Free German League of Culture in Great Britain (FGLC), auch Freier Deutscher Kulturbund in England, Freier Deutscher Kulturbund in Großbritannien (FDKB) oder Freier Deutscher Kulturbund – Großbritannien war eine Organisation deutscher Emigranten im Vereinigten Königreich, die von 1939 bis 1945 bestand. Der Kulturbund verstand sich als überparteilich, hatte aber enge Verbindungen zur KPD.

Geschichte und Aktivitäten Gegründet wurde sie im März 1939 auf Initiative deutscher Kommunisten, darunter Johann Fladung,Fladung, Johannes In: Jürgen Kuczynski, Marguerite Kuczynski und Hans Schellenberger.Jürgen Kuczynski: Memoiren. Köln 1983, S. 300 f.Biografische Daten über Hans Schellenberger sind nur schwer zu finden. Im Bestand Pädagogisch-Politische Emigration (PPE) in den Exilsammlungen befindet sich in den Unterlagen zum German Educational Reconstruction Committee ein Ausbürgerungsantrag der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) vom 26. Februar 1938. Daraus geht hervor, dass Johannes Gottfried Schellenberger am 3. April 1907 in Dresden geboren wurde und von Beruf Lehrer war. Die Gestapo wirft ihm in ihrem Antrag vor:a) Ende März 1933 die Verhaftung nach einer Hausdurchsuchung, bei der kommunistische Schriften gefunden worden seien, außerdem ein Dolch und eine Pistole. Verurteilt zu sieben Monaten Haft durch ein Sondergericht in Freiburg. Nach der Verbüßung der Strafe Schutzhaft bis 20. Dezember 1935 im Schutzhaftlager Sachsenburg.b) Sofort nach seiner Entlassung habe er die Leitung der illegalen Roten Wehr im Vogtland übernommen.c) Am 19. März 1936 sei er in die Tschechoslowakei geflohen, weil er seine Verhaftung befürchtet habe. Er habe sich im Emigrantenlager Strasnice bei Prag (heute: Strašnice im Verwaltungsbezirk Prag) aufgehalten und sei in der Lagerleitung tätig geworden.Die Deutsche Gesandtschaft in Prag teilte dem Auswärtigen Amt in Berlin am 18. März 1938 mit, dass gegen die Ausbürgerung keine Bedenken bestünden. Sein erster Präsident war der Schriftsteller Hans Flesch-Brunningen. 1942 oder 1943 wurde er von Fladung abgelöst.Eine ausführlichere Darstellung der Arbeit der FGLC in englischer Sprache ist abrufbar unter: The Free German League of Culture

Die Gründungsversammlung fand im Haus der Quäker in London statt. Schon im ersten Jahr wuchs die Organisation auf über tausend Mitglieder und gründete eine Schriftsteller-, eine Maler- und eine Kabarettgruppe „24 schwarze Schafe“. Auf den Veranstaltungen sprachen u. a. Alfred Kerr, Oskar Kokoschka, J. B. Priestley, Ludwig Renn, Henry Wickham Steed, Berthold Viertel und Stefan Zweig.Bericht von Hans Flesch-Brunningen im Mitteilungsblatt des Kulturbundes vom Dezember 1939, zitiert ebenda, S. 301.

1939 veranstaltete sie in der Londoner Wertheim Gallery die Erste Gruppenausstellung deutscher, österreichischer und tschechoslowakischer Maler und Bildhauer.

Ab Januar 1940 hatte der Freie Deutsche Kulturbund ein Clubhaus in der Upper Park Road 36 im Londoner Stadtteil Hampstead. Das Haus war dem Kulturbund von der anglikanischen Kirche zur Verfügung gestellt worden und verfügte neben Veranstaltungsräumen, einer Bücherei, einem Café und einem Restaurant auch über ein kleines Theater.Ein Bild des Klubhauses ist auf der Webseite Free German League of Culture – Bildende Künstler im englischen Exil zu sehen.

Von 1940 bis 1945 erschien die Zeitschrift Freie deutsche Kultur als Mitteilungsblatt des Kulturbundes, von November 1941 bis zur Einstellung redigiert von Max Zimmering.

Im Sommer 1942 eröffnete der Freie Deutscher Kulturbund in London die von der Sektion der bildenden Künstler unter Leitung Heinz Worners konzipierte Ausstellung „Allies inside Germany“, die danach als Wanderausstellung unter dem Titel „We accuse – Ten years of Hitler Fascism“ an vielen Orten in Britannien gezeigt wurde:

1943 kam es zu einer gegen die kommunistische Dominanz des FDKB gerichtete Abspaltung, die fortan unter dem Namen Club 1943 firmierte und auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs (später mit dem Namenszusatz Anglo-German Cultural Forum) arbeitete. Anlass für diese Abspaltung war eine von Alfred Meusel in einer FDKB-Sitzung eingebrachte Resolution, mit der Winston Churchill aufgefordert werden sollte, umgehend eine „zweite Front“ zu eröffnen, um die von den Deutschen angegriffene Sowjetunion zu entlasten. Dies wurde von einigen Mitgliedern des FKBD als unzulässige Einmischung in die britische Kriegspolitik angesehen, was als Ersten Alfred H. Unger bewog, den FDKB zu verlassen. Unger schlossen sich schnell andere Emigranten an:

mini|Katalog Cover zur Kunstausstellung Mid-European Art in Leicester 1944. Mit einem Holzschnitt von Lyonel Feininger Straße unter einer Brücke. Trotz dieser internen Auseinandersetzungen und dem Verlust prominenter Mitstreiter spielte der FKBD weiterhin eine wichtige Rolle unter den deutschsprachigen Emigranten in Großbritannien. In den Jahren 1943/1944 war er Initiator und wichtiger Unterstützer von Aktionen zu Gunsten deutscher Emigrantenkinder und deren Vorbereitung auf eine Rückkehr nach Deutschland nach dem Ende des Krieges und konnte mit ihnen an die Erfolge mit der vorangegangenen Ausstellung „Allies inside Germany“ anknüpfen.

Vom 5. bis 27. Februar 1944 fand in der Leicester Museum & Art Gallery eine Kunstausstellung mit dem Titel Mid-European Art statt. Die Ausstellung wurde von Trevor Thomas, Thekla Hess und ihrem Sohn Hans organisiert. Es wurden 62 Kunstwerke von bekannten Künstlern wie Lyonel Feininger, Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Käthe Kollwitz, Lesser Ury, Max Liebermann, August Macke, Franz Marc, Emil Nolde und anderen ausgestellt.

Beobachtung durch den britischen Inlandsgeheimdienst Da der Freie Deutsche Kulturbund beim britischen Inlandsgeheimdienst MI5 im Ruf stand, kommunistisch gesteuert zu sein, ließ er ihn beobachten.Alexander Gallus: Heimat „Weltbühne“. Eine Intellektuellengeschichte im 20. Jahrhundert. Wallstein-Verlag, Göttingen 2012, ISBN 978-3-8353-1117-6, S. 130–131, Fußnote 229. Einer der „Hauptinformanten“ („chief informant“) des MI5 war Kurt Hiller.Charmian Brinson, Richard Dove, Anna Müller-Härlin: Politics by other means. The Free German League of Culture in London 1939–1946. Vallentine Mitchell, London 2010, ISBN 978-0-85303-862-7, S. 158.

Die Theydon Bois School Die Theydon Bois School wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs, vermutlich 1943, auf Initiative des Freien Deutschen Kulturbundes gegründet und von Hans SchellenbergerCharmian Brinson and Richard Dove (Politics by Other Means. S. 14) bezeichnen ihn als früheren Lehrer. geleitet. Einige wenige Hinweise über Schellenberger finden sich bei Feidel-Mertz und Schnorbach: „Schellenberger, Johann, geb. 1907. Lehrer. KPD. 1933-35 Haft. März 1936 Emigration CSR. Führendes Mitglied in der tschechoslowakischen Landesgruppe der Union des instituteurs allemands émigrés. Ausgebürgert 1938 auf Liste 31. 1940 England. Mitarbeit in der Landesgruppe deutscher Gewerkschafter in GB und im Freien Deutschen Kulturbund in GB.“Hildegard Feidel-Mertz, Hermann Schnorbach: Lehrer in der Emigration. S. 234. Bei der Union des instituteurs allemands émigrés handelt es sich um den Ende 1933 gegründeten Verband deutscher Lehreremigranten (ebd., S. 97)

Der Name Theydon Bois School könnte ein Hinweis auf das Dorf Theydon Bois im District Epping Forest in der Grafschaft Essex sein, wenige Kilometer nordwestlich von London. Dort befand sich nach dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs eine Kolonie für baskische Kinder, die ähnlich den Kindertransporten, 1937 aus Spanien nach England gebracht worden waren.Basque Children of '37 Association UK Ob die Theydon Bois School an diese Tradition anknüpfte, ist nicht bekannt. Unter den Schulen im Exil ist sie die bis heute am wenigsten erforschte. Zu ihrer Existenz finden sich nur wenige Hinweise und kaum Dokumente.

Die Theydon Bois School war an einem Aufbau Deutschlands und Österreichs nach dem Ende des Kriegs orientiert. Eingebunden in die politische Exilbewegung und Exilarbeit sollte sie der Vorbereitung der jungen deutschen und österreichischen Flüchtlinge auf die Zeit nach deren Rückkehr in die Heimat dienen. In einem Flugblatt von 1943 heißt es dazu:

In dem gleichen FlugblattAls Ansprechpartner für Spenden wurde dort „The Refugee Childrens’ Evacuation Fund“ benannt, der die gleiche Adresse wie der FDKB hatte. Sekretär des „Funds“ war Hans Siebert (1910–1979), der nach 1947 die Schulabteilung des Zentralkomitees der SED leitete und später – nach einer vorübergehenden Suspendierung – eine Professur für Pädagogik an der Technischen Hochschule Dresden begleitete. Hierzu: Klaus-Peter Horn: Erziehungswissenschaft in Deutschland im 20. Jahrhundert: Zur Entwicklung der sozialen und fachlichen Struktur der Disziplin von der Erstinstitutionalisierung bis zur Expansion. Klinkhardt, Bad Heilbrunn / Obb, 2003, ISBN 978-3-7815-1271-9, S. 346–347. wurde der Finanzbedarf für das erste Jahr der Schule auf 2000 englische Pfund beziffert. Außer über Spenden wurde dieses Geld vor allem über Ausstellungen akquiriert, die der Freie Deutsche Kulturbund mit Kinderzeichnungen bestückte.

The War as Seen by Children Der „Refugee Childrens’ Evacuation Fund“ hatte 1941 unter dem Titel Children’s Art from all Countries eine Ausstellung zusammengestellt, die Kinderzeichnungen aus zwölf Nationen enthielt. Sie fand im Klubhaus des FDKB in Hampstead statt und wurde dort unter reger öffentlicher Anteilnahme von Julian Huxley, dem späteren ersten Generaldirektor der UNESCO, eröffnet.Hans Fladung: Erfahrungen. S. 271. Der Erfolg gab den Anstoß dafür, eine noch größere Ausstellung zu organisieren. Dazu wurden Emigrantenkinder aufgefordert, zu malen und zu basteln und die Ergebnisse ihrer Arbeiten auch zum Verkauf zur Verfügung zu stellen.Aus den Verkaufserlösen sollten Hilfsaktionen unterstützt werden. Die Resonanz war groß, und auch die schon erwähnten baskischen Emigrantenkinder beteiligten sich.

Gestützt auf diesen Fundus an Arbeiten wurde am 4. Januar 1943 die deutlich größere Ausstellung The War as Seen by Children in den Londoner „Cooling Galleries“ (New Bond Street) eröffnet. Hauptredner bei deren Eröffnung war Oskar Kokoschka.Peter Seibert: ‚The War as Seen by Children‘?. Das Fragezeichen leitet sich bei Seibert von dessen Fragestellung ab, inwieweit Kinderbilder „Kinderkunst“ sind und was Kokoschka bei seinem Engagement für die beiden Londoner Ausstellungen zu deren „Nobilitierung“ beigetragen hat. In Oskar Kokoschkas Buch Mein Leben (Verlag F. Bruckmann, München, 1971, ISBN 3-7654-1377-1, S. 392) spielen diese Ausstellungen und die ihnen nachfolgende Publikation keine Rolle. Er und John Reed halfen auch mit, aus dem gesamten Material weitere Ausstellungen zu konzipieren. Drei reisten durch Britannien, eine wurde per Flugzeug in die USA gebracht – immer verbunden mit der Bitte um Spenden für die deutschen Emigrantenkinder. Fladung spricht von 62 Ausstellungsorten und etwa vier Millionen Besuchern.Hans Fladung: Erfahrungen. S. 271–272. Was auffällt, ist, dass in der detailreichen Studie von Charmian Brinson und Richard Dove, Politics by Other Means, die oben erwähnte Ausstellung „The Allies inside Germany“ breiten Raum einnimmt (S. 123–125), dort aber weder von der Theydon Bois School noch von den Ausstellungen mit den Kinderzeichnungen oder dem Buch The War as Seen by Children die Rede ist. Da die beiden Autoren Fladungs Buch kannten (es wird in ihrer Bibliografie auf S. 237 angeführt), rückt das einmal mehr den ungenügenden Forschungsstand um die Theydon Bois School ins Blickfeld.

Aus der Ausstellung ging das kleine Buch The War as Seen by Children hervor, das 1944 mit einer Auswahl der Kinderzeichnungen und zusammen mit der Rede von Oskar Kokoschka zur Ausstellungseröffnung erschien, herausgegeben wiederum vom „Refugee children's Evacuation Fund“.