mini|Paul Grottkau Otto Hugo Paul Grottkau (* 2. April 1846 in Cottbus, Brandenburg; † 3. Juni 1898 in Milwaukee) war ein deutscher Maurer, Sozialist und Gewerkschafter und amerikanischer Journalist. Er verteidigte die Opfer des Haymarket Massakers und den Journalisten August Spies.

Leben In Deutschland Über Paul Grottkaus frühe Jahre ist bisher nichts bekannt. Ab 1870 war er Mitglied im „Allgemeinen Deutschen Maurer- und Steinhauerverein“ in Berlin. Er wurde zu dieser Zeit Mitglied des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins (ADAV), der von Ferdinand Lassalle gegründet worden war. Grottkau übernahm die theoretischen Ansichten Lassalles, aber folgte in der Gewerkschaftsfrage nicht den gleichen rigorosen Kurs wie andere ADAV Mitglieder. Ab 1871 war er Agitator dieses Vereins. An der Generalversammlung des ADAV vom 22. bis 25. Mai 1872 nahm Paul Grottkau als Delegierter teil. Er vertrat Berlin, Kassel und Lüneburg mit insgesamt 399 Mitgliedern.Dieter Fricke, S. 76. mini|150px|Paul Grottkau um 1886. Im Juli–August 1871 gab es den ‚großen Mauererstreik‘ in Berlin, der mit einem Erfolg endete. Die Maurer erreichten den Zehnstundentag, vorher waren es dreizehn Stunden an sechs Tagen in der Woche sowie einer Tageszulage und der Bezahlung von Überstunden.Annemarie Lange, S. 159 f. Ein weiterer Streik im folgenden Jahr ging in Berlin verloren. Grottkau gehörte zu den Leitern der beiden großen Maurerstreiks. Im Sommer 1871 wurde Grottkau zum Vereinspräsidenten „Allgemeinen Deutschen Maurer- und Steinhauerverein“ gewählt.H. Beike, S. 173.

Gemeinsam mit Friedrich Wilhelm Fritzsche wandte sich Grottkau gegen die Politik von Carl Wilhelm Tölcke, der verlangte, dass die „bestehenden gewerkschaftlichen Verbindungen aufgelöst und die Mitglieder dem Allgemeinen Deutschen Arbeiterverein zugeführt werden.“Protokoll der Generalversammlung des Allgemeinen deutschen Arbeiter-Vereins zu Berlin vom 22. bis 25. Mai 1872, Berlin (1872), S. 12 f., 28, 37, 43. Paul Grottkau gehörte zur Opposition im ADAV. Mit seiner Schrift Unterhaltendes in 12 Briefen zusammengestellt an die Mitglieder des Allgemeinen deutschen Maurer- und Steinhauer-Vereins und Solche, die es werden wollen warb er überzeugend für die Organisierung der Maurer in den Gewerkschaften und formulierte für den ADAV eine „tragbare Gewerkschaftspolitik“.Shlomo Na’aman: Von der Arbeiterbewegung zur Arbeiterpartei. Der 5. Vereinstag der Deutschen Arbeitervereine zu Nürnberg im Jahre 1868. Eine Dokumentation. In: Internationale wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Beiheft, Berlin 1976, S. 258. Siehe auch Werner Ettelt / Hans-Dieter Krause, S. 477–480.

Während der Reichstagswahl 1874 zeichnete Grottkau als „unverantwortlicher Redakteur“ für die Zeitschrift „Die rothe Laterne“. „‚Die rothe Laterne‘“, so Grottkau, „leuchtet alle drei Jahre während der Wahl-Campagne den Anti-Sozialisten heim“. Im ersten Jahrgang ‚No 00‘ schrieb Grottkau gegen Hermann Schulze-Delitzsch die Satire: „Der grosse Sparapostel oder : Die Kunst, dem Arbeiter blauen Dunst vorzumachen. Frei nach Goethe“.Faksimile der ersten Zeitung in roten Lettern in: Eduard Bernstein (1907), nach S. 288.

Während des Vereinigungsparteitages im Mai 1875 in Gotha, saß Grottkau wegen seiner Rede über die Pariser Kommune und wegen seiner Veröffentlichungen in der „rothen Laterne“ sechs Monate im Gefängnis.Der Volksstaat 6. Juni und 15. August 1875. Am 14. August 1875 bereiteten Arbeiter im Berliner Prater in der Kastanienallee dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Maurer- und Steinhauervereins, Paul Grottkau, nach Verbüßung einer sechzehnmonatigen Strafe in Stettin, einen überwältigenden Empfang.Heinz Habedank, S. 195.

Grottkau war in seiner Funktion als Vorsitzender auch verantwortlich für die Verbandszeitschrift: „Grundstein. Organ der Maurer, Steinhauer und verwandter Berufsgenossen in Deutschland. Allgemeiner Deutscher Maurer- und Steinhauerbund“.Die Zeitung erschien in Hamburg vom 15. September 1875 bis 15. Dezember 1878. 1875 hatte diese Gewerkschaft 12000 Mitglieder im Deutschen Reich.Heinz Habedank, S. 215. Auf einer Volksversammlung am 30. April 1876 sprach Grottkau über die Bedeutung der Organisation der Arbeiter.Heinz Habedank, S. 219. Als Delegierter auf dem Gothaer Kongress 1876 beantragte er den Sitz des zentralen Presse Organs von Leipzig nach Berlin zu verlegen. Dies wurde jedoch abgelehnt.

1876 wurde in Berlin ein Prozess gegen Carl Derossi, Ignaz Auer (Sattler in Hamburg), Albert Baethke (Drechsler in Berlin); Carl Friedrich Heinrich Braasch (Zigarrenarbeiter in Altona), Wilhelm Leopold August Geib (Buchhändler in Hamburg), Carl Friedrich Greifenberg (Buchdrucker in Berlin); Otto Hugo Paul Grottkau (Maurergeselle in Berlin), Georg Wilhelm Hartmann (Schuhmacher in Hamburg), August Wilhelm Heinsch (Schriftsetzer in Berlin); Heinrich Rackow (Buchhalter in Berlin) wegen „Zuwiderhandeln gegen das Vereinsgesetz vom 11. März 1850 u. a.“ eingeleitet und auch Grottkau verurteilt.IISG, Amsterdam Julius Motteler Nachlass 2593.

Ab Beginn des Jahres 1876 war Grottkau Mitarbeiter der „Berliner Freien Presse“. Er gehörte 1877 zu den Mitgliedern des ‚Mohrenklub‘s,Eduard Bernstein (1928), S. 56. dem Eduard Bernstein, Fritz Milke und Louis Viereck u. Andere angehörten. Im März 1877 sprach Grottkau auf einer Versammlung der Berliner Buchbinder gegen die Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine.Der Gewerkverein vom 16. März 1877 (Werner Ettelt, Hans-Dieter Krause), S. 606. Vom 27. bis 29. Mai 1877 nahm Grottkau als DelegierterDieter Fricke, S. 123. am Sozialistenkongress in Gotha teil, auf dem Bebel und Liebknecht die Fortsetzung des Abdrucks von Friedrich Engels’ Anti-Dühring durchsetzten. Paul Grottkau entgegnete Wilhelm Hasselmann: „Wenn der Kongreß hingegen auch das letzte Machtmittel der Partei von Berlin nach Leipzig verlegen wolle, so gewinnt es immer mehr den Anschein, als ob die Leipziger Richtung mehr und mehr überwuchere, so daß schließlich der ursprüngliche Charakter der Bewegung ein ganz anderer werde.“Zitiert nach Heinz Habedank, S. 222.

Am 3. Januar 1878 fand nun im Lokal „Eiskeller“ in einem Arbeiterviertel im Berliner Norden die öffentliche Gründungsversammlung eines Antisemitischen Vereins statt, die sogenannte Eiskeller-Versammlung. Adolf Stoecker hatte seine Helfer beauftragt, Mitarbeiter der Berliner Stadtmission, Anhänger konservativer Vereine und evangelischer Jünglings- und Männergruppen zu rekrutieren, um sich eine Anhängerschaft im Publikum zu sichern. Dennoch waren die rund 1000 anwesenden sozialdemokratischen Arbeiter in der überwältigenden Mehrheit, und so führte Paul Grottkau den Vorsitz der Versammlung. Nach Stoecker ergriff nun der Sozialdemokrat Johann Most das Wort. „Macht eure Rechnung mit dem Himmel, eure Uhr ist abgelaufen!“ Am Schluss der Versammlung wurde mit allen gegen 17 Stimmen eine Resolution angenommen, dass das Christentum in fast 1000 Jahren nicht imstande gewesen sei, Not und Elend zu lindern, geschweige denn aus der Welt zu schaffen. Grottkau schloss die Veranstaltung mit einem dreifachen Hochruf auf die Sozialdemokratie, und beim Verlassen des Saales wurde die Arbeitermarseillaise gesungen. Stöcker behauptete dann in der Presse, dass Most zur „Ermordung von der Geistlichkeit aufgefordert“ hätte.Eduard Bernstein (1907), S. 349–350.

Als der verantwortliche Redakteur der „Berliner Freien Presse“, Paul DentlerEr starb im April 1878 in der Haft. (Eduard Bernstein (1928), S. 59)., am 18. Januar 1878 verhaftet worden war, übernahm Paul Grottkau diesen gefährlichen Posten des Redakteurs. Bereits am 27. Januar sollte nun auch Grottkau verhaftet werden. Er trat die Flucht an und ging nach Amerika.Annemarie Lange, S. 407 f. „Neun, im Zeitraum von ebensoviel Tagen gegen ihn ausgeheckte Anklagen weinten ihm steckbrieflich nach. Der an seiner Stelle in die Bresche gesprungene Richard Fischer ward am 11. März in Untersuchungshaft gesteckt.“ berichtet Eduard Bernstein in seiner Geschichte der Berliner Arbeiterbewegung.Eduard Bernstein (1907), S. 360.

Am 15. April 1879 wurde seine Schrift „Unterhaltendes in 12 Briefen“ auf Grund des § 28 des Sozialistengesetzes verboten.‚Die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie‘: Die Berichte des Berliner Polizeipräsidenten über die sozialdemokratische Bewegung in Berlin während des Sozialistengesetzes 1878–1890. Hrsg. von Beatrice Falk, Ingo Materna. BWV, Berliner Wissenschafts-Verlag, Berlin 2009, S. 84.

In Amerika Chicago Mit seiner Familie nach den Vereinigten Staaten ausgewandert ging Paul Grottkau zur sozialdemokratischen „Chicagoer Arbeiter-Zeitung“ nach Chicago.Morris Hillquit, S. 235. Hier lernte er August Spies in der Redaktion der Zeitung kennen, und er nahm Kontakt zu den Anarchisten auf und schrieb auch für anarchistische Zeitungen wie für die „Freiheit“.Zum Kongress der Sozialisten Nord-Amerikas. 1883. Als Karl Marx am 14. März 1883 starb, veröffentlichte er zwei NekrologeKarl Marx todt! und sprach am 18. März 1883 auf einer Massenveranstaltung deutsch-amerikanischer Sozialisten in Cleveland, Ohio: „nach seinen Lehren zu leben und zu handeln (…) und stets die Interessen der Ausgebeuteten zu vertreten und zu fördern, den Klassenkampf zum Zwecke der endlichen Emanzipation zu befördern“.Gerhard Becker: Nachrufe auf Karl Marx. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft. Berlin 1968. Heft 4, S. 474.

Grottkau brach 1883 mit den Anarchisten und August Spies organisatorisch. Kurz darauf musste Paul Grottkau sein Amt als Redakteur in Chicago für August Spies räumen.The undersigned is resigning from editing of the Chicago Arbeiter Zeitung, the Fackel, and the Vorbote. Reasons: In the presence of the Managing Officials of the ‚Socialistic Publishing Society‘ one of this Society’s men reproached me: That my activity is the ruin of the aforementioned papers of which I have been the editor. 2. It was insisted that I was not competent and displace better elements. 3. It was further insisted, that my work was not efficient and has not been in proportion to my salary, and 4. I have been called a vagabond. For all this I ask of the Management an explanation, whether they have entrusted a vagabond with the editing of those newspapers and if not, this insult should be repelled as a defamation and explained, that I have in every respect fulfilled my duty, defended Socialistic Principles, and through my activity, these newspapers, whose Editor, I have been, not only promoted but, to a certain extent made their existence possible. The management did not protect me against the defamation mentioned, although only one of the proposed explanations would have sufficed. With phrases, that the management can not interfere with private disagreements, they would like to close this affair, After listening to such defamations, it was to be expected, that an explanation would follow. But this did not take place. In the interest of the Party and in my own defense as to my spotless past, I am resigning as Editor of these newspapers. To the ‚Socialistic Publishing Society‘, I have sold my work and activities, but not my honor. Dishonesty is asked of me, but I do not qualify for it. I am satisfied to say, that the ‚Socialistic Labor Party‘ and the proletarian emancipation studies I have served well. This declaration I owed to my honor, to the ‚Socialistic Labor Party‘ and to the readers of the Arbeiter Zeitung, the Fackel, and the Vorbote. Paul Grottkau.(Übersetzung aus: Chicagoer Arbeiter Zeitung, July 19, 1879 ?)

Dies zeigte sich am 24. Mai 1884, als er mit Johann Most debattierte und das Kommunistische Manifest gegen diesen verteidigte.Anarchismus oder Communismus?

Milwaukee miniatur|500px|‚Rolling Mills‘ der „Milwaukee Iron Company“ bei Bay View. Hier fand das Massaker statt.