mini|Evangelische Pfarrkirche mini|hochkant|Rathaus Dolgesheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an, die ihren Verwaltungssitz in der Stadt Oppenheim hat.
Geographie Die Gemeinde Dolgesheim liegt an der Gaustraße (Landesstraße 425) mittig zwischen Mainz und Worms. Nächstgelegene größere Stadt ist ca. 10 Kilometer südwestlich Alzey.
Geographisch höchste Erhebung ist der Kreuzberg mit .
Geschichte Die älteste erhaltene Erwähnung, als „Dulgisheim“, stammt vom 5. November 769, und wurde in einer Beurkundung festgehalten, als ein Theo und seine Gattin Unsetz dem Kloster Lorsch zwei Morgen Ackerland „in pago Wormat in Dulgisheimer Mark“ schenkten.Karl Josef Minst: Urkunde 1394, Lorscher Codex III. Lorsch, 1979. Im Kopialbuch des Klosters sind insgesamt 7 Urkunden von Dolgesheim enthalten. Auch das Kloster Otterberg war im Ort begütert.Jürgen Keddigkeit, Michael Werling, Rüdiger Schulz und Charlotte Lagemann: Otterberg, St. Maria. Zisterzienserabtei Otterburg. In: Jürgen Keddigkeit, Matthias Untermann, Sabine Klapp, Charlotte Lagemann, Hans Ammerich (Hg.): Pfälzisches Klosterlexikon. Handbuch der pfälzischen Klöster, Stifte und Kommenden, Band 3: M–R. Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde. Kaiserslautern 2015. ISBN 978-3-927754-78-2, S. 524–587 (538).
Der Vater des Minnesängers Friedrich von Hausen Walther hatte Eigenbesitz in Dolgesheim, Dienheim und Gensingen. In Worms-Ibersheim und Groß-Rohrheim war er Vogt gewesen.
Bis Ende des 18. Jahrhunderts war Dolgesheim reichsritterschaftlicher Besitz der Grafen von Leiningen. Während der sogenannten Franzosenzeit war der Ort Sitz einer Mairie im Kanton Oppenheim, der Teil des Departements Donnersberg war. Zur Mairie Dolgesheim gehörten auch Eimsheim und Wintersheim. Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen VereinbarungenDie Wiener Kongressakte vom 8. Juni 1815, Artikel 47, Entschädigungen des Großherzogthums Hessen und einem 1816 zwischen Hessen-Darmstadt, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region und damit auch die Gemeinde Dolgesheim zum Großherzogtum Hessen(-Darmstadt) und wurde von diesem der Provinz Rheinhessen zugeordnet. Nach der Auflösung der rheinhessischen Kantone kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Mainz, 1852 zum Kreis Oppenheim.
Zwischen 1825 und 1931 brachte der Bau der Gaustraße zwischen Mainz und Worms gute Verbindungen zu den Städten Rheinhessens. Dolgesheim wurde daher auch früh an das Wasser- (1907) und Stromnetz (1913) angeschlossen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte die Gemeinde zur französischen Besatzungszone und kam 1946 zu dem neugebildeten Land Rheinland-Pfalz.
Von 1972 bis 2014 gehörte Dolgesheim der Verbandsgemeinde Guntersblum und seit dem 1. Juli 2014 der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an.
Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Dolgesheim, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen: Jahr Einwohner 1815 417 1835 761 1871 724 1905 726 1939 643 1950 766 1961 679 Jahr Einwohner 1970 754 1987 854 2005 954 2011 905 2017 1.023 2022 977
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Dolgesheim besteht aus zwölf Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem. In der Wahlperiode 2019–2024 bestand der Gemeinderat aus 16 Mitgliedern, die Erhöhung der Sitze war nach rheinland-pfälzischem Wahlrecht durch die vorübergehend über den festgelegten Grenzwert gestiegene Einwohnerzahl Dolgesheims nötig geworden.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD BL Gesamt 2024 per Mehrheitswahl 12 Sitze 2019 per Mehrheitswahl 16 Sitze 2014 7 5 12 Sitze 2009 7 5 12 Sitze 2004 7 5 12 Sitze BL = Bürgerliste Dolgesheim e. V.
Bürgermeister Thomas Held wurde am 1. September 2025 Ortsbürgermeister von Dolgesheim, nachdem er als bisheriger Erster Beigeordneter die Amtsgeschäfte bereits seit Februar geführt hatte. Da für eine am 25. Mai 2025 angesetzte Direktwahl kein Wahlvorschlag eingereicht wurde, oblag die Neuwahl des Bürgermeisters gemäß rheinland-pfälzischer Gemeindeordnung dem Rat, der sich einstimmig für Thomas Held aussprach.
Helds Vorgängerin Sandra Betz hatte das Amt am 26. August 2024 angetreten. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war sie als einzige Bewerberin mit einem Stimmenanteil von 76,1 % für fünf Jahre gewählt worden. Am 27. Februar 2025 legte sie ihr Amt jedoch mit sofortiger Wirkung nieder, wodurch eine Neuwahl erforderlich wurde. Der Vorgänger von Sandra Betz, Klaus Backhaus (Zukunft Dolgesheim e. V.), hatte das Amt am 12. August 2019 übernommen und kandidierte bei der Wahl 2024 nicht erneut. Der zuvor seit 2004 amtierende Michael Schreiber (SPD) war 2019 nicht mehr zur Wahl angetreten.
Wappen
Verkehrsanbindung mini|hochkant|Der »Gaustein« bei Dolgesheim wurde um 1831 zur Erinnerung an den Bau der Gaustraße errichtet. Durch den Ort führte die zwischen 1820 und 1830 angelegte Gaustraße von Mainz nach Worms, welche heute als Ortsumgehung ausgeführt ist. Zwischen Dolgesheim und Hillesheim liegt der Streckenmittelpunkt zwischen den Städten Mainz und Worms an deren Stelle der »Gaustein« errichtet wurde.
Mit den ORN-Buslinien 663 und 668 ist Dolgesheim an die Gemeinden Oppenheim, Guntersblum und Wörrstadt angebunden.Linienfahrpläne des Rhein-Nahe-Verkehrsverbundes
Eine Anbindung mit dem Auto besteht über die Bundesstraße 9 von Oppenheim über Dienheim, Uelversheim und Weinolsheim oder von Guntersblum über Eimsheim. Von der A 61 ist die Gemeinde von der Abfahrt Alzey über Gau-Odernheim und Hillesheim zu erreichen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die evangelische Pfarrkirche (ehem. St. Bonifatius) ist das älteste Gebäude im Ort. Die Grundmauern gehen bis ins 13. Jahrhundert zurück. Nach ihrer Renovierung ist sie ein Kleinod unter den evangelischen Kirchen in Rheinhessen. Mitten im Ort, in der Gaustraße, steht das 1594 erbaute Rathaus. Auf dem Kreuzberg wurde in jüngerer Zeit ein Feldkreuz errichtet. Ehemalige Synagoge, erbaut 1852
Siehe auch: Liste der Kulturdenkmäler in Dolgesheim
Literatur Karl Johann Brilmayer: Rheinhessen in Vergangenheit und Gegenwart, Gießen 1905, S. 107–108.
Siehe auch Dolgesheimer Mord
Weblinks
Internetpräsenz der Ortsgemeinde Dolgesheim Geschichte von Dolgesheim auf regionalgeschichte.net
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Mainz-Bingen Kategorie:Ort in Rheinhessen Kategorie:Weinort in Rheinland-Pfalz Kategorie:Ersterwähnung 769