mini|Hubert von Meyerinck (1933), Sammelbild aus der Serie Bühnenstars und ihre Autogramme, die 1933 den Gold-Saba-Zigaretten der Garbaty-Zigarettenfabrik beilagen Hubert(us) Georg Werner Harald von Meyerinck (* 23. August 1896 in Potsdam; † 13. Mai 1971 in Hamburg) war ein deutscher Schauspieler.

Leben und Wirken Er wurde als einziger Sohn des Hauptmanns im Garde-Jäger-Bataillon und Gutsbesitzers Friedrich von Meyerinck (1858–1928) und dessen erster Ehefrau Caroline (geborene von Hoppenstedt, 1868–1940) geboren. Seine Großväter sind der Generalleutnant Hubert von Meyerinck (1827–1900) und der Landesökonomierat Georg Ludwig von Hoppenstedt (1830–1894). Die Schauspielerin Gudrun Genest war seine Nichte 2. Grades. Seit der frühen Scheidung der Eltern (die Ehe hielt von 1893 bis 1909) wuchs er auf dem Familiengut in Posen auf. Danach besuchte er ein Gymnasium in Godesberg und wurde nach dem Abitur während des Ersten Weltkrieges zum Militärdienst eingezogen.Bernd-Ulrich Hergemöller: Mann für Mann. Ein biographisches Lexikon (= Suhrkamp-Taschenbuch 3266). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2001, ISBN 3-518-39766-4. Kurze Zeit diente er als Fahnenjunker in Karlsruhe, doch ein Lungenleiden, das mehrere Sanatoriumsaufenthalte nach sich zog, bedingte seine Entlassung.

Nach Schauspielunterricht bei Rudolf Lettinger gab er sein Debüt am Theater 1917 am Berliner Schauspielhaus als Leutnant von Hagen in Paul Heyses Kolberg. Von 1918 bis 1920 hatte er ein Engagement an den Hamburger Kammerspielen und kehrte anschließend nach Berlin zurück, wo er erfolgreich in den Avantgarde-Stücken von Carl Sternheim auftrat. Er hatte Auftritte in verschiedenen Revuen und Kabaretts, darunter auch im berühmten Tingeltangel. Später spielte er am Deutschen Theater, in der Komödie am Kurfürstendamm (beispielsweise in der Musikrevue Es liegt in der Luft) und am Lessingtheater Rollen wie den Eingebildeten Kranken, Mackie Messer, Mephisto und den Hauptmann von Köpenick.

1920 wurde von Meyerinck für den Stummfilm entdeckt. Mit Glatze, Oberlippenbärtchen, oft mit Monokel wurde er zu einer bekannten Gestalt des deutschen Films. Im später aufkommenden Tonfilm brachte er seine charakteristische Stimme und schnarrende Artikulation zur Geltung. Er spielte Männer mit einer allürenhaften Haltung, die sich häufig als Hochstapler oder als Schurken erwiesen. Auch während der Zeit des Nationalsozialismus wirkte er in zahlreichen Filmen mit. Von Meyerinck stand 1944 in der Gottbegnadeten-Liste des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda.Meyerinck, Hubert von, in: Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. Frankfurt am Main : S. Fischer, 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 409.

Am Theater war er immer wieder im klassischen Rollenfach zu sehen, so etwa als Mephisto in Goethes Faust oder als Malvolio in Shakespeares Was ihr wollt.

Meyerinck war homosexuell und legte sich nach den Erinnerungen seines ebenfalls homosexuellen Freundes und Kollegen Kurt von Ruffin auch zu dieser Zeit keine große Zurückhaltung hinsichtlich seiner Orientierung auf und stand gefährdeten Freunden bei.

mini|Meyerinckplatz in Berlin-Charlottenburg

1950 zog er nach München, spielte aber auch an den Bühnen von Göttingen und Wuppertal.

1966 erhielt er ein Festengagement am Thalia Theater in Hamburg, an dem er am 4. März 1971 seine letzte Vorstellung als Agamemnon in Die schöne Helena gab.

In seinen späteren Jahren wurde er in Filmkomödien und Schlagerfilmen für skurrile Amtspersonen, Adelige, Generäle, verschlagene Hochstapler, cholerische Kunden und weitere schrullige Personen besetzt. Einen seiner wohl bekanntesten Auftritte in diesem Rollenfach hatte von Meyerinck 1961 in Billy Wilders Komödienklassiker Eins, Zwei, Drei. Dort spielte er den verarmten, doch pompös auftretenden Grafen von Droste-Schattenburg, der nun als Toilettenmann arbeitet. Letzte Filmerfolge hatte Hubert von Meyerinck mit den Edgar-Wallace-Filmen Im Banne des Unheimlichen (1968), Der Gorilla von Soho (1968) und Der Mann mit dem Glasauge (1968), in denen er Sir Arthur, den schrulligen Chef von Scotland Yard, verkörperte. Insgesamt wirkte er von 1965 bis 1969 in fünf Wallace-Verfilmungen mit. Bis zu seinem Lebensende brachte er es insgesamt auf mehr als 300 Film- und Serieneinsätze.

mini|Grabstelle in Schladen

Sein Privatleben verstand von Meyerinck vor den Medien abzuschirmen. Von Freunden, Familie und Kollegen wurde er „Hubsi“ oder „Knurpsi“ genannt.O.V.: Hubert von Meyerinck. In: FIRST. Ausgabe 19, Mai 1990, , S. 6.; O.V.: Hubert von Meyernick: „Wo soll ich jetzt ficken?“ In: Männer aktuell. August 1993, S. 68; Hermann J. Huber: Leben, Lieben, Legenden. Die 60 schillerndsten Kultstars der Schwulen. Fotokunstverlag, Berlin u. a. 1989, ISBN 3-922257-97-6. Seine Erinnerungen erschienen 1967 unter dem Titel Meine berühmten Freundinnen, in denen er über prominente Kolleginnen wie Marlene Dietrich oder Adele Sandrock, aber auch über seine geliebte Mutter berichtet, mit der er bis zu deren Tod in häuslicher Gemeinschaft in der Berlin-Charlottenburger Giesebrechtstraße Nr. 18 gelebt hatte. Hubert von Meyerinck starb an Herzversagen im Hamburger Bethanien-Krankenhaus. Sein Grab befindet sich auf dem evangelischen Friedhof der Gemeinde Schladen bei Goslar.Das Grab von Hubert von Meyerinck.

Berlin ehrte ihn im August 1994 mit der Benennung des Meyerinckplatzes in Charlottenburg.

Auszeichnungen 1960 und 1961: Preis der deutschen Filmkritik für Ein Mann geht durch die Wand und Das Spukschloß im Spessart 1967: Bambi 1968: Filmband in Gold für langjähriges und hervorragendes Wirken im deutschen Film

Filmografie (Auswahl) Kinofilme

Fernsehserien 1963: Das Kriminalmuseum: Fünf Fotos 1971: Dem Täter auf der Spur: Tod am Steuer 1971: Hei-Wi-Tip-Top 1971: Frei nach Mark Twain

Hörspiele (Auswahl) 1947: Peter Wiszwede: Das alte Puppenspiel von Doktor Faust (Mephisto) – Regie: Karl Heinz Riepenhausen (Berliner Rundfunk) 1956: Raymond Chandler: Der lange Abschied (Sprecher) – Regie: Nicht angegeben (Lesung – NDR)

Schriften Hubert von Meyerinck: Lieder im Abend (Gedichte) Voegels Verlag, Berlin 1922 Hubert von Meyerinck: Meine berühmten Freundinnen. Erinnerungen. Econ-Verlag, Düsseldorf u. a. 1967 (Ungekürzte Ausgabe. (= dtv-Taschenbücher 611). Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1969).

Literatur Hans Friedrich von Ehrenkrook et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1956. Band II, Band 12 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1956, S. 247–248. Jörg Schöning: Hubert von Meyerinck – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 13, 1989.

C. Bernd Sucher (Hrsg.): Theaterlexikon. Autoren, Regisseure, Schauspieler, Dramaturgen, Bühnenbildner, Kritiker. Von Christine Dössel und Marietta Piekenbrock unter Mitwirkung von Jean-Claude Kuner und C. Bernd Sucher. 2. Auflage. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1999, ISBN 3-423-03322-3, S. 476. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 5: L – N. Rudolf Lettinger – Lloyd Nolan. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 425 ff. Michael Wenk: Der Mann, um den nie Stille war. Auf der Bühne eine Größe, im Film fast immer eine Klischeefigur: Erinnerung an den Schauspieler Hubert von Meyerinck. Süddeutsche Zeitung vom 12. Mai 2001 Matthias Gerschwitz: Tü-Tü und Zack-Zack. Die fast vergessenen Karrieren von Wilhelm Bendow und Hubert von Meyerinck. BoD, Norderstedt 2023, ISBN 978-3-7578-0154-0.

Weblinks

Hubert von Meyerinck bei cyranos.ch

Einzelnachweise

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