Kaufering ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Landsberg am Lech und liegt direkt nördlich der Großen Kreisstadt Landsberg am Lech.

Geographie Der ursprüngliche Dorfkern (Altkaufering) liegt am Ostufer des Lechs, die um einiges größere Siedlung (Neukaufering) beginnt ab etwa 500 Metern Entfernung vom Westufer und liegt an der alten Bundesstraße 17.

Die Gemeinde hat zwei Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Kaufering (Siedlung) Riedhof (Gut)

Geschichte Gründung Die ältesten Quellen von Kaufering reichen in das 6. Jahrhundert zurück. Damals drangen germanische Stämme in den Süden Deutschlands vor und gründeten den Ort am Lech. Der damalige Sippenälteste hieß vermutlich Kufo, die Endung -ing des heutigen Namens deutet auf den germanischen Ursprung hin. Im Laufe der Zeit ergaben sich dann die Ortsnamen Kiviringin, Kiviringen, Chuferingen, Kuferingen und Kufringen.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Kaufering stammt aus dem Jahr 1033. Damals erwarb das Kloster Benediktbeuern unter dem Abt Gothelm ein Gut im Ort.

Mittelalter mini|350px|Ansicht des Altortes von Nordwesten Zu Zeiten des Mittelalters war Kaufering im Besitz der Welfen. Der Bayernherzog Welf V. starb im Jahre 1120 auf der Burg Kaufering, deren Burgstall sich neben der Kirche befindet. Der bedeutendste Vertreter des Geschlechts, Heinrich der Löwe, der München mithilfe der Zerstörung der Freisinger Isarbrücke gegründet hatte, ließ auch den Verlauf der Salzstraße von Kaufering ein paar Kilometer weiter flussaufwärts verlegen, wodurch es dort zur Entstehung der benachbarten Stadt Landsberg am Lech kam. Dadurch verlor die Burg Kaufering ihre Bedeutung, worauf sie bald verfiel. Auch wurde die gesamte Entwicklung des Ortes durch die Verlegung der Salzstraße gebremst.

19. Jahrhundert Erst der Bau der Eisenbahn im Jahr 1872 brachte einen Aufschwung in die Entwicklung der Gemeinde. Aus technischen Gründen konnte die Bahnstrecke nicht über die benachbarte Kreisstadt führen, wodurch Kaufering ein wichtiger Bahnhof wurde. Es treffen dort die Strecken München – Buchloe, Bobingen – Kaufering und Kaufering – Landsberg am Lech aufeinander. mini|Kaufering an der Lechstaustufe 18 von Norden 20. Jahrhundert 1944 wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs um Landsberg und Kaufering der KZ-Außenlagerkomplex Kaufering mit den elf Lagern I bis XI errichtet, der größte Konzentrationslagerkomplex des Deutschen Reiches. Sämtliche KZ-Außenlager trugen den Namen „Kaufering“. Am 18. Juni 1944 traf der erste Transport mit 1000 Häftlingen aus dem KZ Auschwitz im KZ-Außenlager Kaufering III ein. Die KZ-Häftlinge sollten im Rahmen des Rüstungsprojekts „Ringeltaube“ drei gigantische unterirdische Bunker zur Produktion des Düsenstrahljägers Messerschmitt Me 262 bauen. In den Außenlagern registrierte der luxemburgische KZ-Priester Jules Jost bis zum 9. März 1945 insgesamt 28.838 jüdische KZ-Häftlinge. Wegen der menschenunwürdigen Unterbringung, aufgrund von Hunger, Kälte, Krankheiten wie Typhus und der Ausbeutung mittels Vernichtung durch Arbeit, bezeichneten die Häftlinge die KZ-Lager von Kaufering als „Kalte Krematorien“. Bis Ende Oktober 1944 wurde, wer nicht mehr arbeiten konnte, zurück nach Auschwitz und im KZ Auschwitz-Birkenau in die Gaskammern geschickt. Ab November 1944 wurden die Häftlinge des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering nicht mehr deportiert, sondern starben im Lager. Die Leichen wurden in der Umgebung in Massengräbern vergraben. In der letzten Phase des Holocaust wurden die KZ-Häftlinge in Todesmärschen Richtung Dachau getrieben. Die restlichen Verbliebenen erlebten die Befreiung durch die amerikanische Armee am 27. April 1945. Die erhaltenen Erdhütten und Baracken mit Tonröhrengewölben des KZ-Außenlagers Kaufering VII – Erpfting stehen unter Denkmalschutz.Allegra, Rachel, Suzanne, Laura: Jüdische Schicksale im KZ-Außenlager Kaufering VII. Monumente 1, 2016, S. 34 f. Hierbei handelt es sich, neben dem Bodenfundament der Küchenbaracke von Kaufering III, dem Bunker Weingut II in der Welfen-Kaserne und den zahlreichen Friedhöfen im Landkreis um die letzten Überreste des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering.

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bildete sich ein großes Flüchtlingslager zwischen dem Bahnhof und dem alten Ortskern. Ab Ende der 1940er Jahre wurde dort eine Siedlung erbaut, aus der das heutige Neukaufering (auch Kaufering-West genannt) entstand. mini|Kirche Mariä Himmelfahrt

21. Jahrhundert mini|Bahnhof Kaufering Das Lechtalbad in Kaufering wechselte 2004 den Besitzer und gehört jetzt wieder dem Landkreis Landsberg. Außerdem wurde das Freibad zu einem selbstreinigenden Naturbad umgebaut. Ende der 1960er Jahre gebaut, wurde es lange Zeit als Landkreisbad betrieben. Beliebt waren die großzügige Freibadanlage, das Hallenbad und der Saunabereich. 1990 wurde der renovierte Umbau des Hallenbads und des Saunabereichs in Betrieb genommen. Nach wirtschaftlichen Schwierigkeiten entschied der Landkreis, das Bad einem privaten Investor zu übereignen, der es jedoch nach kurzer Zeit wieder desinvestierte.

Karlheinz Schreiber, deutscher Waffenhändler, wohnte bis zu seinem Umzug nach Kanada in seiner Kauferinger Villa, welche im Rahmen der Ermittlungsverfahren auch durchsucht wurde, und wohnt nach seinem Gerichtsverfahren in Augsburg im Jahre 2014 wieder in Kaufering.Karlheinz Schreiber wird 80: Kaufering statt Knast in abendzeitung-muenchen.de (Zugriff am 25. April 2014)

Ende Oktober 2007 entschied der Kreistag des Landkreises Landsberg am Lech, eine Realschule in Kaufering zu bauen. Diese wurde Anfang September 2010 fertiggestellt und zu Schulbeginn in Betrieb genommen.

Anlässlich der 975-Jahr-Feier wurde Kaufering am 11. September 2008 von der bayerischen Staatsregierung zum Markt erhoben.Mitteilungsblatt der Gemeinde Kaufering vom Oktober 2008StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31. Dezember 2008

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2023 wuchs die Gemeinde von 8.243 auf 10.508 um 2.265 Einwohner bzw. um 27,5 %.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Kaufering setzt sich aus 24 Mitgliedern + Bürgermeister zusammen. Die Gemeinderatswahlen seit 2014 führten zu folgenden Ergebnissen:

Parteien und Wählergemeinschaften 2026 2020 2014 % Sitze % Sitze % Sitze CSU Christlich-Soziale Union in Bayern 29,7 7 32,9 8 – – Grüne Grüne Bayern 20,3 5 28,6 7 – – SPD SPD Bayern 19,8 5 15,3 3 13,1 3 UBV Unabhängige Bürgervereinigung 17,1 4 15,7 4 16,3 4 JU Junge Union 9,1 2 – – – – KM Kauferinger Mitte 4,0 1 7,6 2 16,6 4 CSU/Bb Christlich-Soziale Union in Bayern/Bürgerblock – – – – 26,6 6 Grüne/AL Grüne Bayern/Alternative Liste – – – – 19,9 5 FW Freie Wähler Bayern – – – – 7,4 2 gesamt 100,0 24 100,1 24 99,9 24 Wahlbeteiligung 64,5 % 52,5 % 49,6 %

Bürgermeister + 1. Bürgermeister der (Markt-)Gemeinde Kaufering Nr. Name Partei Amtszeit 6 Thomas Salzberger SPD seit 2019 5 Bärbel Wagener-Bühler KM 2018–2019 4 Erich Püttner UBV 2012–2018 3 Dr. Klaus Bühler UBV 1987–2012 CSU 2 Fritz Jung SPD 1966–1987 1 Josef Sepp unbekannt 1948–1966

2. Bürgermeister ist Thomas Wiesmann (SPD), 3. Bürgermeister ist Tobias Kirchberger (Grüne). Wappen

Gemeindepartnerschaften Ísafjörður, Island; seit 2013

Kultur und Sehenswürdigkeiten Dialekt In Kaufering wird traditionell der Lechrainer Dialekt gesprochen. Dieser wird heute nur noch selten genutzt.

Gebäude und Naturdenkmale mini|Wallfahrtskirche St. Leonhard

Ruine Burg Haltenberg, auch Haldenberg genannt (1260 – 1802), hoch am Lechsteilufer zwischen Kaufering und Scheuring gelegene, einzige Burgruine am Lechrain mit begehbarem Bergfried Kirche St. Johannes Baptist in Altkaufering Leonhardikirche in Altkaufering, mit jährlichem Leonhardiritt Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt Hurlacher Heide, Lechtalheiden am Lechstausee Historische Eisenbahnbrücke über den Lech (1873), von der Nürnberger Brückenbauanstalt Späth erbaut Das mystische Westerholz am nordöstlichen Steilufer des Lechs mit seinen Hügelgräbern aus der Hallstattzeit (750 bis 450 v. Chr.) und seiner ehemaligen römischen Badeanlage nahe der Oskar-Weinert-Hütte (von Mai bis Oktober am Wochenende bewirtschaftet) und der Burg Haltenberg. mini|Das heute nicht mehr vorhandene Schloss Kaufering um 1700, nach einem Kupferstich von Michael WeningMichael Wening: Beschreibung deß Churfürsten- und Herzogthums Ober- und NidernBayrn. Teil I, München 1701, S. 140. Schloss Kaufering, dessen Besitzer um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert der Freiherr Albrecht Sigmund von Donnersberg († nach 1717) war, existiert heute nicht mehr.

Gedenkstätten mini|Denkmal für KZ-Opfer am Bahnhofsplatz, errichtet 2010Der KZ-Friedhof Kaufering-Nord an der Lechstaustufe 18 erinnert mit seiner Gräberanlage und einem Gedenkstein an 48 unbekannte zumeist jüdische KZ-Opfer der Zwangsarbeit im Zweiten Weltkrieg Am KZ-Friedhof Kaufering-Süd sind 500 Opfer begraben, derer mit einem Gedenkstein gedacht wird; Der KZ-Friedhof des Außenlagers Kaufering IV birgt 360 jüdische Häftlinge, die auf Befehl des Lagerarztes Max Blancke kurz vor Kriegsende ermordet wurden; In einer Kleingartenanlage, dem früheren Gelände des KZ Kaufering III, wurde im Jahr 1984 der erste Gedenkstein neben den KZ-Friedhöfen im Raum Landsberg/Kaufering aufgrund der Initiative von Anton Posset und der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert mit mahnender Inschrift angesichts aller KZ-OpferGedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 153 f. errichtet. Der Text dieses Gedenksteines „Geschändete und Geopferte mahnen Euch – Menschen lasst nicht ab vom Streben nach Freiheit, Frieden und Recht“ wurde von Anton Posset in einer Diskussion mit Viktor Frankl entwickelt. Der Gedenkstein steht auf dem noch vorhandenen Fundament der Küchenbaracke. Den Gedenkstein stiftete der damalige Bürgermeister Jung. An der Einweihung des Gedenksteines am 11. November 1984 war Viktor Frankl als ehemaliger Lagerinsasse anwesend und hielt eine Gedenkrede. Anschließend stellte er sich einer Diskussion mit Landkreisbürgern und wurde von Anton Posset durch die Überreste des Lagerkomplexes Kaufering geführt. Am Bahnhof steht ein Denkmal für alle KZ-Opfer, bei dessen Einweihung 2010 auch Überlebende der KZ-Außenlager Kaufering anwesend waren.Walter Rothschild: Another Memorial Van: At Kaufering. In: HaRakevet 109 (Juni 2015), S. 13 (109: 7, VI). Das Denkmal wurde von Friedrich Schreiber in Zusammenarbeit mit dem „Verein Gedenken in Kaufering e. V.“ gestiftet.Zum Gedenken an die 30000 kreisboten.de, 15. April 2009, abgerufen am 8. Mai 2020.

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wegen der guten Verkehrsanbindung nach München und Augsburg hat sich Kaufering zu einem starken Pendler-Wohnort entwickelt. In geringerem Umfang ist der Markt aber auch Ziel von Einpendlern, hauptsächlich Mitarbeitern des größten Arbeitgebers und Gewerbesteuerzahlers, der Deutschlandzentrale der Hilti AG. Daneben ist Kaufering Sitz einiger mittelständischer Maschinen- und Apparatebauunternehmen.

Schienenverkehr mini|Bahnhof Kaufering

Durch Kaufering führt die zweigleisige, elektrifizierte Bahnstrecke München – Buchloe, von der hier die eingleisigen Nebenbahnen nach Bobingen und nach Landsberg am Lech abzweigen. Der Bahnhof des Ortes wurde 1872 durch die Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen als Durchgangsbahnhof an der Bahnstrecke Buchloe – Kaufering – Landsberg eröffnet. Ein Jahr später wurde der Abschnitt München – Kaufering in Betrieb genommen, sodass der Bahnhof zum Trennungsbahnhof wurde. Mit der Eröffnung der Strecke nach Bobingen 1877 wurde er schließlich zum Eisenbahnknoten in seiner heutigen Form.

Im Zusammenhang mit der Planung der 2. Stammstrecke in München, wird der Bahnhof Kaufering als Halt der neuen Express-S-Bahnlinie S24X geplant.