Die Division 1 1973/74 war die 36. Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurde erstmals seit 1970 wieder die AS Saint-Étienne, die ihren insgesamt siebten Titel seit 1957 gewann.
Erster Spieltag war der 7. August 1973, letzter Spieltag der 25. Mai 1974. Eine „Mini-Winterpause“Beaudet, S. 115 gab es vom 23. Dezember bis 6. Januar.Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims – une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 314–315
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 17. Platz abgeschlossen hatten, sowie drei direkte Aufsteiger aus der zweiten Division. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: ein Klub aus dem äußersten Norden (Aufsteiger Racing Lens), vier aus Paris bzw. der Champagne-Ardenne (Paris FC, Stade Reims, CS Sedan, Aufsteiger Troyes Aube Football), vier aus dem Nordosten (FC Metz, AS Nancy, Racing-Pierrots Strasbourg-Meinau, FC Sochaux), vier aus dem Westen (Stade Rennes, Titelverteidiger FC Nantes, SCO Angers, Girondins Bordeaux), sechs aus dem Südosten (AS Saint-Étienne, Olympique Lyon, Olympique Nîmes, Olympique Marseille, OGC Nizza, Aufsteiger AS Monaco), einer aus Korsika (SEC Bastia).
Saisonverlauf Es galt die Zwei-Punkte-Regel; bei Punktgleichheit gab die Tordifferenz den Ausschlag für die Platzierung. Einen zusätzlichen Bonuspunkt erhielt jede Mannschaft unabhängig vom Spielausgang für jedes Spiel, in dem sie mindestens drei Tore geschossen hatte; dadurch sollte der Angriffsfußball gefördert werden.
In der Hinrunde zeigte sich zwar, dass Saint-Étienne der Umbau seiner Mannschaft, in der etliche 20-Jährige spielten, gelungen war;Beaudet, S. 112 aber nach Abschluss der Hinrunde wies die ASSE lediglich einen Punkt Vorsprung vor Angers sowie zwei vor Nantes und Lens auf.Guillet/Laforge, S. 173 Der SCOA hatte sich zu einem ernsthaften Konkurrenten entwickelt, vor allem dank seines Spiellenkers Guillou und des besten Angriffs der Division 1, aus dem die Torjäger-Troika Antić/Berdoll/Edwige herausstach. Berdoll schoss bei Angers’ 4:0-Hinspielsieg gegen Saint-Étienne sämtliche vier Treffer, eine Zahl, die in dieser Saison auch Braun bei Metz’ 5:1 über den späteren Meister gelungen war. Aber in der Rückrunde ließ Angers sich zu häufig „den Schneid abkaufen“.Beaudet, S. 113f. Und Nantes hielt sogar noch länger Schritt, ehe Saint-Étienne sich durch einen Schlussspurt – lediglich noch eine Niederlage in den 14 letzten Partien – abzusetzen vermochte.Rethacker, S. 121 Nach Beendigung der Punktspiele gewann die junge Elf von Saint-Étienne auch noch das Pokalfinale und damit den dritten Doublé ihrer Klubgeschichte.
Die Bonuspunktregelung bedeutete zwar für einige angriffsschwache Teams ein gewisses Problem und kostete Rennes – die Bretonen profitierten erstmals am 27. Spieltag von dieser Neuheit – und Nîmes, die Mannschaft mit der besten Abwehr, einen Platz im oberen Tabellendrittel. Aber die mit ihr verknüpfte Hoffnung auf eine spürbare Erhöhung von Torzahl und Attraktivität der Liga erfüllte sich nicht. Selbst im hauchdünn verlaufenden Abstiegskampf – den Elften trennten am Ende nur zwei Punkte vom Achtzehnten – wirkte sie sich letztlich nicht aus. Nancy wähnte sich nach dem Schlusspfiff seiner letzten Saisonbegegnung bereits gerettet, weil das 3:1 über Lyon den Lothringern sogar drei Punkte bescherte. Doch kurz darauf trafen die Ergebnisse der Konkurrenten ein: Troyes hatte in Sedan bis zehn Minuten vor Ende 0:4 zurückgelegen, aber dann noch drei Tore geschossen, und auch Monaco geriet in Reims zwar unter die Räder, aber „nur“ mit 4:8. Somit erhielten alle drei Vereine ihren jeweils achten Bonuspunkt. Nancy konnte daher nur die zwei Punkte für den Sieg aufholen und musste aufgrund der schlechteren Tordifferenz gemeinsam mit Paris und Sedan in die Division 2 absteigen.Beaudet, S. 114 Von dort kehrten zur folgenden Spielzeit der OSC Lille, Red Star FC und Paris Saint-Germain in die erste Liga zurück.
Abschlusstabelle
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1972/73
Kreuztabelle SCOAngSECBasGi.BorRCLenOl.LyoOl.MarFCMetASMonASNcyFCNtsOGCNizOl.NîmFCParSt.ReiSt.RenASStÉCSSedFCSocRCStrAFTro SCO Angers1:24:33:11:03:02:12:21:02:34:11:21:13:10:14:04:02:43:36:1 SEC Bastia0:02:00:05:14:00:04:03:20:11:02:01:11:11:01:62:02:00:01:0 Girondins Bordeaux0:23:11:13:00:03:11:21:12:14:01:16:13:00:10:52:11:12:24:1 Racing Lens1:13:10:11:12:32:12:11:00:12:00:13:22:13:02:34:21:13:10:0 Olympique Lyon3:11:02:04:22:22:00:14:03:15:22:05:44:42:20:02:02:13:22:0 Olympique Marseille2:22:13:15:21:13:10:22:23:02:01:23:01:02:10:24:01:16:12:3 FC Metz0:13:01:01:00:21:03:23:31:12:01:14:01:04:05:14:13:22:01:1 AS Monaco1:23:31:14:21:11:12:13:31:41:10:23:03:32:02:33:02:11:11:1 AS Nancy0:32:00:23:23:10:02:12:11:00:11:11:12:21:21:14:10:13:10:0 FC Nantes1:03:03:14:01:24:12:22:10:01:10:23:02:11:13:11:02:13:03:0 OGC Nizza4:03:02:12:44:13:04:03:21:11:12:22:13:03:14:17:22:23:21:1 Olympique Nîmes0:03:10:01:10:04:10:04:31:00:00:01:12:00:21:22:01:11:21:1 Paris FC2:20:12:21:32:00:13:24:04:22:53:23:13:00:00:13:12:33:00:2 Stade Reims4:21:02:03:10:01:04:08:41:24:22:21:04:04:00:10:11:03:23:2 Stade Rennes1:21:24:20:11:03:11:01:13:00:01:01:21:02:01:01:10:22:12:1 AS Saint-Étienne3:22:00:02:12:03:12:03:26:01:11:02:14:02:20:04:12:03:32:0 CS Sedan0:41:02:21:11:13:11:20:22:30:12:02:02:24:11:10:01:12:14:3 FC Sochaux4:21:04:12:31:12:01:01:04:12:00:10:12:11:24:10:23:01:02:0 Racing-Pierrots Strasbourg2:23:10:03:01:22:22:13:12:13:20:42:01:14:12:11:12:02:22:0 Troyes Aube Football3:21:13:14:11:22:12:00:24:41:02:20:04:10:21:21:02:23:01:3
Die Meistermannschaft AS Saint-Étienne 1. AS Saint-Étienne70px|zentriert Tor: Ivan Ćurković (38/-) Abwehr: Gérard Farison (34/4), Pierre Repellini (34/1), Oswaldo Piazza (32/4), Alain Merchadier (30/1), Christian Lopez (23/4), Gérard Janvion (9/2) Mittelfeld: Georges Bereta (36/6), Christian Synaeghel (36/6), Jean-Michel Larqué (33/7), Dominique Bathenay (29/1), Michel Rouquette (3/-), Jacques Santini (2/1), José Broissart (1/-) Angriff: Patrick Revelli (35/14), Hervé Revelli (34/20), Christian Sarramagna (17/3), Dominique Rocheteau (4/-) Trainer: Robert Herbin Dazu kam ein Eigentor.Guillet/Laforge, S. 173, ergänzt aus Stéphane Boisson/Raoul Vian: Il était une fois le Championnat de France de Football. Tous les joueurs de la première division de 1948/49 à 2003/04. Neofoot, Saint-Thibault o. J.Frédéric Parmentier: AS Saint-Étienne, histoire d’une légende. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2004, ISBN 2-911698-31-2, S. 296
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Carlos Bianchi Stade Reims 302 Marc Berdoll SCO Angers 293 Nico Braun FC Metz 284 Delio Onnis AS Monaco 265 Gérard Tonnel Troyes Aube Football 216 Hervé Revelli AS Saint-Étienne 20 Josip Skoblar Olympique Marseille 208 Boidar Antić SCO Angers 18 Éric Edwige SCO Angers 18 François Félix Paris FC 1811 Mustapha Dahleb CS Sedan 1712 Marc Molitor OGC Nizza 16 Gérard Soler FC Sochaux 1614 Serge Chiesa Olympique Lyon 15
Siehe auch Division 2 1973/74 Coupe de France 1973/74
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Weblinks Statistiken auf lfp.fr
Anmerkungen und Nachweise
#1973/74 Kategorie:Fußballsaison 1973/74