mini|150px|Wappen des Kölner Erbvogts mini|150px|Conrad Grünenberg, Wappen „Graue von Nuwenar“ als Kölner Erbvogt, um 1480/85 (Kopie von 1602/04) Die Kölner Erbvogtei war ein kurkölnischer Verwaltungs- und Gerichtsbezirk, der zuletzt als Unterherrschaft dem Amt Hülchrath zugeordnet war. Der Kölner Erbvogt war ursprünglich als Stadtvogt einer der weltlichen Vertreter des Erzbischofs in der Stadt Köln. Er war als Gerichtsherr neben dem Burggrafen der höchste landesherrliche Ministeriale in Köln. Mit der Emanzipation der Stadt Köln zur Reichsstadt verlor er an Bedeutung. Ein erbvogteiliches Gericht blieb allerdings bestehen.
Geschichte Vögte () wurden im Erzstift beziehungsweise der Stadt Köln schon im 10. Jahrhundert erwähnt. Im 11. Jahrhundert gab es zwei Vögte. Der eine war der Stiftsvogt (in den Quellen unter anderem als , , bezeichnet). Die Erzbischöfe vergaben dieses Amt häufig an regionale Dynasten. Als Stiftsvögte fungierten die Grafen von Saffenberg und später die Grafen von Sayn. Ihre Aufgabe war die weltliche Wahrung der Interessen und der Schutz des Erzstifts. Ihre tatsächliche Bedeutung war indes relativ gering.
Davon zu unterscheiden ist der Stadtvogt (, , ). Später wurde er vorwiegend Erbvogt () genannt. Dieser vom Erzbischof ursprünglich ernannte Stadtvogt als Vertreter des Landesherren und Vorsitzender des Gerichts in Köln hatte einen aus der Bürgerschaft stammenden Stellvertreter. Der Stadtvogt selbst kam aus den erzbischöflichen Ministerialen beziehungsweise später aus dem Adel ().
Anfangs wurde der Stadtvogt jährlich am Margarethentag (13. Juli) neu ernannt.Vgl. – auch zum Folgenden – Anton Fahne: Geschichte der Grafen, jetzigen Fürsten zu Salm-Reifferscheid, sowie ihrer Länder und Sitze, nebst Genealogie derjenigen Familien, aus denen sie ihre Frauen genommen, Bd. I/2. J. M. Heberle, H. Lempertz, Köln 1866, S. 7f und 10 (Google-Books). Spätestens seit 1189, als Erzbischof Philipp einen Streit zwischen dem Burggrafen und dem Stadtvogt schlichtete, war das Amt erblich und der Inhaber Lehnsmann des Erzbischofs. Auch nach der Entmachtung der Erzbischöfe in Bezug auf ihre Rechte in der Stadt und Entwicklung der Stadt Köln zur Reichsstadt blieben die Vögte als Gerichtsherren mit beschränkten Rechten bischöfliche Funktionsträger in der Stadt.
Ein erbvogteiliches Gericht befand sich am Eigelstein. Mit dem Amt verbunden war ein Lehenshof und der Sitz im kurkölnischen Landtag. Der Hof der Erbvogtei war schon 1262 von dem Erbvogt Rütger angekauft worden. Er war frei von allen Lasten und war der älteste Rittersitz in dem neuen Vorstadtbezirk, der außerhalb der noch teilweise vorhandenen Römermauern der mittelalterlichen Stadt lag.
Die Erbvogtei war bis ins 14. Jahrhundert hinein im Besitz des Hauses Heppendorf. Im Jahr 1373 fiel es an den Erzbischof als heimgefallenes Lehen zurück und wurde möglicherweise zeitweise erneut an das Haus Heppendorf verliehen, ehe das Amt an das Haus Neuenahr kam. Von Adolf von Neuenahr kam es über seine Schwester Magdalena an Arnold von Bentheim-Tecklenburg. Allerdings wurde dies durch Kurfürst Ernst von Bayern bestritten, war Adolf doch ein Gefolgsmann des zum Protestantismus übergetretenen und abgesetzten Erzbischofs Gebhard I. von Waldburg. Daher zog Ernst das Lehen 1612 ein, ohne dass die Erben der letzten Inhaber dies anerkannt hätten. Für diese setzten sich die Niederlande ein. Diese drohten sogar mit Krieg. Erst unter Kurfürst Ferdinand kam es mit Zustimmung des Domkapitels zu einem Vergleich. Nach 1658 wurden die Rechte des Hauses Bentheim anerkannt. Diese verpfändeten das Amt 1670 an Franz Egon und Hermann Egon von Fürstenberg und diese ihrerseits verpfändeten es an Thomas und Gottfried Quentel. Weil diese sich aber in dem Kölner Bistumsstreit auf die Seite des unterlegenen Wilhelm Egon von Fürstenberg-Heiligenberg stellten, wurde ihr Besitz konfisziert und das Lehen erneut eingezogen und nicht wieder vergeben, obwohl das Haus Bentheim dies bestritt. Erst durch Verträge aus den Jahren zwischen 1728 und 1778 erhielt das Haus Bentheim-Tecklenburg den Titel Erbvogt und damit einen Sitz auf der Grafenbank des kurkölnischen Landtages zurück.Hermann Schaub: Die Herrschaft Rheda und ihre Residenzstadt. Bielefeld, 2006 S. 90 Die Herrschaft mit den Gerichten in Köln verblieb aber dem Kurfürsten.Wilhelm Fabricius: Erläuterungen zum geschichtlichen Atlas der Rheinprovinz, 2. Band: Die Karte von 1789. Bonn 1898, S. 77, 101.
Vögte und (ab 1169) Erbvögte mini|100px|Wappen der Gemeinde Heppendorf mini|100px|Wappen der ehemaligen Stadt Rheydt Hermann I. (III.) von Heppendorf, Herr von Rheydt (* um 1070/1100; † nach 1158),Vgl. Ludwig Schmitz-Kallenberg: Rheydter Chronik. Geschichte der Herrschaft und Stadt Rheydt, Bd. I Aeußere Geschichte Rheydts. Langewiesche, Rheydt 1897, S. 10–15 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf). 1124–1125 und 1139–1158 als Erbvogt erwähnt Gerhard I. von Heppendorf, Herr von Rheydt († nach 1190), 1159–1190 Erbvogt, besaß die Kölner Vogtei seit 1169 durch Verleihung Erzbischofs Philipp I. von Heinsberg als erbliches Lehen Hermann II. (IV.) von Heppendorf, Herr von Rheydt (* um 1150/60; † 1234/35), 1190–1230 Erbvogt, verheiratet mit Agnes von Linnep (* um 1160), Tochter des Konrad von Linnepe Gerhard II. von Heppendorf, Herr von Rheydt (* um 1180/90; † 1259), 1230–1259 Erbvogt, verheiratet mit Mechtild von Brempt († um 1256), Tochter des Rutger I. von Brempt Rüdiger I. von Heppendorf (* um 1212; † 1268), 1259–1268 Erbvogt, verheiratet mit seiner Cousine Gertrudis von Schinnen († nach 1264) von Riehl, Tochter des Gerhard II. van Schinnen (* um 1180; † nach 1253) und der Juliana von Heppendorf († nach 1240); Rüdiger I. und sein Bruder Wilhelm von Heppendorf, Herr zu Rheydt, fielen in der Schlacht an der Ulrepforte mini|100px|Wappen der Gemeinde Alpen (Niederrhein); ähnlich Gemeinde Herbede (früherer Burgmannensitz der Familie Heppendorf-Elberfeld) Gerhard III. (VI.) von Heppendorf († um 1318), 1268–1318 Erbvogt, in erster Ehe um/vor 1278 verheiratet mit einer Elisabeth N. († um/vor 1294)Historisches Archiv der Stadt Köln Bestand 1 (HUA) U1/442 und U1/589: Gemeinsamer Pachtbrief des Ehepaares vom 20. Dezember 1278. und in zweiter Ehe mit Kunigunde von Alpen (* um 1250; † nach 1294), Tochter des Heinrich IV. von Alpen (* um 1230; † 1274) und der Kunigunde von Wickrath († nach 1271) Rüdiger (Rutger) II. (III.) von Heppendorf († 1344/49),Vgl. Manfred Wolf: Der Streit um die Verpfändung Alpens. In: Hans-Georg Schmitz (Hrsg.): Alpen. Festbuch zur 900-Jahr-Feier. o. O. o. J. [Büderich 1974], S. 20–30, bes. S. 30; Heike Hawicks: Die Vögte zu Köln bzw. Grafen von Neuenahr, Herren zu Alpen. In: dies.: Xanten im späten Mittelalter. Stift und Stadt im Spannungsfeld zwischen Köln und Kleve. (Rheinisches Archiv 150). Böhlau, Köln / Weimar / Wien 2007, S. 345. Pfandherr zu Alpen, 1318–1344/49 Erbvogt, verheiratet mit Alveradis (Alurait) von Garsdorf († 1357), wahrscheinlich eine Tochter des Gumprecht von ReifferscheidAnnaliese Ohm (Bearb.): Kreis Bergheim, Bd. I. (Die Denkmäler des Rheinlandes 15). Schwann, Düsseldorf 1970, S. 46.-Garsdorf († um 1351)Thomas R. Kraus (Bearb.): Regesten der Reichsstadt Aachen, Bd. VI. (Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 47). Droste, Düsseldorf 2008, S. 214f. Gerhard IV. (VII.) von Alpen († 1357/59), 1350–1357/59 Erbvogt,Urkunden vom 23. Oktober 1351, 6. Januar und 19. Juli 1353; Historisches Archiv der Stadt Köln (Bestand 1037 Raitz von Frentz (Familie), Hausarchiv Haus Schlenderhahn, A 39/3; Bestand 271 Weiße Frauen, U 2/102; Bestand 1 Haupturkundenarchiv, U 1/2072). verheiratet mit Guda (Guytgin) van Broeckhuysen van Swalme († nach 1378),Eintrag vom 16. Juli 1359; Historisches Archiv der Stadt Köln (Best. 101 Schreinsbücher, Hacht, A 413, Bl. 60). Sie ⚭ II. Jacob V. van Mirlaer († 1373). Tochter des Seger (Sigerius) Voske van Broeckhuysen van Swalmen († nach 1347) Gumprecht (Guptas) I. von (Heppendorf-)Alpen (Alpeym) und Garsdorf († um 1381), 1357/59–1379/80 Erbvogt, Bruder des Vorherigen, verheiratet mit Elisabeth von der Mark, einer Tochter des Grafen Adolf II. von der Mark, erhielt 1356 von Sophie von Moers († 1366), der Witwe seines Onkels Heinrich von Reifferscheid-Garsdorf († 1353/56), die Herrschaft Garsdorf,Walther Bösken: Beiträge zur Geschichte der ehemaligen Herrschaft Alpen. (Veröffentlichungen des historischen Vereins für Geldern und Umgegend 9). Chr. Ed. Müller, Geldern 1902, S. 26f. seit 1371 in Fehde mit Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden, der 1372/73 Garsdorf, Merzenich und Rösberg eroberte. 1373 wurde der Erbvogt abgesetzt,Vgl. Theodor Joseph Lacomblet (Bearb.): Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, Bd. III Von dem Jahr 1301 bis 1400 einschliesslich. Schaub, Düsseldorf 1853, Nr. 748, S. 642f (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Bonn) bestätigt 1374 durch Kaiser Karl IV.,Vgl. Regest vom 11. November 1374, Mainz; Regesta Imperii VIII, Nr. 5424. 1374 bis 1378 war er in Godesberg in Haft, dann wurde er mit der Erbvogtei wiederbelehntVgl. Prozessakten, 1169–1626; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland Duisburg (Reichskammergericht, Teil VI, M-O, 4078 – Az. N 306/897); Urkunden vom 28. Juli 1371 und 31. Juli 1378; Regesten bei Günter Aders (Bearb.): Urkunden und Akten der Neuenahrer Herrschaften und Besitzungen Alpen, Bedburg, Hackenbroich, Helpenstein, Linnep, Wevelinghoven und Wülfrath sowie der Erbvogtei Köln. (Inventare nichtstaatlicher Archive 21). Landschaftsverband Rheinland, Köln 1977, Nr. 28, S. 14, Nr. 337, S. 106, und Nr. 358, S. 114.