Das Gymnasium Montanum war eines der ersten Gymnasien in Köln. Diese entwickelten sich aus kleineren Kollegien, die auf ein Studium an der Universitas Studii Coloniensis vorbereiteten und teilweise auch Vorlesungen der Artistenfakultät in ihren Räumen anboten und die sich im Laufe der Zeit zu drei großen privaten Bildungseinrichtungen – den Bursen – vereinigten. Zu einer solchen wurde auch die 1420 als Stiftung gegründete Schule und spätere Bursa Montanum, die dann zu einem Gymnasium aufgewertet und zugleich Sitz der Artistenfakultät der alten Universität zu Köln wurde. Die Lehranstalt bestand bis zu den umwälzenden Veränderungen während der Franzosenzeit, von denen auch die Lehre, ihre Organe sowie die vorhandenen Schulanlagen betroffen wurden.Ludwig Arentz, H. Neu und Hans Vogts: Paul Clemen (Hrsg.): Die Kunstdenkmäler der Stadt Köln, S. 386 f mini|Lehrer und Schüler, mittelalterliche Darstellung

Geschichte Anfänge Kölner Bildungseinrichtungen Die Anfänge der Kölner Bildungseinrichtungen reichen in das 9. Jahrhundert zurück und dürften in der zur Zeit Erzbischofs Gunthar entstandenen Domschule anzusiedeln sein.Goswin Frenken, Die Kölner Domschule im Mittelalter. In: Der Dom zu Köln, Festschrift zur Feier der 50. Wiederkehr des Tages seiner Vollendung am 15. Oktober 1880. Herausgegeben und bearbeitet von Erich Kuphal. S. 235 ff

Von dieser Zeit her bildeten sich neben bisherigen Klosterschulen, wie auch in anderen großen Städten des Mittelalters, kleinere Schulen oder Kollegien, deren Anzahl jedoch nicht zu beziffern ist. Die in Köln entstandenen, Bursen genannten, Lehreinrichtungen schlossen sich mit der Zeit zu drei größeren Gemeinschaften zusammen und konnten sich aufgrund privater Stiftungen dauerhaft etablieren. Diese anfänglich privaten Einrichtungen, denen später demonstrativ das städtische Wappen an der Hausfront angebracht wurde, praktizierten ein streng reglementiertes Leben, boten den aufgenommenen Schülern und Studenten Kost und Logis sowie die Teilnahme an geregeltem Unterricht und Zugang zu den Vorlesungen der Professoren. Hier hatten auch auswärtige Schüler die Möglichkeit, den notwendigen Wissensstand für das Studium an einer Universität zu erlangen. Es wurden die späteren Kölner Gymnasien Tricoronatum, Laurentianum und das Montanum.

Konsolidierung des Montanums mini|Die Straßenzüge Unter Sachsenhausen, Enggasse und Stolkgasse sowie die Predigerkirche der Dominikaner und die Pfarrkirche St. Maria Ablass des Stiftes St. Ursula Die drei genannten „Großbursen“ waren jeweils auch der Grundstock der Fakultäten. Diese erscheinen in den Quellen als ungeordnetes Ganzes in unterschiedlichen Gebäuden oder auch nur genutzten Räumen und werden diesen auch in Erweiterungsbauten oder Zukäufen benachbarter Häuser zugeordnet. Sie erhielten den wechselnden Zeiten entsprechend unterschiedliche Bezeichnungen und wurden im Fall der Artistenfakultät an drei verschiedenen Orten angeführt. Genannt werden in diesem Fall die Straßen Unter Sachsenhausen, die Engasse, überwiegend jedoch die Stolkgasse. Diese war offenbar der Kern aller im Zusammenhang mit dem Gymnasium bzw. der Artistenfakultät stehenden Schuleinrichtungen.

Entwicklung bis zur Gründung 1398 hieß es, die Nonnen des Konvents ver Selen in der „Stolkingazzen“ (heutige Stolkgasse), deren Haus jetzt zu Vorlesungen genutzt werde, siedeln gemäß dem Vertrag mit der Stadt in den Loerers Konvent über. Noch vor dem verstärkten Aufkommen und den Vereinigungen der Kölner Bursen wurde 1416 Gottfried de Hegghe als Dekan der Artistenfakultät genannt. 1417 wurden Einzelheiten über einen Kanonikus der Artistenfakultät an St. Gereon berichtet. Dies war Heinrich Wessel aus Brilon, der zu dieser Zeit zu den Deputierten gehörte, die die neue Universität auf dem Konzil von Konstanz vertraten.

In den Artistenschulen lehrten in der Regel Magister, spätere Professoren der Theologie, die in heutiger Zeit der philosophischen Fakultät zuzuordnen wären. Die anfänglich in mehreren Gebäuden untergebrachten Kollegien oder Bursen hatten sich zu einer größeren Einrichtung vereinigt, in denen die lehrenden Mitglieder der frühen „Artes“ zu Mitbewohnern der Unterrichteten wurden. Sie bildeten mit den Schülern und Studenten eine Hausgenossenschaft zur Förderung der Schulerziehung und des Unterrichtes. So fand im 15. Jahrhundert die Lehrtätigkeit mehr und mehr durch größere Anlagen an einem Ort statt. Man erzielte bei den Schülern Resultate, die mit dem erreichten Wissensstand heutiger oberer Gymnasialklassen vergleichbar waren.Johann Christian Nattermann: Die Goldenen Heiligen, Geschichte des Stiftes St. Gereon zu Köln. S. 287 ff

1417 erscheint der Begriff „domus examinus“ und 1420 folgt der Eintrag „Bau im Südosten (der Straße)“, der mit einem weiteren 1420 eingetragenen Vermerk „Ausgaben fabricam domus prope scolas artistarum“ präzisiert wurde.Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Band II, Bezirk Niederich „Stolkgasse I“, S. 151 ff

Stiftung, Gründung und Weiterentwicklung Um 1420 gründete Heinrich aus Gorinchem eine Burse in der Stolkgasse, zu dessen Gebäuden 1439 ein erworbenes Nachbarhaus hinzukam. Es wurde in der Folge durch den Regens (ab 1431) und Theologieprofessor Gerhard ter Stegen de Monte (domini) (aus dem Geldernischen Heerenberg) (um 1400–1480) und seinen Neffen Lambertus de Monte, Regens ab 1480, weiter ausgebaut und erhielt später nach diesen ihren Namen.

Ein weiterer Hinweis, in dem 1423 der Eintrag „structura dom. collegi arte scolas nostras“ erfolgte, fand 1427 eine Ergänzung mit den Worten „Bau an der Schule, an der das Stadtwappen angebracht wird“. Dies könnte bedeuten, dass zwischen 1423 und 1427 Verhandlungen stattgefunden hatten, die einen Strukturwandel in dem Sinne anstrebten, die bis dahin private in eine städtische Einrichtung zu verwandeln. Der dann wohl erzielten Einigung folgten städtischen Baumaßnahmen und die Anbringung des Stadtwappens, mit dem der Rat die im Besitz der Stadt befindlichen Einrichtungen ausstattete. 1436 wurden „stufa ( = Ofen/Küche) und aula“ genannt und 1440 eine „camera examinis“. Für 1443 wurde der Neubau einer Küche und die Erörterung zur Errichtung einer Kapelle in den Quellen belegt und für das Jahr 1456 die Erwähnung einer magna aula. 1464/65 kaufte die Artistenfakultät das dem Predigerkloster gegenüberliegende domus pauperum genannte Kolleg Wesebeder, eine Einrichtung für arme Studenten, die der Arzt Wesebeder 1422 begründet hatte, die älteste Stiftung des Kölner Gymnasial- und Stiftungsfonds. Eine ähnliche Einrichtung besaß die Fakultät für ihre erkrankten Studenten, denen sie fürsorglich auf der Gereonstraße das als Hospital dienende Haus „Zur roder Porzen“ eingerichtet hatte.Hermann Keussen, Topographie der Stadt Köln im Mittelalter, Bd. I, S. 139

1470 hieß es schließlich zum Hauptgebäude „Artistenschole achter den Prytgeren (Predigerkloster der Dominikaner), alt und baufällig, soll verbuwt, weiter und höher gemacht werden“. 1473 der Hinweis „Bau des Hinterhauses begonnen“ und weiter zum Verhältnis zur „Scholae medicorum“, dass die Artistenfakultät eine Einwilligung gab, eine Trennwand zur Medizinerschule zu beseitigen. Es folgte für 1483 der Hinweis auf die Einfriedung des Gartengeländes durch eine Mauer und zu dem Beschluss der Artistenfakultät für den Ankauf eines Schwester-Hauses (domus sororum) neben der Schule.

Die noch im Todesjahr de Montes († 1499) begonnenen Erweiterungen könnten mit einer finanziellen Unterstützung des Stiftes St. Gereon im Zusammenhang stehen, die im Jahr 1494 in Form von sechshundert Goldgulden in bar zu einem Zins von vier Prozent an die Artistenfakultät gegeben wurde.

Veränderungen im 16. Jahrhundert Das 16. Jahrhundert gilt als die Zeit, in der sich der Wandel von einer Burse zum Status eines Gymnasiums vollzog. Die Anstalt gelangte um 1504 zu zusätzlichem Besitz durch eine Stiftung des „Dr. Valentin Engelhard“, die die Schenkung eines „Steinenhaus“ und weiterer Gebäude am Turm zu Unter Sachsenhausen beinhaltete. Nach diesen Ereignissen wurde der 1525 zum Rektor der Universität gewählte Andreas Heerle de Bardwick von 1507 bis 1526 ein lang amtierender Regens. Er wurde als Wohltäter der Studenten beschrieben und hinterließ nach seinem Tod im Jahre 1556 dem Montanum eine Stiftung.

Durch den Regens Gerhard Mathias von Geldern gelangte das Montanum um 1537 in den Besitz weiterer zwei sich der Burse anschließender Gebäude in der Enggasse (die noch heute in die Stolkgasse mündet), die „zu den zwei Böcken“ genannt wurden und die sich so zu einer größeren Einheit verbanden. Auch der Nachfolger des Gerhard Mathias, Regens Hermann Fley, konnte den Immobilienbesitz der Burse erweitern. Durch einen späteren Regens, Johann Titz (1624 bis 1658), wurde die nun sehr alte Schulanlage neu erbaut. Er ergänzte die Einrichtung zudem durch eigene Mittel um ein Alumnat und ließ eine Kapelle errichten, die dem heiligen Thomas von Aquin geweiht wurde. Für diese war schon zuvor durch Jakob von Groote eine Messstiftung gemacht worden.

Artisten- und Mediziner unter einem Dach Im Jahr 1528 wurde erneut die Zusammenarbeit der „Artes“ mit den Medizinern deutlich. Dazu heißt es in den Einträgen „Domus artistarum beneden (binnen, innerhalb) der Engergassen (heutige Enggasse), alhie deyt man ouch letzen vur die ghene (lesen oder lassen diejenigen), die in der medicinen studieren“.

Neubauten im 18. Jahrhundert mini|Lehrbuch für den Lateinunterricht im Jahr 1766 Im 18. Jahrhundert wurden wesentliche Teile der veralteten Hauptanlage abgebrochen und erneuert. Im April des Jahres 1766 fand die Grundsteinlegung zu einem neuen Verwaltungsgebäude statt. Nach einer Beschreibung zum Versteigerungszeitpunkt im Jahr 1807 bestand die Anlage demnach aus einem dem Stil der Bauzeit entsprechenden dreigeschossigen Haupt- und Vordergebäude, welches Regentie genannt wurde und die Jahreszahl 1684 trug, sowie aus einem gleich langen, aber solider gebauten Nebengebäude. Dies war jedoch nur zweigeschossig und inschriftlich aus dem Jahr 1766. Die Gebäude trennte eine Hofeinfahrt, über der ein Balken angebracht war. Die von dem Bau- und Steinmetzmeister Nikolaus Krakamp ausgeführten Neubauten kosteten die Stadt nach Eintragungen der Ratsprotokolle insgesamt 23.947 Reichstaler.

Gymnasium und Fakultät Stiftsherren, Lehrämter und Pfründe Vor der Gründung der Kölner Universität gehörten die in der Stadt wirkenden Professoren zu den Gelehrten, die bis dahin Studium und Graduierung an ortsfernen Universitäten absolviert und erhalten hatten und waren überwiegend Kanoniker der Stifte. Einer dieser frühen Gelehrten der insgesamt elf Stiftseinrichtungen der Stadt war Konrad von Brydschede (Breitscheid), der sich am Tag nach der Universitätsgründung unter den zwanzig Herren befand, die sich im Kapitelsaal des Stiftes St. Andreas versammelt hatten, um im Rahmen einer feierlichen Zeremonie offiziell als Professoren in die Universität einzutreten.Vgl. Frank Rexroth, Wie sozialisiert man eine Hochschule? Die Eröffnungsfeiern der mittelalterlichen deutschen Universitäten und die Gründung der Erfurter Universität (28.4.1392), in: Berichte zur Wissenschaftsgeschichte 21, 1998, S. 19–33, hier S. 23f.

Konrad von Brydschede hatte ein Priesterkanonikat (eine Priestern vorbehaltene Form von Pfründen) an der Stiftskirche St. Gereon inne und war Pfarrer von St. Laurentius in Mintard. Konrad hatte in Prag studiert und 1368 die Prüfung zum baccalarius artium abgelegt. Mit dem magister artium, den er anderwärts erworben hatte, kehrte er 1378 als Professor der „Künste“, unter denen die Philosophie an erster Stelle stand, nach Prag zurück. Dort wie später an der Universität Koln studierte er Theologie. Er gehörte 1386/87 zu den ersten Artesprofessoren der neuen Universität Heidelberg.Rexroth, Wie sozialisiert man eine Hochschule? (wie Anm. 7) S. 22. Konrad von Breitscheid dürfte der erste namentlich bekannte Professor der späteren Artistenfakultät in der Stolkgasse gewesen sein.