Das Kastell Teutoburgium war ein römisches Militärlager, dessen Besatzung für Sicherungs- und Überwachungsaufgaben am Limes Pannonicus zuständig war. Die Anlage befand sich in der Antike unmittelbar an der Donau. Der Strom bildete in weiten Abschnitten die römische Reichsgrenze. Die heute weitgehend zerstörten Reste des Kastells befanden sich auf dem Gebiet der kroatischen Ortschaft Dalj in der Gespanschaft Osijek-Baranja.

Lage und Geschichte miniatur|Die Lage von Teutoburgium am pannonischen Limes Dalj wurde für seine meist nicht aus regulären Grabungen stammenden Funde der frühen Eisenzeit bekannt,Edit B. Thomas, László Vértes: Archäologische Funde in Ungarn. Corvina, Budapest, 1956, S. 116, 130. die in einer Urnennekropole gemacht wurden. Insbesondere der 1906 in den Besitz der Berliner Museen gekommene vorgeschichtliche Goldfund von Dalj hat die Region bekannt gemachtMax Ebert: Der Goldfund von Dalj. In: Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Instituts. 11, 1908, S. 259–276. und wird bis heute kontrovers diskutiert.Tibor Kemenczei: Funde ostkarpatenländischen Typs im Karpatenbecken. (Prähistorische Bronzefunde Abt. XX, 10. Band). Steiner, Stuttgart 2005, ISBN 3-515-08642-0, S. 58 ff.; Carola Metzner-Nebelsick: Der „Thrako-Kimmerische“ Formenkreis aus der Sicht der Urnenfelder- und Hallstattzeit im südöstlichen Pannonien. Marie Leidorf, Rahden 2002, ISBN 3-89646-505-8, S. 650 ff.

Das Kastell wurde an einem von vielen Nebenarmen und Altwassern der Donau durchzogenen Landstrich errichtet, die das weitgehend flache Umland geprägt haben. Rund 50 Kilometer nördlich von Teutoburgium bildete eine hervorstechende, westöstlich orientierte längliche Hügelkette, die rund 100 Meter hohe Banska kosa, welche die Römer Aureus Mons (Goldener Berg) nannten, eine wichtige Landmarke. Von Teutoburgium aus konnte neben der Donau auch die Mündung der von Nordwesten kommenden Drau kontrolliert werden. Eine Hauptaufgabe der Kastellbesatzung war die Überwachung des seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. am gegenüberliegenden Donauufer errichteten Siedlungsgebietes der sarmatischen Jazygen, die Rom nach ersten Erfahrungen als sehr gefährliche Gegner einschätzte und die mehrfach in der Geschichte mit ihren bogenschießenden Kataphrakten tief in die römischen Anrainerprovinzen einfielen. Die Kultur der Jazygen, die bis zum Krieg des Kaisers Valentinian I. in den Jahren 374–375 n. Chr. eine Bedrohung blieben, überlebte nach der Vermischung mit anderen Stämmen und Völkern offensichtlich das 4. Jahrhundert nicht.

Die bereits durch die Seitenerosion der Donau stark beschädigten Reste des Kastells wurden offenbar im Zuge der Errichtung einer Ziegelfabrik fast vollständig zerstört.Mirjana Sanader: Die Grenze in Kroatien. In: Grenzen des römischen Imperiums. von Zabern, Mainz 2006, ISBN 3-8053-3429-X, S. 156. Während der 1950er Jahre konnte das Profil der beiden Kastellgräben noch am steilen Uferhang der Donau beobachtet werden. Über offizielle Grabungen am Kastell, dessen Aussehen völlig unbekannt ist, wurde bisher nichts veröffentlicht.

Es ist vorstellbar, dass die Fortifikation in Analogie zu der Entwicklung anderer Kastellorte am pannonischen Limes zunächst als rechteckiges Holz-Erde-Lager entstand und im 2. Jahrhundert in Steinbauweise erneuert wurde. Gleichfalls wird es, wie sich andernorten feststellen ließ, kriegerische Zerstörungen, Wiederaufbauten und Umbauten gegeben haben. Nahe am Kastell wird ein Militärbad existiert haben, das zur Standardausstattung aller festen Militärstandorte an den römischen Reichsgrenzen gehörte.

Name Seit dem 19. Jahrhundert investierten Wissenschaftler und Gelehrte mehr Zeit in die Analyse des Namens Teutoburgium als in die Erforschung der lange nicht bekannten Örtlichkeit des Kastells. Der Name wird erstmals im 2. Jahrhundert n. Chr. von dem Geographen Claudius Ptolemäus als Τευτοβούργιον erwähnt.Ptolemaeus, Geographie 2, 15, 3. Anschließend findet er sich im Itinerarium Antonini, einem Reichsstraßenverzeichnis aus dem 3. Jahrhundert, als TeutiburgiumItinerarium Antonini 243, 4. und auf der Tabula Peutingeriana, einer kartografischen Darstellung des römischen Straßennetzes im 4. Jahrhundert, als Tittoburgum. Auch die Notitia dignitatum, ein spätrömisches Staatshandbuch aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts, kennt den Ort als Teutiburgium.Notitia dignitatum occ. XXXII 4, 11. 30-31, 47. Viele Forscher wie der Germanist Tibor Lénárd tendieren dazu, den Untersuchungen seiner Kollegen Adolf Bach (1890–1972) und Ernst Schwarz (1895–1983) zu folgen und dem Namen eindeutig einen germanischen Ursprung zuzuschreiben, wobei Schwarz darauf verwies, „daß ‚Volksburgen‘ Teutoburgium hießen“.Tibor Lénárd: Der ostgermanische Aspekt in der Frühgeschichte des Volksnamens „deutsch“. Edition Praesens, Wien 2002, S. 55; Fußnote 169. Sprachetymologisch wird „teut“ mit „deutsch“ gleichgesetzt.Duden. Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. Duden, Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-04074-2, S. 120.

Truppe Von Bedeutung sind für die wissenschaftliche Forschung mehrere geborgene Soldatengrabsteine sowie die Reste militärischer Gegenstände. In Teutoburgium lagen immer Reitereinheiten.Zsolt Visy: Der pannonische Limes in Ungarn. Theiss, Stuttgart 1988, ISBN 3-8062-0488-8, S. 127.

Zeitstellung Truppenname Bemerkung vor 99 n. Chr.Ala II Hispanorum AravacorumEine Grabstele wurde für den aus Hispanien stammenden Decurio (Schwadronführer) Tiberius Claudius Valerius errichtet, der nach einer Dienstzeit von 30 Jahren im Alter von 50 Jahren verstarb. Seine Einheit, das Zweite hispanische Reiterregiment der Aravacer, war ursprünglich nahe bei Madrid ausgehoben worden.. Der Stein wird in die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. datiert. Ein anderer Decurio der Ala II Hispanorum Aravacorum, dessen Name nicht erhalten blieb, starb als Veteran. Auch sein Stein wird in das mittlere 1. Jahrhundert datiert..

Wie zwei in Dalj gefundene Asse, die in spättiberischer oder spätestens frühclaudischer Zeit gegengestempelt wurden,Peter Kos: Ein pannonischer Gegenstempel der ala II Arvacorum. In: Germania. 62, 1984, S. 47–54; hier: S. 51. nahelegen, hat sich die Einheit wahrscheinlich in dieser Zeit hier festgesetzt (siehe dazu auch das Kapitel Funde). Später wurde das Regiment in die Provinz Moesia inferior (Niedermösien) verlegt, wo sie in einem Militärdiplom aus dem Jahr 99 n. Chr. erwähnt wird..Margaret M. Roxan, Paul A. Holder (Hrsg.): Roman military diplomas IV. University of London, Institute of Classical Studies, London 2003, ISBN 0-900587-93-8, S. 390. 2. Jahrhundert n. Chr.Ala I Praetoria civium RomanorumDas „Erste prätorianische Reiterregiment römischen Bürgerrechts“ wurde um 84/85 aus der Provinz Niedergermanien nach Pannonien verlegtBarnabás Lőrincz: Die römischen Hilfstruppen in Pannonien während der Prinzipatszeit. Teil I: Die Inschriften. Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie. Wien 2001, ISBN 3-902086-02-5, S. 23. und kam noch am Ende des 1. Jahrhunderts in die Provinz Obermösien. Dies belegt ein Militärdiplom aus dem Jahr 93 n. Chr.. Das Regiment findet sich nach einer beim Kastell Ad Militare gefundenen Konstitution auch noch 103/106 in dieser Provinz. und wird später nach Teutoburgium verlegt.

Die Einheit ist unter anderem durch die Grabinschrift ihres Decurios Marcus Ulpius Super in Teutoburgium nachgewiesen, der nach 16 Dienstjahren im Alter von 32 Jahren verstarb.. um 200 n. Chr.Ala I Civium RomanorumNach ihrem Einsatz in den Dakerkriegen wurde das schon sehr früh in Pannonien stationierte „Erste Reiterregiment römischen Bürgerrechts“ – wohl in den Jahren 113/114 – in die Provinz Pannonia inferior zurückbeordert und wahrscheinlich in das Donaukastell Rittium (Surduk) versetzt. Zwischen 118/119 und 138 lässt sich ihr Standort in der Provinz noch nicht lokalisieren, es könnte sich jedoch um Burgenae gehandelt haben. Anschließend könnte die Ala bis 176 im Kastell Intercisa am Donaulimes kaserniert worden sein. 149 nahm eine Vexillation der Truppe am Krieg des Kaisers Antoninus Pius in Mauretanien teil. Von Intercisa aus kam die Ala möglicherweise nach Őcsény-Szigetpuszta und blieb dort bis um 200. Der nächste Standort war Teutoburgium. 252 nahm die Truppe am Perserkrieg des Kaisers Trebonianus Gallus teil.Barnabás Lőrincz: Die römischen Hilfstruppen in Pannonien während der Prinzipatszeit. Teil I: Die Inschriften. Forschungsgesellschaft Wiener Stadtarchäologie. Wien 2001, ISBN 3-902086-02-5, S. 18.

Steinerne Dokumente für das Regiment hinterließen in Teutoburgium sein Kommandeur, der Präfekt Caius Aurelius Martinus. und der pensionierte Duplicarius Veturius Dubitatus, der im 2. Jahrhundert n. Chr. einen 1910 an der Limanska ulica gefundenen Weihestein für den Lichtgott Mithras setzte.. 4./5. Jahrhundert n. Chr.Equites Dalmatae, Cuneus equitum Dalmatarum, Teile der Legio VI HerculiaWie die Notitia Dignitatum berichtet, lagen während der Spätantike zuerst dalmatinischen Reiter in Garnison, denen der Cuneus equitum Dalmatarum folgte.Notitia Dignitatum, occ. XXXII 23 und 30 Auch eine Vexillation der Legio VI Herculia ist belegt. Caius Oppius Bebius, ein Beneficiarius consularis der in Lauriacum kasernierten Legio II Italica piae fidelis Severiana (Zweite italische Legion, from, treu severianisch) löste im Jahr 226 in Teutoburgium ein Gelübde für Jupiter ein..

Angeblich stammt aus Teutoburgium auch ein Altar für Herkules, den der Ritter und Offizier Titus Flavius Magianus setzen ließ:.

Deo sancto Herculi T(itus) Fl(avius) Magi- anus prae(fectus) coh(ortis) I His- pan(orum) eqq(uitatae) trib(unus) coh(ortis) II Aur(eliae) Dac(orum) P(iae) F(idelis) |(miliariae) eqq(uitatae) v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)

Übersetzung: „Dem heiligen Gott Herkules; Titus Flavius Magianus, (ehemaliger) Präfekt der Ersten teilberittenen Kohorte der Hispanier, Tribun der Zweiten teilberittenen Doppelkohorte der Daker, „die Aurelianische“, from, treu hat sein Geblübde gern und nach Gebühr erfüllt.“

Nach einer Autopsie der Inschrift hat der Archäologe Julianus Egidius Bogaers (1926–1996) feststellen können, dass die ältere Lesung des Kohortenehrennamens als AVG(ustae) falsch gewesen ist.Julianus Egidius Bogaers: Auxiliaria. In: Jenő Fitz (Hrsg.): Limes. Akten des XI. Internationalen Limeskongresses, Székesfehérvár 1976. (Ungarische Akademie der Wissenschaften, Budapest 1977), S. 601–632; hier S. 611. Seither hat sich das AVR(eliae) durchgesetzt. Die Existenz einer dakischen Kohorte mit dem Ehrennamen Augusta wäre schon mit Blick auf die erst während der Regierungszeit des Kaisers Trajan (98–117) erfolgte Eroberung Dakiens auch sehr ungewöhnlich gewesen. Seit der serbischen Invasion Kroatiens 1991 ist der Altar verschwunden.Mato Ilkić: Antičke plombe iz Sotina (Cornacum). In: Radovi Zavoda za povijesne znanosti HAZU u Zadru, 48, 2006, S. 57–80; hier: S. 64–65. Statt Magianus könnte das Cognomen des Tribuns auch Macianus gewesen sein. Die ältere Lesung als Mac(ri)anus gilt als weniger wahrscheinlich. Der Archäologe Jenő Fitz (1921–2011) legte sich bei der zeitlichen Verortung der Inschrift auf das letzte Drittel des 2. Jahrhunderts fest. Der Garnisonsort dieser dakischen Kohorte ist unbekannt.Jenő Fitz: Die Verwaltung Pannoniens in der Römerzeit, 4. Encyclopedia, Budapest 1995, ISBN 9638477008. S. 838.

Vicus Über das Aussehen des an den Ausfallstraßen des Kastells errichteten Vicus ist nichts Genaueres bekannt. Bemerkenswert ist ein in Dalj geborgener Weihealtar für Jupiter Optimus Maximus (den Größten und Besten), den der Decurio coloniae Marcus Aurelius Quintilianus, ein auf Lebenszeit ernannter Ratsherr aus dem südwestlich gelegenen Cibalae (Vinkovci), setzen ließ..

I(ovi) O(ptimo) M(aximo) M(arcus) Aurel(ius) Quin(ti)- lianus dec(urio) c- ol(oniae) Cibal(ensium) qua- estorius ob incolum- itatem suam suorumque omnium v(otum) s(olvit) l(ibens) m(erito)