mini|Die Pfauenuhr in Bewegung Die Pfauenuhr (; ) ist ein mechanisches Glockenspiel mit Uhrwerk. Sie wurde in den Jahren 1766 bis 1772 in England gefertigt und danach Katharina der Großen von Grigori Alexandrowitsch Potjomkin geschenkt. Die Uhr ist mit aufwendig gearbeiteten beweglichen Nachbildungen von Pflanzen und Tieren verziert, darunter ein großer goldener Pfau, von dem sich auch ihr Name herleitet. Wegen ihres prunkvollen Aussehens und der komplexen mechanischen Bewegungsabläufe mitsamt musikalischer Untermalung diente die Pfauenuhr hauptsächlich als Statussymbol. Details zum Entwurf, den am Bau beteiligten Personen und den Transport nach Russland konnten bis heute nicht abschließend geklärt werden.

Die Pfauenuhr ist weltweit der einzige große mechanische Automat des 18. Jahrhunderts, der unverändert und in funktionstüchtigem Zustand erhalten geblieben ist. Heute ist sie in der Eremitage in Sankt Petersburg zu besichtigen, wo die Uhr zu den meistbesuchten Exponaten zählt.

Standort mini|Vitrine aus Glas und goldenem Holz, 1851 Bis 1797 stand die Pfauenuhr im Taurischen Palais, dem ehemaligen Palast des Prinzen Potjomkin. Dann bezog Paul I. das Gebäude und ordnete an, die Pfauenuhr in die Eremitage zu transportieren. Der Umzug wurde vom Mechaniker Ivan Petrovich Kulibin durchgeführt. zitiert nach Seitdem steht das Kunstwerk in der Eremitage. In der Eremitage wurde die Pfauenuhr zunächst in das Südkabinett, das sogenannte Diamantkabinett, gestellt. Mitte des 19. Jahrhunderts wechselte er in die Ostgalerie der Kleinen Eremitage. Dort ist die Uhr auf Aquarellen des Künstlers K. A. Ukhtomsky aus den 1860er Jahren zu sehen. Zunächst stand das Exponat auf dem Boden. Zum Schutz wurde eine achteckige Kuppel um es errichtet. Im 20. Jahrhundert, zu Sowjetzeiten, wurde es in die Pavillonhalle verlegt. Heute steht die Pfauenuhr in der Kleinen Eremitage, Sektion für Europäische angewandte Kunst.

Geschichte

Geschichtliche Einflüsse Mechanische Apparaturen waren schon früh in der Geschichte in Thronsälen zu finden. Im Thronsaals des Großen Kaiserpalastes in Konstantinopel stand ebenfalls ein vergoldeter Baum mit mechanischen Vögeln, die unterschiedlich sangen. Die Funktionsweise könnte entweder über Wasser oder Mechanik erfolgt sein. Auch der Thron von König Salomo soll von mechanischen Vögeln und Löwen flankiert gewesen sein. Das soll Macht und den Aufstieg in den Himmel symbolisiert haben. Bäume aus Edelmetall mit mechanischen Vögeln waren weiterhin beispielsweise verbreitet in Byzanz, im Abbasiden-Kalifat, im Emirat von Sizilien, in Zentralasien und China.

Im Gedanken der Aufklärung, die sich zur Zeit Katherina der Großen ausbreitete, sollte der Mensch und das rationale Denken an der Spitze der Natur gesehen werden, nicht Gott. Tote Materie durch mechanisches Können zu beseelen war ein Beweis für dieses Zeitalter. Die Autorität der Kirche wurde in Frage gestellt, der aufgeklärte Herrscher hingegen wurde zum Symbol für Wissen und Macht.

Im 18. Jahrhundert war in Europa, insbesondere in England, die Chinoiserie sehr beliebt. Der Handel mit China war jedoch schwierig, weil dort kein Bedarf an europäischen Waren bestand. Das änderte sich mit den mechanischen, musikalischen Uhren, „selbstklingelnde Glocken“, wie sie in China genannt wurden. Das chinesische Zeitsystem unterschied sich vom europäischen, weshalb nicht die Uhrzeit, sondern die Fähigkeit totem Material Leben einzuhauchen im Fokus stand.

Katherina II. hatte sich ferner vorgenommen, Russland als Zentrum für Kultur und Wissenschaft zu etablieren. Sie sammelte Schöngeistiges und Kunst. Im Laufe von 20 Jahren hat sie auf diese Weise über 4.000 Gemälde und um die 10.000 Zeichnungen gesammelt. Damit stand die Sammlung denen anderer europäischer Königshäuser in nichts nach.; zitiert nach

Hersteller Einer der Hauptlieferanten für mechanische Automaten nach China war das Unternehmen von James Cox. Dieser Periode und seiner Werkstatt wird die Pfauenuhr zugeschrieben. Unter Experten ist Cox ohne Zweifel der Erschaffer der Pfauenuhr. Der Handel mit China war riskant, es brauchte Vorabfinanzierung bei ungewissem Verkaufsergebnissen. Nach etwa 20 Jahren war der chinesische Markt gesättigt. Im Jahr 1778 sollte Cox bankrottgehen.

Die Pfauenuhr soll zwischen 1766 und 1772 angefertigt worden sein. Es gibt keine Dokumente, die beweisen, dass die Pfauenuhr aus dem Hause James Cox stammt. Doch gibt es zwei Aufzeichnungen von 1774, in einem Katalog aus Dublin, die detailliert nahezu identische Exponate von Cox beschreiben. Diese Stücke waren als perfekt gespiegeltes Duo für den Geschmack chinesischer Kunden gedacht. Hier griffen zwei Schlangen einen Pfau an, weshalb dieser sich bewegte. Uhr, Hahn und Eule fehlten hingegen ganz. Die Podeste waren oval, statt wie in der jetzigen Version rund. Die Pfauen waren jedoch schon gleichermaßen beweglich. Es ist anzunehmen, dass einer der Pfauen aus dem Katalog etwas umgebaut nach Sankt Petersburg kam. Der zweite Pfau wurde 1792 aus den Überresten von Cox Warenlager in London versteigert. Auch hier wurde vorab umgebaut, denn über Schlangen stand nichts geschrieben. Es wird vermutet, dass Cox Gesamtleitung und Finanzierung für das Projekt der Pfauenuhr übernommen hatte, nicht jedoch Design und Herstellung. Denn im Katalog wurde ein Frederic Yuri als Hersteller angegeben. Dieser war Katherina II. bereits früher von Potjomkin empfohlen worden und sie hatte über ihn englische Uhren bezogen. Yuri war Hersteller von Uhrenmaschinen und daher mit der Mechanik bestens vertraut. Höchstwahrscheinlich hat er die Pfauenuhr in Teile zerlegt nach Sankt Petersburg gebracht.

Anlass mini|hochkant|Grigory Potyomkin um 1790 Es besteht kein Zweifel daran, dass der Initiator der Pfauenuhr Prinz Potjomkin war. Es wird angenommen, dass Potjomkin die Uhr für Kaiserin Katherina kaufte, zugegeben von ihrem Geld. Es gibt Spekulationen darüber, weshalb Potjomkin dieses Kunstwerk für Katherina II. bestellt hat. Ein Grund könnte sein, dass es im Winterpalast viele Jahre lang keinen Thronsaal gegeben hatte, weil dieser baulich nie fertiggestellt worden war. Nach einem Hin und Her mit Architekten, sollte der Saal bis Ende 1781 oder 1782 schließlich fertiggestellt werden. Das Datum fiel mit der Ankunft der Pfauenuhr in Begleitung von Yuri zusammen. Somit hätte der Automat im neuen Thronsaal die Legitimität Russlands als Erbe von Byzanz und seine Ansprüche auf territoriale und politische Veränderungen auf dem Balkan unterstreichen können.

Weg nach Russland Es ist nicht endgültig geklärt, wie die Pfauenuhr nach Russland gekommen ist.

Nach einer Theorie könnte Elizabeth Chadley, Gräfin von Bristol, Herzogin von Kingston (1720–1788) sie als Geschenk nach Russland mitgebracht haben. Die Gräfin kam über mehrere Jahre wiederholt nach Moskau. Dort verteilte sie wertvolle Geschenke, um die Gunst der Gesellschaft zu erwerben. Potjomkin erstand verschiedene Objekte von ihr.;

zitiert nach Es gab ein ähnliches mechanisches Objekt mit einem Elefanten, das von der Herzogin stammte. Das führt zu Spekulationen, dass auch der Pfau von ihr stammen könnte. Für diese Theorie konnten indes keine Beweise vorgebracht werden. zitiert nach

Eine andere Theorie besagt, dass Potjomkin den Pfau 1780 in London gekauft oder bestellt hat.zitiert nach Als Untermauerung wird die 1792 erstellte Inventarliste des Taurischen Palais herangezogen. Sie schreibt der Pfauenuhr einen Wert von 11.000 Rubel zu. zitiert nach Ebendiese 11.000 Rubel waren 1781 an den englischen Uhrmacher Yuri für die aus England mitgebrachten Uhren gezahlt worden. Dokumente aus dem Jahr 1781 berichten, dass die Uhr nach einem Brief von Potjomkin gekauft und als Überraschungsgeschenk an die Kaiserin gedacht war. Gleichzeitig erfolgte die Zahlung des Geldes an Meister Yuri „in zwei Chargen, am 30. September und am 14. Dezember“. zitiert nach Daraus lässt sich folgern, dass Yuri mindestens zwei Monate in St. Petersburg verbracht hat.

Zerlegung und Montage mini|hochkant|Ivan Petrovich Kulibin um 1818 Nun spielt noch ein anderer nicht vollkommen geklärter Aspekt eine Rolle: Es scheint klar, dass die Uhr zerlegt transportiert worden ist. Doch wann sie danach wieder komplett montiert worden ist, ist strittig. Es gibt jene, die sagen, dass sie nach der Anlieferung viele Jahre zerlegt zwischengelagert wurde. Bis Anfang der 1790er Jahre gibt es gar keine Beschreibungen des auffälligen Stücks. Das kann dafür sprechen, dass die Uhr zerlegt antransportiert wurden und bis zur erst späteren Montage zwischengelagert wurden. zitiert nach Doch geht man davon aus, dass die Uhr zerlegt geliefert wurde und viele Jahre zerlegt zwischengelagert wurde, verwundert es, dass Yuri dafür bezahlt worden sein soll, dass er funktionsunfähige Uhrenteile lieferte. zitiert nach Plausibler erscheint es, dass Yuri einmal für die Begleitung der Kisten und dann ein weiteres Mal für die Montage der zerlegten Uhr bezahlt worden ist.

Erhalten sind Dokumente des russischen Mechanikers Ivan Kulibin, der 1791 – 10 Jahre nach Anlieferung der Uhr – von Potjomkin beauftragt wurde, den seit vielen Jahren zerlegten Mechanismus zusammenzubauen und zum Laufen zu bringen. Nach Potjomkins Tod bestand der Auftrag weiterhin, die Uhr auf Staatskosten zu reparieren. zitiert nach Kulibin benötigte zwei Jahre, um die Pfauenuhr wieder funktionsfähig zu bekommen. Um die Funktionsweise zu verstehen, musste er den Mechanismus komplett zerlegen und Fehler bereinigen. Bei einem Feuer in der Werkstatt gingen beim hurtigen Sichern der Uhr einige Teile verloren. Kulibin fertigte diese nach. 1794 war die Uhr funktionstüchtig. Kulibin wird ob seiner erfolgreichen Arbeit oft als „der zweite Schöpfer des Pfaus“ bezeichnet.

Nach 1791 Nach Potjomkins Tod (1791) befand sich laut Inventarliste in seinem Palast Taurisches Palais ein Automat, der auf die Pfauenuhr schließen lässt. Allerdings funktionierte die mechanische Uhr ja erst 1794 nach dem Tod von Potjomkin (wieder?). In den letzten Jahren ihres Lebens besuchte Katharina die Große gern das Taurische Palais, wo Kulibin für sie die Pfauenuhr in Aktion setzte.

Aussehen Es war üblich, einzeln hergestellte Automaten zu mehrfigurigen Mechanismen zusammenzufügen. Das Arrangement der Pfauenuhr stellt eine Szene aus der Natur nach. Im Zentrum steht ein Pfau, der auf einem Eichenstamm sitzt. Umgeben ist die Szenerie von weiteren Pflanzen und Tieren, die in Lebensgröße naturgetreu nachgebildet sind.

Die verwendeten Materialien sind Bronze, Gold (Vergoldung), Holz, Emaille, Silber (Basis) und Glas (Basis).

Vögel mini|Der Pfau auf der Eiche Der Pfau ist aus Kupfer gefertigt und in verschiedenen Farben vergoldet. Alle Federn wurden einzeln hergestellt und haben eine sorgfältige Gravur. Vom Kopf zum Schwanz nehmen die Federn zu. Die filigranen Schwanzfedern bleiben auch während des Aufstellens in Form und verkanten nicht. Auf der Oberfläche ist keine Schraube zu sehen. Die lebensechten, zierlichen Beine des Pfaus bestehen aus Stahl und Gold und tragen und verbinden den Mechanismus.

Der Pfau steht auf einem detailliert ausgearbeiteten Eichenbaum aus vergoldetem Kupfer. Der Eichenbaum hat drei Äste. Von vorne gesehen rechts, streckt sich ein hochgewachsener Ast mit Blätterdach aufwärts. Die Äste sind teilweise wie abgeschnitten oder abgebrochen gestaltet. Von vorne gesehen links, ist ein kahler Ast gewachsen, dahinter ein begrünter. Die Äste und Triebe teilen sich weiter auf in fünfzig kleine Zweige, mit Blattwerk und goldenen Eicheln. Um den Stamm der Eiche schlingen sich Schlangen – möglicherweise. Denn über die Anzahl der Schlangen an der Pfauenuhr gibt es unterschiedliche Angaben. Gesichert ist, dass die vorherige Version, für den chinesischen Markt, zwei Schlangen besaß. Auf dem jetzigen Exponat sind es gar keine, eine oder zwei Schlangen.