Massive Open Online Course (deutsch riesiger offener Onlinekurs), kurz MOOC, bezeichnet überwiegend in der Hochschul- und Erwachsenenbildung verwendete Onlinekurse, die in der Regel große Teilnehmerzahlen aufweisen, da sie auf Zugangs- und Zulassungsbeschränkungen verzichten.

MOOCs kombinieren traditionelle Formen der Wissensvermittlung wie Videos, Lesematerial und Problemstellungen mit Foren, in denen Lehrende und Lernende interagieren und in virtuellen Lerngruppen zusammenarbeiten. Zu unterscheiden sind dabei xMOOCs von cMOOCs. Während erstgenannte im Wesentlichen auf Video aufgezeichnete Vorlesungen mit einer Prüfung darstellen, beruhen cMOOCs auf der Idee des Konnektivismus und haben eher die Form eines Seminars oder Workshops. Allgemein lassen sich MOOCs dadurch charakterisieren, dass sie keine Gebühren, keine Voraussetzungen, außer Internet-Zugang und Interesse seitens des Nutzers, verlangen.

Geschichte Vorläufer Vor dem digitalen Zeitalter gab es bereits Wege, trotz räumlicher Trennung Wissen auszutauschen. Im 19. Jahrhundert beruhte Fernunterricht häufig auf brieflicher Korrespondenz, die Lernenden erhielten ihre Lehrtexte postalisch. In den darauf folgenden Jahren veränderten sich die Möglichkeiten des Informationsaustausches mit der Nutzung anderer Medien. Fernunterricht wurde von einigen Universitäten per Telefonie oder Fernsehen angeboten. Im Zuge der Technologien der 1990er Jahre kam schließlich vermehrt das Internet zum Einsatz. In den 2000er Jahren stieg die Online-Präsenz und damit die Möglichkeiten des Lernens im Internet stark an, sodass zahlreiche offene Lernkurse, zusammengefasst als Open Educational Resources, angeboten wurden. Diese Kurse gelten als Vorläufer der heute verwendeten Massive Open Online Courses (MOOCs). Ein kostenfreier Kurs „Basic Human Sexual Anatomy and Physiology“ wurde im Januar 2003 von Erwin J. Haeberle und dem Magnus Hirschfeld Archive for Sexology (Humboldt-Universität Berlin) online gestellt. Der 2007 von David Wiley angebotene wikibasierte Kurs „Open Ed Syllabus“ ist ein weiterer Open Online Courses, in welchem verschiedene Themen der Open Education behandelt wurden.

2008 George Siemens und Stephen Downes von der Universität Manitoba in Kanada veranstalteten 2008 den Kurs „Connectivism & Connective Knowledge“, der unter dem Kürzel CCK08 später zum Markenzeichen für das Format wurde. In diesem Zusammenhang und durch eine Publikation von George Siemens wurde der Begriff des Konnektivismus erstmals bekannt, auf dessen konzeptionelle Überlegungen sich die pädagogischen Grundlagen von Open Online Courses oft beziehen.

Ab 2010 Verschiedenste MOOC werden ab dem Jahr 2010 angeboten, beispielsweise: Kurs PLENK – Personal Learning Environments Networks and Knowledge (Herbst 2010) Wiederauflage des ersten Kurses Connectivism and Connective Knowledge unter dem Kürzel CCK11 2011 Kurs LAK11 – Learning and Knowledge Analytics (Frühjahr 2011) Kurs Change11: Education, Learning, and Technology! (Herbst 2011)

Bis heute wurde das Format von etlichen Bildungsakteuren aufgegriffen und man findet unzählige Angebote zu allen möglichen Themen unter dem Begriff MOOCs (Massive Open Online Courses). So führten beispielsweise zwei Hochschullehrende Sebastian Thrun und Peter Norvig der Universität Stanford im Jahr 2011 einen Open Course zum Thema künstliche Intelligenz durch, zu dem sich 160.000 Interessierte anmeldeten, von denen ca. 20.000 Teilnehmende den Kurs auch tatsächlich abschlossen und eine Bestätigung der Veranstalter erhielten.

Die Universität hat in diesem Fall nicht selbst das Zertifikat ausgestellt, sondern lediglich die Hochschullehrenden, was bereits den ersten Diskussionsstoff über die Frage nach dem Wert einer solchen Bescheinigung lieferte. Der in den USA zum Thema Bildungsmedien bekannte Blogger Michael Feldstein äußerte sich z. B. in der online Zeitung Inside Higher Ed: „Wenn einzelne Hochschullehrende damit beginnen, die studentischen Leistungen zu zertifizieren, dann stellt dies die Rolle einer Hochschule in Frage.“

Seitdem hat sich eine ganze Menge getan, gerade im englischsprachigen, amerikanischen Raum haben sich mit Udacity, Coursera und EdX kommerzielle Anbieter von MOOCs entwickelt und auch die Anzahl an Publikationen ist in rasanter Geschwindigkeit gestiegen. Laut der New York Times wird das Jahr 2012 als „das Jahr der MOOC's“ bezeichnet, da sich die MOOC Plattformen nicht nur rasant entwickelt haben, sondern auch zunehmend Eliteuniversitäten wie Princeton, Brown, Columbia und Duke angefangen haben, Kurse auf Plattformen wie Coursera anzubieten. Selbst Google hat ein Tool veröffentlicht, mit dem MOOC's online erstellt werden können.

Charakteristiken und Klassifizierung

Kerncharakteristiken nach Kennedy Kennedy (2014) identifiziert im Rahmen einer umfassenden Literaturauswertung drei Kerncharakteristiken von MOOCs: Offenheit, Persistenz-Barrieren, und Modell.

Offenheit MOOCs sind charakterisiert durch frei zugängliche Technologien und Software für Bildungszwecke, frei zugängliche Inhalte und Lernressourcen, und frei zugängliches Wissen. Kursteilnehmer und Lehrende teilen offen Lernmethoden. Unter Offenheit wird demnach im Wesentlichen die freie, offene Kommunikation und Teilnahme an einer offenen vernetzten Umgebung verstanden. So ist beispielsweise die Registrierung an MOOCs für jeden möglich und Informationsquellen sind für jeden frei erhältlich.

Persistenz-Barrieren MOOCs beinhalten bestimmte behindernde Faktoren, die Hindernisse für die reibungslose Teilnahme und damit erfolgreiches Lernen darstellen. Folgen solcher Barrieren können schlechte Ergebnisse oder der Abbruch des Kurses sein. Durch die Barrieren eines MOOCs wird ebenfalls das häufig angesprochene Problem der geringen Absolventenquote von MOOCs erklärt. Solche Barrieren können beispielsweise die Fähigkeit im Umgang mit neuen Technologien, Sprachkenntnisse, die Struktur des MOOCs, Zeitzonendifferenzen, individuelle Probleme sozialer Natur im Umgang mit anderen Teilnehmern und zeitliche/terminliche Bindung des MOOCs sein.

Modell Jedem MOOC liegt ein bestimmtes Lernmodell zugrunde. Heutige MOOCs lassen sich hauptsächlich als cMOOC oder xMOOC klassifizieren. Diese unterscheiden sich zum Beispiel hinsichtlich des Ausmaßes der Autonomie des Teilnehmers und des Strukturierungsgrades des Kurses. Auch der Umgang mit Leistungsbewertungen und Prüfung unterscheidet sich unter den Modellen. Vor allem aber liegt den verschiedenen Modellen jeweils ein unterschiedlicher pädagogischer Ansatz zugrunde. Allgemein lassen sich bei MOOCs jedoch eher prozessbasierte Modelle als produktbasierte Modelle als zugrundeliegende Mechanismen erkennen.

xMOOCs Die xMOOCs haben ihren Ursprung in regulären Hochschulveranstaltungen, die nachträglich als Online-Kurs einer großen Anzahl von Teilnehmenden zur Verfügung gestellt wurden. Das dem Kürzel MOOC vorangestellte x steht für extension und rührt daher, dass die Harvard University in ihrem Vorlesungsverzeichnis Online-Varianten ihrer Kurse mit einem x (ausgesprochen „cross“) hinter der Kursnummer versah.

Typische Elemente der xMOOCs sind Videos und Quiz, in denen Testfragen beantwortet werden müssen. Je nach Art des Kurses können weitere Elemente hinzukommen, beispielsweise zu lesende Texte oder schriftliche Hausarbeiten, die wegen der hohen Zahl der Teilnehmenden nicht von der Kursleitung beurteilt werden, sondern von anderen Kursteilnehmenden.

xMOOCs werden meist durch Online-Foren begleitet, in denen sich Lernende austauschen können. Die Vernetzung untereinander ist kein integraler Bestandteil des Konzepts, es kann jedoch sinnvoll sein, xMOOCs mit dem Konzept des Persönlichen Lernnetzwerks (PLN) zu verbinden.

cMOOCs mini|Dave Cormier beim schwedischen Skolforum 2012 Ausgehend von einem Oberthema und einem Zeitplan mit einigen festgelegten Abschnitten und Ereignissen stellen die Kursanbieter bei cMOOCs als Impuls einige in der Regel online verfügbare Ressourcen, wie Texte oder Videos zur Verfügung. Die Teilnehmer entscheiden selbst, ob und in welcher Weise sie sich einbringen. Werden sie aktiv, erstellen sie selbst weitere Materialien, etwa in Form von Blogbeiträgen, Tweets, Videos oder Podcasts. Sie werden dem Kurs zur Verfügung gestellt und können fortan kommentiert, diskutiert oder erweitert werden. Auf diese Weise entsteht eine Vernetzung zwischen Lernenden und deren Inhalten, wie sie im Konnektivismus propagiert wird. Diesem Ansatz (englisch connectivism) entspringt das den MOOCs vorangestellte c.

Die Beteiligung erfolgt typischerweise in vier Stufen bzw. Hauptaktionen:

Orientieren (Aggregate) sich einen Überblick verschaffen und auswählen, was interessant erscheint. Ordnen (Remix) ein Thema für sich strukturiert festhalten und nach Anknüpfungspunkten und Verbindungen zum eigenen Alltag suchen. Beitragen (Repurpose) einen eigenen Beitrag oder Kommentar zu einem Thema verfassen. Teilen (Feed Forward) die eigenen Beiträge mit anderen Teilnehmenden teilen.

P4P MOOCs Peer for Peer Massive Open Online Courses (P4P MOOCs) sind Online-Kurse von Lernenden für Lernende. MOOCs werden nicht konsumiert, sondern selbst erstellt. In Schule, Ausbildung und Studium können Lernende flexibel aus Open Educational Resources (OERs) und eigenen Inhalten individuelle MOOCs kombinieren. Typische Elemente der P4P MOOCs sind Videos, interaktive und offene Aufgaben. Im Einsatz der P4P MOOCs vor, in und nach der Präsenzphase z. B. im Blended-Learning oder Flipped Classroom besteht die Möglichkeit an Schulen durch Binnendifferenzierung der Heterogenität der Lernenden gerecht zu werden. Im deutschsprachigen Raum ist das MOOC-Wiki MOOCit.de ein Portal, das von dem Glanz Verlag redaktionell betreut wird. Zertifikate werden auf MOOCit für das Erstellen eines MOOCs vergeben.MOOCit.de: P4P MOOCs nicht konsumieren, sondern selbst erstellen, 1. Oktober 2019.

Wer nutzt MOOCs?

Lernender Um besser verstehen zu können, wer MOOCs mit welcher Motivation benutzt, haben Christensen und Kollegen (2013) sich zum Ziel gesetzt, diese Fragen in ihrer Untersuchung zu klären. Sie untersuchten über 30.000 Personen, welche an einem der 32 Kurse der Universität von Pennsylvania auf Coursera teilgenommen haben. Generell nahmen Personen aus der gesamten Welt an den Kursen teil, wobei die Mehrheit aus den Vereinigten Staaten oder aus weiteren OECD-Ländern stammten. Die Teilnehmer waren, unabhängig von der geographischen Herkunft, gut ausgebildet. Ferner handelt es sich eher um junge Menschen (jünger als 30 Jahre). Es nehmen, vor allem in den BRICS-Staaten und in anderen Entwicklungsländern, signifikant mehr Männer als Frauen an den MOOC-Kursen teil. Mehr als die Hälfte der Teilnehmer sind berufstätig.

Als Grund für die Teilnahme an MOOCs konnten zwei Hauptgründe identifiziert werden: Zum einen wollen die Teilnehmer sich weiterbilden und Fähigkeiten erlernen, um ihren Job besser ausüben zu können, und zum anderen stand die Neugier und der Spaß im Vordergrund. Diese Unterschiede waren vor allem abhängig von den belegten Kursen und vom Herkunftsland.

Lehrender Lehrende, welche MOOCs benutzen, müssen sowohl für die Vorbereitung der Kurse als auch für die anschließende Betreuung Zeit aufwenden. 2013 betrachtete die Chronicle of Higher Education die Rolle der Lehrenden von MOOCs. Laut einer Umfrage sind 100 Stunden für die Vorbereitung eines MOOCs nötig. Weitere 8-10 Stunden können auf die wöchentliche Betreuung entfallen. Besonders intensiv werden von Lehrenden in der Gestaltung ihrer Kurse selbst gedrehte Videos benutzt (97 %). Des Weiteren gaben von den befragten Professoren 75 % an, dass sie offene Lern-Ressourcen in ihre MOOCs einbinden. Lediglich 9 % verlangten den Kauf von klassischen Büchern. Noch weniger verwendet werden E-Books, nur in 5 % der Fälle.

Pädagogische Basis