mini|Weibliches Stechmückenaufkommen ohne Bekämpfung (Tabuzone In: Internetausgabe Darmstädter Echo. 12. November 2010. Kühkopf, 11.200 Mücken) und mit Bekämpfung (Au am Rhein, 151 Mücken) gemessen durch sogenannte Kohlesäurenachtfallen am14. September 2005 durch die KABS

Die Stechmückenbekämpfung (auch Stechmückenkontrolle) kann sich gegen die wassergebundenen Larven und Puppen der Stechmücken, als auch gegen die erwachsenen Tiere richten. Die dabei verwendeten Methoden umfassen die Veränderung der Brutbiotope, den Einsatz von chemischen und biologischen Insektiziden sowie zunehmend auch die Verwendung von Lockstofffallen. Sie werden oft in Kombination angewendet.

Gründe Stechmücken sind als Krankheitsüberträger bedeutsam. Sie übertragen zum Beispiel Malaria, parasitäre Würmer (Filariose), Viren (z. B. Gelbfieber, Denguefieber, West-Nil-Fieber, Chikungunyafieber, Rift-Valley-Fieber) oder Bakterien (Tularämie). Zu den von Stechmücken auf Tiere übertragbaren Erkrankungen zählen unter anderem die Venezolanische Pferdeenzephalomyelitis, die Myxomatose oder Kaninchenpest, oder die an Haushunden parasitierenden Würmer Dirofilaria repens und Dirofilaria immitis.

Stechmücken können zudem bei massenhaftem Auftreten die Lebensqualität von Mensch und Tier erheblich beeinträchtigen, da ein Aufenthalt im Freien nicht mehr möglich ist. Dies kann im Tourismussektor oder in der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung zu wirtschaftlichen Schäden führen.

In Mitteleuropa sind vor allem die sogenannten Überschwemmungsmücken durch ihr massenhaftes Auftreten als Plage bedeutsam (vor allem Aedimorphus vexans und Ochlerotatus sticticus). Lokal können die Gemeine Stechmücke oder die Ringelmücke so lästig werden, dass sie bekämpft werden. Besonderes Augenmerk gilt darüber hinaus invasiven Arten wie der Asiatischen Tigermücke, der Asiatischen Buschmücke und der einheimischen Anopheles plumbeus, da alle drei mögliche Krankheitsüberträger sind.

Bekämpfungsziel ist es zumeist, einen Interessensausgleich zwischen dem Naturschutz zum Erhalt der Biodiversität und dem Wunsch der Menschen auf Eindämmung der Mückenplage zu erzielen. Es fließen dabei sowohl biologische und ökologische als auch epidemiologische, wirtschaftliche, soziale und politische Aspekte ein.

Valerio: Es ist eine schöne Sache um die Natur, sie ist aber doch nicht so schön, als wenn es keine Schnaken gäbe… (Georg Büchner)Georg Büchner: Zweiter Akt, 4. Szene.

Die Rheininseln waren denn auch öfters ein Ziel unserer Wasserfahrten. Dort brachten wir ohne Barmherzigkeit die kühlen Bewohner des klaren Rheines in den Kessel, auf den Rost, in das siedende Fett, und hätten uns hier, in den traulichen Fischerhütten, vielleicht mehr als billig angesiedelt, hätten uns nicht die entsetzlichen Rheinschnaken nach einigen Stunden wieder weggetrieben. Über diese unerträgliche Störung einer der schönsten Lustpartien, wo sonst alles glückte, wo die Neigung der Liebenden mit dem guten Erfolge des Unternehmens nur zu wachsen schien, brach ich wirklich, als wir zu früh, ungeschickt und ungelegen nach Hause kamen, in Gegenwart des guten geistlichen Vaters, in gotteslästerliche Reden aus und versicherte, dass diese Schnaken allein mich von dem Gedanken abbringen könnten, als habe ein guter und weiser Gott die Welt erschaffen.

rahmenlos|rechts|klasse=skin-invert-image|Goethes Signatur (Johann Wolfgang von Goethe)Johann Wolfgang von Goethe: Dichtung und Wahrheit. Elftes Buch.

Geschichte Die jüngere Geschichte der Stechmückenbekämpfung seit dem Zweiten Weltkrieg ist eng verbunden mit der Entdeckung der insektiziden Wirkung von DDT und der Gründung der Weltgesundheitsorganisation 1948. In den Jahren nach der Gründung hoffte man, unter großflächigem Einsatz von DDT Stechmücken in vielen Malariagebieten ausrotten zu können. Ende der 1960er Jahre musste diese Politik für gescheitert erklärt werden, nachdem neben Bedenken gegen die Langzeitfolgen von DDT bei vielen Stechmückenarten Resistenzen aufgetaucht waren.The World Health Report 1999: Making a difference. WHO, 1999, ISBN 92-4-156194-7, S. 53f.

1982 veröffentlichte die WHO ein Strategiepapier zum Umweltmanagement für die Stechmückenkontrolle, das eine grundlegende Neuorientierung der Bekämpfung von Stechmücken unter Einbeziehung entomologischer, ökologischer, wirtschaftlicher und sonstiger Aspekte beinhaltete und bis heute als Grundlage der weiteren Entwicklung der Stechmückenkontrolle und -bekämpfung angesehen werden kann.Manual on Environmental Management for Mosquito Control with special emphasis on malaria vectors. WHO, Geneva 1982, ISBN 92-4-170066-1.

Die weltweite Forschung zur Stechmückenbekämpfung wird durch die World Mosquito Control Association koordiniert.

Persönliche Prophylaxe Maßnahmen zur persönlichen und häuslichen Vorbeugung ergänzen die Stechmückenkontrolle und -Bekämpfung. Dazu gehören mückensichere Kleidung, die Verwendung von Repellentien, Insektensprays, Mückenspiralen und ähnlicher Produkte, Moskitonetze, das Anbringen von Fliegengitter oder die Kontrolle von möglichen Brutplätzen im Wohnumfeld.

Verschiedene ätherische Pflanzenöle werden traditionell in den betroffenen Regionen eingesetzt und scheinen einen begrenzten Schutz zu bieten. Essig scheint eine mäßige Abwehrwirkung zu haben. Andere Hausmittel haben sich als wirkungslos erwiesen, z. B. Vitamin B (insbesondere B1) und Knoblauch. Auch Geräte, die die Mücken per UltraschallK. Sylla el-H, B. Lell, P. G. Kremsner: A blinded, controlled trial of an ultrasound device as mosquito repellent. In: Wiener klinische Wochenschrift. Band 112, Nummer 10, Mai 2000, S. 448–450, PMID 10890136. oder elektromagnetischen Wellen vertreiben sollen, nützen nicht. Elektrische Insektenvernichter töten fast ausschließlich harmlose Insekten und sind deshalb im Außenbereich verboten.

Grundlagen mini|Entwässerung eines Sees im Süden der Vereinigten Staaten im Kampf gegen Malariamücken

Um eine möglichst umweltfreundliche, an örtliche Gegebenheiten angepasste und nachhaltige Stechmückenkontrolle zu erzielen, werden heute unterschiedliche und möglichst spezifische Methoden angewandt und miteinander kombiniert. Man spricht daher auch von einer integrierten Stechmückenkontrolle (im englischen Sprachraum Integrated Mosquito Management).C. R. Connelly, D. B. Carlson (Hrsg.): Florida Mosquito Control: The state of the mission as defined by mosquito controllers, regulators, and environmental managers. (Florida Coordinating Council on Mosquito Control) University of Florida, Institute of Food and Agricultural Sciences, Florida Medical Entomology Laboratory, Vero Beach (FL) 2009, S. 20 ().

Dabei müssen unterschiedliche Faktoren verstanden, überwacht und dokumentiert werden, die Einflüsse auf die Populationsentwicklung haben. Wichtige Grundlagen sind:

Verständnis von Lebensweise, Lebenszyklus und Populationsdynamik der die Plage hervorrufenden Mückenarten Biotop-Kartierung, zum Beispiel mithilfe von Geoinformationssystemen Dokumentation hydrologischer Daten Überwachung klimatischer Bedingungen, die einen Einfluss auf die Populationsentwicklung haben Analyse der Möglichkeit, durch Biotopveränderungen natürliche Fressfeinde zu fördern oder Fressfeinde einzusetzen Evaluierung von Möglichkeiten zur Brutstättenbeeinflussung durch Wasserregulierung Dokumentation der angewandten Methodenspektrums bei der Bekämpfung fortlaufender Bestandsüberwachung der Populationen im Larven- und adulten Stadium Regelmäßige Untersuchung auf sich eventuell ausbildende Resistenzen der Mücken gegen Bekämpfungsmittel Dokumentation der Auswirkungen auf das Ökosystem

Viele Daten müssen im Alltag fortlaufend erhoben werden, um im Rahmen des Umsetzungskonzeptes effektive Entscheidungen treffen zu können.

→ Siehe auch Schnakenbekämpfung am Oberrhein und European Mosquito Control Association

Bekämpfungsmethoden Die Nomenklatur und Terminologie zur sprachlichen Einordnung der Methoden ist nicht eindeutig. In der Fachliteratur können so die hier unter biologischen eingeordneten Methoden unter chemischen zu finden sein, wie auch natürliche unter biologischen klassifiziert werden.C. R. Connelly, D. B. Carlson (Hrsg.): Florida Mosquito Control: The state of the mission as defined by mosquito controllers, regulators, and environmental managers. Vero Beach (FL) 2009.

mini|Besprengung von Mückenbrutplätzen mit Saprol in einem Wald bei Hamburg. (Aufnahme von Mühlens)Deutsches Koloniallexikon Tafel 121

Natürliche oder naturnahe Bekämpfung und Umweltmanagement Zu den natürlichen Bekämpfungsmethoden zählen insbesondere die Bestandswahrung oder auch Vermehrung natürlicher Fressfeinde, unter anderen Insektenarten wie Libellen (Odonata), Rückenschwimmer (Notonectidae), der Schwimmkäfer (Dytiscidae), einiger Wasserfreund- (Hydrophilidae) sowie Wasserfloharten (Cyclopidae) oder Amphibien. Diese Maßnahmen fließen in ein Umweltmanagement ein, zu dem auch die Umwandlung von Überschwemmungsflächen in Dauergewässer mit einhergehendem Fischbesatz, zum Beispiel Koboldkärpfling, Mittelmeerkärpflinge und Graskarpfen, gehört. Auch wasserbauliche Maßnahmen, wie die Verbindung von Überschwemmungsflächen mit Dauergewässern oder eine Verbesserung der Abflussgräben zur früheren Entwässerung können zu Maßnahmen gehören, um Larven und Puppen Fressfeinden auszusetzen oder den Entwicklungszyklus der Stechmücken zu unterbrechen. In Florida beispielsweise gehört dazu die gesteuerte Überschwemmung und Entwässerung von Salzwiesen.C. R. Connelly, D. B. Carlson (Hrsg.): Florida Mosquito Control: The state of the mission as defined by mosquito controllers, regulators, and environmental managers. Vero Beach (FL) 2009, S. 40. Im Lebensraum vieler Stechmückenarten wie der Gemeinen Stechmücke können auch prophylaktische Maßnahmen wie Entleerung oder Abdeckung von Regentonnen und sonstigen Wassersammelstätten ein wirksames Mittel zur Begrenzung der Stechmückenpopulationen sein.C. R. Connelly, D. B. Carlson (Hrsg.): Florida Mosquito Control: The state of the mission as defined by mosquito controllers, regulators, and environmental managers. Vero Beach (FL) 2009, S. 38–48. Kombinierte Methoden bestehend aus naturnaher Bekämpfung mit natürlichen Fressfeinden unter begleitendem Einsatz von Larviziden werden derzeit weltweit getestet.

Weiterhin gehört die Trockenlegung von Feuchtgebieten beispielsweise durch Absenkung des Grundwasserspiegels seit dem Altertum zu den Maßnahmen, die häufig primär andere Ziele, wie Acker- und Siedlungsflächengewinnung hatten. Ein Beispiel ist die Begradigung des Oberlaufs des Rheins durch Johann Gottfried Tulla, deren sekundäres Ziel die Verminderung des Sumpffiebers, so der deutsche Ausdruck für die Malaria, war. Die Trockenlegung ist heute in vielen Ländern angesichts der ökologisch wertvollen Funktion vieler Feuchtgebiete zumeist ausgeschlossen, vor allem wenn diese als Feuchtbiotope unter Schutz stehen.

Chemische Bekämpfung Die chemische Bekämpfung wird sowohl gegen fliegende Stechmücken als auch gegen Larven eingesetzt. Historisch sind Mittel wie das Floria-Insektizid und vor allem DDT bedeutsam. DDT ist heute jedoch nur noch in Ausnahmefällen und außerhalb von Europa gemäß dem Stockholmer Übereinkommen über persistente organische Schadstoffe einsetzbar und wird vor allem zum Besprühen von Hauswänden verwendet, da sich Stechmücken zwischen Blutmahlzeiten auf Wände absetzen. In Deutschland kam kurzfristig das Insektizid Fenethcarb zum Einsatz. Daneben wurde über einen Einsatz des Organophosphats TemefosMeSH Descriptor Data nachgedacht.Förmlich aufgefressen. In: Der Spiegel. Ausgabe 18/1976. Zur Klasse der Organophosphate gehören auch Produkte basierend auf Malathion, welche unter anderen Produkten im Kampf gegen Stechmücken auf Fire Island zum Einsatz kommen.J. Banck: