Der Alembic Series I ist ein in der Basisversion viersaitiges E-Bass-Modell mit massivem Korpus (englisch: Solidbody) und durchgehendem Hals (Neck-thru), das seit 1971 vom US-amerikanischen Musikinstrumentenhersteller Alembic gebaut wird. Bei seiner Markteinführung setzte der Series I neue Maßstäbe hinsichtlich Verarbeitungsaufwand und Klang von E-Bässen. Der Alembic Series I ist das E-Bass-Modell, das durch den Einsatz von aktiver Elektronik bei Tonabnehmern und Klangregelung erstmals -Klangqualität auf diesem Instrumententyp ermöglichte. Damit war der Series I wegweisend für die weitere Entwicklung des E-Basses; seine Konstruktionsmerkmale fanden zahlreiche Nachahmer und wurden von anderen Herstellern weiterentwickelt. Aufgrund seiner innovativen Merkmale und wegen seines Einflusses wird der Alembic Series I nach dem 1951 von Fender eingeführten Fender Precision Bass gelegentlich als „zweiter Meilenstein“ im E-Bass-Bau bezeichnet.Jim Roberts: American Basses. S. 12.

Die Geschichte des Alembic Series I Vorgeschichte mini|hochkant|links|Foto eines „alembizierten“ E-Basses vom Typ Guild Starfire Seit 1969 hatte sich die Firma Alembic, eine Gitarrenwerkstatt in der Nähe von San Francisco, in kalifornischen Musikerkreisen einen Namen gemacht mit dem Bau von elektromagnetischen Tonabnehmern mit niedriger Impedanz und integriertem Vorverstärker, der eine eigene Stromversorgung benötigte. Mit dieser aktiven Elektronik war es gelungen, den elektrisch verstärkten Klang besonders von E-Bässen deutlich zu verbessern. Einige Bassisten der örtlichen Musikszene hatten Alembic damit beauftragt, solche Tonabnehmer in ihre E-Bässe einzubauen, von den Beteiligten als “” bezeichnet.Bacon: Totally Guitar. S. 300 f.Englisch: “” – deutsch, sinngemäß: „destillieren“. Der Firmenname Alembic ist die englischsprachige Bezeichnung für das zur chemischen Destillation eingesetzte Gerät Alambic. Dieser Destillierhelm ist tragendes grafisches Element im Signet der Firma (siehe Foto der Kopfplatte). Nach deren Selbstverständnis „destillierte“ das Unternehmen den Klang der von ihm modifizierten Musikinstrumente. Zu den Kunden des Unternehmens gehörten in erster Linie Bassisten aus Rockbands wie Phil Lesh von der Band Grateful Dead und Jack Casady von Jefferson Airplane sowie Crosby, Stills and Nash. Die erste von Alembic entwickelte aktive Elektronik wurde im Jahr 1969 in die zwölfsaitige Guild-Westerngitarre von David Crosby eingebaut.Bass Special – Alembic Series I und Series II. Artikel und Fotostrecke in der Fachzeitschrift Bass Professor. Heft 2/2009, Nr. 50, , S. 18–22 (ohne Autorenangabe). Crosby soll dieses modifizierte Instrument bis in die Gegenwart benutzen. Der erste E-Bass, in den die Alembic-Tonabnehmer eingesetzt wurden, war ein Gibson-EB-3-Bass von Phil Lesh.Lars Lehmann: Firmenportrait Alembic. In: Bass Professor, deutschsprachige Fachzeitschrift für E-Bassisten, Heft 2/2005, Nr. 35, , S. 50 ff. Häufigstes derart „alembiziertes“ E-Bass-Modell war zu Anfang der 1970er-Jahre der Starfire Bass des US-amerikanischen Gitarrenherstellers Guild,Bacon, Moorhouse: The Bass Book. S. 39.Ron Wickersham: Why Active? Kapitel über aktive Electronik In: Jim Roberts: American Basses. S. 19. ein auf der Konstruktionsform der E-Gitarre Gibson ES-335 fußendes Halbresonanz-Modell.Heinz Rebellius, Dieter Roesberg: The Stradivari of Guitars – 60 Jahre Guild Guitars. In: Gitarre & Bass. Ausgabe April 4/2012, MM-Musik-Media-Verlag, Ulm 2012, , S. 94.

Prototyp Um die von Firmengründer und Elektronik-Fachmann Ron Wickersham entwickelten Alembic-Tonabnehmer testen zu können, hatte der Gitarrenbauer der Firma, der gelernte Tischler und frühere Folk-Gitarrist Rick Turner, im Jahr 1971 für den Jefferson-Airplane-Bassisten Jack Casady den Prototyp eines E-Basses mit aktiver Elektronik (Tonabnehmer und Klangregelung) und mit detailreichen Holzarbeiten gebaut. Das Instrument besteht größtenteils aus den Edelhölzern der Microberlinia () und der Peltogyne paniculata () und ist mit Schnitzereien und Intarsien auf Vorder- und Rückseite reich verziert. Das Griffbrett des Prototyps trägt eine großformatige „Lebensbaum“-Intarsie aus Perlmutt. Beide Tonabnehmer des Basses können auf Metallschienen zwischen dem unteren Ende des Griffbretts und dem Steg verschoben werden, um größere Klangvielfalt zu ermöglichen. Turner hatte nach eigener Aussage in die Konstruktion und Gestaltung dieses Einzelstücks wesentlich mehr Aufwand investiert als vorgesehen war: „Es sollte [eigentlich] kein Kunstwerk werden, aber ich habe mich [dazu] hinreißen lassen.“' – Rick Turner, Alembic-Gitarrenbauer, über den Bau des Prototyps Alembic #1. Zitiert nach Jim Roberts: American Basses. S. 13. Der Prototyp für Jack Casady kostete 4000 US-Dollar und bekam später den Namen Alembic #1.Jim Roberts: American Basses. S. 13. Der Erfolg von Turners Arbeitsergebnis gab dem Unternehmen den Anstoß, noch 1971 mit der Serienanfertigung von hochwertigen E-Bässen nach dem Muster des Alembic #1 zu beginnen; eine Modellreihe, die im Jahr 1975 den Modellnamen Alembic Series I bekam.Susan und Mica Wickersham: A Field Guide to Alembic Basses. Kapitel über die Geschichte der Alembic-Modellpalette In: Jim Roberts: American Basses. S. 16 ff.

Wirtschaftlicher Erfolg Der kommerzielle Durchbruch Alembics erfolgte im Sommer 1973. Das Rolling Stone Magazine hatte in seiner Rubrik Pro Audio positiv über das Unternehmen und sein E-Bass-Modell berichtet. Der zweiseitige Artikel von Rolling-Stone-Autor Charles Perry mit dem Titel Die Klanghexer im Dienst von Grateful Dead stellte das Alembic-Team als „sympathische, talentierte Hippies“ mit mangelndem Geschäftssinn dar.Zitiert nach Bacon, Moorhouse: The Bass Book. S. 39, übersetzt von Michael Luxenburger. Die Doppeldeutigkeit der Überschrift des englischsprachigen Originals ( – deutsch, wörtlich: „Die Klanghexer im Dienst der dankbaren Toten“) ist ohne Sinnentstellung nicht ins Deutsche übertragbar. Der Artikel weckte das Interesse des Vertriebsunternehmens L.D. Heater aus Portland, Oregon. L.D. Heater war ein Tochterunternehmen des Musikinstrumenten-Konzerns Norlin, in dessen Besitz zu dieser Zeit neben einigen anderen Unternehmen der Branche auch der US-Musikinstrumentenhersteller Gibson war. Die erste Bestellung des Vertriebsunternehmens bei Alembic umfasste 50 Series-I-E-Bässe, was dem Gitarrenbau-Unternehmen die Gelegenheit gab, zu expandieren und in die Anschaffung neuer Maschinen zu investieren.Jim Roberts: American Basses. S. 14. L.D. Heater übernahm die Aufgaben Vertrieb, Werbung sowie die Schulung von Verkaufspersonal.

Die Nachfrage nach dem Alembic-Bass stieg weiter, als der prominente Jazz- und Fusion-Bassvirtuose Stanley Clarke ebenfalls 1973 von einem Gibson-E-Bass zu einem Series I wechselte und so die Bekanntheit der Marke steigerte. Die Produktion wurde auf 25 Instrumente im Monat erhöht, die überwiegende Mehrheit davon E-Bässe des Typs Alembic Series IJim Roberts: American Basses. S. 15. (zum Vergleich: Im Jahr 2005 fertigte Alembic monatlich 1.500 Instrumente).

Ausstattung und Verkaufspreis Durch den hohen Aufwand bei Material und Herstellung zählten die Alembic-Bässe in den 1970er-Jahren zu den teuersten ihrer Zeit. Im Jahr 1975 kostete der Series I im Handel 1.250 US-Dollar – der Preis des Spitzenmodells vom Mitbewerber Fender lag im selben Jahr bei etwa 430 Dollar.Bacon, Moorhouse: The Bass Book. S. 42. Durch Sonderanfertigungen auf Kundenwunsch konnte sich der Kaufpreis eines Alembic-E-Basses bereits in den 1970er-Jahren bis auf mehrere tausend Dollar erhöhen.Dirk Groll: Der Edelbass – Alembic Series I In: Stromgitarren. S. 170. Der Großhandelspreis für einen Series I in seiner viersaitigen Basisversion belief sich im Jahr 2008 auf 14.800 US-Dollar; mit Sonderausstattungen (Ausführungen mit fünf oder mehr Saiten, Edelhölzer und andere Ausstattungsmerkmale) kann der Preis für ein einzelnes Instrument auf über 20.000 Dollar ansteigen.Seit dem 1. Januar 2008 gültige Preisliste auf der offiziellen Alembic-Firmenwebsite (englisch) abgerufen am 12. Juni 2012 Daneben hatte Alembic bereits Ende der 1970er-Jahre mit der Distillate-Serie eine Reihe weniger aufwändig produzierter E-Bässe vorgestellt, die zu etwas günstigeren Preisen angeboten wurden.

Noch im selben Jahr wie das erste Serienmodell stellte Alembic dessen Schwestermodell vor, das später als Series II bezeichnet werden sollte. Die Konstruktionsweise und Ausstattung beider Versionen ist weitgehend identisch; der Series II ist jedoch darüber hinaus mit einer erweiterten Reglereinheit ausgestattet, die Musikern zusätzliche Möglichkeiten der Klangeinstellung gibt. Beide Series-Modelle blieben für etwa 15 Jahre die einzigen E-Bässe von Alembic. Erst im Jahr 1986 folgte ein weiteres Modell, der E-Bass Europa. Series I und II werden von Alembic bis in die Gegenwart in zahlreichen Varianten und zur Gänze im kalifornischen Santa Rosa in den USA hergestellt.Bacon, Moorhouse: The Bass Book. Referenzteil mit technischen Spezifikationen, S. 82 f. Um auch den Benutzern von E-Bässen anderer Marken die erweiterten Klangmöglichkeiten der firmeneigenen Elektronik zugänglich zu machen, bietet Alembic seit dem Jahr 1980 einen Activator genannten Bausatz an, mit dem sich Instrumente anderer Hersteller bei baulicher Eignung mit der Series-I-Ausstattung – Tonabnehmer und Klangregelung – nachrüsten lassen.

Einfluss auf andere Hersteller