Herzsprung ist ein Ortsteil der Gemeinde Heiligengrabe im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.Erwähnung als Ortsteil von Heiligengrabe im Kommunalverzeichnis von Brandenburg; abgerufen am 13. April 2026

Geographie Geographische Lage Herzsprung liegt in der Prignitz etwa neun Kilometer südlich von Wittstock/Dosse.

Nachbarortschaften

Geologie Der Eisschild der Weichsel-Kaltzeit schrammte östlich an der Prignitz vorbei. Lediglich der Südosten zählt zum Jungmoränengebiet.Gerd W. Lutze (Autor), Lars Albrecht, Joachim Kiesel, Martin Trippmacher (Landschaftsvisualisierung): Naturräume und Landschaften in Brandenburg und Berlin. Gliederung, Genese und Nutzung. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-95410-030-9, Prignitz und Elbtalniederung. Entstehungsgeschichte und Geologie, S. 105–107. Die nördliche Hälfte nimmt die Herzsprunger Sandfläche ein. Der Sander entstand durch das Abschmelzen der Frankfurter Eisrandlage. Der Naturraum gehört von der Genese her zur Wittstock-Ruppiner Heide. Beide Landschaften trennt jedoch die Dosse-Niederung.Gerd W. Lutze (Autor), Lars Albrecht, Joachim Kiesel, Martin Trippmacher (Landschaftsvisualisierung): Naturräume und Landschaften in Brandenburg und Berlin. Gliederung, Genese und Nutzung. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2014, ISBN 978-3-95410-030-9, Prignitz und Elbtalniederung. Untergliederung und Teilräume. Ostprignitz – Kyritzer Platte und Herzsprunger Sandfläche, S. 109.

Geschichte Herkunft des Ortsnamens mini|hochkant|Dorfkirche Herzsprung (Heiligengrabe)

Den Ortsnamen leiten Sprachwissenschaftler von den mittelniederdeutschen Worten hert, herte ‚Hirsch‘ und sprink, sprunk ‚Quelle‘ ab. Zusammengesetzt bedeutet er ‚Hirschquelle‘.Reinhard E. Fischer: Die Ortsnamen der Länder Brandenburg und Berlin. Alter – Herkunft – Bedeutung. Be.Bra Wissenschaft Verlag, Berlin 2005, ISBN 3-937233-30-X, Namenbuch. Herzberg (2 c), Herzsprung (a), (b), S. 77.

Die Sage Herzsprung fand eine wortwörtliche Erklärung:Albert Burkhardt (Auswahl und Bearbeitung), Ralf-Jürgen Lehmann (Illustration): Der Schatz von Chorin. Sagen und Märchen der Mark Brandenburg. Stapp Verlag Wolfgang Stapp, Berlin 1991, ISBN 3-87776-570-X, Herzsprung, S. 98.

Von der Bronzezeit bis zur Neuzeit mini|Die Bronzeschilde von Herzsprung (hier mit anderen Fundstücken)

Die zwei Bronzeschilde von Herzsprung entstanden während der Späten Bronzezeit. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurden sie in einem damaligen, 1 km östlich gelegenen Moor deponiert. Ihre Entdeckung im Jahr 1844 und anschließende Erforschung etablierte den Begriff Bronzeschild Typ Herzsprung.

Wahrscheinlich bestanden vom 8. bis 12. Jahrhundert knapp 2 km östlich eine alt- und jungslawische Siedlung. Darauf wiesen die Flurnamen im alten Dorf, Wöhrden und Dorfstätte hin.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-1016-9, Herzsprung s Wittstock. 3. Siedlungsform, S. 346.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte 1339. Ludwig I., Markgraf von Brandenburg überließ pfandweise die Vogtei Fretzdorf mit Herzesprung Denen von Kröcher.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-1016-9, Herzsprung s Wittstock. 4. Erste schriftliche Erwähnung, S. 346.Adolph Friedrich Riedel: Novus Codex diplomaticus Brandenburgensis. 1. Haupttheil. 1. Band. In: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Sammlung der Urkunden, Chroniken und sonstigen Quellenschriften für die Geschichte der Mark Brandenburg und ihrer Regenten. 41 Bände, F. H. Morin, Berlin 1838, V. Die Stadt Kyritz. XIV. Markgraf Ludwig versetzt denen von Kröchern das Schloß Friedrichsdorf mit Hebungen in Kyritz, Pritzwalk, in Drewen und in mehreren anderen Dörfern, im J. 1339, S. 372. Das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 erfasste wenige prignitzsche Ortschaften, darunter die der o. g. markgräflichen Verwaltungseinheit.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Rechentabellen und Übersichten]. Fredericstorp, S. 23–25.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Die Burgen]. De castrἱs in Prignitz, S. 47–48.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, De civitatibus. Territorium Prignitz, S. 55–56. Herzsprung umfasste 34 oder 35 Hufen, wovon lediglich 13 bestellt wurden. Außer der Teilwüstung verwies die Halbierung der Hufenpacht auf die spätmittelalterliche Agrarkrise. Im Dorf lebten 5 Kossäten. Hebungen hielten der Landesherr, Thilo Krichlendorf und Krege.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Rechentabellen und Übersichten]. Fredericstorp. Hertzsprung, S. 24.Johannes Schultze (Hrsg.): Das Landbuch der Mark Brandenburg von 1375. Kommissionsverlag von Gsellius, Berlin 1940, [Die Burgen]. De castrἱs in Prignitz. Herstsprunk, S. 47.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, B. Die ländliche Gesellschaft. 1. Agrarkrise, Raubrittertum und Siedlungsverlust. c) Wüstungsprozeß und Siedlungsverlust. Wüstungsprozeß, S. 170–172.

Anno 1422 stahlen mecklenburgische Raubritter Vieh, Frauenkleidung und Schmuck, Geräte aus Kirche und Kirchhof.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-1016-9; Herzsprung s Wittstock. 7. Wirtschafts- und Sozialstruktur, S. 346–348. Zuvor und danach sahen Vogtei und Ortschaft mehrfach Belehnungen und Verpfändungen.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-1016-9, Fretzdorf ssö Wittstock. 6. Herrschaftszugehörigkeit, S. 212.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-1016-9, Herzsprung s Wittstock. 6. Herrschaftszugehörigkeit, S. 346. Eine einschneidende Veränderung brachte das Jahr 1438. Aus dem Pfandbesitz des Grafen von Lindow-Ruppin kaufte Konrad von Lintorff, Bischof von Havelberg das Haus Fretzdorf samt Zubehör. Gleichzeitig vereignete Friedrich I., Kurfürst von Brandenburg ihm und dem Domkapitel Havelberg das Gebiet. Das bedeute einen Übergang der Landesherrschaft zum Hochstift Havelberg (nicht identisch mit Bistum Havelberg). Die Verwaltungszugehörigkeit zum bischöflichen Amt Wittstock unterbrachen wie zuvor Belehnungen.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, 2. Kapitel. Die Prignitz im Spätmittelalter (Vom Anfang des 14. bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts). A. Die politischen Verhältnisse. 4. Der Bischof von Havelberg als Landesherr. Territorialbesitz, S. 152–154. Ab 1489 erwarben die von Krüsicke langfristig mehr und mehr Anteile, bezogen hier 1513 ihren Wohnsitz. Mit der Einführung der Reformation gelangte Herzsprung Mitte des 16. Jahrhunderts, formell 1571 wieder zur Mark Brandenburg.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, 3. Kapitel. Aufbruch und Widerspruch – die frühe Neuzeit (I) (Vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts). A. Die politische Entwicklung. 2. Die Einführung der Reformation. b) Die Aufhebung des Bistums Havelberg, S. 279–281.

In der Monarchie Preußen und der SBZ lag Herzsprung im Landkreis Ostprignitz. Am 25. Juli 1952 wurde Herzsprung dem neu gebildeten Kreis Wittstock im Bezirk Potsdam zugeordnet. Nach der Wende lag die Gemeinde im Landkreis Wittstock in Brandenburg. Am 22. Mai 1992 schloss sich Herzsprung dem Amt Wittstock-Land an. Nach der Kreisreform in Brandenburg am 6. Dezember 1993 kam die Gemeinde zum neu gebildeten Landkreis Ostprignitz-Ruppin.

Am 31. Dezember 2004 wurde Herzsprung, das sich gerichtlich erfolgreich gegen eine Eingemeindung nach Wittstock/Dosse gewehrt hatte, nach Heiligengrabe eingemeindet.

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1734 97 1772 133 1791 144 1801 161 1817 193 1837 258 1858 325 1871 314 1875 324 1890 330 Jahr Einwohner 1895 315 1925 361 1933 319 1939 275 1946 440 1950 422 1964 319 1971 315 1981 316 1985 319 Jahr Einwohner 1989 317 1990 326 1991 313 1992 319 1993 308 1994 308 1995 298 1996 300 1997 310 1998 307 Jahr Einwohner 1999 306 2000 305 2001 308 2002 305 2006 281

Es gilt zumeist der Gebietsstand des jeweiligen Jahres, 1817 mit Möllendorfshof, 1858–1927 Gemeinde- plus Gutsbezirk, 1925 mit Abbau Königsberg.Lieselott Enders: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Prignitz. Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1986, ISBN 3-7400-1016-9, Herzsprung s Wittstock. 10. Bevölkerungsziffern, S. 349.Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg. Dezernat Bevölkerung (Erarbeitung), Dezernat Informationsmanagement (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin (= Beitrag zur Statistik. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Nr. 19.10), Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Land Brandenburg, Potsdam 2006, 3. Bevölkerung der Gemeinden des Landkreises Ostprignitz-Ruppin 1875 bis 2005 (Gebietsstand des jeweiligen Jahres). Heiligengrabe. Herzsprung, S. 14–17; Volltext. (PDF; 358,6 kB) Amt für Statistik Berlin-Brandenburg; abgerufen am 29. März 2019.

Sehenswürdigkeiten mini|Gedenkstein für den Todes­marsch aus dem KZ Sachsen­hausen

Wirtschaft und Infrastruktur Unternehmen Seit dem hochmittelalterlichen Landesausbau lebte Herzsprung von Ackerbau und Tierhaltung. Die Schriftquellen berichteten darüber in Form von Abgaben und Schadensklagen.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, 2. Kapitel. Die Prignitz im Spätmittelalter (Vom Anfang des 14. bis zum Ausgang des 15. Jahrhunderts). B. Die ländliche Gesellschaft. 4. Die bäuerlichen Verhältnisse. b) Leistungen und Lasten der bäuerlichen Betriebe. Abgaben, S. 193–195. Das Landbuch Kaiser Karls IV. von 1375 wies die drei üblichen Getreidegattungen Roggen, Gerste und Hafer aus. Beim Raubzug von 1422 wurden hier 18 Pflugpferde, 120 Ochsen und Kühe erbeutet. Die Protokolle der Kirchenvisitationen des 16. Jahrhunderts zeigten in der Ostprignitz ein größeres Flachsanbaugebiet. Der Schwerpunkt lag im breiten Streifen von westlich der Jäglitz bis zur Dosse. Das Gebiet bot gute, mittlere und sandige Böden. Die zahlreichen Flussläufe und Fließe begünstigten die Verarbeitung der Flachsfasern.Lieselott Enders: Die Prignitz. 1. Auflage. Verlag für Berlin-Brandenburg, Potsdam 2000, ISBN 3-935035-00-4, 3. Kapitel. Aufbruch und Widerspruch – die frühe Neuzeit (I) (Vom Ende des 15. bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts). B. Die ländlichen Verhältnisse. II. Die bäuerlichen Verhältnisse. 2. Die bäuerliche Wirtschaft. a) Agrarverhältnisse, Anbau und Viehzucht. Hopfen und Flachs, S. 387–388.