Eggenstein-Leopoldshafen ist eine Gemeinde im Landkreis Karlsruhe mit rund 16.500 Einwohnern. Sie wurde im Zuge der baden-württembergischen Gebietsreform aus den Gemeinden Eggenstein und Leopoldshafen gebildet. Ein Teil des Großforschungsbereichs des Karlsruher Instituts für Technologie befindet sich auf der Gemarkung Leopoldshafen.

Geographie Lage Die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen liegt in der Rheinebene rund zwölf Kilometer nördlich des Zentrums von Karlsruhe und grenzt an dessen Ortsteil Neureut an. Im Norden liegt die Gemeinde Linkenheim-Hochstetten. Diese Ortschaften befinden sich zusammen auf einer Rodungsfläche, die auf zwei Seiten durch topographische Barrieren eingefasst ist: Nach Osten der Hardtwald, jenseits der Waldfläche liegt die Stadt Stutensee. Im Westen der Rhein, gegenüber liegt die Gemeinde Leimersheim (Landkreis Germersheim in Rheinland-Pfalz). Im Osten ist die Gemeinde an die Bundesstraße 36 angebunden.

Im Gemeindegebiet von Eggenstein-Leopoldshafen liegen mehrere Rheinaltgewässer, dazu gehören: Altrhein (Eggenstein-Leopoldshafen) (nahe Eggenstein und Leopoldshafen), Altrhein bei Eggenstein und Eggensteiner Altrhein (bei Eggenstein und Leopoldshafen). In der Rheinaue verlaufen der Albkanal, der ab 2009 naturnah umgestaltet wurde, sowie weitere Gewässer wie die Schlute Sandwiesenschlag oder der Rhein-Nebenarm Langes Loch.

Gemeindegliederung Die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen besteht aus den ehemaligen Gemeinden Eggenstein und Leopoldshafen. Zur ehemaligen Gemeinde Eggenstein gehören das Dorf Eggenstein und das Haus „Bahnstation Eggenstein“. Zur ehemaligen Gemeinde Leopoldshafen gehören das Dorf Leopoldshafen, der Ort „Am Hafenplatz, Siedlung“, das Gehöft „Am Gewann Schröcker Tor“ und das Haus „Bahnstation Leopoldshafen“.

Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Eggenstein liegen die Wüstungen Hofstatt, die möglicherweise mit anderen Ortsnennungen der näheren Umgebung identisch ist, und die nicht lokalisierte Siedlung Vefrisse. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Leopoldshafen wie auch teilweise in der Gemeinde Linkenheim-Hochstetten liegt die Wüstung Frecanstetten.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 83–84.

Geschichte Eggenstein Die Gemeinde Eggenstein wird urkundlich erstmals in einem Urkundeneintrag des Lorscher Codex vom 13. Juni 766 als „villa hecinstein“ erwähnt. Die eigentliche Siedlungsgründung dürfte jedoch früher, in alamannischer oder fränkischer Zeit, erfolgt sein. Der Name „Hecinstein“ oder später „Eckenstein“ bedeutet so viel wie „Spitze“ und „Stein“ und könnte auf die Existenz einer vorgeschichtlichen Kultstätte am heutigen Kirchberg hinweisen. Im Mittelalter verfügte der Ort über eine der frühesten Pfarreien der näheren Umgebung.

Eine erste Nennung der Pfarrei Eggenstein datiert aus dem Jahr 1160. Eggenstein gehörte zu dieser Zeit zum Bistum Speyer. 1239 wurde Eggenstein kirchlich dem 1110 gegründeten Kloster Gottesaue unterstellt. Das Kloster verfügte über Besitzungen und einen Zehnthof im Ort. 1556 wurde Eggenstein im Zuge der Reformation evangelisch.

1689–1693 wurde der Ort im Pfälzischen Erbfolgekrieg nahezu vollständig verwüstet. Im 18. Jahrhundert entstanden neben Landwirtschaft, Fischerei und Handwerk neue Gewerbeformen. Im Ort befand sich damals eine bedeutende Pferdezucht. Weitere Gewerbe waren Torfabbau, Goldwäscherei und das Zieglergewerbe. Im 18. Jahrhundert ist Eggenstein ferner oftmals Lager- und Quartierort durchmarschierender Kriegstruppen. Linksrheinische Gemarkungsgebiete gehen 1802 infolge des Friedens von Lunéville verloren.

Ein bei Eggenstein durchgeführter Durchstich im Zuge der Rheinbegradigung durch Oberst Johann Gottfried Tulla im Jahr 1818 wird im Dorf groß gefeiert. Am 4. August 1870 wurde zusammen mit der Hardtbahn der Bahnhof Eggenstein eröffnet. 1925/1926 baute die Gemeinde ein gemeindeweites Wasserleitungssystem. 1939 kam es infolge der Grenzlage zu Frankreich zur Errichtung zahlreicher Bunkeranlagen des Westwalls.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden in Eggenstein zahlreiche Heimatvertriebene eine neue Heimat. In den 1960er Jahren wurde ein Gewerbegebiet im Tiefgestade ausgewiesen. Zahlreiche Gärtnereien und eine florierende Blumenzucht bringen Eggenstein den Ruf eines „Gärtnerdorfes“ ein. Das Siedlungsgebiet erfuhr eine enorme Ausweitung durch Neubaugebiete.

Leopoldshafen Die erstmalige urkundliche Nennung Leopoldshafens bzw. Schröcks datiert vom 1. Juli 1160. Damals bestätigte Bischof Günther von Speyer die Besitzübertragung des dortigen Hofes an das Kloster Maulbronn. Die früheste Schreibweise „Schrâg“ entwickelte sich später zu den Schreibweisen „Schreck“, „Schroeckh“, „Schröck“. Der Name gibt bis heute Rätsel auf, er bedeutet zunächst so viel wie schrecken, aufschrecken, springen, hüpfen oder kragen. Damit könnte auf den markanten und auffällig spitzen Gestadesporn Bezug genommen worden sein, auf dem Schröck einst errichtet wurde und der in den Rhein hineinragte. Auf ein Gesuch des Handelsstandes und der Einwohner an den damaligen Großherzog Leopold von Baden hin wurde das Dorf mit amtlicher Veröffentlichung vom 4. Juni 1833 in „Leopoldshafen“ umbenannt.

Mit der Besitzübertragung des Hofes Schröck an das Kloster Maulbronn im 12. Jahrhundert wurde dieser zu einer Grangie, einem bewirtschafteten Klosterhof. Bereits im 14. Jahrhundert befinden sich in Schröck aufgrund seiner günstigen Lage am Rhein eine Zollstelle und eine Fähre. Erstmalige Erwähnungen stammen aus den Jahren 1382 (Zollstätte) und 1390 (Fähre). 1556 wurde Schröck evangelisch. Bereits 1750 befand sich hier ein Hafenplatz, nachdem Privatleute zur Förderung des Handels ein Warenlagerhaus mit Kranen errichtet hatten. 1762 wurde Schröck eigenständige Gemeinde. 1765 wurde eine herrschaftliche Salpetersiederei und 1789 eine Kristallglasfabrik im alten Klosterhof etabliert. 1768/1769 erhielt der Ort eine großherzogliche Poststation. 1812 erfolgte die Verlegung des Hafenbeckens an seine heutige Stelle und 1818 wurde ein neues Lagerhaus mit Kranen am Hafen in Betrieb genommen. 1831 wurde ein regelmäßiger Schifffahrtsverkehr von Schröck nach Mainz eingerichtet. Eine ständige Versandung des Hafenbeckens und ungünstige Entwicklungen wichtiger Standortfaktoren (1862 Errichtung des Hafens Maxau, 1870 Eröffnung der Hardtbahn zunächst ohne Bahnhof in Leopoldshafen, 1901 Errichtung des Rheinhafens Karlsruhe) führten schließlich zum völligen Niedergang des Schifffahrtsbetriebs. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte mit der Errichtung des Forschungszentrums Karlsruhe (heute Karlsruher Institut für Technologie, KIT) ab 1956 ein neuerlicher wirtschaftlicher Aufschwung ein und führte zum explosionsartigen Wachstum der Baugebiete.

Eggenstein-Leopoldshafen Im Zuge der Gemeindereform in Baden-Württemberg Anfang der 1970er Jahre schlossen sich Eggenstein und Leopoldshafen am 1. Dezember 1974 zu einer Einheitsgemeinde zusammen. Um beiden Ortsteilen Rechnung zu tragen und weil es an glaubwürdigen Alternativen mangelte, wurde der neue Gemeindename „Eggenstein-Leopoldshafen“ festgelegt.

Wichtige infrastrukturelle Ereignisse neuerer Zeit waren 1978 der Neubau der Bundesstraße 36 außerhalb der Ortschaften sowie 1986 der Anschluss an die Stadtbahn Karlsruhe.

Religionen links|mini|hochkant|Evangelische Kirche Leopoldshafen mini|St. Albertus Magnus, OT Leopoldshafen mini|St. Antonius, OT Eggenstein Mit der Evangelischen Kirchengemeinde Eggenstein und der Evangelischen Kirchengemeinde Leopoldshafen verfügen beide Ortsteile über eine eigenständige evangelische Pfarrei. Die katholische Kirchengemeinde St. Antonius/St. Albertus Magnus erstreckt sich auf die Gesamtgemeinde und ist seit 2004 Teil der Seelsorgeeinheit Karlsruhe-Hardt. Ferner existiert im Ortsteil Eggenstein ein Versammlungshaus des Liebenzeller Gemeinschaftsverbandes.

Hilfsorganisationen In der Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen sind zahlreiche Wachen von Hilfsorganisationen und Ambulanzdiensten stationiert, wie dem Deutschen Roten Kreuz Eggenstein, dem Deutschen Roten Kreuz Leopoldshafen und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Nordhardt sowie der Freiwilligen Feuerwehr Eggenstein-Leopoldshafen mit den Abteilungen Eggenstein und Leopoldshafen und dem Polizeiposten Hardt.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 22 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.

Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Eggenstein-Leopoldshafen; abgerufen am 14. Juni 2024.Die Freien Wähler sind die Gewinner der Kommunalwahl in Eggenstein-Leopoldshafen. In: bnn.de, abgerufen am 14. Juni 2024.

Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Freie Wähler 28,9 % (+4,6) 6 (+1) CDU 21,8 % (+3,2) 5 (+1) SPD 15,4 % (−0,6) 3 (−1) Grüne 14,8 % (−4,5) 3 (−1) FDP 11,4 % (−0,6) 3 (±0) Liste Eggenstein-Leopoldshafener Bürger (LISTE) 7,6 % (−2,1) 2 (±0) Wahlbeteiligung: 61,7 % (+1,3)

Bürgermeister

1975–1983 Hermann Uebelhör 1983–1999 Manfred Will 1999–2023 Bernd Stober (* 1957) seit 2023 Lukas Lang Am 18. Dezember 2022 wurde Lukas Lang mit 47,8 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Er trat das Amt am 22. Februar 2023 an.

Wappen Eggenstein

Seit Mitte des 16. Jahrhunderts ist als Dorfsiegel der Heilige Veit im Kessel belegt. Der älteste nachweisbare Siegelabdruck stammt aus dem Jahr 1562. Das Siegelbild mit dem vormaligen Ortsheiligen und Schutzpatron der Gemeinde war bis in das 17. Jahrhundert in Gebrauch. Für das 18. Jahrhundert ist kein Dorfsiegel nachweisbar. Aus dem Jahr 1807 datiert das neue Dorfsiegel mit Hufeisen unter einer Laubgirlande im Empire-Stil. Im frühen 20. Jahrhundert erfolgte dessen farbliche Festlegung: „in Rot ein goldenes Hufeisen“. Die Farben erinnern an die frühe Zugehörigkeit Eggensteins zum Herrschaftsbereich der Markgrafen von Baden.

Leopoldshafen

In historischer Zeit verfügte Leopoldshafen über kein eigenes Dorfsiegel. Rechtliche Angelegenheiten wurden mit dem Gerichtssiegel von Eggenstein oder dem Siegel des Amtmannes von Mühlburg beglaubigt. 1811 findet sich der erste Hinweis auf ein eigenes Schröcker Siegel. Es zeigt ein von Palmzweigen umgebenes Hufeisen, später kam noch eine Krone hinzu. 1895 wurde für Leopoldshafen in Würdigung der historischen Bedeutung als Hafenort ein neues Wappen festgelegt: es zeigt Schiff und Steuermann. 1966 wurde die Farbgebung festgelegt und die offizielle Beschreibung lautet: „In Silber auf blauem Wasser ein schwarzes Segelschiff mit blauem Segel und rotem Wimpel, im Heck ein rotgekleideter Mann mit rotem Hut und schwarzem Ruder“.

Eggenstein-Leopoldshafen

Blasonierung: „In gespaltenem Schild vorn in Gold (Gelb) ein rotes Hufeisen, hinten in Blau ein silbernes (weißes) Atommodell.“

Im Zuge der Fusion der Gemeinden wurde ein neues Wappen eingeführt. Jede Hälfte des Wappens repräsentiert einen Ortsteil. Den linken (heraldisch: vorderen) Teil bildet das farblich invertierte Eggensteiner Wappen. Der rechte (heraldisch: hintere) Teil des Wappens zeigt ein Atommodell, d. h. einen Atomkern, der von drei Elektronen umkreist wird. Dieser Teil des Wappens geht auf das 1956 nahe Leopoldshafen gegründete Kernforschungszentrum Karlsruhe (heute Campus Nord des Karlsruher Instituts für Technologie) zurück.

Gemeindepartnerschaften Die Gemeinde unterhält eine Partnerschaft mit der Gemeinde Höflein in Österreich. Kurz nach der politischen Wende in der DDR wurde auch eine Patenschaft mit Obhausen im damaligen Landkreis Merseburg-Querfurt geschlossen.

mini|Haltestelle „Eggenstein Bahnhof“ der Hardtbahn

Wirtschaft und Infrastruktur