mini|Blasius Spreng (1981) Blasius Spreng (* 25. Juni 1913 in München; † 10. Februar 1987 ebenda) war ein deutscher freischaffender Maler, Bildhauer, Glasmaler und Mosaizist.
Leben und Wirken Kindheit und Ausbildung Blasius Spreng wurde 1913 in München als Sohn des Schreiners Martin Spreng und seiner Ehefrau Maria geboren. Schon als kleines Kind wollte er, beim Anblick des restaurierten und damals in der Alten Pinakothek in München ausgestellten Isenheimer Altars, Künstler werden. Im Anschluss an die Volksschule begann Spreng ab 1928 mit der Ausbildung als Goldschmied, Dekorations- und Glasmaler an der Mayer’schen Hofkunstanstalt München. Nach der Lehre studierte er ab 1938 an der Akademie für angewandte Kunst in München bei Richard Klein klassische Malerei. Als dessen Meisterschüler war Spreng in der Radier- und Mosaikwerkstatt der Akademie tätig. Er fühlte sich von Anfang an zur Malerei hingezogen, die auch vor allem seine frühen Arbeiten sichtbar dominierte. Nach der Ausbildung unternahm er zahlreiche Reisen, unter anderem nach Frankreich, Holland oder Italien, bei denen er die Landschaften und Bauten in Aquarellen mit leuchtenden Farben festhielt. Durch ein Stipendium finanziert konnte er auch eine Fahrradreise zur Dokumentation der orientalischen Kunst in den Ländern des Balkan, der Türkei und in Ägypten antreten.
Die frühen Jahre bis zum Kriegsende
Bis 1940 war er als Zeichenlehrer an der privaten Höheren Lehranstalt Enders und als Fachlehrer für Plakat und Schrift an der Sozialstudentischen Zentrale in München tätig. Spreng erhielt zwischen 1938 und 1945 einen Lehrauftrag für freie Grafik und Malerei an der „Staatsschule für angewandte Kunst Nürnberg“ bzw. der „Akademie der Bildenden Künste Nürnberg“. Wie bei zahlreichen Künstlern seiner Generation entstanden auch für nationalsozialistische Auftraggeber Arbeiten im vorgeschriebenen Duktus. 1937 steuerte er Zeichnungen für den Ausstellungskatalog „München – Hauptstadt der Bewegung: Zweitausend Jahre deutsche Kultur“ bei. 1941 entwarf er den Titelkarton des Ausstellungskatalogs Großdeutschland und die See (im Deutschen Museum) oder in gleicher Art eine Feldpost-Bildkarte mit dem Titel Ihr für uns – Wir für euch für das Generalkommando, München.Blasius Spreng: Bildkarte „Ihr für uns – Wir für euch“ für das Generalkommando, München
Ab Ende 1941 wurde er als Kriegsmaler zur Organisation Todt eingezogen. An den französischen und norwegischen Küsten zeichnete er unter anderem Baustellen von U-Boot-Bunkern, die später als Radier-Mappen erscheinen sollten. Es folgte die Kriegsgefangenschaft in Russland ab 1945, in der viele persönliche Aufzeichnungen in Skizzenbüchern überliefert wurden. Nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft entschloss sich Spreng für das bildnerische Schaffen als freischaffender Künstler.
Seine Vorliebe für Farbe zeigte sich bereits früh bei Portraits von Familienmitgliedern in Übergröße und wies damit auch schon den Weg zur Gestaltung der Wandfläche als integrierter Bestandteil der Architektur.
Kunstverständnis und „Kunst am Bau“ Die Arbeitsweise Sprengs lässt sich schon auf Grund der Bandbreite der entstandenen Werke in keine der geläufigen Künstlerkategorien einordnen. Seine Werke haben einen völlig eigenständigen Charakter und Ausdruck; sie reichen von figürlichen Darstellungen bis zu abstrakten Kompositionen. Seine unverwechselbare Handschrift war geprägt von einem ausgewogenen Verhältnis zwischen munterer Verspieltheit und Bescheidenheit, aber auch Zurückhaltung. Dadurch wahrte er stets die Einheit von Optik, dekorativem Zweck und Materialgerechtheit. In seiner bis zur Perfektion beherrschten Materialbehandlung, sei es Stein, Holz, Bronze, Beton, textile Gewebe oder Öl- und Aquarellfarben, zeigte sich sein breites Können.
Ein roter Faden in Sprengs Werk sind alte Mal- und Mosaiktechniken – vor allem die Enkaustikmalerei. So schreibt die Süddeutsche Zeitung 1953 zu Sprengs Wandbildern in der Universitätsmensa in München: „[…] es gibt kaum eine Farbe, welche die Dinge so entmaterialisiert wie die Wachsfarbe und schon vom Technischen her die künstlerische Form des Bildes mitgestaltet: durch die makellose Reinheit und das matte Leuchten, das bis zu seidigem Glanz gesteigert werden kann. Mit seiner Leichtigkeit, wie sie nur ein vollendetes Stilgefühl gibt, sind die Motive über dem blauen Grund gleichsam hingespielt und zugleich mit einer Fabulierlust, wie sie seit langem nicht zu sehen war, verwirklicht.“Malerei im Dienste der Architektur, in: Süddeutsche Zeitung, 28. April 1953, S. 3.
Freie Skizzen und Aquarelle bildeten die Grundlage für seine Arbeit. Die Umsetzung erfolgte in vielen Fällen mit Modellen im Maßstab 1:50, 1:20, 1:10 und 1:1, die je nach Objektgröße an Ort und Stelle mit Mitarbeitern realisiert wurden. Mit seiner feinfühligen Materialwahl versuchte Spreng, das Konzept der einzelnen Projekte zu steigen. Er selbst verstand sich als Dekorationskünstler. Die Reflexion und Ausdruck der eigenen Findung ganzheitlicher Zusammenhänge führte zu jeweils individuell dem Ort und der Aufgabe angepassten Kunstobjekten. Dabei folgte er den Maximen des Werkstattverbandes der mittelalterlichen Bauhütte, bei der jede künstlerische Aufgabe aus der Eigenart des Materials entwickelt wurde.Ausstellungskatalog: Sollner Künstler. Sollner Maler, Bildhauer und Architekten zeigen Beispiele aus ihrem Schaffen, hrsg. von Stefanie Seidel, Solln 1981.
Gerade bei den Arbeiten, bei denen Spreng mit der künstlerischen Oberleitung betraut war, glückte das Zusammenspiel von räumlicher Ausgestaltung in gutfundierter Harmonie mit den Formen, die von der strengen Raumordnung der Architektur, vom rhythmischen Spiel der Fassadenelemente, von der Monumentalität der Plastik und von den dekorativen Flächen der Inneneinrichtung gefordert wurden, zu einem optimalen Ganzen.
Sprengs Arbeitsethos war dem ganzheitlichen Ansatz des Weimarer- und Dessauer Bauhauses verpflichtet. Die Kunst am Bau sollte seiner Meinung nach nicht isoliert betrachtet werden. Er versuchte aus der neuen Perspektive der „Moderne“ mit seinen Entwürfen und Ideen, Kunst und Architektur miteinander zu verschmelzen. So verstand er Dekoration und Architektur als eine Einheit mit fließenden Übergängen.vgl. Brehler, Sian (2006): Die Neue Liederhalle Stuttgart: Daten und Fakten zur Baugeschichte, Karlsruhe, Universität Karlsruhe, Fakultät für Architektur, S. 176.
Spreng hatte die Fähigkeit, in die Gedankenwelt der Architekten einzutauchen, skizzierte spontan seine weiterführenden Gedanken und konnte dank seiner Überzeugungskraft Einfluss auf die Architektur nehmen. So gelangen fruchtbare Zusammenarbeiten mit namhaften Architekten bei zahlreichen Bauten vornehmlich in Westdeutschland – alle fast ausschließlich im öffentlichen Raum.
Im Laufe der Jahre hatte sich bei der beachtlichen Anzahl an Projekten Sprengs ein dichtes Netz an spezialisierten Künstlern und Kunsthandwerkern im westdeutschen Raum herausgebildet, die allesamt zu den Besten ihres Faches gehörten. Durch die enge Zusammenarbeit erfuhren sie eine Art „Erziehungs- und Ausführungsgrundlage“, die wiederum für Spreng eine Garantie für Qualität und Leistung darstellte. Daher sah er sich außerstande, die von ihm konzipierten Ausführungen mit ihm unbekannten Firmen umzusetzen.
Viele Entwürfe Sprengs wurden daher von der Mayer’schen Hofkunstanstalt München oder der Firma Zeidler und Wimmel GmbH München, ausgeführt. An mehreren Projekten, zum Beispiel dem Neubau des Kasselers Staatstheaters, waren die Kunsthandwerker Josef und Günter Trautner, Hans Sedlacek, oder die Textilkünstlerin Lotte Hofmann als Mitarbeiter beteiligt. In den späten 60er Jahren kam es auch mehrfach zu einer Zusammenarbeit mit dem Glasgestalter Aloys F. Gangkofner aus München, so zum Beispiel beim Neuen Pfalzbau in Ludwigshafen, dem Parktheater in Bensheim oder bei der Ausstattung der Rheingoldhalle in Mainz.
Arbeit als freischaffender Künstler Die 50er und 60er Jahre Der Start in der Nachkriegszeit stand ganz im Zeichen des Wiederaufbaus. So begann die Karriere als freischaffender Künstler für Spreng 1949 zunächst mit Wandgemälden in Öl für das Café Barbarin in München und der Konditorei Wiedemann in Deckendorf und zahlreichen eher kleineren Arbeiten. Schon nach wenigen Jahren seiner Tätigkeit gelang es ihm, sich einen Namen weit über die Grenzen Münchens und Bayern hinaus zu machen. So titelte ein 1954 über Spreng und seine Arbeiten am Domgymnasium in Regensburg erschienener Artikel, er sei „ein Meister der Raumgestaltung“.O.A., Ein Meister der Raumgestaltung. Der Maler Blasius Spreng, in: Bau-Fach-Nachrichten (24), Regensburg 1954, S. 17.
Zentrale Werke der Nachkriegsmoderne in Westdeutschland entstanden unter Sprengs Mitarbeit. So übernahm er u. a. beim Bau der Stuttgarter Liederhalle (1949–1956) (Architekten Adolf Abel und Rolf Gutbrod) die künstlerische Gesamtberatung- und gestaltung. Beim Wiederaufbau der kriegszerstörten Wallfahrtskirche Marienmünster in Schwandorf am Kreuzberg (1952–1957) zeichnete Spreng für die gesamte Innenausstattung, darunter die Bodengestaltung in Mosaik aus Naturstein zusammen mit Agnes Auffinger, die Kirchenfenster oder das Deckenfresko verantwortlich. In Würzburg gestaltete er Teile des Neubaus des Regierungspräsidiums Unterfranken (1954–1956) (Architekt Wilhelm Hauenstein). So wurde die Eingangshalle wurde durch Mosaikeinlagen in Böden und Wänden dekoriert, das „Löwenfries“ an der Außenfassade oder der Brunnen in Anlehnung an den des Klosters Monreale in Palermo gestaltet, um ein paar Beispiele zu nennen.
Ab 1957 wurde Spreng als Fachmann beim Neubau des Kasseler Staatstheaters (1954–1959) (Architekten Bode und Brundig, später Brundig und Unger) gewonnen und ihm die Aufgabe für die gesamte künstlerischen Ausgestaltung übertragen.
In der Nachkriegszeit erweiterte Spreng sein künstlerisches Spektrum, welches kaum Grenzen kannte. Neben zahlreichen Wandgestaltungen im Innen- und Außenbereich, schuf er Kirchenfenster, Skulpturen oder Brunnenanlagen mit den unterschiedlichsten Materialien. Auch interessierte sich Spreng weiterhin für die Kultur im nahen Osten und entwarf verschiedene Dekorationen, zum Beispiel für eine Mosche, die aber allesamt nicht zur Ausführung kamen.
Beim Neubau der deutschen Botschaft in Wien (1959–1965) durch Rolf Gutbrod konnte Spreng im Ausland arbeiten und gestaltete u. a. neben einem Bodenmosaik im Innenhof einen quaderförmigen Brunnen und die Freiplastik „Traube“ aus Aluminiumguss an einer 14 Meter hohen Betonsäule.
Ab 1964 starteten die Planungen für ein Kulturzentrum im südhessischen Bensheim durch die Architekten Ernst Brundig und Dieter Unger aus Kassel. Spreng bekam auch hier die künstlerische Gesamtleitung übertragen. Realisiert wurde bis Ende 1968 mit dem Parktheater allerdings nur der erste Bauabschnitt.
In Mainz wurde nach dreijähriger Bauzeit im Januar 1967 ein weiteres Werk Sprengs enthüllt – der Mainzer Fastnachtsbrunnen auf dem Schillerplatz. Der Siegerentwurf eines Wettbewerbs war ein fast neun Meter hohes, turmartiges Gebilde aus Bronze, das mehr als 200 Figuren und Allegorien mit Bezug zur Mainzer Fastnacht darstellt.
Zeitgleich arbeitete Spreng an der Gestaltung des Neuen Pfalzbaus in Ludwigshafen (1960–1968) (Architekten Alfred Koch und Edwin Steinhauer) zusammen mit dem Ludwigshafener Künstler Ernst W. Kunz. Auch hier wurden „die schöpferischen Impulse zu einem Architektur und bildende Kunst integrierenden Gesamtkunstwerk [zusammengefügt], bei dem sich Architektur und bildende Kunst gegenseitig steigern und so jene Poesie entsteht, die das Alltägliche, rational Zweckbedingte überhöht […].“Karl Maria Sommer: Architektur und bildende Kunst, in: Neuer Pfalzbau Ludwigshafen am Rhein, hrsg. v. der Stadtverwaltung Ludwigshafen am Rhein, Ludwigshafen 1968, S. 82–84.