mini|hochkant=1.2|Gemeindestand vor der Fusion am 1. Januar 2022 Bad Zurzach (bis 1. Dezember 2006 offiziell: Zurzach, schweizerdeutsch: Zùùrzi , ) ist ein Ort in der Einwohnergemeinde Zurzach im Schweizer Kanton Aargau und der Hauptort des Bezirks Zurzach im Nordosten des Kantons. Der Ort bildet ein regionales Unterzentrum, hat sich jedoch nicht zu einer Stadt entwickelt, auch wenn er früh bereits ein Rathaus, das Marktrecht (1433) und ein Spital besass. Aus diesem Grund wird Bad Zurzach traditionell als «Flecken» bezeichnet.
Die Ortschaft liegt am Hochrhein an der Grenze zu Deutschland und ist in der neuesten Zeit vor allem wegen des Thermalbads Zurzach eine beliebte Touristendestination geworden. Seit dem Mittelalter bildete das Grab der Heiligen Verena das Ziel einer überregionalen Wallfahrt.
Am 1. Januar 2022 fusionierte Bad Zurzach mit den Gemeinden Baldingen, Böbikon, Kaiserstuhl, Rekingen, Rietheim, Rümikon und Wislikofen zur neuen Gemeinde Zurzach.
Geographie Das Siedlungsgebiet von Bad Zurzach erstreckt sich in der knapp 500 Meter breiten Flussebene links des Rheins von Südosten nach Nordwesten über eine Länge von mehr als zwei Kilometern. Nahe dem Ortszentrum biegt der in nordwestliche Richtung fliessende Fluss in einer weiten Kurve nach Norden ab. An dieser Stelle weitet sich die Ebene auf eine Breite von anderthalb Kilometern aus.
Das historische Zentrum des Fleckens liegt am Ausgang eines kleinen Tals, das die Hügel des Tafeljuras voneinander trennt. Westsüdwestlich des Zentrums erhebt sich der Acheberg () und südsüdöstlich das Hörndli ().Geoportal Aargau: Bad Zurzach. Abgerufen am 23. Mai 2020. Beide Hügel weisen steile Flanken auf und gehen in weitläufige Hochplateaus über. Auf den gegen die Ortschaft gerichteten Felskopf des Achebergs führt der Chatzesteig, am nördlichsten Vorsprung des Hörndli liegt das Chänzeli. Zwischen den beiden Bergen führt die Strasse über den Passübergang des Zurzacherbergs (). Über die Passhöhe verläuft die südliche Gemeindegrenze. Rund zwei Kilometer nördlich des Ortszentrums liegt am Rheinufer der Weiler Barz (), etwas mehr als einen Kilometer westlich der Weiler Acheberg () in einer Waldlichtung.Landeskarte der Schweiz, Blatt 1050, Swisstopo.
Die Fläche des ehemaligen Gemeindegebiets beträgt 652 Hektar, davon sind 276 Hektar bewaldet und 194 Hektar überbaut. Der höchste Punkt liegt auf 521 Metern auf dem Acheberg-Plateau, der tiefste auf 318 Metern am Rhein.
Die Nachbargemeinden waren das deutsche Küssaberg im Norden, Rekingen im Osten, Tegerfelden im Süden, Döttingen im Südwesten, Klingnau im Westen und Rietheim im Nordwesten.
Geschichte Bodenfunde weisen darauf hin, dass die Gegend am Hochrhein bereits während der Jungsteinzeit vor rund 5000 Jahren und auch in der Bronzezeit (1200 v. Chr.) besiedelt war. Um 400 v. Chr. befand sich im Gebiet des heutigen Zurzach eine keltische Siedlung, die durch Gräberfunde unter der Mittskirchstrasse belegt ist.
Ortsname Die auf das 4. nachchristlichen Jahrhundert zurückgehende Tabula Peutingeriana kennt einen Ort Tenedo(ne), den man mit Zurzach identifiziert. Der heute Ortsname geht jedoch auf einen galloromanischen -ācum-Namen zurück, der in Verbindung mit einem Personennamen dessen Besitztum benennt. Erstmals bezeugt findet man ihn beim Geographen von Ravenna im 7. Jahrhundert als Wrzacha und dann in einer Urkunde von 830/834 als in Zuriaca. Davon ausgehend rekonstruierte der Germanist Beat Zehnder 1991 den ursprünglichen Namen als *(praedium) Orti-ācum oder *(fundus) Orti-ācus ‘Landgut des Ortius’; das anlautende Z- erklärte er als Verschmelzung des galloromanischen Namens mit der althochdeutschen Präposition ze ‘zu, in’. Der Romanist Andres Kristol zog hingegen 2005 einen anderen zugrunde liegenden Personennamen bei und zog als Erklärung des Ortsnamens ‘Landgut des Turcius’ vor; in diesem Falle liesse sich die Entwicklung des Anlauts von t- zu z- mit der Zweiten Lautverschiebung erklären.Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen. Hrsg. vom Centre de Dialectologie an der Universität Neuenburg unter der Leitung von Andres Kristol. Frauenfeld/Lausanne 2005, ISBN 3-7193-1308-5, S. 993.
Ältere Erklärungsversuche sind sprachwissenschaftlich haltlos. Johann Jacob Spreng wollte im 18. Jahrhundert in seinem Allgemeinen deutschen Glossarium den Ortsnamen Zurzach auf [acqua] dura ‘hartes Wasser’ zurückführen, Martin Wanner 1893 auf ein angebliches keltisches dur ‘Wasser’ und Paul Oettli 1945 im Rückgriff auf die mythologisierenden Theorien Johann Ulrich Hubschmieds auf lateinisch torta ‘die sich Krümmende, die sich Windende’, womit ‘die aus scheuer Furcht nicht mit Namen genannte in dem Flusse hausende Schlange’ gemeint sei.
Antike mini|Ausschnitt der Tabula Peutingeriana mit Tenedone Nach der Niederlage der Helvetier gegen die römische Armee unter Gaius Iulius Caesar in der Schlacht bei Bibracte (58 v. Chr.) gelangte die Region vom Genfersee bis zum Rhein nach und nach unter römische Herrschaft. Nach dem Alpenfeldzug 15. v. Chr. besetzten die Römer das Mittelland. Dabei setzte bei Zurzach/Rheinheim die XIX. Legion über den Fluss und errichtete das 15 bis 9 v. Chr. nachgewiesene und ab 1967 ausgegrabene Römerlager Dangstetten. Vermutlich wurde von dieser Basis aus bis hin zur Wutach ein grösserer Brückenkopf rechts des Rheins gegen Germanien gebildet, denn in diesen Zeitraum fällt auch die Zerstörung des nahe gelegenen, keltischen Oppidums von Altenburg-Rheinau. Ab 14. n. Chr. gehörte die Landschaft am Hochrhein zur Provinz Gallia Belgica und nach 90 n. Chr. zur Germania superior.
mini|hochkant|Strasse Vindonissa–Tenedo–Juliomagus–Arae Flaviae Tenedo wurde wegen des Rheinübergangs zu einem wichtigen Militärstützpunkt in der Nähe des Legionslagers Vindonissa an der Heeresstrasse nach Juliomagus bei Schleitheim und über die Donau nach Arae Flaviae (Rottweil). Im 1. Jahrhundert ist das römische Kastell Zurzach durch Funde von Holzbauten beim Himmelrych, dem heutigen Schloss Zurzach, belegt. Die archäologischen Befunde zeigen Überreste von vier Bauetappen. In der näheren Umgebung des Lagers entstand eine zivile Siedlung (Vicus).
Der römische Gutshof im Quartier Entwiesen (1. bis 3. Jahrhundert) westlich des heutigen Ortszentrums wurde wohl beim Alamannensturm um 260 durch Brand zerstört. Nach dem Limesfall wurde die römische Reichsgrenze in der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts wieder an den Hochrhein zurückverlegt, und östlich der Siedlung Tenedo wurde am Rheinufer ein stark befestigtes Kastell errichtet (belegt 315), das spätere Doppelkastell Kirchlibuck-Sidelen (belegt 367) mit einem gegenüberliegenden Brückenkopf bei Rheinheim an der Rheinbrücke. Die Überreste des Kastells bei Zurzach sind noch heute ein beeindruckendes Baudenkmal.
Zahlreiche Überreste der bereits vom Zürcher Altertumsforscher Ferdinand Keller um 1860 beobachteten römischen Rheinbrücken bei Tenedo sind erhalten geblieben. Die systematische dendrochronologische Untersuchung einer grösseren Anzahl um 1985 aus dem Flussbett gehobener Jochpfähle ergab eine Fällzeit der verarbeiteten Bäume kurz nach der Mitte des vierten Jahrhunderts.Martin Hartmann: Eine spätrömische und eine mittelalterliche Rheinbriicke in Zurzach AG. In: Archäologie der Schweiz = Archéologie suisse = Archeologia svizzera, 10, 1987, S. 13–15. Damit fällt die Bauzeit der Militärbrücke in die Regierungszeit Kaiser Valentinians I. (364–375 n. Chr.), als die Reichsgrenze am Rhein mit zahlreichen Bauten gesichert wurde.
Es ist ungeklärt, wo der als Forum Tiberii, als „Marktplatz des Tiberius“, von Claudius Ptolemäus in seiner Geographike Hyphegesis bezeichnete Ort (auch Prætorium, seu Tribunal Cæsaris op., wo Tiberius Gericht hielt) zu lokalisieren ist. Der deutsche Historiker Joseph Bader setzte ihn mit Zurzach gleich und bezog die Bezeichnung Tenedo auf die Stadt Tiengen, was heute als widerlegt gilt. Auch die Zuschreibung von Forum Tiberii nach Kaiserstuhl gilt als unwahrscheinlich.
Auf die erste Hälfte des 4. Jahrhunderts geht nach einer in mehreren Heiligenviten tradierten Legende der Aufenthalt der Heiligen Verena in Zurzach zurück. Die Überlieferung steht im Zusammenhang mit dem Martyrium der Thebaischen Legion, und sie besagt, Verena sei aus Theben in Ägypten nach Mediolanum (Mailand) gekommen und habe den Hinrichtungsort der thebaischen Soldaten bei Agaunum im Unterwallis besucht. Von dort reiste sie weiter durch die römische Provinz, wo sie als Christin ebenfalls verfolgt wurde, gegen Norden. In Salodurum (Solothurn) lebte sie bei einem Eremiten an der Stelle der heutigen «Verenaschlucht», wo sie Wunder wirkte, weshalb sie der römische Statthalter einsperren liess; nun habe sie diesen jedoch von einer Krankheit geheilt, und er liess sie frei. Über die Aare soll sie bis zum Rhein gekommen sein, wo sie auf einer Insel bei Tenedo gelebt und wiederum wundersame Heilungen bewirkt habe. Die im Bistum Konstanz populäre Heilige galt seit dem Mittelalter unter anderem als Schutzpatronin der Krankenpflegerinnen.
401 zogen die römischen Truppen aus den Provinzen nördlich der Alpen ab. In den folgenden Jahren entstanden im ehemaligen Kastell Kirchlibuck eine Taufkirche und auf dem römischen Gräberfeld an der Strasse von Tenedo gegen Süden nach Vindonissa eine erste Grabkirche, die sich später wegen der Verehrung der Heiligen Verena zu einem beliebten Wallfahrtsort entwickelte. Im mittelalterlichen Verenamünster kann man in der Krypta die Grabstelle der heiligen Frau besuchen.
Mittelalter mini|Forum Tiberii (Zurzach), Kupferstich von Matthäus Merian aus Topographia Helvetiae, Rhaetiae et Valesiae Die Zuwanderung von Alamannen über den Rhein ist durch Gräberfunde aus dem 6. bis 8. Jahrhundert belegt. In dieser Zeit entstand in Zurzach zur Betreuung der Wallfahrt ans Grab der Heiligen Verena ein Doppelkloster der Benediktiner, das 830 mit dem Namen Zuriaca erstmals urkundliche Erwähnung findet. Kaiser Karl III. schenkte das Kloster seiner Gemahlin Richardis, Äbtissin am Damenstift Säckingen und in der Fraumünsterabtei zu Zürich. Später gelangte der Zurzacher Konvent an das Kloster Reichenau. An der Stelle der ersten Memorialkirche der Heiligen Verena entstand um 1000 die frühromanische Stiftskirche, die 1347 über der Krypta einen gotischen Turmchor erhielt. Zurzach entwickelte sich zu einem international bekannten Wallfahrtsort in der Grenzregion zwischen dem Herzogtum Schwaben und dem burgundischen Königreich, dessen Herrscher persönlich das Grab der populären Heiligen besuchten, wie das Mirakelbuch aus jener Zeit berichtet. Zurzach entwickelte sich zu einem bedeutenden religiösen und wirtschaftlichen Zentrum in Schwaben und zu einem europäischen Messeort. Das Kloster Reichenau musste 1279 das Chorherrenstift in Zurzach wegen finanzieller Probleme an das Bistum Konstanz weiterverkaufen.
1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau; und Zurzach gehörte nun zur Grafschaft Baden, einer Gemeinen Herrschaft. Die Bedeutung der Zurzacher Messe nahm in der Folge sogar noch zu: Kaufleute aus der ganzen Eidgenossenschaft, aus Süddeutschland und sogar aus den Niederlanden, Mailand und Polen kamen nach Zurzach, um ihre Waren anzupreisen. Höhepunkt war jeweils der Verenatag am 1. September (zum Brauchtum siehe auch: Hurentanz). Die Händler profitierten vom Zollfreistatus des Marktfleckens und der günstigen Lage in der Nähe der Mündung der Aare in den Rhein. Während der Reformation 1529 wurde – im Gefolge des Zürcher Bildersturms – auch ein Teil der Kulturgüter des Stiftes verbrannt. Die Chorherren verliessen Zurzach und konnten bei der Flucht die noch heute im Kirchenschatz vorhandenen Gegenstände retten. In der Folge der Reformation verlor Zurzach seine Bedeutung als Wallfahrtsort. Obwohl der Versuch im 16. Jahrhundert, für Zurzach das Stadtrecht zu erhalten, scheiterte, hatte sich der Messeort zu einem Flecken mit städtischem Aussehen entwickelt, wie der Stich von Merian Forum Tiberii Zurzach zeigt.
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