Riegel am Kaiserstuhl ist eine Gemeinde im Landkreis Emmendingen in Baden-Württemberg (Deutschland).
Geographie
Geographische Lage Riegel breitet sich am Nordostrand des Kaiserstuhls aus. Es liegt wenige hundert Meter nordwestlich der Mündung der Glotter in die Dreisam bzw. der Mündung von Dreisam und Alter Dreisam in den Rheinzufluss Elz. In Riegel wird der Leopoldskanal von der Elz abgetrennt; er fließt dem Rhein auf direkterem Weg zu. Direkt südlich der Ortschaft liegt der St.-Michaels-Berg () mit der Michaelskapelle.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Riegel am Kaiserstuhl gehören das Dorf Riegel, die Höfe Kunstmühle und Riedhöfe und die Wohnplätze Bei Bahnstation Riegel-Malterdingen, Wohnhaus Ries, Wohnhaus Willmann, Ziegelei und Zum Bad. Im Gemeindegebiet liegt die abgegangene Ortschaft Helsolczhein.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-007174-2. S. 234–235.
Klima
Geschichte
mini|Freilichtmuseum Mithräum mini|Blick über Riegel nach Norden, im Hintergrund Burgruine Lichteneck bei Kenzingen Das Gebiet der heutigen Gemeinde Riegel hat eine etwa 7000-jährige Siedlungsgeschichte, die bis in die Jungsteinzeit zurückreicht. Es sind Funde aus den Kulturen der Bandkeramik, Rössen, Michelsberger und Glockenbecher nachgewiesen. Aus dem 1. und 2. Jahrhundert v. Chr. stammen verschiedene bronze-, hallstattzeitliche und keltische Befunde. Im Jahre 2001 wurde ein keltischer Goldmünzschatz gefunden. Archäologisch sind vor allem römische Besiedlungen nachgewiesen wie das Mitte des 1. Jahrhunderts entstandene römische Militärlager und die danach sich entwickelnde größere Siedlung (Vicus). Während das Fundmaterial bis in das 1. Jahrhundert zurückreicht, gilt das 2. Jahrhundert als die Blütezeit, als die um ein Kastell herum entstandene römische Siedlung „Regula“ das Verwaltungszentrum für den heutigen Breisgau war.
Im 6. und 7. Jahrhundert entstand auf dem Fronhofbuck ein fränkischer Königshof mit einer St. Martin geweihten Kirche.Mechthild Michels: 7000 Jahre Siedlungsgeschichte Riegel am Kaiserstuhl Das Testament des Bischofs Heddo von Straßburg aus dem Jahre 762 hat sich als eine Fälschung der Jahre 1111 bis 1125 erwiesen und entsprang dem erfolgreichen Streben der Ettenheimer Mönche, von Kaiser Heinrich V. in ihren Besitzungen bestätigt zu werden.Regesten der Bischöfe von Strassburg, Band I, Zweiter Teil, S. 224f; Hansmartin Schwarzmaier: Die Klöster der Ortenau und ihre Konvente in karolingischer Zeit. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 119 (1971) S. 1–32, hier bes. S. 4–6 (PDF, 2,35 MB); Datenbank Klöster in Baden-Württemberg zu Benediktinerabtei Ettenheimmünster – Geschichte: " Ebenso wenig kann man bezüglich des Testaments Eddos [...] von einer gesicherten Dokumentenlage ausgehen. Die gegenwärtige Forschung sprach dem Dokument, das dem Kloster und den dort ansässigen Mönchen einen reichen Nachlass bescheinigte, die Authentizität ab und setzte seine Entstehung zwischen 1111 und 1125, im Zeitraum des Investiturstreites an.
Die urkundliche Ersterwähnung geschah unter dem fränkischen König Karl (Karl der Große) im Jahr 781, indem Hildegunt dem heiligen Märtyrer Nazarius im Kloster Lorsch ihren ganzen Besitz, welchen sie in Reigula (Riegel) hatte, als Gabe vermachte: Ich, Hildegunt, reiche im Namen Gottes dem heiligen Märtyrer N(azarius) eine Gabe. Der Leib des Heiligen ruht im Lorscher Kloster, dessen Vorsteher der ehrwürdige Abt Helmerich ist. Ich schenke alles, was ich in dem oben genannten Gau (Breisgau), im Dorf Reigula (Riegel nw. Freiburg) besitze, nämlich Hofreiten, Weingärten, Wohnhäuser und Wirtschaftsbauten, Pflanzland und Brachland, Wiesen und Wälder, gemäß nachfolgender Fertigung. Geschehen im monasterio laur(ishamensi = im Lorscher Kloster) am 13. Juli im 13. Jahr (781) des Königs Karl.https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/minst1970bd4/0214Karl Josef Minst [Übers.]: Lorscher Codex: deutsch ; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 4): Schenkungsurkunden Nr. 2000 - 2910 — Lorsch, 1970, Seite: 208
Ab 952 gelangte es durch Befehl von König Otto I. von Guntram dem Reichen an das Kloster Einsiedeln.H. Witt: Abriß der Geschichte von Burkheim in: Stadtverwaltung Burkheim und Winzergenossenschaft Burkheim: 1200 Jahre Burkheim, Burkheim, 1963, S. 16
Am 4. März 1179 weilte der Zähringer Herzog Berthold IV. mit seinem Sohn bei seinem Ministerialen Wernher von Roggenbach in der Riegeler Burg. Um 1200 erhielt die Gemeinde Riegel Mauer, Graben und die Tore Schäfertor, Wassertor und Dörl. Die Burg kam 1218 als Lehen an die Herren von Üsenberg. 1353 verkaufte das Kloster Einsiedeln seinen Besitz in Riegel an den Freiburger Patrizier Johann Malterer, dessen elf Enkel Gesamterben waren und die Gemeine Teilherrschaft Riegel gründeten. Über Johann Malterer kam der Ort 1368 an Vorderösterreich unter die Habsburger-Landesherrschaft, wo es viereinhalb Jahrhunderte blieb. Im Jahre 1450 wurde das Dominikanerinnenkloster St. Katharina gegründet und 1779 wieder aufgelöst.siehe Das Kloster Einsiedeln verkaufte seine Patronatsrechte 1483 dem Kloster Ettenheimmünster. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Riegel am 5. November 1633 durch Truppen unter dem schwedischen Generals Horn belagert und schwer beschädigt. 1651 wurde eine neue ergänzte Gemeinteilherrenordnung herausgegeben, während der Ort nur noch 150 Einwohner hatte. 1784 wurde das heutige Rathaus als Gemeinteilherrenhaus erbaut.
1806 kam Riegel zum Großherzogtum Baden. Eine wichtige Infrastrukturmaßnahme im 19. Jahrhundert war der Bau des Leopoldskanals von 1837 bis 1842, durch den die Überschwemmungen durch Elz und Dreisam weitgehend unterbunden wurden. Durch den Bau der Badischen Hauptbahn von Mannheim nach Basel erhielt Riegel 1845 Anschluss an die Eisenbahn.
Politik
mini|Rathaus Riegel a. K. Gemeinderat Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 64,6 % (+ 1,0 Prozentpunkte) zu folgendem Ergebnis: CDU 49,8 % + 11,3 6 Sitze + 1 FWG 23,8 % − 1,2 3 Sitze ± 0 SPD 19,2 % − 9,8 2 Sitze − 1Grüne7,2 % + 7,21 Sitz + 1 FDP − − 6,7 − −
Bürgermeister Riegels Bürgermeister ist seit 2018 Daniel Kietz (parteilos). Zuvor amtierten von 1986 bis 2002 Gerhard Setzer und von 2002 bis 2018 Markus Jablonski.
Verwaltungsverband Riegel gehört dem Gemeindeverwaltungsverband Nördlicher Kaiserstuhl mit Sitz in Endingen an; weitere Mitgliedsgemeinden sind die Stadt Endingen und die Gemeinden Bahlingen am Kaiserstuhl, Forchheim (Kaiserstuhl), Sasbach am Kaiserstuhl und Wyhl am Kaiserstuhl.
Gemeindewappen Seit der ersten Teilherrenordnung 1491 zeigt das Gemeindewappen einen Kopf. Im 19. Jahrhundert wurde das Wappen als ein mit grünem Lorbeer bekränzter Römerkopf in Gold auf blauem Grund festgelegt, der auf die römische Vergangenheit des Ortes hinweisen soll.Landratsamt Emmendingen: Wappenbuch des Landkreises Emmendingen Nach neueren Forschungen soll es sich dabei um einen Übertragungsfehler handeln, da auf älteren Gemeindesiegeln ein Heidenkopf mit Liebesband dargestellt ist, wobei es sich wahrscheinlich um die Darstellung des Heiligen Mauritius handelt.Geschichtsverein Riegel e. V.: Riegeler Almanach 2011
Gemeindepartnerschaften Seit 1995 besteht eine Gemeindepartnerschaft mit der Gemeinde Champhol in der Umgebung von Chartres im Département Eure-et-Loir in Frankreich.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Bahnverkehr mini|Am Bahnhof Riegel am Kaiserstuhl Ort treffen die Strecken aus Gottenheim (links) und Malterdingen zusammen Im Jahr 1845 erhielt Riegel Eisenbahnanschluss durch den außerhalb des Ortes gelegenen Bahnhof Riegel (2011 in Riegel-Malterdingen umbenannt) an der Staatsbahnlinie der Badischen Hauptbahn (Rheintalbahn Mannheim – Basel), die heute von der Deutschen Bahn AG betrieben wird. 1894 wurde die Kaiserstuhlbahn von Gottenheim über den Bahnhof Riegel am Kaiserstuhl Ort nach Endingen am Kaiserstuhl sowie ein Abzweig von Riegel am Kaiserstuhl Ort nach Riegel-Malterdingen an die Hauptbahn erbaut, 1895 folgte das Reststück Endingen – Breisach am Rhein. Die Kaiserstuhlbahn gehörte als Privatbahn lange Zeit zur Süddeutschen Eisenbahn-Gesellschaft (SEG) und wird heute von der Südwestdeutschen Landesverkehrs AG (SWEG) betrieben. Im Jahre 2019 wurde die Strecke elektrifiziert.
Der Bahnhof Riegel-Malterdingen ist Ausgangspunkt des Museumszuges Rebenbummler, der seit 1978 von Mai bis Oktober auf der Kaiserstuhlbahn verkehrt.
Radverkehr Durch Riegel verläuft als Landes-Radfernweg der Badische WeinradwegBadischer Weinradweg auf www.schwarzwald-tourismus.info. Er führt von Grenzach-Wyhlen am Hochrhein nach Laudenbach im Norden Baden-Württembergs, dabei werden sieben der neun badischen Weinanbaugebiete untereinander verbunden. Ab Schallstadt gibt es zwei Varianten: Am Tuniberg entlang nach Ihringen, über den Kaiserstuhl und über Sasbach am Kaiserstuhl und Endingen nach Riegel oder weiter am Rande des Rheintals über Freiburg und Emmendingen. Die Varianten treffen sich in Malterdingen wieder, danach führt die Route meist oberhalb des Rheintals weiter Richtung Kippenheim und nach Lahr.
Der Breisgau-Radweg von Herbolzheim nach Breisach führt von Kenzingen über Malterdingen nach Riegel und weiter über Bahlingen und Vörstetten nach Freiburg.
Fernstraßen Riegel ist über die Bundesautobahn 5 (Alsfeld – Weil am Rhein) an das überregionale Straßennetz angebunden.
Ansässige Unternehmen mini|„Brauereischloss“ der ehemaligen Riegeler Brauerei mit der Michaelskapelle im Hintergrund Die 1834 gegründete Brauereigesellschaft Meyer & Söhne AG, im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Riegeler Brauerei bezeichnet, gehört seit dem Jahr 2000 zur Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei in Donaueschingen. Brauereistandort und Marke blieben vorerst erhalten. Im Oktober 2004 wurde die Fürstenbergbrauerei von der Brau Holding International AG (Heineken, Schörghuber) übernommen. Die Brauereieinrichtungen in Riegel wurden zwischenzeitlich komplett stillgelegt. Verschiedene Biersorten der Marke Riegeler Bier werden nun im Hause Fürstenberg in Donaueschingen gebraut. Seit 2006 befindet sich in den Gebäuden der ehemaligen Riegeler Brauerei die Kunsthalle Messmer, Lofts und die Kleinbrauerei Römerbräu.
Unter den heutigen Industriebetrieben sind die Agrano GmbH & Co., Produzent verschiedener biologische Hefe-Produkte zu nennen (ein Unternehmen der Oetker-Gruppe) sowie die 1971 gegründete Firma ZIKUN Fahrzeugbau GmbH, die sich auf die Konstruktion und den Bau von Sonder- und Spezialfahrzeugen z. B. Feuerwehr- und Getränkefahrzeuge, Anhänger etc. spezialisiert hat. Des Weiteren befindet sich die Firma Herbert Hipp Verpackungen GmbH, das Lackiercenter Schultis, die Niederlassung Riegel des Unternehmens Rhenus, und ein Lager der Firma Lekkerland in Riegel.
Bildung und Kultur mini|Bürgerhaus „Alte Schule“ mit dem Museum Riegel im hinteren Gebäudeteil Riegel verfügt über zwei Kindergärten mit drei Gruppen bzw. fünf Gruppen und mit der Michaelschule über eine Grundschule.
Im Museum Riegel werden seit 2006 etwa 300 Ausgrabungsfunde aus der römischen Vergangenheit Riegels gezeigt. 1974 wurde ein Mithras-Tempel freigelegt, eine der Stationen auf dem archäologischen Rundweg, der auch die keltische und mittelalterliche Vergangenheit Riegels zeigt. Für die Einrichtung des Museums und des Rundwegs wurden die Gemeinde und der Geschichtsverein 2006 mit dem Archäologie-Preis Baden-Württemberg ausgezeichnet. Im Januar 2012 wurde das Museum Riegel im hinteren Gebäudeteil des Bürgerhauses Alte Schule neu eröffnet. Dabei kam die Abteilung II mit dem Thema Technik der Luft- und Raumfahrt hinzu. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs fanden sich die von Frankreich angeworbenen Raketenforscher und ihre Familien in Riegel ein. Ihr Büro war damals in der Gaststätte Arche untergebracht. Die Ergebnisse ihrer Forschung flossen in die Entwicklung der Europarakete Ariane und damit in die zivile Luftfahrt ein.