mini|Dominique-Vivant Denon 1808, gemalt von Robert Lefèvre Dominique-Vivant Baron Denon (* 4. Januar 1747 in Chalon-sur-SaôneDominique-Vivant Denon in Institut national d’histoire de l’art.; † 27. April 1825 in Paris) war ein französischer Kunstpolitiker und „Museumsmann“ mit vielseitigen Tätigkeiten als Medailleur, Graveur, Archäologe, Maler, Schriftsteller, Diplomat und Kunstsammler.
Leben Kindheit und Jugend Der Chevalier Dominique-Vivant de Non wurde am 4. Januar 1747 nahe Chalon-sur-Saône als Sohn eines Advokaten aus dem untersten Adelsstand geboren. Ein Jurastudium in Paris ab 1765 wurde von dem den schönen Künsten zugetanen jungen Mann nur halbherzig betrieben. Nach dem baldigen Abbruch des Studiums ließ sich de Non von Noël Hallé in der Malerei ausbilden und begann zu radieren.
In Versailles De Non gelang es in Versailles, den König Ludwig XV. auf einer seiner Promenaden anzusprechen und für seine Person zu interessieren. Er erhielt 1769 eine Anstellung als Konservator des von der Madame de Pompadour eingerichteten Gemmenkabinettes. Im gleichen Jahr folgte die Ernennung zum Kammerherrn des Königs. Ein zeitgleicher Versuch als Theaterautor scheiterte. Das bereits im Druck erschienene, am 14. Juli 1769 uraufgeführte Stück Julie ou le bon père wurde von Diderot und der Kritik gründlich verrissen.
Im diplomatischen Dienst Unter Ludwig XVI. trat de Non 1771 in den diplomatischen Dienst und wurde Botschaftssekretär mit nachrichtendienstlichen Aufträgen in Sankt Petersburg. Nach einer gescheiterten, Aufsehen erregenden Fluchthilfe für eine als Agentin aufgedeckte französische Schauspielerin erhielt er Urlaub und wurde anschließend über Stockholm in die Schweiz versetzt. Die Mission von 1775 nutzte de Non im Juli zu einem Besuch Voltaires in Ferney. De Non gelang es, ein passables Porträt von Voltaire zu zeichnen, das auch im Druck erschien. Zum großen Ärgernis für Voltaire wurde de Nons satirischer Kupferstich mit dem Titel Le Déjeuner de Ferney, das den gealterten Schriftsteller im Bett umgeben von seinem Hofstaat karikierte. Das Blatt erfreute sich europaweit mehrerer Auflagen. 1777 schrieb er seine Novelle Point de Lendemain, die in einem Sammelband, den Mélanges littéraires ou Journal des Dames des Claude-Joseph Dorat unter den Initialen M.D.G.O.D.R. (Monsieur de Non Gentilhomme ordinaire du Roi) erstveröffentlicht wurde. Daneben zeichnete und radierte er.
Ende 1777 hatte er die Gelegenheit, mit dem Architekten Renard und den Zeichnern Châtelet und Desprez zur Vorbereitung der 1786 fertiggestellten Voyage pittoresque des Abbés de Saint-Non Sizilien zu bereisen. Zunächst ab 1778 persönlicher Berater des französischen Gesandten Clermont d’Amboise, wurde de Non 1779 zum Sekretär und 1782 zum Chargé d’Affaires an der französischen Botschaft des Königreichs Neapel ernannt. In Neapel hatte der beruflich nur wenig beanspruchte Botschaftssekretär Zeit und Muße ein dichtes Beziehungsnetz aufzubauen. De Non freundete sich so mit dem Abbé Galiani, William Hamilton und Emma Hamilton sowie Künstlern wie dem Schauspieler Casciello oder dem Maler Giuseppe Bonito an. Hier wurde de Non erstmals als leidenschaftlicher Sammler und Archäologe bekannt: Über 500 antike Vasen brachte er aus Süditalien nach Paris mit, die er später an die Porzellanmanufaktur Sèvres verkaufte.T. v. Münchhausen: Die langen Finger… FAZ Nr. 279, S. 51. Nach der Abberufung Clermont d’Amboises 1783 geriet auch de Non ins berufliche Aus. Seine Berichte nach Paris über die Intrigen und Verwicklungen am Hof Marie-Carolines, die eine englandfreundliche, gegen Frankreich gerichtete Politik betrieb, missfielen und bedingten nach der Intervention Marie-Carolines bei ihrer Schwester Marie-Antoinette auch seinen Rückruf.
Auf Umwegen kehrte de Non 1785 nach Paris zurück und erhielt nach dem von ihm beantragten Ausscheiden aus dem diplomatischen Dienst eine Pension. Er erhielt eine Gratifikation von zehntausend und eine Rente von zweitausend Livres. Mit 38 Jahren war er damit ein finanziell abgesicherter Mann.R. Kaiser: Kunsträuber… http://www.reinhardkaiser.com/LesesaalNeu/VersammelteWerke/DenonBuch.htm Am 21. März 1787 wurde de Non zum Mitglied der Académie des Beaux-Arts ernannt und widmete sich seinen künstlerischen InteressenDominique-Vivant Denon, L’oeil de Napoléon, Ausstellungskatalog, Paris, Réunion des Musées Nationaux, 1999, S. 6–7. In dieser Zeit befreundete er sich mit dem Maler Jacques-Louis David. Zusammen arbeiten beide an einer Kupferstichversion von Davids unvollendetem Gemälde „Der Schwur im Ballhaus“ (Le serment du jeu de paume).R. Kaiser: Kunsträuber… S. 8.
In den Revolutionsjahren
Bei einem Studienaufenthalt in Venedig ab Anfang Oktober 1789 wurde de Non vom Ausbruch der französischen Revolution überrascht. De Non verkehrte in Venedig hauptsächlich im Salon seiner Geliebten Isabella Albrizzi-Teotochi. Der Salon war ein Treffpunkt nordeuropäischer Künstler auf einer Italienreise, in dem Anfang der 1790er Jahre auch Johann Wolfgang Goethe, Johann Heinrich Ramberg und Élisabeth Vigée-Lebrun verkehrten. Ramberg und Vigée-Lebrun porträtierten de Non und wurden wiederum von ihm porträtiert. Bereits am 12. August 1790 wurde de Non von den Inquisitoren der Serenissima wegen des Verdachtes auf Jakobinismus erstmals verhört. Am 14. Juli 1793 wurde de Non wegen seiner revolutionsfreundlichen Haltung aus Venedig ausgewiesen und reiste nach Bologna und Florenz weiter. Im Dezember 1793 erfuhr de Non, dass er in Frankreich auf die Liste der Emigranten gesetzt worden war. Zur Rettung seiner Güter reiste de Non über Baden nach Paris und verschleierte sein Adelsprädikat durch ein Zusammenziehen des Prädikates und des Namens zu Denon. Der mittlerweile der Revolution nahestehende Maler Louis David bürgte persönlich für die republikanische Gesinnung Denons und verschaffte ihm den Auftrag, seine Entwürfe für Uniformen republikanischer Amtsträger zu bearbeiten. Die Entwürfe wurden von Denon 1793 gestochen und veröffentlicht. Der kontaktfreudige und gewinnend auftretende Denon schloss mit Robespierre Bekanntschaft und verkehrte in dessen Haus, ohne sich jedoch zu kompromittieren. Denons Verhältnis zu Robespierre bleibt unklar. Eine Zeichnung Denons vom Haupt Robespierres in der Hand des Henkers deutet auf seine Beteiligung an der Hinrichtung Robespierres am 28. Juli 1794 hin.
1797 stellte Denons Bekannte Joséphine de Beauharnais ihn General Bonaparte vor. Von diesem wurde er 1798 in Paris aufgrund seiner Bildung und künstlerischen Fähigkeiten als Zeichner (déssinateur) in die Gruppe der wissenschaftlichen Begleiter (savants)A. Hugo: France militaire… Bd. 2, S. 236. des napoleonischen Expeditionskorps nach Ägypten berufen.
In Ägypten
Im Gefolge der Truppen des französischen Generals Desaix de Veygoux, der dem Mamelukken Murad Bey Muhammad bis nach Oberägypten nachsetzte, fertigte Denon zahlreiche Skizzen und Zeichnungen ägyptischer Bauwerke an, kehrte 1799 nach Kairo zurück und berichtete Napoleon. Von diesem wurden zwei Kommissionen mit der Erfassung der ägyptischen Denkmäler und Kultur beauftragt.
Im Jahr 1802 erschien sein Buch Voyage dans la Basse et la Haute Egypte und wurde ein durchschlagender Erfolg. Dieses Buch wurde zur Initialzündung für die Begeisterung an der Kultur der Pharaonen in Europa und ist somit der Geburtshelfer der Ägyptologie. Mehrere Auflagen in kurzen Abständen und Übersetzungen in die englische und deutsche Sprache (1803 durch Dietrich Tiedemann) folgten. In den Jahren 1809 bis 1822 erschien die Description de l’Egypte als Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeiten der Kommission Napoleons in neun Text- und elf großformatigen Bildbänden.
Zurück in Frankreich mini|Bronzemedaille 1803, Vorderseite, Napoleon mit kurzem, gewelltem Haar. Foto: Manfred Czastka mini|Bronzemedaille 1803, Rückseite, Statue der Venus Medici aus den Uffizien. Foto: Manfred Czastka
Der Directeur des Musée Napoléon Dominique-Vivant Denon wurde von Napoléon 1802 zum Directeur général du Musée central des Arts (1804 Musée Napoléon) ernannt, dem heutigen Louvre. Es sollte „das größte, reichste und prächtigste Museum der Welt werden“. Die Konzeption des freien Zugangs aller Bürger zu den Kunstwerken, der bisher nur den herrschenden und gebildeten Schichten vorbehalten war, erschien völlig neuartig und faszinierte die europäischen Intellektuellen. Lediglich Christian von Mechels Hängung im Belvedere kann hierzu vergleichsweise aufgeführt werden. Zwei Grundelemente lagen dem Ordnungsschema zugrunde: Eine Unterteilung nach nationalen Schulen und eine Reihung in den historischen Zusammenhängen, wie sie Johann Joachim Winckelmann gefordert hatte.Gaethgens, Thomas: Hieronymus im Louvre, Dominique Vivant Denon, Sammler und Museumsdirektor Napoleons und die Vision eines europäischen Museums, FAZ, Nr. 264 vom 12. November 1994. Diese europäische Vision überzeugte und überwältigte die Zeitgenossen, selbst wenn ihnen wie dem Berliner Museumsdirektor Gustav Friedrich Waagen Opfer abgerungen worden waren. Daher wurde damals nur vereinzelt der Vorwurf der Raubkunst erhoben: Denon selbst und andere Künstler und Historiker hielten es gegenüber dem Direktorium „für Frankreich nicht nützlich […] wenn die Meisterwerke der Malerei und Bildhauerkunst von Rom […] weggeführt werden.“Reinhard Kaiser zitiert Denons Biographen Jean Chatelain in: Kunsträuber… S. 9. Denon stellte die konservatorischen über die politischen Belange. Als der Salon carré des Louvre zur Hochzeit Napoleons mit Marie-Louise umgestaltet werden sollte, stellte sich Denon schützend vor die darin ausgestellten Bilder. Im Jahr 1804 erfolgte die Ernennung zum Generaldirektor aller französischen Museen.
Weitere Aktivitäten Denon stand den Galerien des Regierungspalastes vor, er verwaltete die Porzellanmanufaktur von Sèvres sowie die Gobelinproduktion. Als Regisseur von Napoleons Kulturpolitik war er künstlerischer Leiter und Ausstatter wichtiger Staatsakte und Feierlichkeiten. Er war durch Napoleon mit der Planung und Ausführung der kaiserlichen Monumente in Paris beauftragt.
Als Direktor der staatlichen Prägeanstalt für Medaillen machte er ab 1803 die 1796 von Napoleon begonnene Histoire MétalliqueSchon König Ludwig XIV. hatte zur Verherrlichung seiner Regentschaft Medaillen einer Histoire Métallique prägen lassen, die sich Napoleon zum Vorbild nahm: l. u. J. Zeitz: Napoleons Medaillen, S. 18. zu seinem persönlichen Projekt der Verherrlichung Napoleons. Denn nach seiner Überzeugung waren Medaillen „die einzigen Zeugen des Ruhms, die alle Jahrhunderte überdauern.“Denon in einem Brief an Napoleon im November 1810. Zitiert von Lisa Zeitz in Medaillen Napoleons Die erste Medaille nach seiner Amtseinführung war der Ankunft der geraubten Medici-Venus am 14. Juli 1803 im Louvre gewidmet. Auf der Vorderseite, unter Napoleons Porträt, ließ Denon mit dem Namen des Medailleurs Jeuffroy auch seinen Namen prägen – ein Novum in der Geschichte der Medaille. „Charakteristisch für Denon ist, dass nicht nur eine schöne nackte Frau auf seiner ersten Medaille abgebildet ist, sondern auch das Motto AUX ARTS LA VICTOIRE (‚Den Künsten der Sieg‘). Für den großangelegten Kunstraub unter Napoleon galt dagegen das Motto umgekehrt: Den Siegern die Kunst.“ (Lisa ZeitzDr. phil. Lisa Zeitz, geb. 1970, Coautorin Napoleons Medaillen, seit 2012 Chefredakteurin Weltkunst)
Ab 1808 organisierte und leitete Denon die traditionell zweijährlich im Salon Carré stattfindende Ausstellung Salon de Paris, der die Malerei in Frankreich fördern sollte.