mini|300px|Hals Der Hals, lateinisch Collum oder Cervix, ist derjenige Körperteil von Menschen und Tieren, der Kopf und Rumpf miteinander verbindet. Er ist mit seinen verschiedenen zu erfüllenden Funktionen ein komplexes Gebilde, das auch eine gefährdete Engstelle darstellt. Die Halsregion (Regio colli) beim Menschen wird begrenzt durch den Oberrrand des Schlüsselbeins, den Handgriff des Brustbeins, den Rand das Kapuzenmuskels und durch den Rand des Unterkiefers.

Die Zugehörigkeit zum Hals wird mit dem Adjektiv zervikal bezeichnet, z. B. beim Begriff Zervikalsyndrom. Allerdings kann sich zervikal auch auf andere anatomische Strukturen beziehen, siehe Cervix uteri (Gebärmutterhals).

Etymologie Die gemeingermanische Körperteilbezeichnung mittelhochdeutsch, althochdeutsch hals gehört wie lateinisch collum zu der indogermanischen Wurzel *ku̯el „[sich] drehen, [sich] herumbewegen“ und bedeutet demnach eigentlich „[Kopf]-Dreher“. Siehe auch DWDS („Hals“) und

Anatomie mini|300px|Die Skelettmuskulatur am Hals unterhalb der oberflächlichen Halsfaszie, Lamina superficialis fasciae cervicalis Begrenzungen Die Grenze des Halses bzw. der Halsregion bildet nach oben (kranial): die Verbindungslinie vom Unterrand des Unterkiefers zum Processus mastoideus und entlang der Linea nuchalis superior zur Protuberantia occipitalis externa des Hinterhauptbeins. nach unten (kaudal): die Verbindungslinie vom Oberrand des Brustbeins (Manubrium sterni), über das Schlüsselbein zum Acromion des Schulterblatts und nach hinten zum Dornfortsatz des siebten Halswirbels. nach hinten (dorsal): der Rand des Kapuzenmuskels (Musculus trapezius).Detlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden. Verlag Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 37.

Regionen Der Hals wird beim Menschen in acht Regionen (Regiones cervicales oder Regiones colli) unterteilt:Federative Committee on Anatomical Terminology: Terminologia anatomica. Thieme, 1998, ISBN 978-3-13-114361-7, S. 3. Regio cervicalis posterior, Syn. Regio nuchae, Nacken Regiones cervicales ventrolaterales Regio cervicalis lateralis (seitliche Halsgegend) mit Trigonum omoclaviculare (Syn. Fossa supraclavicularis major) Regio sternocleidomastoidea mit Fossa supraclavicularis minor Regio cervicalis anterior (vordere Halsgegend) Kinndreieck (Trigonum submentale) Unterkieferdreieck (Trigonum submandibulare) Karotisdreieck (Trigonum caroticum) Muskeldreieck (Trigonum musculare).

Faszien des Halses mini|Die anatomischen, transversalen Schichten des menschlichen Halses. Mit blauer Markierung die drei Halsfaszien.

Die Halsfaszie gliedert mit ihren drei Blättern den Hals in mehrere Bereiche und bedeckt die Muskulatur des Halses. Daneben werden die verschiedenen Halseingeweide und die Leitungsbahnen des Halses von eigenen bindegewebigen Strukturen bedeckt, der Eingeweidefaszie und der Vagina carotica.

Das oberflächliche Blatt (die Lamina superficialis) umhüllt als Teil der oberflächlichen Körperfaszie den gesamten vorderen Hals, bedeckt den Musculus sternocleidomastoideus und die Glandula parotidea. Einzig das Platysma und epifasziale Venen und Nerven liegen noch oberhalb dieser Faszie. Sie geht am Unterkiefer aus der Fascia parotideomasseterica hervor, geht nach unten in die Brustfaszie und nackenwärts in die Fascia nuchae über.

Das mittlere Blatt, die Lamina pretrachealis beginnt etwa am Zungenbein und erstreckt sich bis zum Brustbein und zum Schlüsselbein. Dabei wird sie nach unten hin immer breiter und ist besonders fest in dem Bereich, wo sie die infrahyoidale Muskulatur bedeckt. Sie ist mit der Vagina carotica verwachsen, der Bindegewebshülle, die wichtige Leitungsbahnen wie die Halsschlagader, die Vena jugularis interna und den Vagusnerv umhüllt.

Unter der Lamina pretrachealis liegt die Eingeweidefaszie, die die Halseingeweide (oder HalsorganeVgl. etwa Franz Xaver Sailer, Friedrich Wilhelm Gierhake (Hrsg.): Chirurgie historisch gesehen. Anfang – Entwicklung – Differenzierung. Mit einem Geleitwort von Rudolf Nissen. Dustri-Verlag Dr. Karl Feistle, Deisenhofen bei München 1973, ISBN 3-87185-021-7, S. 153–203 (Chirurgie der Brust- und Halsorgane), insbesondere S. 186 ff.), nämlich Kehlkopf, Rachen, Schilddrüse, Luft- und Speiseröhre, bedeckt.

Das tiefe Blatt (Lamina prevertebralis) der Halsfaszie liegt direkt vor der Wirbelsäule und spaltet sich nach unten hin auf, so dass sie die Skalenusmuskeln und die prevertebrale Muskulatur, die autochthone Nackenmuskulatur und dem Musculus levator scapulae umhüllt. Sie reicht von der Schädelbasis bis etwa zum dritten Brustwirbel, wo sie in die Fascia endothoracica übergeht. Sie bedeckt außerdem den Truncus sympathicus mit den drei Halsganglien, den Plexus brachialis, die Arteria subclavia und den Nervus phrenicus.

Muskulatur Die Muskulatur des Halses lässt sich in verschiedene Gruppen einteilen. Zum einen sind dies die infrahyoidale Muskulatur, bestehend aus Musculus sternohyoideus, Musculus sternothyroideus, Musculus thyrohyoideus und Musculus omohyoideus. Diese Muskeln sind allesamt für das Schlucken von Bedeutung. Sie verlagern allesamt das Zungenbein nach unten und – bis auf den Musculus thyrohyoideus – außerdem den Kehlkopf und spielen so auch bei der Phonation eine Rolle. Der Musculus thyrohyoideus hingegen verlagert den Kehlkopf nach oben, sofern das Zungenbein fixiert ist. Der Musculus omohyoideus spannt außerdem die Lamina pretrachealis der Halsfaszie, mit der er über seine Zwischensehne verwachsen ist.

Den Gegenpart zur infrahyoidalen Muskulatur bildet die suprahyoidale Muskulatur mit dem Musculus digastricus, Musculus geniohyoideus, Musculus mylohyoideus und dem Musculus stylohyoideus. Diese Muskeln heben das Zungenbein beim Schlucken nach oben und unterstützen darüber hinaus die Kieferöffnung.

Die Gruppe der tiefen Halsmuskeln bildet die prävertebrale Muskulatur, die sich aus dem Musculus longus capitis, dem Musculus longus colli, dem Musculus rectus capitis anterior und aus dem Musculus rectus capitis lateralis zusammensetzt. Sie können die Halswirbelsäule drehen, bzw. bei beidseitiger Aktion nach vorne beugen, oder den Kopf drehen, zur Seite oder nach vorn beugen.

Daneben kann man noch die Musculi scaleni („Treppenmuskeln“) unterscheiden, die aus Musculus scalenus anterior, medius, posterior und bei manchen Menschen auch aus einem Musculus scalenus minimus besteht. Diese Muskeln wirken als Atemhilfsmuskeln, oder können – wenn die Rippen fixiert sind – die Halswirbelsäule zur Seite oder nach vorne beugen.

Der Musculus sternocleidomastoideus und das oberflächlich gelegene Platysma lassen sich keiner Gruppe zuordnen. Im Nacken liegen außerdem die Nackenmuskeln, die aber zur autochthonen Rückenmuskulatur zählen.

Leitungsbahnen Arterien Durch den Hals ziehen mehrere große Blutgefäße, die teilweise an der Versorgung des Halses beteiligt sind, teilweise aber ohne Versorgungsfunktion zum Gehirn ziehen. Die beiden Gefäße des Halses, aus denen alle weiteren Gefäße abgehen, sind die Arteria carotis communis und die Arteria subclavia. Rechts entspringen diese beiden Arterien aus dem Truncus brachiocephalicus, links direkt aus der Aorta. Die Arteria subclavia zieht nicht zum Hals, gibt aber die Arteria vertebralis ab, die durch Löcher in den Dornfortsätzen der Halswirbel (Foramina transversaria) hinauf zum Schädel zieht. Daneben gibt sie noch den Truncus thyrocervicalis ab, der sich in eine Reihe von Arterien aufteilt, die im Wesentlichen seitliche Strukturen an der Halsbasis versorgen.

Die Arteria carotis communis verzweigt sich in ihrem weiteren Verlauf in die Arteria carotis interna und die Arteria carotis externa, von denen die Arteria carotis interna keine versorgende Funktion für den Hals einnimmt, sondern zum Gehirn zieht. Im Regelfall (50 Prozent) gehen dann aus der Arteria carotis externa die Arteria thyroidea superior, die Arteria lingualis und die Arteria facialis oberhalb der Bifurkation einzeln ab. Von diesen verzweigt sich die Arteria thyriodea superior in weitere Arterien, die den Kehlkopf, die Schilddrüse und den Musculus sternocleidomastoideus versorgen. Außerdem anastomosiert ein Ast der Arteria thyroidea superior – der Ramus infrahyoideus – mit dem Ast der Gegenseite, so dass eine Verbindung der beiden Arterien hergestellt ist. Die Arteria lingualis versorgt hauptsächlich die Zunge und den Mundboden, über ihre Rami dorsales linguae aber auch den Zungengrund und den Kehldeckel.

Weitere Arterien aus der Arteria carotis externa sind die Arteria pharyngea ascendens, die Arteria auricularis posterior, die Arteria occipitalis, die Arteria maxillaris und die Arteria temporalis superficialis, von denen nur die Arteria pharyngea ascendens über ihre Rami pharyngeales einen Teil des Halses versorgt, nämlich Teile des Kehlkopfs.

Venen mini|Halsvenen: Abgebildet sind die Vena jugularis externa (hier: External jugular), die Vena jugularis inter (internal jugular) und die Vena jugularis anterior (Anterior jugular), neben anderen.

Die Venen des Halses sind größtenteils „Durchgangsstraßen“, die das Blut aus dem Kopf zurück zum Herzen führen. Sie verfügen über keine Klappen, sind – da sie oberhalb des Herzens liegen – nur wenig gefüllt und sind normalerweise im Stehen nicht sichtbar. Erst im Liegen beim Gesunden und bei Patienten mit Rechtsherzinsuffizienz auch im Stehen kann man sie erkennen. Die Abflüsse beider Seiten des Halses sind über den Arcus venosus jugularis verbunden. Auf ihn muss bei Tracheotomien wegen der Gefahr von Blutungen geachtet werden. Außerdem sind die Venen untereinander stark anastomosiert, so dass es selbst bei Unterbinden einer größeren Vene nicht zu Blutstauungen kommt.

Die größte Vene des Halses ist die Vena jugularis interna. Sie tritt durch das Foramen jugulare aus der Schädelhöhle heraus und drainiert so das Blut aus dem Gehirn über die venösen Abflüsse der harten Hirnhäute – die Sinus durae matris – und über die Vena facialis, die Vena lingualis, die Vena thyroidea superior und die Venae thyroideae mediae auch Blut aus dem Gesicht und der Schilddrüse.

Die Vena jugularis externa drainiert Blut aus dem oberflächlichen Bereich hinter dem Ohr. Sie verläuft zunächst über der Faszie (Lamina superficialis), aber unter dem Platysma, durchbricht diese dann, um in die Vena subclavia zu münden.

Die Vena jugularis anterior ist variabel ausgebildet und beginnt, wenn sie ausgeprägt ist, unter dem Zungenbein. Sie verläuft nach unten, drainiert Blut aus der vorderen, oberflächlichen Halsregion und mündet zumeist in die Vena jugularis externa. Eine Varietät stellt die unpaare und falls vorhanden ebenfalls von außen sichtbare Vena mediana colli dar.Detlef Kießling, Sabine Stannat: Anatomie am Lebenden. Verlag Jungjohann, Heidelberg 1981, ISBN 3-88454-104-8, S. 37.

Die Vena subclavia verbindet sich schließlich mit der Vena jugularis interna zur Vena brachiocephalica, in die außerdem der Plexus thyroideus impar und die Vena vertebralis mündet. Ebenfalls kann die Vena thyroidea inferior hineinmünden. Der Plexus thyroideus impar ist ein venöses Geflecht, das Blut aus der Schilddrüse drainiert. Aus der Verbindung der linken Vena subclavia und Vena jugularis interna entsteht der linke Venenwinkel, in den der Ductus thoracicus einmündet. Die Vena subclavia rechts und links verbinden sich schließlich zur oberen Hohlvene, die das Blut zum Herzen befördert.

Daneben existiert noch eine Vielzahl weiterer Venen, die jedoch zu variabel auftreten, so dass sie hier nicht genannt werden.

Lymphbahnen