Boris Pilato (* 6. Mai 1914 in GörzUwe Steffen, in: Pipers Enzyklopädie des Musiktheaters, Index (1997), S. 552. oder Marburg an der DrauDeutsches Bühnen-Jahrbuch, 106, 1998, S. 844. So auch mehrfach die Angabe in Essener Zeitungen.; † 7. Juni 1997 in EssenDeutsches Bühnen-Jahrbuch, 106, 1998, S. 844.) war ein Tänzer, Choreograf, Ballettdirektor und Opernregisseur aus dem Friaul oder Slowenien.

Leben und Werk Pilato war nach einer klassischen Ausbildung am Konservatorium in Laibach sowie in Belgrad zunächst als Solotänzer aktiv und wirkte als solcher u. a. in BelgradHier trat er im Narodno pozorište u Beogradu auch noch vor dem jugoslawischen König Alexander (1888–1934) auf., Graz, ParisAuftritte u. a. mit der Mistinguett und im Théâtre Mogador. Pilato verkehrte damals im Umkreis von Strawinsky, Serge Lifar und Colette, auch im frühen Tonfilm trat er auf, vgl. WAZ, 4. Mai 1994., München, Danzig, Berlin, Baden bei Wien, Salzburg, Innsbruck. Nach Abschluss seiner aktiven Tänzerkarriere (in Biel)Uraufführungsbeleg vom 17. Januar 1948: “Im Stadttheater […] wird das von Kapellmeister Richard Langer komponierte Ballett «Die spanische Rhapsodie» uraufgeführt. Es tanzen die Solisten Erna Mohar, Boris Pilato, Anton Vujanic, Edith Tolnay und Maria Schmid.” Vergl. Liselotte Lefert-Weibel: Bieler Chronik 1948 Nachtrag. wirkte er langjährig – überwiegend in Zusammenarbeit mit Anton VujanicAnton Vujanic (* 19. November 1905; † 7. Mai 1982 in Essen) u. a. Partner von Mia Slavenka, Solotänzer in Leipzig, (Auftritte mit der Gsovsky), eng befreundet mit Mary Wigman. – als Choreograph, Opern- und OperettenregisseurZuletzt 1978 in Essen Ero der Schelm seines Landsmannes Jakov Gotovac. sowie Ballettdirektor in BonnHier choreographierte er 1953 im Ersatztheatersaal des Bürgervereins die erste deutsche Nachkriegs-Giselle nach dem Original von Coralli und Perrot., Lübeck, Gelsenkirchen, Essen (unter den Intendanten Erich Schumacher, Jürgen Dieter Waidelich und Ulrich Brecht) sowie Dortmund.

Pilato galt in den 1950er Jahren wie Tatjana Gsovsky, Wacław Orlikowski, Erich Walter und andere als Pionier der Moderne im klassischen Ballett. Er erarbeitete weit über 200 Choreographien (darunter mehr als vierzig in Essen), dies sowohl auf zeitgenössische Musik (darunter auch eine ganze Reihe von Musik-Uraufführungen) als auch neue Choreographien für die großen klassischen Handlungsballette.

Zu den wichtigsten Protagonistinnen seiner Truppe gehörten im Laufe der Jahre u. a. Vanja Bourgoudjieva, Yvette Chauvire, Renate Deppisch, Jeane Ingels, Ute Lichtenthäler, Vjera Markovic, Annemarie Nickisch, Christa Piroch, Michèle Poupon, Adele Zurhausen. Zu den wichtigsten männlichen Tänzern, mit denen er langjährig zusammenarbeitete, gehörten die Solotänzer Uwe EversUwe Evers (* 26. März 1941, † 9. September 2010) erhielt 1962 den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. , Eugeniusz JakubiakEugeniusz Jakubiak (1936–1990), zuvor an der Schlesischen Oper., Rainer KöchermannRainer Köchermann (* 1930; † 28. Oktober 2004)., der nachmalige Berliner Ballettchef Gert Reinholm, Ulrich Röhm, Janez Samec und Henk van der Veen.

Zu der mit Ruhr-Bischof Franz Hengsbach erörterten Veröffentlichung seiner Memoiren unter dem Titel „Wir tanzten als der Himmel brannte“Vgl. WAZ, 4. Mai 1994. ist es dann nicht mehr gekommen.

Choreographische Arbeiten (Auswahl) Uraufführungen nach Konzertmusik Boléro (Essen 1967), Musik von Maurice Ravel Symphonie en ut majeur (Essen 1968), Musik von Georges Bizet Symphonie classique (Essen 1972), Musik von Sergei Prokofjew Erste Sinfonie (Essen 1972), Musik von Dmitri Schostakowitsch Eine kleine Nachtmusik (Essen 1967), Musik von Wolfgang Amadeus Mozart Neuchoreographierte Klassische Handlungsballette und sonstige Handlungsballette (Uraufführungen) Giselle (Bonn 1953), Musik von Adolphe Adam, später wie die meisten frühen Choreografien noch mehrfach neu erarbeitet Les demoiselles de la nuit (Essen 1967), Musik von Jean Françaix Joan und Zarissa (Essen 1967), Musik von Werner Egk Apollon und Daphne (Essen 1967), Musik von Hermann Naß Romeo und Julia (Essen 1968), Musik von Sergei Prokofjew Der Mohr von Venedig (Essen 1969), Musik von Boris Blacher Der Teufel im Dorf (Essen 1970), Musik von Fran Lhotka Abbandonate (Essen 1970), Musik von Milko Kelemen Hamlet (Essen 1972), Musik von Boris Blacher Der verdorrte Zweig (Essen 1972), Musik von Milko Kelemen Cinderella (Essen 1974), Musik von Sergei Prokofjew Johanaan (Essen 1975), Musik von Josep Fribec Der Feuervogel (Essen 1975), Musik von Igor Strawinsky Coppélia (Essen 1976), Musik von Léo Delibes Schwanensee (Essen 1976), Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski Orpheus (Essen 1976), Musik von Igor Strawinsky Le sacre du printemps, Musik von Igor Strawinsky Abraxas (Essen 1977), Musik von Werner Egk Dornröschen (Essen 1978), Musik von Pjotr Iljitsch Tschaikowski Medea (Essen 1978), Musik von Kresimir Fribec Petruschka (Essen 1979), Musik von Igor Strawinsky Il combattimento di Tancredi e Clorinda (Essen 1979), Musik von Claudio Monteverdi El amor brujo (Der Liebeszauber) (Essen 1979), Musik von Manuel de Falla Auferstehung (Essen 1980), Musik von Peter Baberkoff Carmina burana (Essen 1980), Musik von Carl Orff

Auslands-Gastspiele der Pilato-Truppe 1968 Luxemburg 1970 Barcelona 1976 Teheran Talar-e Rudaki 1970 Barcelona mit der Tannhäuser-Produktion (Venusberg) der Essener Oper 1979 Finnland

Fernsehaufzeichnungen 11. März 1960: Orpheus, Ballett in drei Szenen mit Musik von Strawinsky (Klavierauszug von Leopold Spinner), Choreographie: Boris Pilato.Fernsehen des NDR. Besetzung: Orpheus – Reinholm, Eurydike – Yvette Chauvire, Evers – Schwarzer Engel. 10. Oktober 1960: Paolo und Francesca nach Dante, Ballett mit Musik von Tschaikowski, Choreographie: Boris Pilato.Die Zeit, 7. Okt. 1960 Nr. 41. 1981: Pilato-Matinée, in Hier und heute im WDR. Privates Verheiratet war Pilato mit der slowenischen Primaballerina Erna Mohar (* 13. Mai 1905 in Laibach; † 1972), die wiederum in erster Ehe mit Alois Vodischek verheiratet war.

Literatur Franz Feldens: 75 Jahre Städtische Bühnen Essen Geschichte des Essener Theaters 1892–1967. Rheinisch-Westfälische Verlagsgesellschaft, 1967. Helga Mohaupt, Rudolf Majer-Finkes: Das Grillo-Theater: Geschichte eines Essener Theaterbaus. 1892–1990; mit Dokumentation von Rudolf Majer-Finkes; Bonn: Bouvier, 1990, ISBN 3-416-80661-1 Jürgen Dieter Waidelich: Essen spielt Theater: 1000 und einhundert Jahre; zum 100. Geburtstag des Grillo-Theaters. Bd. 1 (1992) und Bd. 2 (1994), ECON-Verlag, ISBN 3-430-19454-7 Hans-Theodor Wohlfahrt: Ein Künstler aus Leidenschaft : Boris Pilato zum 80. Geburtstag. In: Ballett-Journal/Das Tanzarchiv. Jg. 42 (Juni 1994), Nr. 3, S. 60–63. Illustr., Porträt. Felix Grützner: Tanzen wider die Resignation: zum Tod von Boris Pilato (1914 bis 1997). In: Ballett-Journal/Das Tanzarchiv. Jg. (Okt. 1997) 45, Nr. 4, S. 58–59. Porträt. Boris Pilato und das Ballett in Essen ’67-’81 (mit einem Vorwort von Käthe Flamm), Essen 1981.

Weblinks Seite zu Boris Pilato beim Deutschen Tanzarchiv Köln. Abbildung als Tänzer Adele Zurhausen über Boris Pilato

Einzelnachweise

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