Heinz Schauwecker (* 11. Oktober 1894 in Regensburg; † 4. Juni 1977 in Berching) war ein deutscher Arzt, Schriftsteller und Heimatdichter.

Leben Schauwecker gehörte in seiner Schulzeit der Wandervogel-Bewegung an. 1914 meldete er sich freiwillig zum Ersten Weltkrieg, wo er als Sanitäter eingesetzt wurde. Im Wintersemester 1916/17 trat er in die AMV Fridericiana Erlangen ein.Karl Eduard Haas: Die Akademisch-Musikalische Verbindung Fridericana im Sondershäuser Verband, vormals Studentengesangverein Erlangen. Erlangen 1982, im Selbstverlag, S. 304. Nach Kriegsende schloss er sich dem Freikorps Epp des späteren NSDAP-Politikers Franz Ritter von Epp an.Ernst Emmerig, Ansprache zum 70. Geburtstag von Heinz Schauwecker (PDF; 367 kB) beim Festabend der Regensburger Schriftstellergruppe International, 1964. Dort war er als Adjutant beim Brigadearzt tätig.Bernhard M. Baron: Nach dem Studium der Medizin in Erlangen und dem Staatsexamen 1920 arbeitete er als praktischer Arzt zunächst in Nürnberg, geriet dort aber durch die lokale NS-Führung immer mehr unter Druck und siedelte 1938 in das für ihn weniger gefährliche Berching um, wo er am 4. Juni 1977 im Berchinger Krankenhaus verstarb.

Durch die Begegnung mit Johann Baptist Laßleben (1864–1928), dem Begründer der Zeitschrift Die Oberpfalz (1907ff.), kam Heinz Schauwecker mit der Oberpfälzer Heimatbewegung in Kontakt. Schauwecker gilt als einer der Begründer der so genannten „Nordgaubewegung“. Die von ihm mit initiierte „oberpfälzisch-egerländische Arbeitsgemeinschaft heimatpflegender Vereine auf dem Nordgau“, veranstaltete 1930 in Cham einen „Heimattag“. Daraus gingen jährliche „Nordgautage“ (1930–1935) hervor. 1935 übernahm der Kreisleiter der NSDAP den Vorsitz der „Arbeitsgemeinschaft“, die bisherige Vorstandschaft musste zurücktreten.

In der von ihm redigierten, inzwischen von Michael Laßleben herausgegebenen Zeitschrift Die Oberpfalz veröffentlichte Heinz Schauwecker im November 1938 einen gereimten Dank, worin die schlichte Volksfrömmigkeit von Menschen „im Wald“ als Grundlage für die Treue zu Adolf Hitler dargestellt wird: „Wo immer im Wald die Jungen und Alten / dem Herrgott zu danken die Hände falten / aus jedem Gebet eine Bitte spricht – / sie kleidens in tönende Worte nicht, / aber ihre Herzen stammelns in heißem Drang: / Gott segne den Führer sein Leben lang!“Die Oberpfalz, November 1938, S. 205. Da er ja bereits in Nürnberg negative Erfahrungen mit der NSDAP machen musste, ist der Widerspruch zwischen diesem Text und sein politisch motivierter Umzug nach Berching aus heutiger Sicht schwer nachzuvollziehen.

In den letzten Kriegstagen betrieb Heinz Schauwecker im Franziskanerkloster Berching, an der Sulz zwischen Weststadt und Vorstadt gelegen, ein Rot-Kreuz-Hilfskrankenhaus, weil das Stadtkrankenhaus wegen der gesprengten Brücken über Sulz und Ludwigs-Kanal durch Liegendpatienten nicht mehr erreicht werden konnte. Dieses Hilfskrankenhaus war bereits aufgegeben, als beim Rückzug der Wehrmacht vor den Amerikanern im April 1945 von Neumarkt her die SS-Division "Götz von Berlichingen" in Berching einrückte: Zwischen Hilpoltstein, Berching und Parsberg sollte eine neue Verteidigungsstellung aufgebaut werden; als Depot für die gesamte Artillerie-Munition sollten die Keller des Berchinger Klosters dienen.

Da zu befürchten stand, dass beim weiteren Rückzug das Depot und damit die halbe Stadt Berching in die Luft fliegen würde, simulierte Heinz Schauwecker als Oberfeldführer des Roten Kreuzes – wohlgemerkt unter der persönlichen Gefahr, wegen Wehrkraftzersetzung und Sabotage standrechtlich liquidiert zu werden – mit ein paar Helfern den Fortbetrieb des Hilfslazarettes im Kloster, um dem kommandierenden General der Waffen-SS klarzumachen, dass die Munitionspläne unmenschlich seien. Schauwecker setzte sich durch und die Waffen-SS entschloss sich hierauf, ihre Verteidigungslinie inklusive Munitionslager südlich von Beilngries, bei Paulushofen, aufzubauen.

1951 trug Heinz Schauwecker zum Wiederaufleben der „Nordgautage“ bei, die bis heute jährlich stattfinden. Schauwecker fungierte als deren Ehrenpräsident. 1969 wurde er das erste Ehrenmitglied des neu gegründeten Oberpfälzer Kulturbundes.

Ebenfalls 1969 zählte Schauwecker zu den Mitbegründern des Bundesverbandes der Deutschen Schriftsteller-Ärzte,Silke Albrecht, Florian Steger: Bundesverband Deutscher Schriftsteller-Ärzte: Freundschaft und Gedankenaustausch. In: Deutsches Ärzteblatt. Band 108, Nr. 4, 2011, S. A-177 / B-139 / C-139 der eine nach ihm benannte Auszeichnung, die „Schauwecker-Medaille“, verleiht (mit dem Leitspruch: „Macht des Wortes – Kraft der Medizin“). Im Weltverband der Schriftstellerärzte UMEM (Union Mondiale des Écrivains Médécins) war Schauwecker zeitweise Vizepräsident.

Im Donaukurier vom Februar 1994 wurde vom persönlichen Einsatz für Kriegsgefangene während des Zweiten Weltkriegs und die Rettung von 20 geistig Behinderten vor dem Zugriff der SS berichtet.Donaukurier, 12. Februar 1994.

Schaffen und Rezeption Neben Georg Britting und Gottfried Kölwel galt Heinz Schauwecker als populärer Schriftsteller der Oberpfalz im 20. Jahrhundert. Seine Werke können zur Heimatliteratur, teilweise zur Trivialliteratur gerechnet werden. Vor allem durch seine „Heimatfestspiele“, kleine Dramen zu lokalgeschichtlichen Themen, erlangte er regionale Bekanntheit. Viele seiner Veröffentlichungen ab den 1920er Jahren haben völkische Inhalte wie das Theaterstück Deutsche Vision (aufgeführt etwa am 30. März 1924 zum „Deutschen Tag“ in Neustadt an der Aisch, wo auch Gustav Sondermann vaterländische Gedichte vortrugWolfgang Mück: NS-Hochburg in Mittelfranken: Das völkische Erwachen in Neustadt an der Aisch 1922–1933. Verlag Philipp Schmidt, 2016 (= Streiflichter aus der Heimatgeschichte. Sonderband 4); ISBN 978-3-87707-990-4, S. 59.).

Seine bis 1945 erschienenen Werke müssen kritisch betrachtet werden, da sie stark von der NS-Ideologie durchsetzt sind und zeitgemäße völkische Tendenzen des ehemaligen „Front- und Freischarkämpfers“ (Karl Winkler) aufweisen. Trotz dieser Thematik gehört Heinz Schauwecker nicht zur ersten Garde der deutschen NS-Schriftsteller und sollte nicht mit seinem Hamburger Namensverwandten Franz Schauwecker (1890–1964) verwechselt werden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg tritt er mit unzähligen unkritischen, aber empfindsamen Gedichten (Worte an Dein Herz, 1956), Erzählungen (Die Sternstunde der Barbara Blomberg, 1952), Romanen (Der Wandel des Andreas Hufnagel. Roman um die Freiheit, 1969), Märchen (Glupp. Ein Märchen um eine vergessene Stadt, 1961), Sagen, Stadtgeschichten (Das Berchinger Stadtbüchel, 1957) und Theaterstücken (Haug von Parsberg, 1950; Das Kastler Schweppermannspiel, 1952) in Erscheinung.

Schauweckers Nachlass wird in der Staatlichen Bibliothek Regensburg aufbewahrt.Nachlass Dr. Heinz Schauwecker (PDF), Website der Staatlichen Bibliothek Regensburg, abgerufen am 6. September 2016.

Auszeichnungen 1952 Nordgau-Kulturpreis der Stadt Amberg in der Kategorie „Dichtung“ 1953 Max-Reger-Medaille der Stadt Weiden/Oberpfalz 1954 Albertus-Magnus-Medaille der Stadt Regensburg, Ehrenbürger von Berching 1959 Verdienstkreuz 1. Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 1960 Kulturpreis Ostbayern 1969 Ehrenmitglied des Oberpfälzer Kulturbunds 1976 Paracelsus-Medaille der deutschen Ärzteschaft Heinz-Schauwecker-Platz in Parsberg

Werke (Auswahl) Fallende Blätter. Ein Totentanz. Nürnberg, 1920 Elisabeth Karinta. Ein Lied für die „Weiße Frau“. Nürnberg, 1921 Deutsche Gedichte. Nürnberg, 1922 Deutsche Vision. Ein Spiel am Rhein. Nürnberg, 1922 Wendelin Siebengangs Haus an der Flusstorstrasse. Vom Leben und Sterben in der Vorstadt. Nürnberg, 1923 Die bayerische Trutznachtigall. (= Deutsche Gedichte. 2). Nürnberg, 1923 Das neue Teufelaustreiben, ein kräftiger Exorcismus gegen die sieben schlimmsten Teufel. München, 1923 Deutschenspiegel. Alte Mär für neue Zeit. Nürnberg, 1924 Weissblaue Raute und Doppeladler. Geschichten. Nürnberg, o. J. (= ca. 1924) (mit Theodor Vogel) Krieg den Palästen, Friede den Hütten. Urgrossvätergeschichten aus Frauken. Nürnberg, o. J. (= 1924) Wider die Steppenteufel. Eine Geschichte von Ungarnschlacht und Ungarnnot. Nürnberg, 1924 Der goldene Ritter. Wahrhaftige Lebensbeschreibung und Meldung der Fahrten u. Abenteuer meines gnädigen u. edlen Herren Kaspar Winzerer zu Töllenz. Nürnberg, 1924 Geschichten von Briefen, Liebe und Tod. Kallmünz, 1924 Vom deutschen Studenten 1914–1924. Nürnberg, 1924 (mit Ilse Riem): Schildwacht in Europas Osten. Bilder aus Mongolensturm u. Türkennot. Nürnberg, 1924 Herr Seyfried, Frau Kathrein und der König. Eine historische Erzählung. Diessen, 1925 Auf der Suche nach dem Goldland Eldorado. Ulmer Bürger und die Welserkolonie Venezuela. Nürnberg, 1925 Zwischen Alltag und Abendläuten. Märchen. Kallmünz, 1925 Es rauschen stille Bronnen ... Gedichte. Nürnberg, 1927 Husaren- und Dragonergeschichten. Nürnberg, 1927 Vizedom. Geschichtlicher Grenzlandroman. Sulzbach, 1928 Heimkehr aus den Niederlanden. Ein Albrecht Dürerspiel in 2 Aufzügen. Nürnberg, 1928 Rast am Tor. Erste Heimatdankgabe für die Oberpfalz. Kallmünz, 1928 Wir gehen draußen in der Ferne ... Neue Lyrik. Sulzbach, 1930 Des Teufels Abenteuer in der Obern Pfalz! Waldsassen, 1932 Zwischen dem Recht. Geschichtlicher Roman. Waldsassen, 1932 (Hrsg.): Tausend goldene Steige. Sammelband nordgauischer Dichtung. Waldsassen, 1933 Huß aus ! Eine Geschichte aus Notzeiten der Bayerischen Ostmark. Nürnberg, 1934 Kurze Übersicht über das Schrifttum der Bayerischen Ostmark und des angrenzenden sudetendeutschen Raums. Regensburg, 1935 Der Dultgeiger. Heiligenstätter Novelle. Sulzbach-Rosenberg, o. J. (= 1936) Herr Seyfried, Frau Kathrein und der König. Historischer Roman. Neumarkt, 1950 Tausend Jahre schönes Schrifttum in der Oberpfalz. Beilngries, o. J. (= 1950) Die Sternenstunde der Barbara Blomberg. Novelle um d. Geburt d. Don Juan d’Austria. Kallmünz, 1952 Der Meister. Altnürnbergische und Oberpfälzer Novellen. Weiden, 1954 Berchinger Stadtbüchel. Kallmünz, 1955 Worte an dein Herz. Gedichte. Kallmünz, 1956 Das unabdingbare Vermächtnis. Ein Erlebnisbericht eines Rotkreuzarztes. Regensburg, 1959 Die Liebe kann alles. Roman. Nürnberg, 1959 Glupp. Ein Märchen um eine unvergessene Stadt. Geislingen/Steige, 1961 Blätter im Wind. Erinnerungen und Gedanken. (2. Aufl.) Kallmünz, 1962 Johann Andreas Eisenharth. Eine Rehabilitationsschrift für seinen Landsmann und Kollegen. Kallmünz, 1962 Lindenloher Impressionen. Kallmünz, 1963 Hexentanz in Linderberg. Roman aus unseren Tagen. Friedberg, 1963 Wirf in den Himmel. Gedichte. Dülmen, 1963 Zwischen Herz und Recht. Kallmünz, 1964 Mein Kaleidoskop. Erzählungen, Erlebnisse, Einfälle. Kallmünz, 1964 Neue Welt. Zyklus von 12 Gedichten um eine Reise. Kallmünz, 1965 Spur im Sand. 2. Folge der Reisegedichte. Kallmünz, 1967 Der Wandel des Andreas Hufnagel. Roman um die Freiheit. Kallmünz, 1969 Stilles Wissen. München, Würzburg, Wien, 1969 Das schöne Schrifttum in der Oberpfalz. Eine Übersicht. Kallmünz, 1970 Die Sternstunde der Barbara Blomberg. Novelle. Kallmünz, 1972 Spiel der Waage. Gedichte. Kallmünz, 1974

Heimatfestspiele (Auswahl): Bürgertreue. Das Kallmünzer Heimatspiel. Kallmünz, 1926 Das Berchinger Spiel. Zur Tausendjahrfeier erschienen. Kallmünz, 1926 Haug von Parsberg. Parsberg, 1950 Kastler Schweppermannspiel. Kastl, 1953 Bernhard von Weimar vor Beilngries. Festakt zur 900-Jahr-Feier der Stadt Beilngries in zwei Bildern mit einer Einführung. Kallmünz, 1953

Vertonungen: Ernst Kutzer: Drei Chorlieder op. 47 (1961), für 4-stimmigen gemischten Chor Hymne an die Heimat. Triptychon op. 50 (1963), für Bariton, 4- bis 6-stimmigen gemischten Chor und Orchester Heimat und du (1968) für gemischten Chor Lieder von Busch und Baum op. 65, für hohe Singstimme, Flöte und Klavier