mini|Firmengebäude der Officine Meccaniche Stigler in Mailand
Die Officine Meccaniche Stigler war ein italienisches Maschinenbauunternehmen mit Sitz in Mailand. Das 1859 gegründete Unternehmen produzierte die ersten Personenaufzüge Italiens und fertigte später auch Fahrtreppen sowie Elektrofahrzeuge. 1947 ging es in der Gesellschaft Stigler-Otis auf.
Geschichte
Gründung und Entwicklung bis 1898 Das Unternehmen wurde 1859 von dem aus Baden stammenden Ingenieur August Stigler (italienisch Augusto Stigler; 1833–1898) gegründet. Nach einer Ausbildung am Polytechnikum Esslingen und einer Assistentenstelle am Polytechnikum Zürich errichtete Stigler in Mailand einen Handwerksbetrieb zur Herstellung von Dampfmaschinen, Turbinen und Baustellenmaschinen.
1870 installierte Stigler im Grand Hotel Costanzi in Rom den ersten hydraulischen Personenaufzug Italiens. Bis 1890 folgten rund 350 weitere Anlagen, unter anderem im Quirinalspalast und im Palazzo Montecitorio.
Ausbau und Großserienfertigung (1898–1930) Nach dem Tod des Unternehmensgründers 1898 übernahm dessen Sohn Augusto Stigler II. die Leitung. Unter seiner Führung begann die Entwicklung elektrisch betriebener Aufzüge und die Umstellung auf Serienfertigung. Für die Mailänder Ausstellung Esposizioni Riunite baute das Unternehmen 1894 den rund 40 Meter hohen „Torre Stigler“, einen Aussichtsturm mit hydraulischem Aufzug. 1907 folgte die Umwandlung in die Aktiengesellschaft Società Anonima Officine Meccaniche Stigler.
Nach Unternehmensangaben stieg die Zahl der installierten Aufzugsanlagen von rund 10.000 im Jahr 1910 auf etwa 35.000 bis zum Jahr 1930.
Fahrzeugbau und Spezialfertigung Ab 1924 erweiterte Stigler die Produktion um Elektrofahrzeuge. Im Mailänder Werk in der Via Copernico wurde hierfür eine eigene Gießerei betrieben. Neben Elektro-Transportkarren und Nutzfahrzeugen entstanden Aufbauten für Mailänder Elektro-Taxis sowie Fahrtreppen, unter anderem für den Mailänder Hauptbahnhof (Stazione Centrale).
In den 1930er-Jahren fertigte Stigler zusammen mit Ransomes, Sims & Jefferies und der Carrozzeria Macchi die elektrische Ausrüstung für Oberleitungsbusse der Mailänder Verkehrsgesellschaft A.T.M. (darunter die Flottennummer 301). Während des Zweiten Weltkriegs entstanden aufgrund der Treibstoffrationierung einzelne Prototypen von Elektro-Pkw auf Fahrgestellen von Fiat (u. a. in Zusammenarbeit mit der Carrozzeria Touring und den Stabilimenti Farina).
Zerstörung und Fusion Nach schwerer Beschädigung der Mailänder Fabrikanlagen im Zweiten Weltkrieg fusionierte das Unternehmen 1947 mit der amerikanischen Otis Elevator Company zur Stigler-Otis S.p.A.
Literatur
Autorenkollektiv: Enzyklopädie des Automobils. Marken · Modelle · Technik. Weltbild Verlag, Augsburg, 1989. Anne von Oswald: Die deutsche Industrie auf dem italienischen Markt 1882 bis 1945. Lang, Frankfurt am Main 1996, ISBN 3-631-48373-2, S. 195 f. Horst Dieter Braun: Der „Stigler“ – ein Aufzug und sein Konstrukteur. In: Die Ortenau. Band 96, Offenburg 2016, ISSN 0342-1503, S. 291–296.
Weblinks
Auf gtue-oldtimerservice.de.
Einzelnachweise
Kategorie:Ehemaliger Pkw-Hersteller (Italien) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Turin) Kategorie:Ehemaliges Unternehmen (Mailand) Kategorie:Aufzugshersteller Kategorie:Unternehmensgründung 1859 Kategorie:Aufgelöst 1947