Die Division 1 1947/48 war die zehnte Austragung der professionellen französischen Fußballliga. Meister wurden Olympique Marseille, das seinen zweiten Titel nach 1937 gewann.
Erster Spieltag war der 24. August 1947, letzter Spieltag der 30. Mai 1948. Eine „Winterpause“ gab es zwischen 28. Dezember und 11. Januar.Pascal Grégoire-Boutreau/Tony Verbicaro: Stade de Reims - une histoire sans fin. Cahiers intempestifs, Saint-Étienne 2001, ISBN 2-911698-21-5, S. 256–258
Vereine Teilnahmeberechtigt waren die Vereine, die die Vorsaison nicht schlechter als auf dem 16. Platz abgeschlossen hatten, sowie die beiden direkten Aufsteiger aus der zweiten Division. Somit spielten in dieser Saison folgende Mannschaften um den Meistertitel: zwei Klubs aus dem äußersten Norden (Titelverteidiger CO Roubaix-Tourcoing, OSC Lille), vier aus Paris bzw. der Champagne (Racing Paris, Stade Français Paris Red Star Olympique, Stade Reims), einer aus der Bretagne (Stade Rennes UC), vier aus dem Nordosten (FC Metz, FC Nancy, Racing Strasbourg, Aufsteiger FC Sochaux), einer aus dem Südwesten (Toulouse FC), sechs aus dem Südosten (AS Saint-Étienne, Aufsteiger Olympique Alès, SO Montpellier, FC Sète, Olympique Marseille, AS Cannes-Grasse).
Saisonverlauf Die drei Mannschaften, die sich in der Abschlusstabelle vom Rest der Konkurrenten abgesetzt hatten, bestimmten auch den Saisonverlauf und wechselten sich an der Spitze ab. Den besten Start hatte Lille mit sechs Siegen in Folge; dann verloren die Nordfranzosen in Marseille deutlich. Außerdem soll es fortwährend Zwist innerhalb des Spielerkaders – die Zeitungen schrieben von einem „Zerwürfnis zwischen Polen und Nicht-Polen“ – sowie dauernden Streit zwischen Spielern und dem als „Ludwig XIX.“ bezeichneten Präsidenten Louis Henno gegeben haben.Rethacker, S. 42; Beaudet, S. 33 So konnte Reims vorbeiziehen, gewann insbesondere dank seiner nahezu unüberwindlichen Defensive (nur elf Gegentore in der Hinrunde) den symbolischen Herbstmeistertitel und lag auch Ende März noch knapp vorne. Dann empfingen die Rot-Weißen den neuen Liebling des Pariser Publikums, Stade Français, der dank einiger Asse wie Domingo, Hon, Grillon und Ben Barek dort 3:0 siegte und dadurch Lille wieder zum Spitzenplatz verhalf. Doch die Nordfranzosen schienen sich in der Folge auf den Pokalwettbewerb zu konzentrieren, den sie zum dritten Mal in Serie gewinnen wollten – was ihnen schließlich auch gelang –; eine Woche vor dem Endspiel gegen Nachbar Lens ließen sie sich in der Liga von Saint-Étienne regelrecht „abschlachten“ (3:8).Beaudet, S. 33f. Damit war der Weg zum Titel für die „kosmopolite Truppe“ aus Marseille „mit ihrer leuchtenden, spektakulären Spielweise“ frei:Rethacker, S. 43 Olympique, das sich vor eigenem Publikum lediglich einen kleinen Ausrutscher geleistet hatte (Remis gegen Rennes), überfuhr seine vier letzten Gäste mit insgesamt 24:4 Toren und hielt somit Lille und Reims knapp auf Distanz.Beaudet, S. 34
Im Abstiegskampf wurde die fußballinteressierte Öffentlichkeit Zeuge des Motivs von „Größe und Niedergang“ bei den „Audoniens“ des Red Star Olympique, während die Aufsteiger aus dem südfranzösischen Bergbaustädtchen Alès sich bis zum Saisonende wenigstens gegen die sofortige Rückkehr in die Division 2 wehrten, ohne ihn verhindern zu können. Diese beiden Teams wurden zur folgenden Saison durch die Zweitligisten OGC Nizza und SR Colmar ersetzt – wenngleich Red Star etlichen seiner Spieler durch ein Schlupfloch dennoch die Erstklassigkeit erhielt: sein Profibereich fusionierte im Sommer 1948 mit Stade Français und blieb unter dem Namen Stade Français-Red Star weiter in der D1.
Abschlusstabelle
Platzierungskriterien: 1. Punkte – 2. Torquotient
(M) amtierender französischer Meister (P) amtierender französischer Pokalsieger (N) Neuaufsteiger aus der Division 2 1946/47
Kreuztabelle Ol.AlèASCanOSCLilOl.MarFCMetSOMonFCNanRCParRSOl.St.ReiSUCRenCOR-TASStÉFCSètFCSocSFParRCStrFCTou Olympique Alès2:11:12:33:03:01:10:53:10:11:11:12:21:12:22:20:23:2 AS Cannes-Grasse4:10:20:21:11:12:14:41:00:45:21:10:31:23:02:02:21:0 OSC Lille5:23:03:03:14:14:12:12:00:01:14:00:05:36:11:31:13:0 Olympique Marseille8:02:14:16:32:15:04:13:01:01:16:04:14:13:15:11:03:2 FC Metz4:41:16:20:11:04:32:12:01:36:10:12:24:22:00:14:11:0 SO Montpellier1:30:20:11:05:23:16:00:02:32:21:12:01:12:06:21:11:3 FC Nancy1:01:12:14:04:22:21:35:11:21:00:44:02:02:10:03:00:0 Racing Paris0:02:31:41:14:26:13:02:12:12:42:12:27:12:11:54:22:0 Red Star Olympique3:13:21:22:20:13:42:01:30:23:51:10:51:00:00:70:51:2 Stade Reims1:03:02:23:04:21:05:02:21:01:01:16:03:04:00:32:24:0 Stade Rennes UC4:10:04:21:10:24:10:02:01:01:04:41:33:00:30:37:12:0 CO Roubaix-Tourcoing1:03:11:51:11:27:03:05:21:02:11:20:32:43:11:03:21:3 AS Saint-Étienne3:32:08:33:23:02:22:01:44:13:21:01:23:12:11:11:14:2 FC Sète2:34:01:21:32:10:14:33:21:24:22:01:54:21:53:23:22:2 FC Sochaux2:05:11:22:24:31:02:23:20:10:32:05:12:22:24:01:04:0 Stade Français3:11:41:11:17:14:12:30:14:02:13:10:22:14:12:22:22:1 Racing Strasbourg9:38:22:01:18:40:11:11:23:12:26:13:02:03:12:21:13:1 Toulouse FC2:00:01:43:14:34:24:01:02:11:30:12:10:22:12:34:00:3
Die Spieler des Meisters Während der Saison waren unter Trainer József Zilisy (aufgrund seiner Doppelstaatsbürgerschaft oft auch Giuseppe Zilizzi genannt) folgende 24 Spieler zum Einsatz gekommen (in Klammern: Zahl der Punktspiele):Guillet/Laforge, S. 147, ergänzt mithilfe der Saisonübersicht 1947/48 bei om-passion.com Abdelkader Amar (9), Emmanuel Aznar (8), Jean Bastien (32), „Salem“ Ben Miloud (31), René Bihel (29), Ben Mohamed Bouchaïb (4), Émile Dahan (29), Georges Dard (26), Henri Fontaine (1), Dominique Franceschi (1), René Gallian (3), Marcel Hadidji (3), André-René Latrille (2), Armand Liberati (23), Cyril Martin (26), Andrej Prean Nagy (22), Félix Pironti (22), Jean Robin (10), Sauveur Rodriguez (34), Roger Scotti (34), Vinko Trskan (6), Juan Vila (2), Miroslav Vratil (14), Mario Zatelli (2)
Marseilles' 83 Treffer erzielten:nach den Spielerstatistiken dieser Saison (individuell jeweils abrufbar über „Récapitulatif“) bei om-passion.com Bihel 15, Dard 12, Martin, Pironti jeweils 10, Nagy 7, Robin, Aznar je 6, Scotti 5, Trskan 4, Vratil 2, Bastien, Latrille, Rodriguez, Salem, Zatelli je 1. Dazu kam ein Eigentor.
Erfolgreichste Torschützen Pl.SpielerVereinTore1 Jean Baratte OSC Lille 312 Pierre Sinibaldi Stade Reims 253 Boleslaw Tempowski OSC Lille 234 Jean Grumellon Stade Rennes UC 225 Larbi Ben Barek Stade Français Paris 20 Josef Humpál FC Sochaux 20 Désiré Koranyi FC Sète 208 Georges Moreel Racing Paris 189 Alphonse Rolland Racing Strasbourg 1710 Émile Bongiorni Racing Paris 16 Ernest Vaast Racing Paris 1612 Mohamed Abderrazak FC Sète 15 Henri Baillot FC Metz 15 René Bihel Olympique Marseille 15 Pierre Bini Stade Reims 15 René Guthmuller FC Metz 15 Gustave Kemp FC Metz 15 Claude Paillère Stade Rennes UC 15 Antoine Rodriguez AS Saint-Étienne 15
Siehe auch Coupe de France 1947/48 Division 2 1947/48
Literatur Hubert Beaudet: Le Championnat et ses champions. 70 ans de Football en France. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 2002, ISBN 2-84253-762-9 Sophie Guillet/François Laforge: Le guide français et international du football éd. 2009. Vecchi, Paris 2008, ISBN 978-2-7328-9295-5 Jean-Philippe Rethacker: La grande histoire des clubs de foot champions de France. Sélection du Reader’s Digest, Paris/Bruxelles/Montréal/Zurich 2001, ISBN 2-7098-1238-X
Anmerkungen und Nachweise
#1947/48 Kategorie:Fußballsaison 1947/48