mini|links|Lage der Kalischächte Thüringen I und Thüringen II Zum stillgelegten Kaliwerk Gewerkschaft Thüringen in Heygendorf, einem Ortsteil der Stadt Artern im thüringischen Kyffhäuserkreis, gehören die Schächte Thüringen I und II. Schacht Thüringen I liegt etwa einen Kilometer östlich der Straße Heygendorf-Mönchpfiffel. Das Abbaufeld liegt im unmittelbaren Bereich der nahen Hornburger Tiefenstörung an der Nordostflanke des Roßlebener Sattels.
Der Ansatzpunkt des Schachtes Thüringen II liegt zirka 1,4 km östlich vom Schacht I und etwa 200 m südlich des früheren Vorwerkes Heygendorf (siehe Lageplan folgend).Ausschnitt des alten Meßtischblatts Ziegelroda Nr. 4634 Das Abbaufeld erstreckt sich in östlicher Richtung von Schacht Thüringen I auf eine Entfernung von zirka 1400 m bei einer Breite von rund 600 m.
Teufbeginn von Schacht Thüringen I war am 25. April 1905, der des Schachtes Thüringen II am 13. Januar 1913.
Die Gewinnung von Carnallitit und Hartsalz erfolgte ab 1908. Abbaumethode war das Kammerbau-Verfahren. Das Kaliflöz Staßfurt hatte eine Mächtigkeit zwischen 8 m und stellenweise bis 34 m. Die Grubenbaue befinden sich nur unweit der südlichen Abbaufelder des einstigen kupferschieferbauenden Bernard-Koenen-Schachtes Niederröblingen. Die Verarbeitung der geförderten Salze geschah in werkseigenen Fabrikanlagen, von denen Ruinen heute noch erhalten sind (siehe Fotos untenstehend). Insgesamt wurden Kalisalze im Umfang von 94820 teff K2OZur qualitativen und quantitativen Berechnung der verschiedenen Kalisalze wird ihr fiktiver K2O-Gehalt zugrunde gelegt: 100 % KCl = 63,17 % K2O; 100 % K2SO4 = 54,05 % K2O. gewonnen und weiterverarbeitet. Am 20. September 1921 wurde die Förderung eingestellt und die Schächte gemäß §§ 83a und 83e der Stilllegungsverordnung stillgelegt (nähere Erläuterungen zu den betreffenden Rechtsvorschriften: siehe unter Abschnitt „Stilllegung des Kaliwerkes“).
350px|links|Lage der Schächte I und II der „Gewerkschaft Thüringen“ sowie relevanter geologischer Erkundungsbohrungen
Such- und Erkundungsarbeiten Als es im Jahr 1861 chemischen Fabriken im Staßfurter Raum gelang, die als „unrein“ bezeichneten carnallitischen Salze der dortigen Schächte v.d. Heydt und v. Manteuffel nutzbar zu verwerten, indem das in diesen „bitterschmeckenden“ Salzen enthaltene Kaliumchlorid (KCl) gelöst werden konnte, um es erfolgreich als Düngemittel in der Landwirtschaft zu vermarkten, setzte allerortens eine rege Suche nach ebensolchen Mineralien ein. So zog es auch Bohrtrupps in die EnklaveProvinz Sachsen (1820–1914) (PDF; 29 kB) Allstedt.
Folgend sind die wichtigsten Suchbohrungen sowohl aus dieser Zeitperiode als auch weitere Erkundungsbohrungen zu DDR-Zeiten und deren Fündigkeiten aufgelistet.
+ Übersicht 1: Suchbohrungen auf Zechstein-Salze allgemein sowie speziell auf das Vorhandensein und die Ausbildung des „Kaliflözes Staßfurt“ Name der Bohrung: Roßleben VII Brl. 1 Brl. 2 Mönchpfiffel Gute Hoffnung S 66 S 74 S 78 E Bohrzeitraum 1904 unbekannt unbekannt unbekannt unbekannt 1957 1958 1957 Endteufe (Angaben in Meter) 390,3 443,7 413,7 396,6 385,0 1093,6 1226,41140,9 Ausbildung des Kaliflözes Staßfurt abgelaugt Carnallitit Carnallitit abgelaugt abgelaugt Carnallitit abgelaugtz. T. abgelaugt
+ Übersicht 2: Suchbohrungen auf Zechstein-Salze allgemein sowie speziell auf das Vorhandensein und die Ausbildung des „Kaliflözes Staßfurt“ Name der Bohrung S 83 S 86 S 98 S 100 S 110 S 122 S 126 S 136 S 137 S 139 S 148 S 151 S 152 S 161 Bohrzeitraum1957/581958/591960/6119591960196119611961196119611962196219621964 Endteufe (Angaben in Meter)1010,31213,15923,6936,81045,9912,6779,6872,05777,3869,6834,41075,0908,3990,2 Ausbildung des Kaliflözes Staßfurt Carnallitit teilweise abgelaugt Carnallitit Carnallitit Carnallitit abgelaugt abgelaugt Carnallitit abgelaugt Carnallitit Carnallitit Carnallitit abgelaugt abgelaugt Geologische und hydrogeologische Lagerstättenverhältnisse Die geologischen Verhältnisse mini|links|Geologisches Profil der Thüringer Schächte I und II Die Schächte Thüringen I und II wurden zur Kalisalzgewinnung im Kaliflöz Staßfurt an der Nordostflanke des Roßlebener Sattels angelegt. Die Ansatzorte stehen im unteren Teil des Mittleren Buntsandsteins im nordwestlichen Teil der Sattelflanke, unweit der Hornburger Tiefenstörung. Ausgehend von den Auslaugungstälern der Unstrut und der Helme bzw. der Störungslinien der Nordrandstörung der Hermandurischen ScholleExkursion im Einzugsbereich der Mittleren Saale mit den Nebenflüssen Ilm und Unstrut und der Hornburger TiefenstörungStörungen im Kyffhäusergebirge (Freie Universität Berlin) hat die Ablaugung das Kaliflöz Staßfurt (und auch im stärkeren Maße die Salze der jüngeren salinaren Schichten) betroffen, sodass die Schachtanlage Thüringen halbkreisförmig von Süden, Westen und Nordwesten vom Ablaugungsbereich umgeben ist (vergleiche obigen Lageplan).
Die Lagerungsverhältnisse des Kaliflözes Staßfurt sind, bedingt durch diese geologischen Störungen, sehr wechselhaft. Von den nördlichsten Grubenbauen wurde ein schwaches nach Nordwesten zum Salzspiegel hin gerichtetes Einfallen nachgewiesen. Ansonsten erstreckt sich etwa vom Schacht I bis zu den Hartsalzabbauen der 357-m-Sohle eine schwache Aufwölbung mit WSW-ONO gerichteten Streichen. Südlich dieser Aufwölbung ist das Einfallen in der Hauptsache nach Südosten gerichtet. Eine deutliche Abweichung ergibt sich durch eine im zentralen Teil, etwa im Gebiet des Sicherheitspfeilers um das Bohrloch Thüringen 1 (auf dem Lageplan als Brl.1 ausgewiesen) liegende Mulde, von der nach Süden und Südwesten ein Ansteigen des Kalilagers erkennbar ist. Im östlichen Teil des Grubenfeldes, wo die tiefsten Abbaue der 408 m-Sohle liegen, herrscht nahezu gleichförmiges Einfallen nach Südosten. In der Schachtanlage Thüringen wurden Carnallitit und Hartsalz des Kaliflözes Staßfurt gewonnen.
Hartsalz wurde in zwei voneinander getrennten Flächen von geringer Ausdehnung nördlich und nordöstlich von Schacht I nachgewiesen und über die 350-m- und 357-m-Sohle abgebaut. Das Hartsalz besaß nur eine Mächtigkeit von 2,5 m bis 3,0 m bei einem K2O-Gehalt von 12–15 % und trat von Carnallitit unterlagert im oberen Teil des Kalilagers auf. Der K2SO4-Gehalt dürfte minimal gewesen sein. Es war geschichtet und stark gefaltet, was auf starke tektonische Beanspruchungen hindeutet. Ansonsten wurde das Kalilager in nahezu vollständiger carnallitischer Ausbildung (geschichteter und Trümmercarnallitit) angetroffen. Die Mächtigkeit des Carnallitits soll im westlichen Teil der Grube nur 8 m betragen haben. Für die Mitte des Baufeldes, insbesondere für den Bereich der 408-m-Sohle, wurden Mächtigkeiten von 18 m bis 34 m angegeben.
In der Nähe des Salzspiegels wurden posthume Hutsalze, Kainit und Sylvinit angetroffen. Diese Zone soll eine Breite von 100 m bei einer Länge von rund 200 m betragen haben. Von der 350-m-Sohle wurde eine Auslaugungsvertaubung des Kaliflözes angefahren. Die Salzablaugung zwischen der Schachtanlage Thüringen und der Unstrutniederung ist bedingt durch die Aufwölbung des Roßleben-Bottendorfer-Sattels, der die Fortsetzung des Kyffhäuser Sattels bildet. Die Lage der Ablaugungsgrenze des Kalilagers ist westlich und nordöstlich des Schachtes I durch Grubenaufschlüsse bis auf 1 km Entfernung bekannt; sie folgt von Südosten her bis westlich des Schachtes I dem normalen Streichen des Gebirges, wendet sich aber dann scharf nach Nordosten. Gasaustritte ereigneten sich auf der Schachtanlage Thüringen nur selten. Ein etwas stärkerer ereignete sich beim Auffahren der Hauptförderstrecke etwa 1 km vom Schacht. Über die Zusammensetzung liegen keine Angaben vor. Höchstwahrscheinlich handelt es sich um kohlenwasserstoffreiche Gase, wie sie aus den übrigen Unstrut-Gruben bekannt geworden sind.
Die hydrogeologischen Verhältnisse Obwohl der Abstand des Schachtes Thüringen I zur Ablaugungsgrenze des Kalilagers nur etwa 60 m beträgt, wurde der Hauptanhydrit zwar klüftig, aber trocken angetroffen. Aufgrund der tektonischen Beanspruchung, wie sie durch die Grubenaufschlüsse im Kalilager festgestellt wurde, muss für den Hauptanhydrit eine weit verbreitete intensive Klüftung angenommen werden. Ähnlich wie in der Kaligrube Roßleben, deren Schächte den Hauptanhydrit auch trocken aber geklüftet durchörterten, sollte deshalb insbesondere in tieferen Teilen der Grube Thüringen auch mit einer Salzlösungsführung im Hauptanhydrit gerechnet werden.
Wie Stille (1921) berichtete und aus dem bergmännischen Rißwerk ersichtlich, wurden die obersten Abbaue fast bis unmittelbar an den Salzspiegel getrieben. Dabei wurde die Grenzzone nicht weniger als siebenmal in Strecken und Bohrungen angefahren (einer davon war das Flügelort 1 der 350-m-Sohle). Nennenswerte größere Laugenzuflüsse traten nicht auf. Lediglich in der hangenden Strecke zur 350-m-Sohle tropfte stellenweise Salzlösung herab. Hier entstanden Stalaktiten aus weißem Sylvin, die mehr als einen Meter lang waren. Im gleichen Bereich erfolgte im Sommer 1907 ein kleiner Salzlösungszufluss mit anfangs 3 l/h, der sich bis zum März 1908 auf 0,3 l/h verringerte und dann gänzlich versiegte. Eine gleichfalls unbedeutende Salzlösungsmenge von 4 l/h trat im Juni 1908 im Abbau V aus. Der Zufluss war im Juli bereits wieder versiegt.
Der Betrieb des Kaliwerkes Die finanziell-betriebswirtschaftlichen Verhältnisse mini|Kuxschein der „Gewerkschaft Thüringen“ Gründung: Der Bohrvertrag datiert vom 10./14. Januar 1903, ein Abtretungsvertrag vom 19. November 1904. Die Gründungsurkunde ist ausgestellt am 22. Februar 1905, mit Nachtrag vom 30. Oktober 1905. Die handelsgerichtliche Eintragung erfolgte im Januar 1906. Der Gesellschaftsvertrag vom 7. April 1906 wurde durch einen neuen, dem Berggesetz für das Großherzogtum Weimar entsprechend, ersetzt.
Anzahl der Kuxe: 1.000 Stück (rechts ist ein solcher Kux abgebildet).
Gegenstand des Unternehmens: Ausbeutung der seitens der Sachsen-Weimar’schen Regierung der Gewerkschaft zu verleihenden Berechtigung zur Anlage und zum Betriebe eines Salz- bzw. Kalisalzbergwerkes in der Enklave Allstedt, sowie die Ausbeutung derjenigen Bergwerksberechtigungen, welche sie später noch erwerben sollte; ferner Herstellung und Betrieb aller Anlagen und Unternehmungen, welche die Ausnutzung jener Bergwerke und Berechtigungen und die Verwertung der Produkte derselben in roher oder verarbeiteter Form befördern.
Gerechtsame: 11.163 Hektar = zirka 22 preußische Normalfelder in der Enklave Allstedt des Freistaates Sachsen-Weimar sowie die Grundstücke 130–133, 148a und 149b des Grundsteuerkatasters von Heygendorf und 154–156 des Grundsteuerkatasters von Schaafsdorf. Verliehen sind der Gewerkschaft infolge eingelegter Mutung vom Oberbergamt Halle drei preußische Grubenfelder mit zusammen 6.566.995 Quadratmeter unter dem Namen „Thüringen IV–VI“ in den Gemarkungen Saubach, Bibra, Steinbach, Kalbitz, Wellroda und Pleismar im Kreis Eckartsberga des Regierungsbezirkes Merseburg zur Gewinnung von Steinsalz und beibrechenden Salzen. Die Grubenfelder liegen südwestlich der Eisenbahnstation Laucha (Linie Naumburg-Artern) und grenzen im Norden an die Gewerkschaften Roßleben und Lossa, stehen also mit der Weimarischen Gerechtsame in keinem unmittelbaren Zusammenhang.
Zweiter Schacht: Die außerordentliche Gewerkenversammlung vom 16. Juni 1912 beschloss die Errichtung einer neuen Salzwerksanlage im Grubenfeld der Gewerkschaft. Der Bau des neuen Kalischachtes wurde der Rheinisch-Westfälischen Schachtbaugesellschaft übertragen. Am 13. Januar 1913 wurde mit dem Abteufen begonnen. Im Herbst 1913 hatte der Schacht eine Teufe von 192 m. Hiervon standen in Mauerung 32,70 m, in Eisen 157,70 m. Der Abteufbetrieb ruhte auch in den Jahren 1918 bis 1921.