mini|J. Jayalalithaa (2014) J. Jayalalithaa (Tamil: [], auch Jayalalitha Jayaram;Der Name des Vaters, Jayaram, wird, wie in Südindien üblich, meist abgekürzt vorangestellt, bisweilen aber auch als Nachname angefügt. Im Jahr 2001 änderte sie die Schreibweise ihres Namens in lateinischer Schrift von Jayalalitha in Jayalalithaa. * 24. Februar 1948 in Melukote; † 5. Dezember 2016 in Chennai) war eine indische Politikerin und Schauspielerin. Ihre Anhänger nannten sie meist Amma ( []), was auf Tamil „Mutter“ bedeutet. Nach einer Karriere in den südindischen Filmindustrien, begann Jayalalithaa 1981 eine politische Karriere in der von ihrem langjährigen Filmpartner M. G. Ramachandran gegründeten Regionalpartei All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam (AIADMK) im Bundesstaat Tamil Nadu. Nach Ramachandrans Tod im Jahr 1987 übernahm sie die Führung der AIADMK. Von 1991 bis 1996, mit Unterbrechungen von 2001 bis 2006 sowie erneut mit Unterbrechungen von 2011 bis zu ihrem Tod 2016 war sie Regierungschefin (Chief Minister) Tamil Nadus.

Leben Kindheit J. Jayalalithaa wurde am 24. Februar 1948 im Dorf Melukote im Distrikt Mandya im heutigen Bundesstaat Karnataka geboren. Sie stammte aus einer Familie von tamilischen Brahmanen aus der Kaste der Iyengar. Ihr Vater Jayaram, ein Anwalt, starb, als sie erst zwei Jahre alt war. Daraufhin zog ihre Mutter Vedavalli nach Bangalore. Jayalalithaa verbrachte den Großteil ihrer Kindheit bei ihren Großeltern in Mysore und bei ihrer Tante in Bangalore. Ihre Tante Vidyavathi, die unter anderem in C. V. Nagaiahs Regiedebüt En Veedu (1953) spielte, brachte Jayalalithaas Mutter mit der tamilischen Filmindustrie in Chennai (Madras) in Berührung. Unter dem Leinwandnamen Sandhya verdiente diese als Nebendarstellerin das Familieneinkommen. 1958 folgte Jayalalithaa ihrer Mutter nach Chennai. In ihrer Kindheit nahm sie Bharatnatyam-Unterricht. Sie verließ die Schule vorzeitig, um die Familie durch Arbeit im Filmgeschäft zu unterstützen.

Filmkarriere Ihr Filmdebüt hatte sie im Alter von 13 Jahren unter der Regie von Shankar V. Giri in dem englischsprachigen Film Epistle (1961). Ihre ersten Erfahrungen machte sie in Kannada-Filmen, von denen B. R. Panthulus Chinnada Gombe (1964) ein großer Erfolg war. Im Jahre 1965 debütierte Jayalalithaa im tamilischen Film (C. V. Sridhars Vennira Adai) und im Telugu-Film (K. Pratyagatmas Manasulu Mamathalu). Zum Star des Telugu-Films avancierte sie als Vamp im G. Krishnas James-Bond-Verschnitt Goodachari 116 (1966). 1965 spielte sie in Panthulus Ayirathil Oruvan zum ersten Mal mit M. G. Ramachandran – dem Star, mit dem sie sowohl in ihrer Film- wie auch in ihrer späteren politischen Karriere am engsten verbunden war. Auf dem Höhepunkt ihrer Filmkarriere zwischen 1967 und 1970 spielte sie in fast jedem M.-G.-Ramachandran-Film, darunter Thaikku Thalaimagan (1967), Kanavan (1968), Pudhiya Bhoomi (1968), Adimai Penn (1969), Mattukkara Velan (1969), Nam Naadu (1969) und Engal Thanga (1970). Erfolgreich war auch der 1972 entstandene Pattikada Pattanama, in dem sie neben Sivaji Ganesan und Manorama spielte und der mehrere indische Filmpreise gewann. Wie Ramachandran zog sie sich nach 1977 aus der Filmarbeit zurück. 1992 spielte sie in Neenga Nalla Erukkanum noch einmal sich selbst als Chief Minister in einer Nebenrolle.

Beginn der politischen Karriere Jayalalithaas Filmpartner M. G. Ramachandran war bereits seit den 1950er Jahren in der tamilischen Regionalpartei Dravida Munnetra Kazhagam (DMK) politisch aktiv. 1972 gründete er eine eigene Partei, die All India Anna Dravida Munnetra Kazhagam (AIADMK), als Abspaltung der DMK. Bei der Bundesstaatswahl 1977 übertrumpfte die AIADMK die bis dahin regierende DMK, und Ramachandran wurde Chief Minister (Regierungschef) Tamil Nadus. 1982 ging auch Jayalalithaa in die Politik und schloss sich der AIADMK an. Mit der Unterstützung M. G. Ramachandrans wurde sie bald zu einem einflussreichen Mitglied der Partei. 1983 darauf wurde sie zur Propagandasekretärin der AIADMK ernannt. Von 1984 bis 1989 vertrat sie die Partei in der Rajya Sabha, dem Oberhaus des gesamtindischen Parlamentes.

Am 24. Dezember 1987 verstarb M. G. Ramachandran, noch im Amt, nach längerer Krankheit. Unmittelbar nach seinem Tod entbrannte in der AIADMK ein erbitterter Nachfolgestreit zwischen Jayalalithaa und M. G. Ramachandrans Witwe Janaki Ramachandran, die, obwohl politisch gänzlich unerfahren, zu seiner Nachfolgerin im Amt des Chief Ministers bestimmt wurde. Bei Ramachandrans Beisetzung wurde Jayalalithaa von Janakis Unterstützern gewaltsam von Ramachandrans Sarg weggedrängt. Die AIADMK spaltete sich in zwei Fraktionen unter der Führung Janakis und Jayalithaas. Angesichts des politischen Chaos setzte die indische Zentralregierung Janaki nach nur 24 Tagen im Amt ab, und der Bundesstaat Tamil Nadu wurde für ein Jahr unter President’s Rule gestellt. Bei der Neuwahl im Januar 1989 unterlag die in zwei Fraktionen gespaltene AIADMK der DMK, doch ging Jayalalithaas Fraktion deutlich stärker aus der Wahl hervor als Janakis. Jayalalithaa hatte ihr Abgeordnetenmandat in der Rajya Sabha aufgegeben, um für das Parlament Tamil Nadus anzutreten und wurde als Ergebnis der Wahl Oppositionsführerin in Tamil Nadu. Nach der Wahl zog sich Janaki Ramachandran aus der Politik zurück, und die beiden AIADMK-Fraktionen vereinigten sich unter der Führung Jayalalithaas.

Erste Amtszeit als Chief Minister (1991–1996) Bereits im Januar 1991 wurde die DMK-Regierung M. Karunanidhis von der indischen Zentralregierung mit der Begründung abgesetzt, sie dulde Aktivitäten der srilankatamilischen Terrororganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) in Tamil Nadu. Während der folgenden President’s-Rule-Periode wurden der frühere indische Premierminister Rajiv Gandhi und weitere 17 Menschen bei einer Wahlkampfveranstaltung in Sriperumbudur von einer LTTE-Selbstmordattentäterin ermordet. Bei der darauf folgenden Neuwahl wurde die DMK von den Wählern für den Tod Gandhis mitverantwortlich gemacht, sodass die AIADMK einen haushohen Sieg erringen konnte. Infolge der Wahl wurde Jayalalithaa am 25. Juni 1991 erstmals im Amt des Chief Ministers von Tamil Nadu vereidigt. Ihre erste Amtszeit sah die Einführung einer Reihe von populären Wohlfahrtsprogrammen, aber auch Korruptionsvorwürfe, die aus ihrem offen zur Schau gestellten Reichtum folgten. Bei der nächsten Bundesstaatswahl im Mai 1996 erlitt die AIADMK daher eine empfindliche Wahlniederlage. Auch Jayalalithaa selbst unterlag in ihrem Wahlkreis gegen den Kandidaten der DMK. Als Ergebnis der Wahl kehrte die DMK unter der Führung Karunanidhis wieder an die Regierung zurück.

Im Dezember 1996 wurde Jayalalithaa wegen einer Reihe von Korruptionsvorwürfen festgenommen und verblieb 30 Tage in Haft. Die juristische Aufarbeitung der Vorwürfe sollte sich über Jahre hinziehen. Im Vorfeld der gesamtindischen Parlamentswahl 1998 kündigte Jayalalithaa das langjährige Wahlbündnis der AIADMK mit der Kongresspartei auf und verbündete sich mit der hindunationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP). Nach dem Wahlsieg der BJP beteiligte sich die AIADMK an der gesamtindischen Regierung Atal Bihari Vajpayees. Jayalalithaa versuchte durch ihren neu gewonnenen Einfluss die Zentralregierung dazu zu bewegen, die DMK-Regierung in Tamil Nadu abzusetzen. Die BJP verweigerte sich aber Jayalalithaas Forderung und warf ihr vor, sie wolle dadurch der Strafverfolgung wegen der gegen sie erhobenen Korruptionsvorwürfe entgehen. Daraufhin zog sich die AIADMK nach nur 13 Monaten aus der gesamtindischen Regierung zurück, was zum Auslöser für die Neuwahl 1999 wurde.

Rückkehr ins Amt des Chief Ministers (2001–2006) Die Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe gegen Jayalithaa zog sich weiter hin. Im Jahr 2000 wurde sie in erster Instanz in zwei Fällen für schuldig befunden, ging aber in Revision. Trotzdem gelang der AIADMK bei der Parlamentswahl in Tamil Nadu im Mai 2001 ein Wahlsieg gegen die DMK. Als Ergebnis der Wahl kehrte Jayalithaa am 14. Mai 2001 ins Amt des Chief Ministers zurück. Im September desselben Jahres entschied aber der Oberste Gerichtshof Indiens, dass ihre Wahl wegen der gegen sie anhängigen Strafvorwürfe nichtig sei. Jayalalithaa musste daher am 21. September 2001 zurücktreten. Als ihren Nachfolger bestimmte sie den politischen Neuling O. Panneerselvam, der keine eigenen Ambitionen besaß und sich während seiner Amtszeit willfährig als Loyalist Jayalalithaas präsentierte. Im Dezember desselben Jahres wurde Jayalalithaa in der nächsten Instanz freigesprochen und konnte so im Februar 2002 bei einer Nachwahl für das Parlament Tamil Nadus antreten. Am 2. März 2002 trat Panneerselvam zurück und Jayalithaa wurde wieder Chief Minister.

Wie bei den vorherigen Wahlen kam auch bei der nächsten Parlamentswahl in Tamil Nadu im Mai 2006 wieder der Amtsmalus zum Tragen. Wegen des in Indien herrschenden Mehrheitswahlrechts kann eine relativ kleine Zahl von Wechselwählern entscheidenden Einfluss auf das Wahlergebnis haben. So wurde Jayalalithaas Regierung abgewählt, und Karunanidhi folgte ihr wieder ins Amt des Chief Ministers.

Dritte und vierte Amtszeit als Chief Minister (2011–2016) mini|J. Jayalalithaa mit dem Premierminister Manmohan Singh (2012) Auch bei der Parlamentswahl in Tamil Nadu im Mai 2011 schwang das Pendel wieder. Die mit Korruptionsvorwürfen konfrontierte DMK-Regierung wurde abgewählt, und Jayalalithaa kehrte am 16. Mai 2011 abermals in das Amt des Chief Ministers von Tamil Nadu zurück. Während der folgenden Legislaturperiode führte ihre Regierung eine Reihe populärer Wohlfahrtsmaßnahmen ein. Im Vorfeld der gesamtindischen Parlamentswahl 2014 wurden Jayalalithaa Ambitionen auf da Amt des indischen Premierministers nachgesagt. Im Fall einer Pattsituation zwischen den beiden landesweit großen Parteien, der Kongresspartei und der BJP, hätte sie Chancen gehabt als Kompromisskandidatin einer dritten Front aus Links- und Regionalparteien gewählt zu werden. Letztlich kam es aber zu einem deutlichen Wahlsieg der BJP, sodass Jayalalithaa das äußerst gute Wahlergebnis der AIADMK in Tamil Nadu nicht in politischen Einfluss in Neu-Delhi ummünzen konnte.

Die juristische Aufarbeitung der Korruptionsvorwürfe, die die erste Amtszeit Jayalalithaas betrafen, war nach wie vor noch nicht abgeschlossen. Am 27. September 2014 befand sie ein Sondergericht in Bangalore für schuldig und verurteilte sie zu vier Jahren Haft. Aufgrund des Urteils wurde sie aus dem Amt des Chief Ministers enthoben. Ihr Nachfolger wurde wie schon 2001 ihr Loyalist O. Panneerselvam. Am 14. Oktober 2014 wurde Jayalalithaa auf Kaution aus der Haft entlassen. Jayalalithaa ging in Berufung gegen das Urteil. Am 11. Mai 2015 hob der Karnataka High Court Jayalalithaas Verurteilung auf und sprach sie in allen Anklagepunkten frei. Damit stand ihr der Weg ins Amt des Chief Ministers wieder frei. Nachdem Panneerselvam bereitwillig zurückgetreten war, wurde Jayalalithaa am 23. Mai 2015 wurde Jayalalithaa erneut als Chief Minister von Tamil Nadu vereidigt. In einer Nachwahl am 23. Juni 2015 wurde sie mit 151.000 Stimmen bei einer Rekordwahlbeteiligung von 74 % wieder in das Parlament Tamil Nadus gewählt. Ihr stimmenstärkster Gegenkandidat gewann 9710 Stimmen. Der vorherige AIADMK-Wahlkreisabgeordnete war im Mai 2015 zurückgetreten, um diesen Wahlkreis für eine Nachwahl freizumachen.