Verbindungshaus 300px|Verbindungshaus der Burschenschaft Germania Basisdaten Hochschulort: Eberhard Karls Universität Tübingen, Deutschland Gründung: 12. Dezember 1816 in Tübingen Kartell: Süddeutsches Kartell Waffenring: Tübinger Waffenring (TWR) Farben: schwarz-gold-rot von unten Wahlspruch: Ehre – Freiheit – Vaterland Webseite: www.bixier.de
Die Burschenschaft Germania Tübingen (B! Germania) ist eine schlagende und farbentragende Studentenverbindung an der Eberhard Karls Universität Tübingen. Sie ist die älteste Burschenschaft in Tübingen und eine der ältesten Burschenschaften überhaupt. Ihre Mitglieder werden oft als BixiersDer Spitzname stammt von einem Kneiplokal, der Tübinger Büchsenkneipe. Nach Theodor Heuß: Aufbruch im Kaiserreich: Briefe 1892–1917, S. 104 (Fußnote). oder Eckgermanen bezeichnet.
Geschichte
In Tübingen gab es mehrere Verbindungen, deren Mitglieder sich später an der Gründung der Germania beteiligen sollten. Hans-Georg Balder nennt die Verbindungen Romantica (17. Januar 1813, blau-weiß-schwarz), Teutonia (19. November 1814, grün-blau-weiß) und Concordia (8. Dezember 1816, schwarz-blau).Hans-Georg Balder: Die Deutsche(n) Burschenschaft(en) – Ihre Darstellung in Einzelchroniken. Insbesondere die Teutonia verfolgte bereits früh burschenschaftliche Zielsetzungen, weswegen der spätere radikale Burschenschafter Karl Ludwig Sand mit Studienbeginn 1814 dort eintrat.
Am 12. Dezember 1816Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 110. gründeten 57 Tübinger Studenten die Burschenschaft Arminia mit den Farben Schwarz-Blau. Gründungsvorsitzender war Jacob Friedrich Habermaas. Nach dem Wartburgfest 1817 schloss sie sich der Allgemeinen Deutschen Burschenschaft an. Die Arminia wurde im November 1817 aufgelöst, im April 1818 jedoch wieder eröffnet. In diese Zeit datiert auch der Wechsel zum Namen Germania und zu den Farben Schwarz-Rot mit goldener Percussion. Im Herbst 1819 wurde die Germania von den Behörden aufgelöst. 1824 wechselte man zur Bezeichnung Brauchverbindung oder Commentburschenschaft. Aus dieser Verbindung entstand 1831 das Corps Suevia Tübingen. Bereits 1828 spalteten sich aus der Commentburschenschaft die Tübinger Feuerreiter (Farben Schwarz-Blau) ab. Es folgte eine Concordia (1829 bis 1831, blau-rot-gold). Daraus entstand wieder eine Germania mit den Farben Schwarz-Gold-Rot, die von 1831 bis 1833 existierte. 1832 spaltete sich hieraus eine Gesellschaft der Patrioten – ein Vorläufer der späteren Verbindung Normannia Tübingen – ab.
Danach eine Giovannia (1835 bis 1836). Ihnen folgte 1837 die Eiferteigesellschaft, die sich später Germania und dann 1839 Gesellschaft der Schwertbrüder nannte. 1840 eröffnete die Germania erneut, die bis 1853 lebte, als sie verboten wurde. Sie existierte weiter als Normannia (schwarz-weiß-blau) und Tubingia (blau-weiß-gold). 1862 wurden wieder die Farben schwarz-gold-rot eingeführt und 1865 folgte die endgültige Umbenennung in Germania.
Ab 1896 nahm die Germania keine Juden mehr auf.Sonja Levsen: Elite, Männlichkeit und Krieg: Tübinger und Cambridger Studenten 1900–1929. Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd. 170; Diss. Univ. Tübingen 2004/05; Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-35151-2, S. 166 Anm. 200 1904 gab es eine Entschließung Tübinger Verbindungen, Mitgliedern jüdischer Korporationen keine Satisfaktion mehr zu geben.Sonja Levsen: Elite, Männlichkeit und Krieg: Tübinger und Cambridger Studenten 1900–1929. Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd. 170; Diss. Univ. Tübingen 2004/05; Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-35151-2, S. 167 1919 trat die Tübinger Germania mit dem Antrag hervor, „Juden und Abkömmlingen von Juden“ künftig die Aufnahme in die Deutsche Burschenschaft zu verwehren.Sonja Levsen: Elite, Männlichkeit und Krieg: Tübinger und Cambridger Studenten 1900–1929. Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft Bd. 170; Diss. Univ. Tübingen 2004/05; Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 978-3-525-35151-2, S. 343
mini|Die Germania als Mitglied der Deutschen Burschenschaft (1915)
1905 kam der erneute Plan eines interkorporativen Zusammenschlusses der Tübinger Verbindungen auf, nachdem die letzte Organisation 1891 aufgelöst wurde.Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1996. ISBN 3-7995-3236-6. S. 143ff. Allerdings wurden vor dem Hintergrund des akademischen Kulturkampfs und der Frage der Gleichberechtigung der katholischen Verbindungen von den Corps, Schottland, Ghibellinia, Ulmia, Igel, Saxonia, Stuttgardia, Virtembergia und dem VDSt ein zweiter Studentenausschuss gegründet, da sie den mehrheitlich angenommenen Vorschlag der Germania ablehnten, wonach alle Verbindungen gleichberechtigt sein sollten.Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-3236-6, S. 210. 1907 entstand dann mit dem „Ausschuss Vereinigter Tübinger Korporationen“ eine gemeinsame Organisation, nachdem die katholischen Verbindungen Guestfalia, Alamannia und Unitas-Cheruscia durch Beiträge in der überregionalen Presse (Schwäbischer Merkur, Germania und Kölnische Zeitung) ihre vaterländische Haltung betont und zugleich Kritik an den von der Zentrumspartei dominierten Katholikentagen geäußert hatten.Alfred Vollmar: Geschichte der akademischen Verbindung Guestfalia zu Tübingen von 1859–1909. Ulm 1909, S. 215 Über ihre Verbindungen waren etwa zwei Drittel der Studenten in dem Ausschuss vertreten.Martin Biastoch: Tübinger Studenten im Kaiserreich. Eine sozialgeschichtliche Untersuchung. Jan Thorbecke Verlag, Sigmaringen 1996, ISBN 3-7995-3236-6, S. 211.
Im Wintersemester 1930/31 hatte die Germania 430 Alte Herren, 60 Inaktive und 24 Aktive.
Nach der Machtübernahme der NSDAP trat die Germania 1935 in die Alte Burschenschaft ein. Später wurde zusammen mit der Tübinger Königsgesellschaft Roigel die Kameradschaft Ludwig Uhland gegründet. Im Zweiten Weltkrieg fielen 79 Germanen.
Nach dem Krieg wurde die Kameradschaft unter der Bezeichnung Tubingia bis 1949 weitergeführt, als sich Germania und Roigel wieder trennten. Bei der Wiedergründung der Deutschen Burschenschaft war die Germania dabei, 1973 trat sie wieder aus.
Couleur Burschen und Füxe tragen ein Band in den Farben schwarz-gold-rot (von unten) mit goldener Perkussion. Die Reihenfolge der Farbnennung „von unten“ ist für Hochschulstädte außer Jena, Halle und Leipzig ungewöhnlich. Als Kopfcouleur wird eine rote Schlappmütze getragen. Die Chargierten tragen schwarze Pekeschen.
Verbindungshaus mini|Germanen 1909 auf der Neckarbrücke in Tübingen; Foto von Julius Wilhelm Hornung Das erste Korporationshaus der Germania, 1896 zum 80. Stiftungsfest eingeweiht, wurde als Bierkirchle bezeichnet. Es wurde 1930 bis 1931 von Paul Schmitthenner durch ein größeres Haus ersetzt.
Das Haus der Germania liegt am Fuß des Österbergs an der Neckarbrücke. Die Bezeichnung als Eckgermanen rührt von der Lage des Hauses am Eck Gartenstraße/Mühlstraße und dient zur Unterscheidung von den Straßengermanen, der Alten Straßburger Burschenschaft Germania in Tübingen.
Verhältnisse Die Tübinger Germania gehört zum Süddeutschen Kartell, dem ältesten burschenschaftlichen Kartell. Ein Freundschaftsverhältnis besteht außerdem zur Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum.
Bekannte Mitglieder
Zu den Mitgliedern der Germania gehören und gehörten zahlreiche Personen aus Politik, Wirtschaft und Kultur. So gehörten mindestens 21 Mitglieder des Paulskirchenparlaments zur Tübinger Germania und ihren Vorgängerverbindungen. Heinrich von Abel (1825–1917), Jurist und Oberbürgermeister von Ludwigsburg Otto Abel, Historiker Walther Albrecht (1881–1960), Mediziner Walter Alwens (1880–1966), Internist Friedrich Ammermüller, Mediziner, Unternehmer, Publizist und Politiker Berthold Auerbach, Schriftsteller Ludwig August von Autenrieth (1802–1872), Direktor der Kreisregierung des Schwarzwaldkreises Erwin Bälz (1849–1913), Internist, Anthropologe und Leibarzt der Kaiserlichen Familie von Japan Karl von Bälz (1860–1945), württembergischer Jurist und Präsident des württembergischen Kultusministeriums Edward Banks (1836–1883), Anwalt und Politiker, Mitglied des Reichstages Charles Beck (1798–1866), deutsch-amerikanischer Philologe und Theologe, Professor in Harvard, Mitglied des Repräsentantenhauses von Massachusetts Max Becker (1848–1896), Jurist und Verwaltungsbeamter Christian Behm (1831–1893), Rechtsanwalt und Politiker, Mitglied des Reichstags des Deutschen Kaiserreichs Anton von Bek (1807–1887), württembergischer Landtagsabgeordneter, Richter Friedrich Bering (1878–1950), Dermatologe und Hochschullehrer Franz Xaver Biegger (1801–1839), Mitglied der Württembergischen Landstände Georg Bernhard von Bilfinger (1798–1872), württembergischer Oberamtmann (Balingen, Waldsee, Hall) Paul von Bockshammer (1834–1923), Jurist und Politiker, Abgeordneter des Württembergischen Landtags German von Bohn (1812–1899), Maler Friedrich von Brackenhammer, evangelischer Theologe Max Brandes (1881–1976), Orthopäde Wilhelm August von Breitling (1835–1914), Jurist und Politiker, württembergischer Ministerpräsident Hans Breymann (1873–1958), Rechtsanwalt, Notar und Genealoge Otto von Buhl (1842–1921), württembergischer Landtagsabgeordneter Paul Burger (1887–1947), Politiker (DVP), Abgeordneter im Württembergischen Landtag Conrad Bursian (1830–1883), klassischer Philologe und Geographiehistoriker Wilhelm Büsing (1854–1932), Reichsgerichtsrat Ernst Camerer (1836–1919), Rechtsanwalt und Vereinsfunktionär Karl von Camerer (1801–1863), Stadtschultheiß von Reutlingen, Abgeordneter des Württembergischen Landtags Wilhelm Camerer (1842–1910), Arzt und Physiologe Gustav Conz (1832–1914), Maler, Zeichner, Zeichenlehrer und Kunsthistoriker Rudolf Criegee, Chemiker Ferdinand Christoph von Degenfeld-Schonburg (1802–1876), württembergischer Diplomat und Gesandter Gottlob Dill (1885–1968), Jurist, württembergischer Ministerialbeamter und SS-Oberführer Rudolph Dohrn (1836–1915), Gynäkologe Johann Jakob Christian Donner (1799–1875), Übersetzer antiker griechischer und lateinischer Dichter Gustav Drautz (1887–1957), Oberamtmann im Oberamt Backnang Gustav Wilhelm Dreyer (1859–1911), Bremer Senator Rudolf Drost (1892–1971), Ornithologe Gustav von Duvernoy, Jurist, Privatgelehrter und liberaler Politiker Hermann Ebner (1896–1964), Politiker, Oberamtmann und Landrat Robert Ebner (1831–1894), Mitglied der Zweiten Kammer der Württembergischen Landstände Karl von Ege (1837–1899), Reichsgerichtsrat Max Eifert (1808–1888), Pfarrer, Heimatforscher und Schriftsteller Theodor Eimer (1843–1898), Zoologe und Vergleichender Anatom Gustav von Elben, Jurist und Politiker Ernst Elsenhans, Revolutionär der Märzrevolution 1848/1849 Eduard Elwert (1805–1865), Professor der Theologie in Zürich und Tübingen Theodor Eschenburg, Politikwissenschaftler und Staatsrechtler Hans Faber (1910–2004), Jurist und Funktionär des Alpenvereins Hans Carl Federath, preußischer Landrat, Besitzer mehrerer Eisenhütten David Fischer, Verwaltungsjurist Berthold von Fetzer (1846–1931), Generalarzt à la suite sowie Leibarzt der beiden letzten württembergischen Könige Carl August Friedrich Fetzer, württembergischer Politiker, Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung Walther Flemming (1843–1905), Biologe Franz Fraas (1802–1877), Politiker, Landtagsabgeordneter Gottfried Franz, österreichischer Pfarrer und Superintendent Emil Freyburger (1825–1899), Schriftsteller Christian von Frisch, Pädagoge, Gelehrter und Politiker Ludwig Friedrich Gaab (1800–1869), württembergischer Baurat Robert von Gaupp, württembergischer Staatsrat und Landtagsabgeordneter Theodor Georgii, Protagonist der deutschen Turnbewegung Theodor von Gessler, Jurist und Politiker