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Kalchreuth (fränkisch: KolchraetD. Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis, S. 166. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „kʰǫlχraetʰ“.) ist eine Gemeinde im mittelfränkischen Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Geographie Geographische Lage Die Gemeinde liegt jeweils ca. zehn Kilometer nordöstlich von Nürnberg und südöstlich von Erlangen im Erlanger Oberland auf einem Höhenrücken des Sebalder Reichswalds. Der Ort wird wegen der zahlreichen Kirschbäume auch das „Kirschendorf“ genannt. Kalchreuth liegt auf einem langgestreckten Höhenzug des Schwarzen Jura (Lias), der einen Teil des fränkischen Schichtstufenlandes bildet. Der Kalchreuther Forst westlich und südlich des Ortes ist ein beliebtes Ausflugsgebiet.
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind Uttenreuth (im Nordwesten), Dormitz (im Norden), Eckental (im Nordosten) und Heroldsberg (im Süden und Südosten). Weiter grenzen die gemeindefreien Gebiete Dormitzer Forst (im Norden und Westen) und Kalchreuther Forst (im Südwesten) an.
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat sechs Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Gabermühle (Einöde) Kalchreuth (Pfarrdorf) Käswasser (Dorf) Minderleinsmühle (Einöde) Röckenhof (Dorf) Stettenberg (Einöde)
Bis 1900 gab es auf dem Gemeindegebiet den Gemeindeteil Wolfsfelden.
Es gibt die Gemarkungen Kalchreuth und Röckenhof. Die Gemarkung Kalchreuth hat eine Fläche von 9,480 km². Sie ist in 3098 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 3060,19 m² haben. In ihr liegen neben dem namensgebenden Ort die Gemeindeteile Gabermühle, Käswasser, Minderleinsmühle und Stettenberg.
Natur Klima Durch den Klimawandel sind auch in Kalchreuth die Temperaturen gestiegen. Im Sommer ist es oft unangenehm heiß, und im Winter sind ausgiebige Schneefälle eher selten geworden. Der vieljährige Mittelwert der Niederschläge von 1981 bis 2010 betrug 825 l/mm². Die mittlere Grundwasserbildung aus Niederschlag lag von 1971 bis 2000 zwischen 100 und 150 mm/a.
Topografie Gelände Die Kalchreuther Höhe als Ausläufer der Frankenalb ist ein Hügel, welcher sich von Osten nach Westen hinzieht. Der höchste Punkt der Erhebung befindet sich im Ortsteil Käswasser mit 432 m. Sie fällt im Norden in das Tal der Schwabach auf 300 m ab und im Süden in das Tal der Gründlach auf 330 m.
Gewässer mini| Wie auf alten Postkarten zu sehen ist, stand auf dem Dorfplatz früher ein Ziehbrunnen. Trotz der Lage auf einem Hügel gibt es im Dorf auch einige Quellen. Sie waren früher die Voraussetzung für eine Besiedlung. Die Beschreibungen in einer Chronik lassen vermuten, dass der Sperkhof ursprünglich am Spirkbrunnen gegründet worden war. Weitere Quellen waren der Käsbrunnen in Käswasser und die Dürerquelle in der Kehle. Durch sie soll Albrecht Dürer für seine Zeichnung Quelle im Wald mit Antonius und Paulus inspiriert worden sein. An einem Abschnitt der Schwabach, der zu Kalchreuth gehört, liegen die Gabermühle und die Minderleinsmühle. Der Kreuzweiher am Schöllenbacher Weg nahe der nördlichen Gemeindegrenze gelegen, war früher ein gut besuchtes Familienbad und existiert nur noch als Weiher. Er verfügte auch über einen hölzernen Sprungturm. Nach einem schweren Unfall wurde er abgerissen.
Boden Die Art und Qualität des Bodens sind durch die Zersetzung der Ablagerungen in der Liaszeit entstanden. Auf der Südseite der Kalchreuther Höhe ist der dunkle, kalkhaltige Ton zu einem schweren, fruchtbaren Ackerland mittlerer Güte verwittert. Auf der Nordseite besteht der Boden vorwiegend aus sandigem Lehm. Hier vermischte sich der Ton mit dem auf dieser Seite austretenden Rhätsandstein. Im Westen und Nordwesten grenzt der Sebalder Reichswald an das Gemeindegebiet. Dort tritt die Rhätsandsteinschicht voll zutage. Die abfließenden Bäche, wie der Teufelsgraben und der Heide-Kehlgraben haben sich tief in das Gestein eingegraben und eine interessante Formation geschaffen.
Flora und Fauna Im Rahmen der Biotopkartierung Bayern wurden auf dem Gebiet der Gemeinde Kalchreuth u. a. geschützte Biotope in der Teufels Badestube, am Zusammenfluss von Teufelsgraben und Röstgraben und am Jungfernsitz ausgewiesen. Rund um das Dorf wachsen verschiedene geschützte Pflanzen, wie z. B. das Breitblättrige Knabenkraut, die Waldhyazinthe, das Rote Waldvögelein und die Akelei. Die untere Naturschutzbehörde unterstützt den Schutz der alten Kirschgärten und sehr erfolgreich die Anlage neuer Kirschgärten.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte Hinweise, wie die Geländeform des Gemeindegebietes entstand, finden sich in einer Tongrube zwischen Kalchreuth und Heroldsberg. Beim Abbau des Tones stieß man auf eine Schicht mit zahlreichen Versteinerungen. Die Ammoniten der Gattung Pleuroceras gelten als Leitfossil für die erdgeschichtlich Periode des Oberen Pliensbachiums. Sie deuten darauf hin, dass das Gebiet vor ca. 180 Millionen Jahren von Wasser bedeckt war. Durch Ablagerungen von eingeschwemmtem Ton und Kalk entstanden mächtige Schichten. Gegen Ende der Kreide wurden infolge der Kontinentalverschiebungen diese Schichten nach oben gedrückt. Das Wasser floss ab, es entstand eine Anhöhe, welche Lias-Insel genannt wird. mini|Der Pfarrer und Geschichtsschreiber Carl Gottlob Rehlen beschreibt in seiner Geschichte und Chronik von KalchreuthCarl Gottlob Rehlen: Geschichte und Chronik von Kalchreuth. Erstes Buch, S. 24. die Besiedlung des Gebietes durch den Volksstamm der Slawen im 8. Jahrhundert. Der erste Hinweis auf eine slawische Hofstatt in KalchreuthCarl Gottlob Rehlen: Geschichte und Chronik von Kalchreuth. Erstes Buch, S. 29. berichtet über ein „Kunig-Gütlein“ im Jahre 1455. Die Bezeichnung deutet darauf hin, dass es sich um ein kleines Anwesen handelte, welches aus einem früheren Königshof entstand. Es war am PuschenbachCarl Gottlob Rehlen: Geschichte und Chronik von Kalchreuth. Erstes Buch, S. 29. angesiedelt, der an der Sperckquelle entspringt. In jedem Slawendorf gab es ein Gehöft, welches nur dem König lehenspflichtig war und extra zwei Hufen Landes für ihn bestellte.Carl Gottlob Rehlen: Geschichte und Chronik von Kalchreuth. Erstes Buch, S. 25.
Im Verlauf der hochmittelalterlichen Rodungen wurde auch Kalchreuth neu besiedelt. Die späte Besiedlung ist nicht nur auf die schwere Arbeit des Rodens, sondern auch auf die Qualität des Bodens zurückzuführen. Vielleicht war der Boden auch durch frühere Ansiedlungen belastet.
Mittelalter mini| mini| Der Ort wurde 1298 als „Kalkrevt“ erstmals urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von der Beschaffenheit des Untergrundes (Kalk) und vom Ursprung als Rodungsinsel im Sebalder Reichswald (Reuth, Rodung) ab.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 114. Als erster zuverlässiger Beweis für die Existenz des Dorfes Kalchreuth gilt eine Urkunde vom 20. Dezember 1298. In ihr wird bestätigt, dass König Albrecht von Habsburg die Burggrafen Johann I., Friedrich IV. und deren Schwester Agnes mit Kalchreuth belehnten. Im Jahre 1342 verkauften die beiden Burggrafen das Dorf „mit all seinen Gütern“ an Ulrich II. Haller. Damit begann eine lange Zeit einer engen Verbindung mit dem Nürnberger Patriziergeschlecht Haller, die erst im Jahre 1850 endete. Als Kondominat gehörte Kalchreuth zum Nürnberger Land und lag gleichzeitig im Gebiet des Markgrafen Albrecht Achilles von Brandenburg-Ansbach. Durch diese problematische Lage wurde Kalchreuth in den Markgrafenkriegen stark in Mitleidenschaft gezogen. Im Ersten Markgrafenkrieg am 5. Juli 1449 brannten die Truppen des Markgrafen Albrecht Kalchreuth ab. Sie verschonten auch die Anwesen nicht, deren Lehensgeber der Markgraf selbst war. Im Zweiten Markgrafenkrieg wurde Kalchreuth am „2. Juni 1552 wiederum gebrandschatzt und am 7. April 1553 geplündert“.
Neuzeit mini|hochkant=1.22| In der ersten Gemeindeordnung von 1527 wurden vier Dorfsmeister gewählt. Die Amtszeit dauerte zwei Jahre. Zur alljährlichen Gemeindeversammlung hatte jedermann zu erscheinen. Im Jahre 1560 wurde die Dorfsordnung erneuert. Durch den Kauf und Verkauf von Gütern hatten sich die Machtverhältnisse verändert. So stand nicht mehr der Schlossherr Jakob Haller von Hallerstein an erster Stelle, sondern Markgraf Georg Friedrich von Brandenburg-Kulmbach. Im Dreißigjährigen Krieg hatten die Kalchreuther hinter den Nürnberger Mauern Schutz gesucht. Thomas Kracker, ein junger Mann, der Lesen und Schreiben konnte, hat in seinen Lebenserinnerungen die furchtbaren Umstände beschrieben, aber auch, wie es nach Kriegsende schnell wieder aufwärts ging. Die Jahre 1670 bis 1700 sind gekennzeichnet durch die Streitigkeiten zwischen den Kalchreuther Lehensherren. Neben der Familie Haller waren dies der Markgraf von Bayreuth, vertreten durch den markgräflichen Vogt und Wildmeister, der von Wallenrodtsche Vikar zu Schwabach und der Herr von Imhof. Nachdem Christian Friedrich Carl Alexander von Brandenburg-Ansbach im Jahre 1791 in einem Geheimvertrag seine Fürstentümer an Preußen abgetreten hatte, wurde die uralte Dorfsordnung aufgehoben und 1796 an deren Stelle das Preußische Landrecht gesetzt. Zugleich wurde auch der Pfarrer von seiner alten kirchlichen Behörde freigestellt und am 3. Juni 1795 der Superintendentur Bayersdorf unterstellt. Im Frieden von Tilsit 1807 kam Kalchreuth mit dem preußischen Fürstentum Brandenburg-Bayreuth unter französische Verwaltung und mit dem Pariser Vertrag von 1810 zum Königreich Bayern.
Von 1797 bis 1810 unterstand der Ort dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. Im Rahmen des Ersten Gemeindeedikts wurde 1813 der Steuerdistrikt Kalchreuth gebildet. Zu diesem gehörten Gabermühle, Großgeschaidt, Habernhofermühle, Käswasser, Kleingeschaidt, Langenbruckermühle, Minderleinsmühle, Röckenhof, Stettenberg und Wolfsfelden. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) entstanden folgende Ruralgemeinden: Großgeschaidt; Kalchreuth mit Gabermühle, Käswasser, Minderleinsmühle, Stettenberg und Wolfsfelden; Kleingeschaidt; Röckenhof; Habernhofermühle und Langenbruckermühle zur Ruralgemeinde Weiher. Die Gemeinde Kalchreuth war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Erlangen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (1919 in das Finanzamt Erlangen umbenannt). Ab 1862 gehörte Kalchreuth zum Bezirksamt Erlangen (1939 in Landkreis Erlangen umbenannt), die Gerichtsbarkeit lag beim im gleichen Jahr geschaffenen Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 9,470 km².
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Mai 1978 die Gemeinde Röckenhof eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Kalchreuth Jahr 1818 1840 1852 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919Einwohner 777 896 994 1033 1021 980 982 1005 957 885 882 823 847 873 884HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und von 1871 bis 2017 als Wohngebäude. 157 111 133 137 142 134 Quelle Für die Gemeinde Kalchreuth zuzüglich der Einwohner und Gebäude von Gabermühle (S. 28), Käswasser (S. 45), Minderleinsmühle (S. 59), Stettenberg (S. 89) und Wolfsfelden (S. 105). Jahr 1925 1933 1939 1946 1950 1961 1970 1987 2008 2013 2017 2021 Einwohner 929 1022 1081 1551 1564 1499 1619 2314 3058 2924 2964 3.061 Häuser 177 216 207 632 933 977 Quelle
Ort Kalchreuth Jahr 1818 1840 1861 1871 1885 1900 1925 1950 1961 1970 1987 2023 2025Einwohner 617 712 859 833 794 723 822 1358 1372 1367 1872 1859 1962Häuser 94 84 109 119 166 216 249 509 Quelle
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Kalchreuth besteht aus 16 Mitgliedern und dem Ersten Bürgermeister.
Sitzverteilung im Gemeinderat:Kommunalwahlen in Bayern am 2. März 2008 – Endgültige ErgebnisseKommunalwahlen in Bayern am 2. März 2008 – Endgültige Ergebnisse, abgerufen am 5. März 2021
CSU SPD Grüne Freie Wähler JU Gesamt 2008 7 1 1 7 - 16 2014 6 2 – 8 - 16 2020 5 – 4 7 - 1620265145116
Bürgermeister