Weiße Monumente von Wladimir und Susdal (, ) ist eine Sammelbezeichnung für acht zum Welterbe der UNESCO gehörende weißsteinerne Denkmäler der altrussischen Baukunst in der Oblast Wladimir. Die aus hellem Kalkstein errichteten Bauten aus dem 12. und 13. Jahrhundert sowie eine Klosteranlage aus späterer Zeit gehören zu den herausragenden Zeugnissen der Baukunst in der Kiewer Rus.

Historischer Hintergrund Die Monumente entstanden in der Blütezeit des Fürstentums Wladimir-Susdal, das im 12. und frühen 13. Jahrhundert nach dem Niedergang Kiews zum politischen und kulturellen Zentrum der Kiewer Rus aufstieg. Unter den Fürsten Andrei Bogoljubski und Wsewolod III. („Großes Nest“) wurde Wladimir zur großfürstlichen Residenz ausgebaut. Die Bauten orientierten sich an byzantinischen Vorbildern, entwickelten aber mit hellem Kalkstein und reicher Bauplastik eine eigenständige regionale Formensprache. Mit dem Mongolensturm 1238 endete die Vorrangstellung des Fürstentums, doch seine Architektur wirkte stilbildend für das spätere Großfürstentum Moskau.

Liste der Welterbe-Monumente Die acht Denkmäler verteilen sich auf die vier Orte Wladimir, Susdal, Bogoljubowo und Kidekscha im zentralen Russland, etwa 200 Kilometer nordöstlich von Moskau entlang der Flüsse Kljasma und Nerl.

UNESCO-ID Name Ort Bauzeit Beschreibung Foto 633-001 Mariä-Entschlafens-Kathedrale Wladimir() 1158–1160 Die Kathedrale wurde 1158–1160 unter Fürst Andrei Bogoljubski errichtet und diente als Vorbild für die gleichnamige Kathedrale im Moskauer Kreml. Berühmt ist sie für ihre Fresken von Andrei Rubljow aus dem 15. Jahrhundert. 100px 633-002 Goldenes Tor Wladimir() 1158–1164 Das Goldene Tor war das westliche Haupttor der Wladimirer Stadtbefestigung und diente als Wehrbau und Triumphpforte. Der Torbau vereint ein massives steinernes Portal mit einer kleinen Kirche im Obergeschoss. 100px 633-003 Fürstenresidenz Bogoljubowo (Kathedrale der Geburt der Gottesmutter und Treppenturm des Palastes Andrej Bogoljubskis) Bogoljubowo() 1158 Vom Palastkomplex Andrej Bogoljubskis sind nur der Treppenturm und die Kathedrale der Geburt der Gottesmutter erhalten. Der untere Teil des Turms ist ein einzigartiges Beispiel der profanen Steinbauten der Rus. 100px 633-004 Mariä-Schutz-und-Fürbitte-Kirche an der Nerl Bogoljubowo() 1165–1166 Die Fürbittekirche befindet sich an der Mündung der Nerl in die Kljasma, gegenüber dem alten Flusszugang von Wladimir. Es handelt sich um eine Kreuzkuppelkirche mit Reliefs im oberen Bereich der Außenwände. 100px 633-005 Demetrios-Kathedrale Wladimir() 1194–1197 Die St.-Demetrius-Kathedrale wurde von Wsewolod III. (Taufname Dimitri) in kubischer Form mit drei Innenschiffen und einer Helmkuppel gebaut. An ihrer Außenfassade befinden sich über tausend Steinreliefs, die überwiegend König David und biblische Szenen zeigen. Im westlichen Teil des Innenraums sind Fresken aus dem 12. Jahrhundert erhalten geblieben. 100px 633-006 Susdaler Kreml und Mariä-Geburts-Kathedrale Susdal() 1222–1225 Der Kreml von Susdal ist von Erdwällen umgeben und enthält die im 16. Jahrhundert wieder aufgebaute Mariä-Geburts-Kathedrale als fünfkuppeligen Bau. Die Pforten aus dem 13. Jahrhundert sind mit feuervergoldeten Szenen verziert. 100px 633-007 Erlöser-Euthymios-Kloster Susdal() 1352Gründungsdatum, heutige Bauten 16.–17. Jh. Das befestigte Kloster aus dem 14. Jahrhundert wurde als Schutzburg an der Nordgrenze Susdals gegründet. Seine heutigen Bauten, darunter die Verklärungskathedrale und der Glockenturm, stammen aus dem 16. und 17. Jahrhundert. 100px 633-008 Boris-und-Gleb-Kirche Kidekscha() 1152–1157 Die Kirche am rechten Ufer der Nerl in Kidekscha war die erste Kirche in Russland, die aus weißem Kalkstein erbaut wurde. Sie ist klein (15,5 m × 15,5 m) und verfügt über drei Apsiden an ihrer Ostseite. Sie ist schlicht und kaum verziert, obwohl 1947 Reste mittelalterlicher Fresken freigelegt wurden. 100px

Museumsreservat Die acht Monumente sind Teil des „Staatlichen historisch-architektonischen und Kunst-Museumsreservats Wladimir-Susdal“ (), das 1958 gegründet wurde. Es vereint bedeutende Baudenkmäler aus verschiedenen Jahrhunderten und zählt zu den größten Museumsverbünden Russlands. Von 1960 bis 2010 leitete die Kunsthistorikerin Alissa Iwanowna Aksjonowa das Reservat und prägte dessen wissenschaftliche Profilierung und den Schutz der Welterbestätten maßgeblich.

Aufnahme als UNESCO-Welterbe Das Welterbekomitee nahm die acht Monumente 1992 auf Grundlage der Kriterien (i), (ii) und (iv) in die Welterbeliste auf. Danach gelten die Monumente als Meisterwerke der altrussischen Architektur (i), als Zeugnis einer einflussreichen regionalen Architekturschule (ii) und als hervorragende Beispiele der weißsteinernen Baukunst des 12. und 13. Jahrhunderts (iv).

Literatur Fannina W. Halle: Die Bauplastik von Wladimir-Ssusdal. Russische Romanik. Wasmuth, Berlin 1929. K. Polunina: Architectural Monuments of Vladimir, Suzdal and Yuriev-Polskoy. Aurora, Leningrad 1974.

Weblinks

Weiße Monumente von Wladimir und Susdal auf der Website der UNESCO

Anmerkungen

Kategorie:Altrussische Architektur Kategorie:Oblast Wladimir Kategorie:Serielle Welterbestätte Kategorie:Welterbestätte in Europa Kategorie:Welterbestätte in Russland Kategorie:Weltkulturerbestätte