Das Objekt 03 war ein Gewinnungsobjekt der Wismut AG und als selbstständige Struktureinheit direkt der Hauptverwaltung unterstellt. Das Grubenfeld des Objektes 03 im Raum Schneeberg hatte eine Ausdehnung von ca. 8 km² und wurde durch 2 Hauptstolln, den Fürstenstolln und Marx-Semler-Stolln, sowie 16 Hauptschächte erschlossen. Das Objekt 03 umfasste das bereits durch den historischen Bergbau erschlossene Schneeberger Grubenfeld. Die größte Teufe im Grubenfeld wurde mit 372,64 m unter der Tagesoberfläche auf der 155-Lachter-Sohle im Schacht Weißer Hirsch erreicht, das entspricht ca. . Alle Teufenangaben beziehen sich auf die Altbergbausohlen, die im Einfallen des jeweiligen Schachtes gemessen und in Lachtern angegeben wurden. Bezugspunkt dieser Angabe war in den meisten Fällen der Hauptstolln des Grubenreviers. Die Wismut teufte zu den bereits bestehenden Schächten noch 11 weitere Schächte. Bei Neuauffahrungen wurde die Teufe mit −m unter der Sohle des jeweiligen unterfahrenen Hauptstollns angegeben. Die gesamte Uranproduktion des Objektes 03 belief sich zwischen 1946 und 1956 auf 209,7 t.
Historischer Bergbau Zwischen dem 14. und dem 19. Jahrhundert Der Beginn des Bergbaus in Schneeberg ist nicht genau bekannt. Erstmals erwähnt wurde er im Jahre 1316. Gesucht und abgebaut wurden Eisen, Zinn, Kupfer und Wismut. Die erste Silbergrube im heutigen Stadtgebiet wurde in einer Urkunde vom 18. Dezember 1453 erwähnt.Sächs. HStA Loc. 4324, Bl. 21. Im Zuge der Verleihung eines Erbstollns wurde am 26. Januar 1467 auch die Alte Wismutzeche mit zwei Wehr an Römer und Federangel verliehen.Sächs. HStA Loc. 4324, Bl. 22b. Das deutet auf einen älteren Bergbau auf Wismut hin. Die genaue Verwendung der Wismuterze ist nicht sicher, aber höchstwahrscheinlich wurde das daraus gewonnene Metall als Legierungsbestandteil des Metalls beim aufkommenden Buchdruck mit beweglichen Lettern genutzt. Verwendet wurde es auch als Lasur in Zinngefäßen und zur Malerei.
Das erste Silbererz wurde in der Neuen Fundgrube gewonnen, die Luciae 1470 fündig wurde und 118 Mark (27,6 kg) Silber lieferte. Nach den ersten beiden Silberfunden in der Neuen Fundgrube in den Jahren 1472 und 1474 mit einer Menge von jeweils ca. 8.000 kg Silber erfolgte im Jahr 1477 der „Große Silberfund“ im Feld der Alten Fundgrube. Hier wurden ca. 14.000 kg Silber abgebaut. Insgesamt wurden in diesem Bereich innerhalb von 10 Jahren etwa 75.000 kg Silber gefördert.
Nachdem Peter Weidenhammer etwa im Jahr 1520 der Produktion von Safflor zum Durchbruch verholfen hatte, und Christoph Schürer um 1540 der Herstellung von Kobaltglas, wurde das Kobalt ein wichtiges Fördererz und überstieg ab dem Jahr 1575 sogar den Wert des im Revier geförderten Silbers.
mini|hochkant|Kobalterz aus Schneeberg Andere im Schneeberger Revier vorkommende Erze spielten lange Zeit keine Rolle. Erst mit der Erfindung des Neusilbers im Jahr 1823 durch den Schneeberger Arzt Ernst August Geitner wurde auch das im Revier reichlich vorhandene Nickelerz für den Abbau interessant. Der Bergbau drang schnell weiter in die Teufe vor. So soll die Fundgrube Rappold schon im Jahr 1503 eine Teufe von 200 m erreicht haben. Diese Entwicklung erforderte die frühzeitige Planung und Anlage von Entwässerungsstolln. Der im Jahr 1481 erstmals erwähnte Fürstenstolln bringt eine Saigerteufe zwischen 50 m am Schacht Weißer Hirsch und 118 m bei Wolfgang Maaßen in das Revier ein. Das nicht erhaltene Mundloch des Fürstenstollns befand sich am heutigen Zechenplatz auf einer Höhe von 380 m über NN. Der wahrscheinlich ab dem Jahr 1484 begonnene Marx-Semler-Stolln brachte im Revier eine Saigerteufe zwischen 87 m am Schacht Weißer Hirsch und 182 m bei Wolfgang Maaßen ein. Das Mundloch des Marx-Semler-Stollns befindet sich an der Zwickauer Mulde bei 323,3 m über NN. Für das im Hintergebirge liegende Revier war noch der Griefner Stolln mit seinem bei 487,20 m NN liegenden Mundloch an der Fundgrube Morgenstern von Bedeutung. Er wurde im Jahr 1487 begonnen und brachte bei Wolfgang Maaßen eine Saigerteufe von 36 m ein.
Zum ersten Mal wurde im Jahr 1772 über Uranfunde im Namen Jesus Stolln berichtet. Von diesem Zeitpunkt an wurden Uranerze zum Verkauf als Schaustufen gewonnen. Pechblendefunde wurden mit Sicherheit seit Beginn des Schneeberger Bergbaues gemacht. Da man für dieses Erz keine Verwendung hatte, wurde es zusammen mit den tauben Massen auf die Halde gekippt. Ein anderer Teil wurde, da es mit den BiCoNi-Erzen eng verwachsen war, an die Blaufarbenwerke geliefert. Die nach ihrem Auftreten benannte Schneeberger Krankheit steht in engem Zusammenhang mit den auftretenden Uranerzen. Erstmals beschrieb Paracelsus in seinem 1567 erschienenen Büchlein „Von der Bergsucht oder Bergkranckheiten drey Bücher“ die Schneeberger Krankheit. Im Jahr 1815 wurde sächsische Pechblende auch in Frankreich zum Preis vom 2 Franc für 100 Gramm gehandelt. Ab dem Jahr 1825 wurden die ausgebrachten Uranerze auch in der Montanstatistik erfasst. Im Jahr 1813 wurde eine Methode zur Herstellung von Uranfarben veröffentlicht, die zum Färben von Gläsern diente und auch als Glasur in der Porzellan- und Steingutherstellung verwendet wurde. Schon vorher wurde Uran für medizinische Zwecke verwendet, beispielsweise zur Behandlung von Diabetes und als Schnupfenmittel. Die zur damaligen Zeit für Uran erzielten Preise ließen eine gezielte Förderung nicht zu. So lag der Erlös für 16,5 kg Uranerz im Jahr 1825 bei 115 Mark. Im Jahr 1881 wurden für 3656 kg insgesamt 15.857 Mark erzielt, was allerdings nur ca. zwei Prozent des Gesamterlöses ausmachte.
Zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und Mai 1945 mini|Pechblende aus der Lagerstätte Niederschlema-Alberoda Mit der Entdeckung des Radiums durch Marie Curie im Jahr 1898 in der Joachimsthaler Pechblende und dessen Verwendung in der Medizin, der Lebensmittelindustrie und als Leuchtmittel stieg der Preis für Uran an. Uranerz in nennenswerter Menge wurde zuletzt im Jahr 1904 in Schneeberg abgebaut.
Ab dem Jahr 1910 begann, unterstützt durch Fördermittel des Bergbegnadigungsfonds, die Suche nach Uranerzen im Revier. Obwohl im Schneeberger Revier von 1880 bis 1895 mit 56,89 Tonnen Uranerz insgesamt 86,5 Prozent aller in Sachsen geförderten Uranerze gewonnen wurden, gab man dem Grubenfeld von Johanngeorgenstadt den Vorzug und bezuschusste die dortige Suche bis 1916 mit insgesamt 90.114 M. Die Gesamtfördermenge im Revier belief sich bis 1945 auf ca. 60 Tonnen Uranerz.
Durch Inflation und fallende Rohstoffpreise für Nickel, Wismut und Kobalt sowie durch die steigenden Kosten kam der Schneeberger Bergbau im Jahr 1924 fast vollständig zum Erliegen. Es wurden nur selektiv die noch vorhandenen Reicherzpartien abgebaut, aber keinerlei Aus- und Vorrichtungsarbeiten mehr betrieben. Die Tiefbaue unterhalb des Marx-Semler-Stollns wurden aufgegeben. Erst die Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches und staatlich gestützte Rohstoffpreise verhalfen dem Schneeberger Bergbau ab dem Jahr 1935 wieder zu einem gewissen Aufschwung.
Im Herbst 1934 erhielt die Staatliche Lagerstätten-Forschungsstelle von der Sächsischen Landesbergbehörde den Auftrag zur Untersuchung der Wismut-, Kobalt-, Nickel- und Uranerzvorkommen im Erzgebirge. In diesem Zuge erfolgte erstmals eine planmäßige Bemusterung des Reviers, um eine möglichst genaue Bewertung der Erzreserven zu bekommen. Die Bemusterung erfolgte mit Hilfe von Probenahmen aus den aufgeschlossenen Gängen.
Im Jahr 1936 kam erstmals eine Akkulok zur Förderung auf der 2000 m langen Strecke der 110-Lachter-Strecke zwischen Weißer Hirsch und Neujahr zum Einsatz; eine zweite Lok wurde 1943 beschafft. Gebaut wurden die Loks bei Siemens & Schuckert in Chemnitz. Die Spurweite betrug 450 mm. Bei einem Dienstgewicht von zwei Tonnen zogen sie 8 Hunte mit einem Gesamtgewicht von 4,8 Tonnen.
Der Uranbergbau hatte sich inzwischen fast vollständig in das böhmische Joachimsthal verlagert. Dort wurden zwischen 1938 und 1941 ca. 379 t Uranerz gewonnen. Mit der Entdeckung der Kernspaltung durch Otto Hahn, Lise Meitner und Friedrich Wilhelm Straßmann im Jahr 1938 bekam die Suche nach Uran eine ganz neue Bedeutung und wurde für militärische Zwecke interessant.
mini|Weißer Hirsch, Neustädtel Ab dem Jahr 1943 wurde der Beustschacht gesümpft, aufgewältigt und wieder in Betrieb genommen. Er sollte die Funktion eines Zentralschachtes übernehmen und, da der Haldensturz am Weißen Hirsch erschöpft war, auch die anfallenden Bergemassen fördern. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren im Schneeberger Revier noch die Schächte Weißer Hirsch, Beust, Neujahr und Schrotschacht in Betrieb. Alle diese Schächte verfügten bereits über elektrische Fördermaschinen.
Ab dem 1. April 1939 pachtete die Gewerkschaft Schneeberger Bergbau in Schneeberg-Neustädtel das gesamte Grubengebäude der Johanngeorgenstädter Konsolidierten Gewerkschaft Vereinigt Feld im Fastenberge. Mit dem Gesellschaftsbeschluss vom 22. September 1944 wurde die Gewerkschaft Schneeberger Bergbau in Schneeberg-Neustädtel rückwirkend zum 1. April 1944 mit fünf anderen landeseigenen Erzbergbaubetrieben zur Sachsenerz Bergwerks AG verschmolzen.
Abgedämmt und geflutet bis zum Niveau Marx-Semler-Stolln waren die Grubenabteilungen Wolfgang Maaßen und Gesellschaft Fundgrube, sowie im Revier Weißer Hirsch die Grubenabteilung St. Georg.
Die Grubengebäude im Schneeberger Revier hatten bis 1945 folgende Teufen erreicht: Grubenfeld Wismut-Schachtnummer tiefste Sohle m NN Gesamtteufe in m Meter unterMarx-Semler tiefste wasserfreieSohle 1945 Grube St. Georg 100 Lachter + 144 208 Marx Semler Fürstenvertrag 9 / 25 100 Lachter + 162 190 100 Lachter Weißer Hirsch 3 155 Lachter + 67 377 284 120 Lachter Katharina Neufang 140 Lachter + 95 349 259 120 Lachter Schrotschacht 47 110 Lachter + 154 363 204 110 Lachter Neujahr 11 110 Lachter + 151 334 203 110 Lachter Gesellschaft 200 62 Lachter + 244 115 Marx Semler Beust 24 110 Lachter + 150 376 211 110 Lachter Schindler Schacht 72 60 Lachter + 268 93 Marx Semler Daniel Fundgrube 36 100 Lachter + 200 361 165 Marx Semler Peter und Paul Fundgrube 37 Namen Jesus Stolln + 435 106 Namen Jesus Siebenschlehen 10 48 Lachter + 290 282 74 48 Lachter Adam Heber 43 48 Lachter + 290 268 74 48 Lachter Türk Schacht 83 3. Gezeugstrecke + 245 315 117 Marx Semler Rappold Fundgrube 201 46 Lachter + 270 225 84 46 Lachter Pucher Schacht 260 Marx Semler Stolln + 362 172 Griefner Stolln Priester Fundgrube 90 Lachter + 253 105 60 Lachter Wolfgang Maaßen 146 Lachter + 164 378 196 Marx Semler
Ab 1945 Bei Kriegsende waren im Schneeberger Bergbau noch 136 Personen, davon 68 unter Tage, beschäftigt. Abgebaut wurden zu diesem Zeitpunkt BiCoNi-Erze von niedrigem Gehalt auf dem Katharina Flachen, Richard Flachen, Ursula Flachen, Segen Gottes Spat und Rosenkranz Spat. Da Schneeberg von Kriegsende bis zum 25. Juni 1945 zum besatzungslosen Gebiet gehörte, war auch die Verbindung zum Oberbergamt in Freiberg unterbrochen. Wegen der fehlenden Aussicht auf eine kurzfristige Wiederaufnahme des Bergbaues wurde ein Teil der Beschäftigten entlassen. Damit sank die Anzahl der Beschäftigten im August 1945 auf 48 Personen. Die Grubenwässer waren im Weißen Hirsch, Neujahrschacht und im Beustschacht inzwischen bis zum Niveau der 90-Lachter-Sohle angestiegen.