Culturescapes (Eigenschreibweise: CULTURESCAPES) ist ein spartenübergreifendes, alle zwei Jahre in Basel stattfindendes Kulturfestival, bei dem jeweils die Kulturlandschaft eines anderen Landes oder einer Region vorgestellt wird. Im Jahr 2002 gegründet, wurden zunächst vor allem osteuropäische Länder vorgestellt. Mit Ausgaben, die der Türkei, Aserbaidschan, der Volksrepublik China und Israel gewidmet waren, wurden in den letzten Jahren Schritte darüber hinaus gemacht. Mit Moskau 2012Website Culturescapes Moskau 2012. Abgerufen am 24. Februar 2014. stellte Culturescapes zum ersten Mal die kulturelle Topografie einer Stadt in den Fokus des Festivals. Die Ausgabe Balkan 2013Website Culturescapes Balkan 2013. Abgerufen am 24. Februar 2014. beleuchtete nicht nur ein Land, sondern eine ganze Kulturregion. 2015 wurde der Inselstaat IslandWebsite Culturescapes Island 2015. Abgerufen am 4. Dezember 2015. vorgestellt. Gleichzeitig wurde auch verkündet, dass das Festival zukünftig im Biennale-Rhythmus stattfinden wird. Die folgenden Ausgaben fanden 2017 mit dem Fokus auf Griechenland und 2019 mit dem Fokus auf Polen statt.
2021 eröffnete Culturescapes eine neue Festivalreihe, die kritischen Zonen gewidmet ist, welche über die Grenzen von Nationalstaaten hinausgehen. Im Jahr 2021 widmete sich das Festival der Region Amazonas, und für die Ausgabe 2023 wurde die Sahara ausgewählt. Im Jahr 2025 wird zum zweiten Mal die afrikanische Wüste und ihre Umgebung im Mittelpunkt des Festivals stehen.
Das Festival kooperiert mit bestehenden Kulturinstitutionen wie der Kaserne Basel oder dem Schauspielhaus Zürich, aber auch mit den offiziellen Vertretern sowohl der Schweiz, z. B. der DEZA, wie auch der jeweiligen Gastländer auf Regierungsniveau. Das Festival ist vielspartig, neben darstellenden Künsten wie Musik, Theater und Tanz werden auch Film, Bildende Kunst, Handwerk, Literatur, oder Neue Medien vorgestellt. In der Sparte Fokus werden in Zusammenarbeit mit Schweizer Bildungsinstitutionen wie der Universität Basel oder der Universität Zürich Gegenwartsthemen, die Populäre Kultur, sowie die Geschichte der jeweiligen Fokusregion thematisiert und diskutiert. Kontroverse Themen werden nicht ausgelassen, sodass es schon mehrfach zu Protesten und Auseinandersetzungen kam als etwa der Armenische Genozid oder Aspekte des Nahostkonfliktes thematisiert wurden oder aserbaidschanische Regimekritiker zu Wort kamen. Gründer und Kurator aller bisherigen Ausgaben ist der niederländische und Schweizer Kulturunternehmer Jurriaan Cooiman.
Idee und Perspektive Die Ursprungsidee von Culturescapes war, Transformationsprozessen und deren Ausdruck im zeitgenössischen Kunstschaffen in den damals nahezu unbekannten Ländern des ehemaligen Ostblocks nachzuspüren. Nach und nach löste sich dieser Bezug auf und es geriet Neues in den Fokus: „Kultur-Landschaften“ mit einer langen Tradition künstlerischer Vielfalt deren aktuelle Form durch eine spezielle Konstellation historischer, politischer, sozialer und wirtschaftlicher Spannungsfelder geprägt wird.. Website Culturescapes. Abgerufen am 25. Februar 2014.
Festivalausgaben Ausgabe Gastland KünstlerInnen2003Flyer Culturescapes Georgien u. a. Gija Kantscheli als Composer in Residence2004Programmübersicht Culturescapes Ukraine Themen: Tschernobyl; Literatur aus Czernowitz, Musik von Valentin Silvestrov2005Programmübersicht Culturescapes Armenien u. a. Erste öffentliche Konferenz zum Genozid an den Armeniern2006Programmübersicht Culturescapes Estland u. a. Estland im Wandel, vom Kraahl Theater, Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür, erster Kompositionswettbewerb2007Programmübersicht Culturescapes Rumänien u. a. Monday theatre mit Peca Stefan, Gianna Carbunariu; Stefan Niculescu, Aurel Stroe, Horatio Radulescu, Ana Blandiana2008Programm Culturescapes Türkei u. a. Fazıl Say; Mercan Dede,2009Programm Culturescapes Aserbaidschanu. a. Frangiz Ali-Sade, Mustafa-Zadeh, Pantomimetheater Baku, erstes Residenzprogramm für junge Künstler:innen2010Programm Culturescapes China (pdf; 6,5 MB), Pressespiegel Culturescapes China 1 (PDF; 5,3 MB), 2 (PDF; 6,4 MB), 3 (pdf; 6,1 MB) u. a. Ko-Produktion mit Wang Jianwei; Jin Xing, Kompositionsauftrag Wang Xi-lin, Oper aus Hangzhou2011Programm Culturescapes Israel (pdf; 6,5 MB), Pressespiegel Culturescapes Israel 1 (PDF; 3,8 MB), 2 (PDF; 2,1 MB), 3 (PDF; 4,3 MB)4 (pdf; 3,4 MB) u. a. Batsheva Dance Company; Kompositionsauftrag an Chaya Czernowin; Ko-Produktionen Ofira Henig, Yasmeen Godder, Daniel Landau2012Pressespiegel Culturescapes MoskauMoskau u. a. Dimtri Krymov, Yuri Bashmet, Kooperation mit MUSMA (music masters on air), Kompositionsaufträge an Alexander Raskatov, Alexey Sysoev und Pavel Karmanov, Vladimir Sorokin2013Website Culturescapes Balkan 2013Balkan u. a. Miljenko Jergović, Dubioza Kolektiv, Oliver Frljic, EnKnapGroup, Rambo Amadeus, Vlatko Stefanovski, Damir Imamović2014Website Culturescapes Tokio 2014Tokio u. a. Bunraku, Balthasar Streiff, Toshiki Okada2015 u. a. Jón Gnarr, Ragnar Kjartansson, Ragna Róbertsdóttir, Egill Sæbjörnsson, Andri Snær Magnason, Einar Falur Ingólfsson, Erna Ómarsdóttir, Sóley, ADHD, Skúli Sverrisson, Ólöf Arnalds2017u. a. Dimitris Papaioannou, Rosarte Chor, Rimini Protokoll, Vassilis Varvaresos, Mönchen vom Berg Athos, Milo Rau2019u. a. Krzysztof Warlikowski, Marta Górnicka, Paweł Pawlikowski, Olga Tokarczuk, Vladyslav Sendecki, Kinga Głyk2021Amazonasu. a. Davi Kopenawa Yanomami, Claudia Andujar, Ernesto Neto, Victor Moriyama, Alessandra Korap Munduruku2023Saharau. a. Va-Bene Elikem Fiatsi, Keziah Jones, Qudus Onikeku, Felwine Sarr & Étienne Minoungou, Kader Tarhanine, Lionel Loueke, Temitayo Ogunbiyi, Nadia Beugré, Radouan Mriziga, Bouchra Ouizguen, Ami Yarewolo2025Saharau. a. N'Goné Fall, Radouan Mriziga, Kamel Daoud
Spielstätten (Auswahl) Aarau: Theater Tuchlaube Baden: Kurtheater Basel und Region: Atelier Mondial, Basler Marionettentheater, Basler Münster, Cartoonmuseum, Fondation Beyeler, Goetheanum, Gare du Nord, Haus für elektronische Künste, Kaserne, Kultkino Atelier, Kloster Schönthal (Langenbruck), Kunsthaus Baselland, Literaturhaus, Literaturfestival BuchBasel, Museum Tinguely, Museum der Kulturen, neues Kino, Neues Theater (Dornach), Offene Kirche Elisabethen, oslo 8, Philosophicum, RappazMuseum, SUD, Stadtkino, Theater Basel, Theater Roxy Birsfelden, the bird's eye jazz club, Universität Basel, Verein flatterschafft, Villa Incognito Bellinzona: Teatro Sociale, Sconfinare Festival. Bern: bee-flat im PROGR, Dampfzentrale, Kino Kunstmuseum, Kornhausforum, ONO, Punto Buchowski, Zentrum Paul Klee Chur: Theater Genf: BFM, Cinelux, Théatre du Grütli Lausanne: Les docks, Théâtre Vidy-Lausanne Lörrach: Burghof Luzern: Luzerner Theater, Südpol, Kultur- und Kongresszentrum Luzern. KleinTheater Olten: Tanz in Olten St. Gallen: Lokremise Scuol: Fondation NAIRS Solothurn: Schloss Waldegg Thun: Im Rathaus um 4 Winterthur: Fotomuseum Winterthur, Coalmine, Marionettentheater im Waaghaus Zürich und Region: Schauspielhaus, Helmhaus, Kosmos, Karl der Grosse, Kino Riffraff, Literaturhaus, Theaterhaus Gessnerallee, Universität Zürich.Liste Partner Culturescapes Balkan 2013. Abgerufen am 24. Februar 2014.
Rückspiele Angefangen mit der Ausgabe Aserbaidschan kam es immer mehr auch zu Rückspielen in dem Schweizer Künstler in dem jeweiligen Fokusland auftraten. So gastierte die Basel Sinfonietta 2009 in Baku, 2011 kam es zu einer „Swiss Season“ in Israel und 2012 gastierte das Symphonieorchester Basel in Moskau und St. Petersburg. Unter dem Namen „Swiss Culturescapes“ wurde im Jahr 2013 aktuelles Schweizer Kunstschaffen in den acht Ländern des Westbalkans gezeigt. Unter anderem die Knabenkantorei Basel, der Musiker Nik Bärtsch mit seinem Projekt „Ronin“ oder auch „Imitation of life“ von Boris Nikitin.Website Boris Nikitin. Abgerufen am 24. Februar 2014. Christoph Marthalers „King Size“ wurde mit grosser Begeisterung im International Theatre Festival, Sarajevo (MESS). Abgerufen am 24. Februar 2014. sowie beim World Theatre Festival in Zagreb aufgenommen.
Resonanz und Kritik Bei der Ausgabe Armenien kam es zu verschiedenen Auseinandersetzungen bis auf höchste politische Ebene wegen Thematisierung des Armenischen Genozids. Auch weitere Ausgaben waren kontrovers wegen einzelner Themen das Gastland betreffend: so bei der Ausgabe Türkei kritische Artikel in der Festivalzeitung, sowie den Spielfilm „Gitmek“,Gitmek in der IDMB; Filmdatabase imdb.com bei dem Festival zu Aserbaidschan die Rede- und Pressefreiheit und bei Israel, wie erwartet werden konnte, die Palästinenser-Frage, etliche Akteure in der Schweiz warben für einen kompletten Kulturboykott Israel gegenüber.
Trägerschaft und Patronat Culturescapes wurde in den Anfangsjahren als Label des Vereins PASS (Performing Art ServiceS, Basel) betrieben, firmiert aber seit 2009 als selbständige Stiftung Culturescapes.Pressemitteilung vom August 2009, abgerufen am 23. Februar 2011, (online) Präsident ist Henri-Michel Yéré, Direktor Jurriaan Cooiman. Die Schirmherrschaft übernahmen öfters die Staatspräsidenten der jeweiligen Gastländer zusammen mit einem Schweizer Bundesrat. 2008 Abdullah Gül, Türkischer Staatspräsident und Pascal Couchepin, 2010 Hu Jintao Staatspräsident der Volksrepublik China und Doris Leuthard, 2011 Micheline Calmy-Rey. Die Komponistin Sofia Gubaidulina, der Philosoph Hans Saner (1934–2017) sowie der Basler Regierungsrat Guy Morin und der Schriftsteller Iso Camartin gehören bzw. gehörten ebenfalls zum Patronat.
Literatur Culturescapes Aserbaidschan: Kultur, Geschichte und Politik zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer. Christoph Merian Verlag, Basel 2009, ISBN 978-3-85616-488-1 (online) Culturescapes China: Chinas Kulturszene ab 2000. Christoph Merian Verlag, Basel 2010, ISBN 978-3-85616-514-7. (online) Culturescapes Israel: Kultur im Spannungsfeld des Nahen Ostens. Christoph Merian Verlag, Basel 2011, ISBN 978-3-85616-528-4. (online) Culturescapes Moskau: Schauplatz der Inszenierungen. Christoph Merian Verlag, Basel 2012, ISBN 978-3-85616-572-7. (online) Culturescapes Balkan: Kosovo 2.0 - Balkart. Christoph Merian Verlag, Basel 2013, ISBN 978-3-85616-626-7. (online) Culturescapes Island: Zwischen Sagas und Pop. Christoph Merian Verlag, Basel 2015, ISBN 978-3-85616-676-2. (online) Culturescapes Greece / Griechenland: Archaeology of the Future / Archäologie der Zukunft. Christoph Merian Verlag, Basel 2017, ISBN 978-3-85616-845-2. «ON THE EDGE»: Culturescapes Poland ISBN 978-3-033-07245-9. CULTURESCAPES 2021 Amazonas: Amazonia. Anthology as Cosmology. Sternbergpress, Berlin 2021, ISBN 978-3-95679-611-1. CULTURESCAPES 2023 Sahara: Sahara: A Thousand Paths Into the Future. Culturescapes, Basel; Sternberg Press, London 2023, ISBN 978-1-915609-20-5.
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Einzelnachweise
Kategorie:Kultur (Basel) Kategorie:Musikfestival in der Schweiz Kategorie:Veranstaltung in Basel Kategorie:Erstveranstaltung 2003