde das sogenannte Hellhammer-Stadel für die laufenden Aufführungen benutzt. Anfang Juli 1774 richtete der 1760 nach Baden gekommene Schauspieler und Pächter des Stadels Johann Matthias Menninger an Kaiser Josef II. das Gesuch, man möge ihn auf seine Kosten (als Ersatz für den baufällig gewordenen Stadel) ein Komödienhaus erbauen lassen, das nach zwanzig Jahren unentgeltlicher Nutzung in das alleinige Eigentum der Stadt übergehen würde. Der Badener Magistrat, der Jahre zuvor eine von Menninger lancierte Anregung, die Stadt möge eine neue Bühne bauen, aus finanziellen Erwägungen verworfen hatte, lehnte auch das über den Kaiser von Österreich eingebrachte Gesuch ab und entschied sich, ein Theater in Eigenregie zu errichten.Tausig: Das älteste Badener Theater. (Teil I). Bereits 1775 wurde im Auftrag der Gemeindevertretung durch den italienischen Architekten Condini auf dem heutigen Theaterplatz, einem Teil der Badener Burg, das sogenannte Comoedien Hauß erbaut,Tina Lipsky: Baden, Österreich. Stadttheater. In: Gerhard M. Dienes (Hrsg.): Fellner & Helmer. Die Architekten der Illusion. Theaterbau und Bühnenbild in Europa. Anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Grazer Oper“. Stadtmuseum Graz, Graz 1999, ISBN 3-900764-21-2, S. 132. dessen Bühnendekoration und Kulissen von dem (für seine Arbeit besser als der Architekt des Hauses bezahlten) Historienmaler Mathäus Mutz (* 1739 nächst Passau, † 1820/21 in Baden) ausgeführt wurden.Tausig: Das älteste Badener Theater. (Teil II). Der Ziegelbau, noch mit Schindeln gedeckt, war ein Jahr älter als das Teutsche Nationaltheater (Burgtheater) von Kaiser Joseph IIDessen Nachfolger nach Leopold II., Franz II./I., verbrachte von 1792 bis 1834 die [meisten] Sommer in Baden. — Wallner: Der „Gute Kaiser Franz“, passim.. Bis 1780 leitete Menninger, bis 1785 Karl Marinelli die Bühne, danach Johann Georg Wilhelm bis 1811.Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 427 f. – Online.

Nächst dem Schauspielhause wurde 1799 vom Theaterunternehmer Johann Georg Wilhelm das (bis 1908 bestehende) mit dem Theaterbau verbundene Redoutengebäude errichtet, dessen Hauptraum, der Salon (bzw. Redoutensaal)Ausmaße des Salons: 21,8 m lang, 13,3 m breit, 8,5 m hoch., am 20. September 1801 eröffnet wurde und das dem Theaterbesucher als Annehmlichkeiten neben dem Salon diverse Speisesäle sowie ein Billardzimmer bot.Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 427 – Online.

1811 wurde das Theater öffentlich feilgeboten. Da kein Angebot einlangte, erstand es Franz Freiherr von Zinnique (1760–1832), ein brabantischer OberstZinnique (auch: Zinnicq), der in der Schlacht bei Charleroi ein Bein verloren hatte, spielte als talentierter Komponist in der Wiener Gesellschaft eine große Rolle. Von 1813 bis 1816 leitet er neben dem Badener Sommertheater auch das Theater in Preßburg. — Siehe: Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 429 f. – Online., um 1.237 Gulden Wiener Währung für sechs Jahre. Nicht zuletzt wegen des schlechten Bauzustandes ließ der neue Besitzer und Direktor (1811–1818) das Haus noch 1811 abreißen.Drescher: Streifzüge, S. 141. Bereits im Folgejahr wurde nach den Plänen von Joseph Kornhäusel ein neues Theater gebaut (Eröffnung: 9. Mai 1812); es trug den Namen Das Hoftheater an der Schwechat. Es wurde in der Kurstadt lange Zeit nur im Sommer bespielt. Erst 1867 kam auch eine Winterspielzeit hinzu, und eine neue Bühne, Steinstiegen sowie eine Gasbeleuchtung wurden eingebaut.

Bis 1844 waren nach Zinnique Theaterleiter: Karl Friedrich Hensler (1818 bis 1825)Kobl: Beiträge, S. 68., Leopold Hoch (1825–1835)Wallner: Kaiser, Kuren und Kommandos, S. 70.Am 9. August 1832 wurde unweit des Zentrums von Baden auf Kronprinz Erzherzog Ferdinand ein Pistolenattentat verübt. Obwohl der Anschlag für den späteren Kaiser von Österreich relativ glimpfliche Folgen hatte, bewirkte der Vorfall das für Stadt spürbare Abwandern von Hofgesellschaft und finanzkräftigen Gästen. Wohnte im Juli 1833 noch Kaiser Franz I. der Aufführung von Calderóns Lustspiel Verwirrung über Verwirrung bei, so gingen Besuch wie Einnahmen an Hochs Bühne doch entscheidend zurück, und der Vertrag endete 1835. Hoch, der, obwohl seit 1825 Direktor des Hauses, aus Liebhaberei oftmals die Position im Souffleurkasten eingenommen hatte, machte diese Vorliebe, zumindest für einige Zeit nach dem Weggang von Baden, zu seinem Erwerbsberuf: er soufflierte in dem damals noch in der Lenaugasse, Wien-Josefstadt, beheimateten Pasqualati-Haustheater, einer der drei Dilettanten-Bühnen Wiens. — Siehe: — Nachweis zum Theaterbesuch von Kaiser Franz I.: E. P.: Notizen. Correspondenz-Nachrichten. Baden, im July 1833. In: Der Sammler. Ein Unterhaltungsblatt. 23. Juli 1833, XXV. Jahrgang (1833). Strauß’s selige Witwe, Wien 1833, S. 352, online (→Bild 366/650). Hoch war zusammen mit seiner Ehefrau Theresia von April bis August 1834 ambitionierter, jedoch erfolgloser Pächter wie Direktor des Theaters in der Josefstadt. – Anton Bauer: Das Theater in der Josefstadt zu Wien. Manutiuspresse, Wien (u. a.) 1957, OBV, S. 70., Ignaz Sebastian und Johann Scheiner (1835–1837), Karl von Holtei (Mai–Oktober 1835), sowie Franz Pokorny (1837–1844).Gräffer: Ein Tag in Baden, S. 428 f. – Online.

Dieses Theater, das die einzige Unterhaltung in der Kurstadt bot, wurde von Kurgästen auch als ein Ort der Freizügigkeit beschrieben.Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 4.

Aus den Unterlagen des Archivs der Stadt Baden sind für den Zeitraum 1830–1848 (siehe: Vormärz) 250 Stücke belegt, deren Aufführung zensurbehördlich untersagt war.F(riedrich) Arnold Mayer: Zensurakten aus Baden bei Wien. In: Hans Devrient (Hrsg.): Archiv für Theatergeschichte, Band I, Fleischel, Berlin 1904, S. 17–42. – Volltext online.

Geschichte des heutigen Hauses Die Baufälligkeit, permanente Brandgefahr sowie fehlende Hygiene erzwangen, trotz diverser (vor allem im Lichte des Ringtheaterbrandes angezeigter) baulicher Adaptionen,, den Abbruch des 1200Kräftner: Im Schatten der Weilburg, S. 196. Personen fassenden Kornhäusel-Theaters sowie einen Neubau an selber Stelle. Dem war 1898 die Initiative der Stadtgemeinde vorausgegangen, eine letzte große Adaptierung des Hoftheaters vorzunehmen. Da das Land Niederösterreich einer Sanierung des heruntergekommenen Altbaues ungern zustimmen würde, wies die Stadtgemeinde auf ihre Absicht hin, in nächster Zeit an einen Neubau zu schreiten, und untermauerte die Ernsthaftigkeit ihres Wollens mit der Auslobung eines prominent jurierten Architektenwettbewerbs, – keine der drei prämierten Einreichungen wurde je verwirklicht. Die Generalreparatur, die sich letztlich auf 15.000 Gulden belaufen sollte, wurde genehmigt, und erst zehn Jahre später, am 9. Juli 1908, fasste die Gemeindevertretung den Beschluss für einen Neubau.Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 24.In der letzten Vorstellung im Altbau, am 3. Mai 1908, wurde Paul Lindaus Die Erste (Schauspiel in vier Aufzügen) gegeben. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 27.

So wurde das heutige Gebäude (zu einem Drittel der Baukosten unterstützt von Vergnügungsverein, Badener Sparkasse sowie Badener Trabrennverein)Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 25. gemäß den Plänen des freihändig beauftragten Büros Fellner & HelmerOberbaurat Fellner war Berater in dem 1906 gegründeten Theaterkomitee. Aus dieser Position dürfte sich der Planungsauftrag entwickelt haben. – Wallner: Badener Theaterg’schichten, S. 26. nach nur zehnmonatiger Bauzeit am 2. Oktober 1909 im Beisein von Erzherzog Rainer feierlich eröffnet. Die ursprünglich vorgesehene Bezeichnung der Spielstätte lautete Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Stadttheater. Da der Wiener Hof das entsprechende Ansuchen nicht erledigte, wurde auf Jubiläums-Stadttheater verkürzt.

Der im Jugendstil gehaltene Saal umfasste im Parterre und den zwei Rängen insgesamt 816 Plätze.Im Architektenwettbewerb von 1898/99 wurden 850–900 Plätze vorgegeben. – Siehe: Zur Eröffnung des Hauses wurde Beethovens Die Weihe des Hauses, das in Baden komponiert wurde, die Belehnungsszene aus König Ottokars Glück und Ende von Grillparzer sowie die 1894 zur Oper erhobeneTausig: Die Eröffnung des neuen Theaters, S. 3, oben rechts. Fledermaus von Johann Strauß, die, nach TextindizienHildegard Hnatek, Rudolf Maurer: Der Walzerkönig in Baden. (…) Spielt die „Fledermaus“ in Baden? In: Wolkerstorfer: Walzerseligkeit und Alltag, S. 198 f., in Baden handelt, gespielt.Am 4. September 1876 dirigierte Johann Strauß Die Fledermaus im Badener Stadttheater zugunsten der bei einem Großfeuer in Sooß zu Schaden Gekommenen. – Hildegard Hnatek, Rudolf Maurer: Der Walzerkönig in Baden. In: Wolkerstorfer: Walzerseligkeit und Alltag, S. 194. Dieses Traditionsprogramm hält sich für festliche Anlässe bis heute.